Fitnesstrends im Fokus: Materialguide für Nordic Skating

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Fitnesstrends im Fokus: Materialguide für Nordic Skating

Skilaufen auch im Sommer? Dank dem Trendsport Nordic Skating ist das kein Traum mehr, sondern schon seit längerer Zeit Wirklichkeit. Hierzu genügen ein paar kleine Reifen und zwei Stöcke. Hat man sich einmal an die Schienen an den Füßen gewöhnt und setzt die Stöcke gekonnt ein, ist das Skaten gar kein Problem mehr. Ach ja: Das Bremsen ist wohl das Erste, was man lernen sollte. Dank integrierter Bremsen – anders als bei herkömmlichen Inlineskates – lernt man auch das relativ schnell. Grundvoraussetzung ist allerdings ein guter Gleichgewichtssinn.

Dieser Ratgeber möchte Ihnen nicht erklären, wie Sie am besten mit Nordic Skates Fahren lernen (obwohl er hier und dort auf die entsprechende Technik hinweisen wird). Sondern er wird Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Komponenten des Nordic Skating liefern. Das fängt zunächst natürlich bei den Skates selbst an, führt über geeignetes Schuhwerk, über die Stöcke bis hin zur benötigten Schutzbekleidung. Doch bevor der Ratgeber sich diesen Dingen zuwendet, wird er zunächst noch einmal einen Blick auf das Nordic Skaten selbst werfen.

Ein kurzer Blick zurück in die Vergangenheit

Nordic Skates und Inlineskates stammen von den Rollschuhen ab. Die frühesten Zeugnisse von Rollschuhen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Als der Erfinder der Rollschuhe gilt der Belgier Jean-Joseph Merlin. Allerdings hatte es Merlin mit seinem ersten Rollschuhen nicht ganz einfach – im Gegenteil. 1760 stellte er seine Erfindung während eines Balls des englischen Königshauses vor. Die Vorführung verlief zunächst auch sehr erfolgreich, allerdings hatte Merlin vergessen, Bremsvorrichtungen an seinem Rollschuhen anzubringen. Als er deswegen in einen großen Spiegel fuhr, verletzte er sich schwer.

Das konnte den Rollschuh allerdings nicht stoppen. Im weiteren Verlauf der Zeit wurden immer mehr Modelle hervorgebracht und verbessert. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Rollschuhe mit jeweils vier Rollen entwickelt. Man denke sich: Bis zu diesem Zeitpunkt waren Rollschuhe von der Anordnung der Rollen her gesehen, immer Inlineskates. Seit dem beherrschten diese sogenannten „Quads" den Markt. Dies zog sich bis etwa 1990. In dieser Zeit kamen Inlineskates wieder neu auf den Markt.

Die Ursache für diese Entwicklung: In den Vereinigten Staaten benötigten Eishockeyspieler ein geeignetes Trainingsgerät für den Sommer. Man entwickelte kurzerhand die bekannten Inlineskates. Dieser Trend wurde von der Firma Rollerblade aufgegriffen und vermarktet. Seitdem haben sich wiederum verschiedene Formen von Inlineskates ausgeprägt. Je nach Anwendungsbereich sind hierbei zum Beispiel Hardbootskates, Softbootskates, Hockeyskates, Speedskates oder auch Streetskates bzw. Grindwheels zu nennen. Eine weitere Ausprägung dieser Inlineskates-Entwicklung sind die Offroad- bzw. Cross-Skates. Benutzt man diese im Zusammenspiel mit Stöcken, spricht man auch von Nordic Skating. Hier ist die Anlehnung an den Nordischen Langlaufski ersichtlich. Beide Sportarten haben die spezielle Fortbewegungstechnik gemeinsam.

Welche Besonderheiten besitzt Nordic Skating?

Nordic Skating nimmt einige der Techniken auf, die auch beim Freistil-Langlauf genutzt werden. Dazu gehören etwa Grundelemente wie der Schlittschuhschritt, der Doppelstockschub oder der Halbschlittschuhschritt. An Bewegungstechniken weißt das Nordic Skating eine große Anzahl an Möglichkeiten auf, Diagonalskating, Führarmtechnik und Eintakter sollen hier nur als Beispiele genannt sein.

