Folkloreschmuck für historische Gewänder – so wählen Sie geeignete Ringe zur Tracht

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Folkloreschmuck für historische Gewänder – so wählen Sie geeignete Ringe zur Tracht

Eine Kette oder ein Armband zu einem Kleid oder zu Ihrer Trachtenmode aufzutun, stellt für Sie sicherlich kein Problem dar. Komplizierter wird es aber für den einen oder anderen, wenn es um die Auswahl des „richtigen“ Ringes zu einer Gewandung oder Tracht geht. Hier können Sie zum einen den Ring nach Gefühl bestimmen, oder sie legen Wert darauf, dass sie ein zur Gewandung weitgehend authentisches Accessoire tragen. Dieses passende Accessoire ausfindig zu machen, ist oft zeitaufwendig, denn es setzt in der Regel voraus, sich mit der Geschichte und den Zeitaltern auszukennen, in denen dieser oder jener Ring überhaupt getragen wurde. Also, ob der von Ihnen ausgewählte Ring überhaupt in der Historie zu dem von Ihnen gewählten Trachtenoutfit gängig war oder ist. Mit diesem Ratgeber sollen Sie bestens informiert auf die Suche nach einem für sie passenden Trachten-Ring gehen können.

Folkloreschmuck

Unter Folklore versteht man nichts anderes als die Traditionen und Gebräuche innerhalb einer bestimmten Kultur oder Gemeinde. Damit kann ein Handwerk gemeint sein, aber auch die ortsspezifische Ausstattung in Kleidung und Schmuck. Um welche Materialien und um welche Kunstfertigkeit es sich dabei handelt, ist oft regionsgebunden und an dem Vorkommen bestimmter Rohstoffe abzusehen.

Trachtenkleidung/Gewandung - was ist eine Tracht?

Eine Tracht ist die Kleidungsart einer jeweiligen Region. Im Prinzip ist sie dem Brauch und Handwerk ebenso zugehörig, wie zur Geschichte der entsprechenden Kultur angehörig. Eine Tracht kann aus verschiedenen Elementen bestehen. Oft liegt dem ein Kleidungsstück zugrunde, das dann mit allerlei „Anhängseln“ und Accessoires ausgestattet ist. Zu eben dieser Ausstattung gehören oftmals Armband, Halskette, Gürtel und Ringe.

Warum trägt man eigentlich Ringe?

Ringe wurden u. a. als Machtsymbol getragen. Als Eheversprechen ist er uns am geläufigsten. Weiter konnte er ein Symbol für die jeweilige Glaubensausrichtung darstellen. Ringe dienten auch zu rituellen Zwecken. Nicht absprechen kann man auch das Tragen eines Ringes zur Selbstdarstellung. Die Wahl des Materials, der Gestaltung und Symbolik können auch Aussage über die persönliche Ausrichtung und die Weltanschauung seines Trägers sein.

Welche Ringarten gibt es?

Ringe können in ihrer Art der Anfertigung, dem Material, der Optik und der Bedeutung zahlreiche Varianten haben. Es gibt Ringe aus Naturmaterialien wie Holz, Stein, Horn oder Knochen und Ringe aus Edelmetallen wie Kupfer, Silber, Gold oder Messing.

In welchen Epochen gab es welche Ringe und mit welcher Bedeutung?

