Flohmarktbesuch statt ebay? Nur bedingt empfehlenswert

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* WIE * ICH * ZUM * FLOHMARKT * KAM *:

Ich war zwar früher mal auf dem Flohmarkt, aber jetzt kam ich dazu durch einen gar nicht so schönen Grund. Wir sind ja gerade wieder umgezogen und von meinen Eltern stapeln sich ungefähr auch noch 30-40 Umzugskisten in unserem mittlerweile viel zu kleinen Keller.
Natürlich kann und werde ich mich von vielen Sachen nicht trennen, aber einige Sachen sind wirklich nicht besonders schön und kosten viel Platz, also wurde schnell klar, dass ich entweder ebayen muss oder auf zum Flohmarkt.

Da meine beste Freundin zufällig auch ihren Keller entrümpelt hatte und nach Homburg wollte, mit ihrer Schwägerin und Nichte im Schlepptau, dachte ich, dass es a) eine tolle Möglichkeit wäre, einen Tag mal keine Windeln zu wechseln und b) eine gute Möglichkeit etwas Geld in meinen viel zu leeren Geldbeutel zu bekommen.

Homburg ist im Umkreis von ca. 150 Kilometern der größte Flohmarkt und ich habe ihn als Besucher schon oft besucht, nur eben als Tapeziertischaufbauer eben nicht. Man kann sich einen Tag vorher im Rathaus anmelden und bekommt dann einen Platz zugewiesen. Die Plätze sind nummeriert und man muss bis 5 Uhr morgens am Flohmarkttag dort sein, sonst wird der Platz neu vergeben (was allerdings so nicht ganz stimmt).

* VOR * DEM * FLOHMARKT *:

Da ich mittlerweile ein begeisterter Flohmarkt-Tisch-Ausleger bin, weiß ich jetzt auch was ich nicht mehr vergessen sollte, nämlich einige Sachen, die ich entweder gar nicht oder eben nicht ausreichend vor dem ersten Mal dabei hatte:

- Wechselgeld * kann man nicht ausreichend dabei haben, vor allem 50 Cent Stücke, auch gut fürs Toilettenhäuschen

- Plastiktüten * ja die hatte ich tatsächlich kaum dabei und fast jeder fragt, natürlich sollte man jetzt nicht mehr Plastiktüten dabei haben, als Ware, aber vielleicht schon 15-20 Stück in allen Größen

- Verpackungsmaterial * wer Porzellan verkauft, sollte auch Verpackungsmaterial dabei haben, natürlich auch für sonstigen zerbrechlichen Nippes in jeder Form

- Ein bequemer Stuhl * der ist unerlässlich, wer steht schon gerne 10-12 Stunden rum

- Ein Pavillon oder großer Sonnenschirm *ein Pavillon kostet mehr Standgebühr, ein Sonnenschirm nicht, dafür wird man beim Schirm eventuell nass

- Tapeziertisch mit Abdeckplane und Tischdecken * auch die Optik beim Flohmarkt zählt und wer eben Trödel verkauft, der hat schon genug Abwechslung auf dem Tisch, aber der selbst sollte schön aussehen und nicht kahl oder kunterbunt

- Ein Wäscheständer oder ein Kleiderständer * auch wenn man keine Kleider verkauft, es gibt immer etwas was man gut in Position legen oder hängen kann

- Kaffee, Tee, Kuchen, Brot * Verpflegung ist das Wichtigste überhaupt, man kann zwar auf dem Flohmarkt auch Sachen kaufen, aber immer wenn ich mal kurz nicht da war, brummte der Betrieb an meinem Tisch und niemand wusste natürlich besser als ich, was ich für z.B. die Nigel-nagel-neuen Schuhe verlangen wollte

- Belege über Standreservierung * bei großen Flohmärkten sind alte Hasen dabei, die um jeden Zentimeter kämpfen, damit ihr belegen könnt, dass ihr rechtmäßig da steht und um Streit zu vermeiden, sowie bei der späteren Abrechnung der Stand-Gebühren

- Taschenlampe * also ich komme gleich noch zu den Maulwürfen, die morgens schon die Tische links machen, eine eigene Lampe, bis es hell wird, ist tatsächlich unerlässlich

