Folkloreschmuck aus Afrika – Geschmeide und Zierrat voller Geheimnisse und Geschichten

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Folkloreschmuck aus Afrika – Geschmeide und Zierrat voller Geheimnisse und Geschichten

Afrika gilt als Wiege der Menschheit. Von hier aus begannen die ersten Menschen ihre Wanderungen und eroberten im Laufe der Zeit Europa und Asien. Afrika blickt demnach auf eine sehr alte Kulturgeschichte zurück. Lange vor den europäischen Stämmen haben die Afrikaner damit begonnen, Schmuck und Kunstgegenstände anzufertigen. Diese Dinge dienten nicht nur der Zierde, sie waren je nach Art auch Schutzamulett, zeremonielle Ausstattung oder die eindrucksvolle Demonstration von Macht und Reichtum. Diese Symbole aus vergangener Zeit werden heute noch vielfach als Folkloreschmuck getragen. Auch Touristen lieben diese kunstvoll gearbeiteten Souvenirs, denn sie eröffnen ihnen eine unbekannte, mystische Welt voller rätselhafte Rituale und Geschichten. Hier erfahren Sie interessante Hintergründe über die Geschichte, Verarbeitung und Bedeutung afrikanische Schmuckstücke aus Nord-, Zentral- und Südafrika.

Schmuck aus Afrika – Zeugen aus uralter Zeit

Egal, ob Sie gerne moderne Schmuckstücke im afrikanischen Stil tragen oder sich für alte Sammlerstücke interessieren, die einzelnen Ketten, Ringe, Armreifen und Anhänger weisen in der Regel immer noch dieselben Muster, Formen und Figuren auf, die Kunsthandwerker schon seit vielen Tausend Jahren benutzt haben. Denn afrikanischer Schmuck hat eine lange Tradition. Aussehen, Formen und Farben werden aus ganz bestimmten Gründen gewählt und von Generation zu Generation weitergegeben.
Wie alt das afrikanische Kunsthandwerk wirklich ist, haben Ausgrabungen in den Béni-Snassen Bergen im Osten Marokkos gezeigt. Hier wurden Muschelketten gefunden, die laut Experten über 100.000 Jahre alt sind. Dies beweist, dass die Menschen schon in der grauen Vorzeit ein großes Interesse daran hatten, hübsche oder außergewöhnliche Dinge zu gestalten. Als Vorlage galten Fundstücke aus der Natur wie zum Beispiel Knochen, Schneckenhäuser, Muscheln aber auch Holz, Samen, Fell oder Leder. Unter Umständen dienten solche Objekte auch als Wertgegenstand und wurden beim Tauschhandel eingesetzt, denn nicht jeder besaß das Geschick, diese Dinge herzustellen. Als die Völkerwanderungen die Afrikaner weiter und weiter nach Norden brachten, nahmen diese Menschen das Wissen um die Schmuckfertigung mit. So verließ diese Kunst schließlich den Kontinent und gelangte viele Jahrtausende später nach Eurasien, wo sie sich aufgrund der unterschiedlichsten Kulturvölker und geografischen Gegebenheiten in den verschiedensten Formen weiterentwickelte. Demnach ist Afrika im Grunde das Mutterland des Schmucks und der Ursprung der künstlerischen Gestaltung.

Jedes Schmuckstück birgt eine Geschichte

Schmuck gehört zur Afrikanischen Kultur und ist ihr fest verwurzelt. Auch heute noch präsentieren sich traditionsbewusste Afrikaner reich geschmückt und tragen stolz den Schmuck ihrer Vorfahren. Denn dieser Folkloreschmuck ist voll von mystischen Bedeutungen. Von Stamm zu Stamm und von Region zu Region besitzt der große Kontinent eine unglaubliche Vielfalt an unterschiedlichen Bräuchen und Ritualen. Diese beinhalten nicht nur Schmuck in unserem europäischen Sinne, sondern schließen auch Körperbemalungen, Tätowierungen und Masken mit ein. Sogar die Haartracht ist in Afrika ein eigenständiger Schmuck. Die komplizierten Flechtfrisuren werden von Mädchen und Frauen in vielen Stunden geschickter Handarbeit gestaltet und besitzen ein ganz eigenen, unverwechselbaren Charme.

Außerdem gilt der Schmuck als sichtbares Zeichen für Reichtum. Daher schmückten sich die Häuptlinge gerne mit diesen Prestigeobjekten wie andere hochgestellte Persönlichkeiten des Stammes. In Afrika ist Schmuck übrigens keine reine Frauensache. Auch die Männer lieben es, sich mit dem Zierrat ins rechte Licht zu rücken und sich mithilfe von Perlenketten und verschiedenen Fuß- und Armreifen herauszuputzen.

