Finger weg von Cullmann!

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Seit vielen Jahren fotografiere ich schon. Angefangen mit einer analogen Kamera, rüber zu einer kompakten Digitalen, bin ich mittlerweile bei der digitalen Spiegelreflexkamera Canon EOS 5D Mark II gelandet. Entsprechend reichte auch nicht mehr das günstige Alu-Stativ, etwas massiveres musste her.
Ich sehe in der Regel davon ab, teure Dinge im Internet zu kaufen. Ich habe gerne einen ordentlichen Kundenservice, der mich berät und auf meine Fragen Antworten hat. Entsprechend bin ich zu meinem freundlichen Fotohändler gegangen, der auf Grund seiner Art, Kompetenz, Ehrlichkeit und seinem perfekten Kundenservice auch weit über die Stadtgrenzen hinaus gekannt ist. Ein kleiner, uriger Laden, so wie man ihn von "damals" kennt. Sollte der richtige Ort sein.
Ich habe mir also ein neues Stativ gekauft, ein  Cullmann Magnesit, und dazu einen entsprechenden Kugelkopf, ebenfalls von Cullmann, der eine Tragkraft von 4kg haben soll. Weit gefehlt.

Die Probleme:
1. Ich fotografiere gerne im Hochformat. Kamera eingerastet... Es wackelt. Der obere Teil des Kugelkopfes ist mit einer Inbus-Schraube an der drehbar gelagerten Kugel befestigt. Diese hat wohl als größtes Hobby, sich ständig zu lösen. Ehrlich? Ich gehe nicht mehr ohne Inbusschlüssel zum fotografieren aus dem Haus. Und das ist mein Ernst.
Ich fotografiere auch gerne mal spektakulär. Letzten Freitag zum Beispiel stand ich auf einer Brücke, habe das Stativ voll ausgefahren und über die Brücke gehoben. Die Kamera befand sich etwa 9m über dem Boden... Jetzt soll sich die Schraube doch einmal ganz lösen. Da hätte ich einen Schaden von etwa 3000€.

2. Dann nehmen wir mal an, ich hätte meinen Inbus-Satz dabei gehabt und vorher festgezogen. Die Platte, die Kamera und Kugelkopf miteinander verbindet, wird durch eine Arretierung daran gehindert, dass die Kamera ungewollt vom Stativ genommen wird. Leider funktioniert auch diese nicht immer. Ich muss sagen, es passiert selten, aber wenn es passiert, dann hasta la vista. Auch das wird selbst bei einer normalen Höhe bei einer hochwertig verarbeiteten Kamera zu deren Tod führen.

3. Es ist ja nicht so, als hätte ich den Kugelkopf zur Reparatur nicht eingeschickt. Er macht sich in Kürze zum dritten Mal auf den Weg. Nun stellen Sie sich vor, Sie hätten nicht wie ich einen netten Fotohändler, sondern hätten Ihre Ausrüstung online gekauft. Abgesehen davon, dass ein Rücksendeformular nicht mal eben auf der Cullman-Website zu finden ist, nein, Sie haben die Rücksendekosten grundsätzlich selbst zu tragen! Und dabei sollten Sie bedenken, dass sie den versicherten Versand von knapp 5€ nehmen sollten, nicht, dass noch etwas zufällig verschwindet. Mein Glück war, dass die Kosten mein Fotohändler tragen musste und nicht ich.
Kaum ist die Ausrüstung wieder zurück und komplett kann man bemerken, dass im Grunde nichts verändert wurde. Denn einen Ersatz gibt es nicht, sondern nur eine "Reparatur", die lediglich so aussieht, dass die Schrauben noch einmal angezogen werden. Also genau das Gleiche, was ich selber schon mehrmals getan habe. Es wundert also nicht, dass es nur wenige Wochen oder Tage dauert, bis doch wieder alles wackelt und einem Angst bei der Benutzung macht.

4. Wo ich gerade beim "Kundenservice" bin: Kosten sind selbst zu tragen. Formulare finden sich nicht und wenn, dann nur nach intensivster Suche. Die Reparatur - auch nur das Anziehen einer Schraube - kann gerne mal zwei Monate in Anspruch nehmen. Und das auch nur, wenn man der netten Firma Cullmann mal in den Allerwertesten tritt, damit die Gas geben. Auch eine Kontaktierung per Mail bringt da nicht viel. Denn eine Antwort gibt es nicht. Ich habe meine nur bekommen, weil ich dann persönlich angerufen habe. Und Antwort kann man auch das nicht nennen. Der zuständige Mitarbeiter werde sich bald melden. Das hat er dann zu meinem Erstaunen auch getan. Gebracht hat es jedoch nichts. Jeder kennt sicher Antworten von Unternehmen, die in etwa aussagen, dass es einem schrecklich Leid täte, man aber nichts ändern könne. So auch hier. Eine Bitte um einen Lösungsvorschlag hat man daraufhin dann... wer wird es erraten?... Richtig! ... wieder ignoriert.
Ich sei "unfair" gegenüber der Firma Cullmann, hatte man mir gesagt. Der Kundenservice habe sich "kompetent" wie es ist, um eine Lösung bemüht. Ganz ehrlich? Eine Tonbandansage war am Telefon gesprächiger. Und Lösungsvorschläge waren von dem weit entfernt.
Und das geht nicht nur mir so, auch meinem Fotohändler gegenüber war man ähnlich kompetent und gesprächsbereit.

5. Und nun ist das Stativ dran. Ich habe für Stativ und Kugelkopf in etwa 180€ bezahlt. Ein schönes Sümmchen, könnte man behaupten. Und ich denke, wenn ich 360DM ausgebe, dann kann man dafür auch eine gewisse Qualität erwarten.
Ja doch, die gibt es auch - im Vergleich zu einem 25€ Alustativ kann man den sogar bemerken.
Ein Stativ hat bei lösen der Schellen selbstständig ein- und auszufahren. Sind die Schellen gelockert, dann passiert das auch wunderbar. Zieht man sie fest, sind dafür aber die Stativbeine locker. Also wieder her mit dem Inbusschlüsselsatz und versuchen, die optimale Schraubeneinstellung zu finden. Die gibt es in der Tat. Doch wie auch beim Kugelkopf haben diese es wohl nicht gern, wenn man das Arbeitsgerät auch benutzt. Ein Einsatz und alles ist wieder verstellt und bewegt sich entweder nicht, oder bewegt sich deutlich zu viel.
Ich habe mir dadurch übrigens auch einen Teil meines Zahns ausgeschlagen. War wundervoll, wenn man das Stativ aufstellt, die Kamera daraufstellt, durch den Sucher blickt und sich dann ein Magnesiumgehäuse gegen die Zähne schlägt, weil einem das Stativ in sich zusammenbricht.
Aber das juckt bei Cullmann nicht.
Zahnreparaturen kosten übrigens 70€ ;). Mich hat das Stativ mit Kugelkopf bisher dann schon fast 300€ gekostet und es wird noch mehr dazu kommen.

Und zu guter Letzt, das Positive:
Die Dinger sehen echt gut aus. Und sie sind daher super, wenn man damit angeben, sie aber nicht benutzen will.


Das Fazit also für Artikel der Marke Cullman (Ich zitiere an dieser Stelle den freundlichen Fotohändler von heute morgen): "Cullmann ist scheiße!" 
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