- Kopfschmerztabletten sind nicht schlecht, man steht lange, man trinkt wenig, damit man nicht ständig auf die Pippi-Box muss und deswegen bekommt man früher oder später mit schöner Regelmäßigkeit Kopfschmerzen

- Block um aufzuschreiben, was man umgesetzt hat und wo man eventuell Richtpreise stehen hat

* RAUS * DAMIT *:

Schön, wenn ihr euren Keller entrümpelt habt. Weniger schön, wenn ihr es so planlos macht, wie ich das erste Mal. Ich habe in wildem Aktionismus einfach alles in Kisten gestopft und dann war das Auto voll und ich hatte genau 2 Highlights und der Rest war zwar o.k. aber eben schon von vorne herein kein Flohmarktrenner.

Dann hatte ich noch den Fehler gemacht, mir nicht genau zu merken was ich dabei hatte, denn ich wollte vorher unbedingt bei ebay schauen, was die Sachen denn so bringen würden. Leider hatte ich recht wenig Plan und so kann ich im Nachhinein froh sein, dass ich noch ein paar Goodies im Keller habe, denn nun kenne ich mich wenigstens ein bisschen aus und werde nicht mehr ganz so schnell über den Tisch gezogen.

Ich habe vorher also trotzdem bei dem was ich noch genau von der Bezeichnung eingrenzen konnte bei ebay nachgesehen und bei amazon. Das ist auch wirklich wichtig, denn man sollte den Preis dann etwas höher ansetzen, als das höchste Gebot bei den o.g. Anbietern und sich nicht weiter runter handeln lassen, als eben der ebay- oder amzon-Verkaufspreis, außer man scheut die Gebühren dort und das Einstellen oder macht den Flohmarkt wegen dem Spaß an der Freude.

Allerdings funktioniert das auch nicht immer, ich hatte 2 Grubenlampen dabei, die ich letztendlich doch deutlich unter dem Preis abgegeben hatte, wobei mir ein freundlicher Händler erklärte, was alles an den Lampen nicht funktionierte und fehlte, wobei ich heute noch nicht weiß, ob das alles so stimmte. Jedenfalls hatte ich auch 2 Levis 501 mit auf dem Flohmarkt, bei dem mir eine empörte Besucherin (da ist ja ein kleines Loch hinten an der Tasche) keine 10 ? geben wollte, die ich jetzt aber bei ebay für 42 und 28 ? verkauft habe, ein Preis, den ich auf dem Flohmarkt nie erzielt hätte.

Oder ich hatte von Xavier eine CD dabei, die bei ebay 12 Euro brachte, die ich aber im Flohmarktrausch nach Handeln für Euro weggegeben habe, es lohnt sich also wirklich sich vorher genaue Gedanken zu machen!

* ANGEKOMMEN *:

Noch nicht richtig wach und angekommen, stehen schon die Maulwürfe da. Leute die auf echte Schnäppchen aussind, mit müden Augen und einer Taschenlampe in der Hand oder sogar am Hut oder Helm befestigt. Gut, dass das Saarland das Grubenland ist, das sind Grubenhelme gerade für Flohmärkte doch recht praktisch.

Auf der einen Seite nervt es, dass man noch nicht mal richtig auspacken kann und schon harte Preisfeilscherei beginnt, auf der anderen Seite ist man dann wenigstens interessant, denn wenn die Maulwürfe nur kurz auf den Tisch leuchten und dann weiterziehen, weiß man spätestens nach dem 10 dass man nicht wirklich etwas Einzigartiges dabei hat.