  • Der Ring als Treuesymbol: Die Beziehung des Paares und der Bund mit Gott soll endlos sein, genauso wie ein Ring kein Anfang und kein Ende hat.
  • Der (Ehe) Ring aus Eisen: Bereits in der Antike war der Ring als Trauring geläufig. Wie heute trugen die Römer und Ägypter den Trauring am Ringfinger linkshändig. Man sagte, dass von diesem Finger aus eine Ader direkt zum Herzen führe. In dieser Zeit haben allerdings nur die Frauen einen Ring getragen. Der Ring bestand aus Eisen und wurde als eine „Antragsbestätigung“ gesehen sowie als Symbol der Bindung, die eingegangen wurde.
  • Der (Ehe) Ring aus geflochtenem Gras: Im Keltischen Brauch gelten auch sie als echte Ringe und werden bei einer Vermählung eingebracht.
  • Der (Ehe) Ring bei den Germanen: Die Germanen benannten den Ring als „Pfad der Liebe“.
  • Der (Ehe)Ring bei den römisch-heidnischen Verlobungen: Hier wurde der Entschluss durch Förmlichkeit bekräftigt unter Beigabe des Ringes.
  • Der Ring der Ehe in Irland/der Ring als Freundschaft-Liebe-Treue-Symbol: Noch heute findet man in Irland bei zahlreichen Juwelieren den sogenannten Claddagh-Ring. Seinen Namen hat er vermutlich von dem Ort Claddagh, im Zentrum von Galway. Der Ring ist so gefertigt, dass er in zwei Händen ein Herz hält, das eine Krone besitzt. Die Herstellung des Claddagh-Rings hat wohl damit zu tun, dass man sich hier auf Freundschafts-und Eheringe spezialisiert hat. Heutzutage gibt es weitere Motive des Claddagh-Ringes, z. B. Ausführungen mit Edelsteinen. Der Ring ist insgesamt mit zahlreichen Legenden gelegt. Der Ring wird von der Mutter im Brauchtum an die Tochter weitergegeben.
  • Der Ring aus Mammutelfenbein: Besagter Ring wurde in Tschechien, genauer gesagt in Pavlov aufgefunden.
  • Der Ring als Zahlungsmittel: Anders als die Ehe/Verlobungsringe hatten Ringe nicht nur als Schmuck ihren Gebrauch, sondern stellten in erster Instanz Wertobjekte dar. Sie dienten vor allem als Zahlungsmittel. Das sogenannte „Ringgeld“ ist im Sektor des Schmuckgeldes als Zahlungsmittel noch vor den Münzen erfasst.

Die Materialien der Ringe

Die ersten Ringe bestanden aus Knochen. Später wurden Ringe aus Stein, u. a. Bernstein, sowie Holz aufgefunden. Im Laufe der Zeit wurden Ringe aus Edelmetallen, Glas, Eisen und Bronze erfasst.

Wer trug Ringe?

Generell kann man sagen, dass im Mittelalter als auch in der Antike die Oberschicht die Hauptträger der Ringe darstellten.

Ringe mit Hand-Motiven

Waren in ganz Europa seit vielen Hundert Jahren populär und werden als Fede-Ringe bezeichnet – das italienische “mani in fede” bedeutet “Hände im Glauben”. Schon die Römer besiegelten mit ihnen die Vertragsabschlüsse.

Spezielle Ringe

Der Giftring

Den Giftring gibt es schon seit der Antike. Er enthielt ein leicht zu öffnendes Behältnis. Dieses Behältnis war dafür gedacht, Gift oder auch Medizin möglichst unauffällig aufnehmen und abgeben zu können. Der Ring soll als Machtsymbol vor allem in der Epoche der Renaissance seinen Einsatz gefunden haben.

Schutz- und Heilringe

Ringe, die u. a. einen Krötenstein enthielten, galten im Mittelalter als Schutz-und Heilring. Es galt als Brauch, ihn zu tragen, und das weit über die Renaissance hinaus.

Der Ring als Gebetshilfe

Der Ring in der damaligen Verwendung bei einer Geburt stellte als sogenannten Fingerrosenkranz eine kleinere Form des Rosenkranzringes dar. Der Ring wurde als Hilfe beim Zählen der Wehen eingesetzt, da er zehn Erhebungen getragen hat. Unter Einbezug eines Kreuzes bildete dieser Ring ein sogenanntes „Gesätz“. Dieses Gesätz bestand aus zehn Vaterunsern sowie zehn Ave Maria.

Ringarten in Verbindung mit Status und Position in der Gesellschaft

Der Siegelring

Siegelringe waren Macht- und Würdezeichen. Seit der Antike sind sie erfasst und bestehen aus einem ringförmigen Stempel. Ringe mit Rollsiegeln fand man in Ägypten auf. Als Siegelplatte werden oft geschnittene Lagenachate verwendet. Fast jeder Adelige verfügte über einen Siegelring.