Auch aufgrund dieser Vielzahl an verschiedenen einsetzbaren Bewegungstechniken beim Nordic Skating werden viele Bereiche des Körpers trainiert. Das fängt selbstverständlich bei der Beinmuskulatur an. Aber auch der komplette Oberkörper samt Rücken und Bauch wird trainiert. Da mehr Muskelmasse im Vergleich zum normalen Inlineskating (ohne Stöcke) angesprochen wird, ist auch die Herzfrequenz beim Nordic Skating entsprechend höher. Die Effektivität und das Tempo der Trainingseinheit lassen sich dabei mit dem kräftigen Einsatz von Oberkörper- und Armmuskulatur steigern. Im Vergleich zum Inlineskating bei gleicher Geschwindigkeit ist das Nordic Skating Training bis zu 40 Prozent effektiver.

Die Nordic Skates besitzen einen relativ geringen Rollwiderstand, sodass sehr hohe Laufgeschwindigkeiten ermöglicht werden. Dadurch lassen sich Trainingseinheiten von mindestens 45 Minuten bei einer mittleren Herzfrequenz realisieren. Dies wiederum erhöht die Grundlagenausdauer. Neben der Grundlagenausdauer lässt sich hingegen auch die Kraftausdauer trainieren. Die lässt sich beispielsweise durch die Erhöhung des Rollwiderstandes, durch die Konzentration auf die Doppelstocktechnik, oder ganz einfach durch ein Training in hügeligem oder bergigem Gelände realisieren.

Weitere körperliche Verbesserungen ergeben sich beim Nordic Skating im Bereich der Schnelligkeit, der Beweglichkeit sowie beim Koordinationsvermögen und beim Gleichgewicht. Alle diese Eigenschaften sind auch für den Skilanglauf im Winter besonders wichtig. Um den Skilauf noch realistischer zu simulieren bzw. dessen Kraftaufwand zu trainieren, lässt sich der Rollwiderstand weiter erhöhen.

Auf die Strecke achten

Welche Strecken lassen sich am besten befahren? Für Anfänger geeignet sind eher wenig frequentierte Asphaltwege. Hier lassen sich die Stöcke frei bewegen, ohne dass man irgendjemanden damit stört. Ist man bereits ein fortgeschrittener Skater, kann man sich auch in bergiges Gelände wagen. Das Vorankommen wird dabei mit intensiver Armarbeit unterstützt. Fahren Sie bergab, sorgt das Wedeln (vom Skifahren) für die richtige Laune. Ebenfalls für Fortgeschrittene ist das Befahren von nicht befestigten Wegen. Hier lassen sich sehr viel mehr Strecken nutzen und man ist dazu noch wesentlich unabhängiger von Wetter und Jahreszeiten.

Wie sind die Nordic-Skates beschaffen – Rahmen und Schuhe

Nordic Skating unterscheidet sich in vielerlei Weise vom „normalen" Inlineskating. Das beginnt bereits mit den dafür erforderlichen Skates selbst. Zwar kann man auch herkömmliche mehrrädrige Inlineskates zum Nordic Skating verwenden (was auch vielfach getan wird). Verbreiteter ist hingegen die Nutzung von Cross-Skates. Auf dem Markt findet sich eine zweistellige Zahl von unterschiedlichen Cross-Skates-Modellen. In den meisten Fällen sind zwei Rollen hintereinander auf einer Schiene bzw. Rahmen angebracht. Dieser besteht aus leichtem Aluminium. Je nach Modell befinden sich die Räder entweder – seltener – direkt unterhalb des Rahmens, oder – weitaus häufiger – an den hinteren und vorderen Enden. Einige Modelle bieten die Möglichkeit, Veränderungen an der Rad-, Brems- und Schuhposition am Rahmen vorzunehmen. Die Modelle mit Rädern am vorderen und hinteren Ende des Rahmens weisen sehr viele Ähnlichkeiten mit Rollerski auf.

Was die Schuhe angeht, so sind bei Cross-Skates verschiedenen Varianten zu haben. Auf der einen Seite gibt es Modelle mit bereits integrierten Schuhen. Auf der anderen Seite sind Modelle auf dem Markt, die auch mit normalen Schuhen gefahren werden können. Hierfür stehen dann extra Schnallen und Schuhhalterungen am Rahmen bereit. Ein möglichst einfaches Ab- und Anschnallen der Schuhe sollte möglich sein. Achten Sie vor dem Kauf solcher Cross-Skates darauf. Für zusätzliche Stabilität bei diesen Modellen sorgt in der Regel eine Wadenstütze.