Nach ca. 1 Stunde nach der Ankunft (also 6 Uhr) war der Spuk fast vorbei und man kann selbst mal umhergehen, obwohl man sagen muss, dass man bis 8 Uhr, also der offiziellen Öffnungsstunde des Flohmarkts, schon meist die Hälfte des Umsatzes gemacht hat.
Zum Glück hatte ich noch Nachschub in den Kisten, denn in der ersten Zeit kommt man meist gar nicht dazu, so schnell aufzufüllen, wie die Sachen weggegangen sind. Wichtig ist es folgende Tipps für den Verkauf von Nippes, Trödel und Nichtmehrnützlichem zu beachten:

- ein Pokerface machen und nicht beleidigt sein, wenn die Leute einen in Grund und Boden feilschen möchten, würde man selbst ja auch versuchen (gut ich nicht, ich kann das auch sehr schlecht)

- nicht rechtfertigen, wenn jemand frech wird und sagt, dass man ja wohl nie so viel dafür bekäme, einfach wissend lächeln, wenn jemand Interesse hat, wird er wieder kommen

- nie fragen, was der Interessent denn dafür geben würde, lieber einen etwas zu hohen Preis sagen und wenn der Interessent weggeht hinterher rufen oder murmeln, na ja für x ? würde ich es ihnen ja auch geben, das funktioniert erstaunlich oft

- Ladenhüter dekorativ aufhübschen, ein Kerze auf etwas eher selbst tristes stellen, Schuhe quer und längs stellen, in Blumentöpfe etwas rein, seid einfach kreativ

- Nichts hinterherwerfen, im Sinne von, na dann geh ich eben noch 1 ? runter, irgendwann ist ein (vorher festgesetzter Punkt) erreich, an dem es langt

* GELDEINNAHME * VERSUS * STANDGEBÜHR *:

Meine Tante und mein Cousin gehen mehrmals pro Woche im Schwarzwald zu Flohmärkten. Oft nehmen sie noch nicht mal die Standgebühr ein, manchmal läuft es recht gut. Auf dem Homburger Flohmarkt bekommt man immer diverse Zettel in die Hand gedrückt, die auf weitere Flohmärkte im Umkreis hinweisen. Dort ist auch immer die Standgebühr vermerkt, die wirklich deutlich schwanken kann. Von 5 Euro pro Meter bis 15 Euro pro Meter ist so ziemlich alles drinnen, dazu kommen dann je nach Überdachung oder Autoparken am Stand (wenn möglich) zusätzliche Gebühren.

Wer den Flohmarkt nicht professionell betreibt und davon gehe ich bei dem Bericht hier aus, der sollte sich schlau machen, wie viel Standgebühr nötig ist und wie weit man in die Tiefe gehen kann, 3 Meter sind meist üblich. Hier habe ich mal eine gute Seite gefunden, auf der man sich im Vorfeld schon überregional schlau machen kann, welche Termine vorliegen und welche Infos es zu den Märkten gibt:

http://veranstaltungen.marktcom.de/

* WAS * VOM * TAGE * ÜBRIG * BLIEB *:

war in der Tat recht viel Geld und wenige Sachen, die noch mal einsetzbar waren. Homburg bildet eine Ausnahme, denn dort kann man nach dem Flohmarkt alle Sachen, die man nicht mehr mitnehmen möchte, einfach stehen lassen. Ein Auto holt dann alle übrigen Sachen nach Flohmarktende ab, doch viel bleibt nicht übrig, denn fangen die ersten an abzubauen, kommen erstens die richtigen Schnäppchenjäger (was bis jetzt nicht weg ist wird oft zu Sonderpreisen hergegeben) oder eben leider auch die Leute die dann im Abfall suchen und teilweise sogar einzelne Schuhe mit nach Hause nehmen.

Der Flohmarkt in Homburg geht offiziell bis 16 Uhr, doch viele bauen schon ab 14 Uhr ihre Stände und Tische ab. Das ist auf der einen Seite recht schade, weil dann statt Interessenten Autos durch die Reihen fahren, auf der anderen Seite kann sich Standhaftigkeit durchaus bis zu einem gewissen Punkt rentieren, denn bis 15:30 Uhr verkauft man meist wirklich noch so einiges!

Ich arbeite ab jetzt ja erst mal jeden Samstag und deswegen werden die Flohmärkte in diesem Jahr auch wegfallen, aber im Winter ist sowieso zum Glück nicht allzu viel los, wobei Homburg wieder eine Ausnahme bietet, denn da ist sogar bei schlechtem Wetter, sprich Regen oder Eiseskälte einfach die Hölle los.