Aufbau des Folkloreschmucks: wichtige Materialien

Die Hauptbestandteile von afrikanischem Schmuck sind Holz, Metall und Federn. Je nach Verfügbarkeit gehören auch Edelmetalle wie Gold oder Silber dazu. Dagegen sind Perlen geradezu ein Muss. Afrikaner lieben diese runden Kugeln über alles. Neben echten Süß- und Meerwasserperlen spielen auch Produkte aus Holz, Knochen, Glas oder Ton eine große Rolle. Perlenschmuck begleitet gerade Frauen von Geburt an. Bei vielen Afrikanern ist es Tradition, dass neugeborene Mädchen eine Perlenkette umgebunden bekommen. Auch Arm- und Fußschmuck kommt bald darauf hinzu. Durch diesen frühen Kontakt wird das Tragen von Perlenketten und anderen Accessoires für das heranwachsende Kind selbstverständlich. Als Erwachsene würde ihm etwas Wichtiges fehlen, wenn es plötzlich den gewohnten Zierrat nicht mehr am Körper tragen könnte.

Vom Geldvorrat zum attraktiven Blickfang - afrikanischer Perlenschmuck

Ursprünglich war der Perlenschmuck der Afrikanerinnen weniger Dekoration als vielmehr eine sichere Wertanlage. Statt die Wertgegenstände der Familie irgendwo zu verstauen hängte sie der Hausherr einfach seinen Frauen und Töchtern um. Dadurch hatte er sie stets im Blick und wusste sie sicher aufgehoben. Außerdem sahen auch Besucher sofort, wie es um den Haushalt bestellt war. Denn reich geschmückte Frauen und Kinder machten dem Mann viel Ehre.

Auch wenn diese Sitte inzwischen nur noch bei einigen Naturvölkern praktiziert wird, zieht sich die Liebe zu den Perlen dennoch durch den gesamten Kontinent. Neben Schmuckstücken werden auch Kunstgegenstände und Kleidung reich mit Perlenstickereien verziert.

Ein echter Geheimtipp: Krobo-Beads

Eine besondere Perlenart stammt in jüngerer Zeit aus Ghana. Dort werden im Rahmen des Projektes „Afrika recycelt“ kunstvolle Schmuckstücke, Gebrauchsgegenstände und Deko-Artikel aus Abfallprodukten hergestellt. So werden beispielsweise Wasser- und Eisverpackungen sowie Joghurtbecher zu strapazierfähigen, farbenfrohen Tragetaschen verarbeitet. Altkleider werden hingegen zu faszinierenden Patchwork- und Batikstoffen. Das begehrteste Produkt dieser Organisation sind jedoch Perlen aus Glasbruch. Dieses Altglas wird zu feinem Pulver zermahlen und in Tonformen gebacken. Anschließend werden die Perlen in reiner Handarbeit bunt bemalt. Diese Perlen sind inzwischen ein echter Geheimtipp und unter der Bezeichnung „Krobo Beads“ bekannt - nach der Region Krobo, in der das Recycling-Projekt in Ghana seinen Sitz hat. Krobo Beads sind heute Bestandteil vieler Ketten und Bänder. Das Besondere daran ist die Kombination aus einem neuen Werkstoff und alter afrikanischer Handwerkskunst. Jede der handgefertigten Perlen ist ein kleines Unikat. Daher ist dieser Folkloreschmuck auch für Sammler und Liebhaber etwas ganz Besonderes.

Folkloreschmuck bekannter afrikanischer Stämme

Die Vielfalt an Schmuckstücken aus dem afrikanischen Raum ist Riesen groß. Selbst Kennern fällt es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Daher finden Sie im Folgenden eine Übersicht über die bekanntesten Regionen Afrikas und den Schmuck ihrer Stämme.

Der berühmte Silberschmuck der Tuareg – dekorative Kleinode aus der Sahara

Die Tuareg galten früher als die Herren der westlichen Sahara. Auch heute noch umfasst dieser Berberstamm um die 5 Millionen Mitglieder, von denen etwa die Hälfte in Niger wohnhaft ist. Die nomadisch lebenden Tuareg sind geschickte Schmiede. Neben Waffen stellen sie fein gearbeitete Schmuckstücke aus Buntmetallen, Eisen und Silber her. Gold gilt als Unglücksbringer und wird nur als Auftragsware in Ausnahmefällen verwendet.