Rollen, Bremsen und Klappschienen

Die Skates verfügen standardmäßig über kugelgelagerte Räder, die sich mit Luft füllen lassen. Dabei sind die Räder wesentlich größer als bei normalen Inlineskates. Der Durchmesser von Cross-Skates-Rädern beträgt ca. 15 Zentimeter. Die Kugellager müssen um einiges resistenter und robuster gegenüber herkömmlichen Inlineskaterlagern sein.

Weiterhin gibt es verschiedene Bremssysteme, die, je nach Ausführung bzw. Modell, ein- oder zweiseitig sein können. Die durch den Hersteller Skike eingeführte beidseitige Rückfallbremse besitzt am Markt die größte Bedeutung. Diese wird mit den Waden bedient und von mehr und mehr Herstellern genutzt. Skike, aber auch der Hersteller Powerslide, bietet ebenfalls Skates mit Klappschienen an. Bei diesen Modellen sitzt der Schuh bzw. die Schuhhalterung nicht direkt auf dem Rahmen. Er ist auf einer mit dem Rahmen verbundenen Klappschiene befestigt. Die Verwendung dieser Klappschiene soll die Bewegungstechnik der Skilanglauftechnik weiter anpassen.

Die Stöcke beim Nordic Skating

Die Stöcke, die beim Nordic Skating verwendet werden, entsprechen im weitesten Sinne denjenigen beim Skilanglauf. Der einzelne Stock besteht dabei aus einem Rohr, einem Griff, einer Schlaufe und einer Spitze. Das Material des Stockes ist entweder Aluminium, Carbon oder ein Mix aus Carbon und Fiberglas. Carbon ist in jedem Fall vorzuziehen. Es bietet das optimale Verhältnis zwischen Steifigkeit, Dämpfung und Gewicht. Ein vergleichbarer Aluminiumstock ist zumeist schwerer, dafür aber günstiger. Fiberglasmodelle sind oft für Einsteiger gedacht, da sie über eine geringere Härte verfügen.

Griffe stehen in zwei Materialvarianten zur Verfügung. Günstige Stöcke haben meistens Griffschalen aus Gummi oder Kunststoff. Hochwertigere Stöcke besitzen hingegen Korkeinlagen. Der einfache Vorteil bei Korkeinlagen: Das Material nimmt Schweiß besser auf. Dadurch kommt es viel seltener zu Blasenbildung und offenen Stellen an der Handinnenseite.

Bei der Griffschlaufe gibt es ebenfalls zwei verschiedene Ausführungen. Die Griffschlaufe ermöglicht das freie Schwingen der Stöcke. Bei Einsteigermodellen kommt die klassische Schlaufe zum Einsatz. Diese wird über einen Klemmmechanismus am Griffkopf in der Weite verstellt. Angenehmer sind jedoch Schlaufensysteme mit zusätzlichen Klettverschlüssen. Diese können die Hand wesentlich ergonomischer am Stock fixieren und bieten individuellere Anpassungsmöglichkeiten.

Die Spitzen der Stöcke wiederum unterscheiden sich in zweierlei Hinsicht von Skistöcken. Bei diesen wird einerseits auf den Teller verzichtet, andererseits ist das Material viel härter als bei Skispitzen. Dies ist deswegen notwendig, damit der Stock auch auf härteren Böden wie Asphalt und Beton Halt findet. Die Spitze besteht aus einem Kunststoffkörper mit Hartmetallspitze. Dieser wird am unteren Ende des Rohrs aufgesteckt und verklebt.

Weitere Ausrüstung für Nordic Skating

Für das Fahren mit Nordic Skates ist eine entsprechende Schutzausrüstung notwendig. Dabei werden üblicherweise Helme, Knieschoner und spezielle Nordic-Skating-Handschuhe getragen. Auch Ellenbogenschoner sind sinnvoll. Sie sollten jedoch nicht nur ihren Kopf, ihre Knie und Ellenbogen schützen, sondern auch ihre Augen. Hier gab es bereits Unfälle mit Stockspitzen anderer Fahrer bei Gruppenfahrten und Wettkämpfen. Nutzen Sie deswegen schützende Sonnenbrillen.

Für welche Modelle und Varianten Sie sich auch immer entscheiden – lassen Sie sich im Vorfeld von einem Fachmann beraten. Außerdem spielt es eine entscheidende Rolle, dass Sie ihre favorisierten Nordic Skates zuvor selbst ausprobieren. Kaufen Sie nicht die Katze im Sack.

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