Allgemein rentiert es sich nicht auf Flohmärkte folgende Sachen mitzunehmen:

- Kindersachen * lieber auf einen eigenen Kinderflohmarkt gehen, kaum jemand kauft auf Flohmärkten Kindermarkensachen, so viel Geld gibt dort niemand gerne aus und die Leute zeigen auf wenig Interesse

- Bücher * hier fährt man tatsächlich je nach Buch immer bei amazon oder ebay besser, genau so sieht es mit Gesellschaftsspielen aus, die sich bei amazon besser verkaufen lassen

- CDs * die Leute handeln ohne Ende und wie man an meinem Beispiel ja sieht, geht es meist weit unter Internetauktionshaus weg oder bleibt eben ein Ladenhüter

- Schuhe in außergewöhnlichen Größen, da muss man schon viel Glück haben, dass jemand sich überhaupt für Schuhe interessiert, auch wenn sie neu sind und dann noch die passende Größe hat, da auch lieber im Internet versteigern, wenn es überhaupt klappen sollte

- Ikea-Sachen * auch hier gilt wieder, man wird die Sachen zwar unglaublich schnell los, aber weit unter ebay-Möglichkeit, also immer zuerst schauen und nicht unter den ebay-Preis gehen!

- Kleider, gehen auch nicht besonders gut, außer man macht z.B. eine Kiste mit der Aufschrift, alle Pullis für 3 ? oder Hosen für 4 ?, mehr kommt meist dabei nicht rüber und die Kleider müssen gut platziert werden und verschlingen eine Menge an Platz

- Neue Sachen, wie Mikrowelle, Telefon, Autoradio * hier ist nicht der richtige Ort damit Geld zu machen, heiße Diskussionen und niemand kauft die Sachen (meistens)


Was sich aber gut rentiert:

- Omis Sachen wie Kaffeemühle oder Nudelholz oder Backform

- Porzellan und Geschirr in jedweder Form, sei es kleine Sammlertässchen oder Teller,

- wirklich ältere Sachen wie Geigen, Chapeau Clacs oder Uhren

- Diddl-Sachen, ja pfui Teufel, aber sie gehen gehen gehen

- Grubensachen, vor allem im Saarland

- Puppenwagen, Puppen und Zubehör, die einzigen Kindersachen, die meines Erachtens nach gut gehen

- Jahreszeitendekor, z.B. jetzt auf Weihnachten zugehend alles Weihnachtliche

- Modeschmuck ? am besten eine Kiste mit dem Hinweis alles für 2 Euro und schon ist die Kiste leer

- Sachen die man selbst als Nippes empfindet, eben so Kleinkram, den man in Setzkästen stellen kann, übrigens gehen Setzkästen an sich auch sehr gut

So, dass war es mit meinem kleinen Flohmarktausflug, sicherlich gehen auch andere Sachen noch gut oder nicht so gut, es kommt immer auf den Tag an und ob jemand mit einem verdächtigen Glitzern in den Augen vorbeischlendert, der meint, die ausgelegte Ware haben zu müssen, ohne Wenn und Aber.

Lasst euch von Feilschern nicht ärgern, wir haben schon Ärger gehabt mit kleinsten Sachen, die wir für 50 Cent verkauft haben und wo uns jemand tatsächlich ins Gesicht gesagt hat, das wir ihn vermutlich übers Ohr hauen wollen und er die Ware im Geschäft viel günstiger bekommt.

Tatsächlich will heute fast niemand mehr ganz neue Sachen kaufen, die sind wirklich im I-Net besser angeboten. Wer ein Flohmarkt-Freak ist oder es wird, kann eben dort auch oft Schnäppchen machen, nämlich ganze Umzugskisten zum Spotpreis erstehen und dann gewinnbringend weiter verkaufen. Außerdem gibt es in regionalen Zeitungen oft Flohmarktartikel in Kisten für 10 ? oder zu verschenken, das rentiert sich genau so, wie ein Sprung zum Sperrmüll, da hatte ich das letzte Mal nämlich von meinem Nachbarn so manch tolle Sache, wie z.B. ein Barbie-Puppenhaus her. Viel Spaß auf dem Flohmarkt, ich bin schon sehr auf Kommentare gespannt. 
 
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