Die Kreuze, Amulette und Armreifen sind mit fein ziselierten Mustern verziert. Diese besitzen eine streng geometrische Ordnung. Dadurch wirken die einzelnen Teile mit reichhaltiger Dekoration nicht überladen, sondern begeistern mit ihrer geheimnisvollen Optik einer uralten Kultur.

Die beliebtesten Schmuckstücke aus Ägypten

Auch Ägypten ist eine reiche Fundgrube für nordafrikanischen Folkloreschmuck. Hier blüht die Schmuckherstellung seit der Zeit der Pharaonen. Besonders beliebt sind prächtige Schmuckstücke aus Gold und Edelsteinen. Als Motive dienen häufig Götterfiguren wie der Horus Falke, der Sonnengott Osiris oder die Göttin Isis. Daneben gibt es auch eine Reihe von wichtigen Symbolen. Dazu gehört vor allem das Ankh. Dieses ägyptische Kreuz steht im Allgemeinen für Wohlstand, Glück und ein langes Leben. Daneben wurden schon im alten Ägypten gerne Amulette mit dem Abbild der Skarabäus getragen. Dieser Käfer steht für die Auferstehung und ein langes Leben.

Farbenprächtig und aufwendig gestaltet: der Perlenschmuck der Massai

Die Massai gehören zu den bekanntesten Volksgruppen Ostafrikas. Sie leben auch heute noch auf traditionelle Art und halten Traditionen und Fertigkeiten lebendig. Ein gutes Beispiel dafür ist der außergewöhnliche Folkloreschmuck. Er besteht aus vielen bunten Perlenreihen, die in ganz speziellen Mustern und Farbnuancen angeordnet sind. Wie bei den Massai geben diese Muster und Reihenfolgen Hinweise auf den sozialen und wirtschaftlichen Status des Trägers, seinen Familienstand und die Zugehörigkeit zu einem besonderen Stamm. Auch bestimmte Lebensphasen werden durch diese Schmuckstücke verdeutlicht. So erhält ein Mitglied den ersten Schmuck bei der Geburt und weitere Teile während der Kinderzeit. Der Übergang vom Kind zum Erwachsenen ist oftmals auch durch genau festgelegte Schmuckarten ersichtlich. Oftmals gehören sie zu einer traditionellen Feier oder einem Initiationsritus zur Mann- bzw. Frauwerdung. Und schließlich spielt traditioneller Schmuck auch beim Tod eine große Rolle. Der Verstorbene wird damit geschmückt und die Hinterbliebenen tragen ebenfalls besondere Artefakte zum Zeichen der Trauer.

Traditioneller Schmuck aus dem Süden Afrikas

Wie im übrigen Afrika spielen Perlen auch im Süden eine große Rolle. Hier sind sie heute zumeist aus Glas. Doch es gibt auch viele Handwerksbetriebe, die diese Schmuckstücke nach alter Art und mit traditionellen Werkstoffen anfertigen. Dazu gehören Kauri- Muscheln und die Schalen von Straußeneiern für die weißen Perlen. Die Farbe stammt neben Holz und Stein auch von vielen einheimischen Pflanzensamen mit klangvollen Namen wie Lucky Beans oder Hiobs Tränen. Da Südafrika früher vor allem das Stammesgebiet der Zulus war, sind die Motive und Muster vor allem von ihrer Kultur geprägt. Wie bei den Massai informiert die Art des Perlenschmucks über Status und Reichtum des Besitzers.

Exquisite Perlen aus Westafrika

An den Küsten Westafrikas spielten Glasperlen viele Jahrhunderte lang eine wichtige Rolle als Tauschmittel beim Handel der europäischen Seefahrer mit den Häuptlingen der eingeborenen Stämme. Die bunten Kugeln wurden oft aus dem berühmten Muranoglas in Venedig gefertigt und gegen Sklaven, Elfenbein, Edelmetalle und Stoffe eingetauscht. Heute sind Schmuckstücke aus diesen antiken Handelsperlen gesuchte Sammlerstücke, die bei Auktionen Höchstpreise erzielen. Eine Perlenart, die sogenannte Millefiori-Perle (= Tausend Blüten Perle) feierte in den 1970er Jahren ein erfolgreiches Comeback. Die mit einem bunten Mosaik überzogene Perlenart wurde im Zuge der Friedensbewegungen der 1960er und 70er Jahre aus Afrika reimportiert und in den USA zu attraktiven Armbändern und Halsketten mit Friedenssymbolen gefertigt. Diese als „Love Beads“ (= Liebesperlen) bezeichneten Schmuckstücke erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit bei allen Altersgruppen.

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