Der Ring als Symbol des religiösen Standes

Die Insignien der geweihten Jungfrauen tragen ihn seit dem 7. Jahrhundert. Es ist überdies ein Brauch dies zu tun und auch einige Ordensschwestern und Nonnen tragen den Ring nach ihrer Profess. Das Symbol ist als bräutlich erfasst und steht für die Bindung zu Gott. Zu den Insignien gehören des Weiteren der Kardinals- Bischofs-Abt- sowie Fischerring des Papstes. Oft sind die religiösen Ringe mit einem Amethyst ausgestattet, der in diesem Zusammenhang für Anmut und Weisheit stehen soll.

Der Daumenring von Bogenschützen

Der Daumenring war bei Bogenschützen zu Fuße oder auch zu Pferde in den Heeren üblich. Mehr als 21.000 Jahre alt sind die in Schriftstücken und Dokumenten erfassten Ringe.

Der Ring als Kennzeichen von Subkulturen und Heute

Einige Fingerringe sind als Kennzeichnung von bestimmten Subkulturen zu verstehen, wie in der heutigen Zeit die Steampunkbewegung. Individuelle Ringe wie Schnurrbartringe gibt es ebenfalls zu bestaunen.

Über das heutige Tragen von Ringen kann man sagen, dass eine Vermischung aus Bedeutung und Brauchtum stattfindet, bzw. stattgefunden hat, wenn Sie einmal vom Ehe/Verlobungsring absehen, der immer noch unter dem gleichen Aspekt und der gleichen Symbolik getragen wird. Heute sehen wir neben eben diesen Eheringen oft auch Freundschaftsringe mit Bedeutung und noch mehr Ringe rein zur Zierde.

Großer Beliebtheit erfreut sich der Silberring mit einem Türkiseinsatz. Er taucht auch unter dem Begriff des Indianerschmuckes auf und im Zusammenhang mit den Navajo-Indianern, die in der Herstellung dieser Art von Ringe vor allem in Amerika einen breiten Markt gebildet haben. Für viele Westerninteressierte aber auch einfach modebewusste Frauen und Männer haben diese Ringe das Interesse geweckt.

Mit Aufkommen des Vintagelooks kamen auch die Holzringe wieder zum Vorschein. Zu beigefarbenem oder weißem Dirndl macht ein dunkler oder heller Holzring eigentlich immer „etwas her“. In Kombination mit einer „Magdgewandung“ sieht er ebenfalls gut aus. Auch ein Kupferring wäre durchaus denkbar. Der „Knecht“ trägt in der Regel einen schlichtem Holzring.

Auch Kupfer-und Messingringe haben mit den mittelalterlichen Märkten Zulauf gefunden und sind hier häufig unter dem Begriff Kelten- oder Wikingerschmuck zu finden. Kupferringe sind zeitlos elegant und formschön und finden auch außerhalb der „LARP-Szene“ Interesse.

In einem Wikinger-/Keltengewand

In einer Keltentracht ist ein Messing-Kupfer- oder Bronzering geeignet. Oft tragen diese Ringe noch ein Symbol wie beispielsweise einen Drachen.

Als Burgfrau dürfen sie auch ruhig an einen Goldring denken, der vielleicht noch einen kräftigen Edelstein trägt. Vor allem Rubine oder Achatringe kommen an einem bordeauxfarbigen oder moosgrünen Samtgewand gut zur Geltung. Für den Burgherren oder Adelsherrn eignen sich auffallende Siegelringe mit aufgebrachter Achatplatte oder Goldringe mit Granat, Onyx oder Opal. Siegelringe gibt es übrigens nicht nur für Männer.

In einer Gewandung der Slaven oder des nordischen Volkes oder generell „weiter oben“ trägt sich zu weißem Fuchsfell sehr gut ein Büffelknochenring, ein Ring aus Horn oder Stein oder auch ein breiter Holzring.

Zur Tracht fürs Oktoberfest können Sie Silberanhänger oder einen Ring mit dem Edelweißsymbol tragen und einen Hornring, einen Silberring mit Türkis oder Edelweißsymbol, einen schlichten Holzring sowie z. B. Gürtelschmuck wie den Charivari.

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