Filter für Teleskope – diese Hilfsmittel gewährleisten einen klaren Blick ins All

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Filter für Teleskope – diese Hilfsmittel gewährleisten einen klaren Blick ins All

Mit einem Teleskop offenbaren sich Ihnen die unendlichen Weiten der Milchstraße und Sterne wirken plötzlich zum Greifen nah. Filter dienen dabei als Hilfsmittel, um die Sicht auf die Entfernung durch Nacht und Nebel weiter aufzuklaren. Welche Filter es gibt und wann sich deren Verwendung empfiehlt, zeigt Ihnen dieser Ratgeber.

Filter für Teleskope

Von einem Teleskop erwarten Sie sich Blicke tief ins All auf Sterne und Planeten. Doch aufgrund von Lichtverschmutzung und Streulicht benötigen Sie spezielle Filter für eine klare Sicht. Zudem erstrahlen gewisse Objekte nur in gewissen Farben des Spektrums. Filter, die nur einige Wellenlängen passieren lassen und andere blockieren, sind hierfür genau die richtigen. Teleskopfilter blenden das Licht oder gezielt einige Wellenlängen des Spektrums aus. Zudem gibt es Filter, die Ihre Augen vor reflektiertem Licht schützen. So können Sie genau das beobachten, was Sie interessiert. Trotz aller Filter bietet jedoch ein etwas dunklerer Standort des Teleskops gleich bessere Sicht als eine hell erleuchtete Umgebung.

Sonnenfilter: unerlässlich beim Beobachten der Sonne

Bei Beobachtungen der Sonne gilt der Grundsatz: Niemals ohne geeigneten Filter in die Sonne zu schauen! Denn dies kann zu irreparablen Schäden der Augen führen. Da dieser Filter so bedeutend für die Gesundheit ihrer Augen ist, gilt schon bei der Wahl - ebenso wie bei der Verwendung - besondere Vorsicht.
So wird von Sonnenfiltern, die Sie in das Okular schrauben müssen, abgeraten. Da diese sehr nah am Brennpunkt des Teleskops sitzen, besteht die Gefahr, dass diese sich zu sehr erhitzen und platzen. Blicken Sie genau in dem Moment durch das Teleskop, riskieren Sie eine Schädigung der Netzhaut, da Sie nicht schnell genug wegsehen können. Okularfilter, die oft mit dem Teleskop mitgeliefert werden, entsorgen Sie so schnell wie möglich.
Ein sicherer Sonnenfilter wird vor dem Objektiv des Teleskops platziert. Durch diese Position entschärft dieser bereits die Sonnenstrahlung, bevor diese im Teleskop gebündelt wird. Achten Sie bei der Montage darauf, dass der Filter sicher und fest sitzt und die gesamte Öffnung abdeckt. Bei "offenen" Teleskopen muss der Strahlengang zusätzlich mithilfe einer lichtundurchlässigen Abdeckung abgedunkelt werden. Steht der Spiegel ungünstig, kann es sonst dazu führen, dass Sie selbst oder andere Menschen gefährlich geblendet werden. Es gibt sowohl Folien als auch Modelle aus beschichtetem Glas, die aussehen wie ein Spiegel. Diese reduzieren das einfallende Licht auf 0,001 %. Für Refraktor-Teleskope eignet sich besonders ein Herschelkeil zum Einsetzen. Diese müssen Sie jedoch zusätzlich um einen Graufilter ergänzen. Erst dann ist das Licht ausreichend abgedunkelt.

UV/IR-Filter: für gestochen scharfe Bilder aus dem All

Auf die visuelle Beobachtung selbst nimmt ein UV/IR-Filter keinen Einfluss. Dieser ist vielmehr für die Astrofotografie geeignet. Dies liegt daran, dass eine Kamera ein weiteres Farbspektrum erkennt als das menschliche Auge, auf dessen Gegebenheiten ein Teleskop ausgerichtet ist. Ohne diesen Filter kann es somit aufgrund der Wellenlängen im infraroten und ultravioletten Bereich, in denen das Teleskop nicht farbkorrigiert ist, zu unscharfen Bildern kommen. UV/IR-Filter, die für die Astrofotografie optimiert sind, lassen Wellenlängen zwischen ca. 700 Nanometer und 400 Nanometer passieren. Oft wird ein UV/IR-Filter als zusätzlicher Schutz zum Sonnenfilter empfohlen. Dies ist nicht bei allen Filtern notwendig, schadet - bei Unsicherheit - aber auch nicht. Das Heimtückische an UV- und IR-Strahlung ist, dass das menschliche Auge diese nicht wahrnimmt, sie aber Schäden verursachen kann, die Sie erst später bemerken.

Solar-Continuum-Filter: für die Sonnenbeobachtung

Eingesetzt wird der Solar-Continuum-Filter ausschließlich zusammen mit einem Objektivsonnenfilter oder aber hinter einem Herschelkeil. Dieser enge Grünfilter lässt grünes Licht im Bereich von 540 Nanometer durch. So erhalten Sie eine grüne Sonne. Der Solar-Continuum-Filter bewirkt, dass Sonnenflecken ebenso wie die Granulation deutlicher zum Vorschein kommen und betrachtet werden können. Die speziellen Ergebnisse können dabei jedoch je nach Teleskop variieren.

H-Alpha-Sonnenfilter: perfekte Sicht auf Pertuberanzen der Sonne

Ein H-Alpha-Sonnenfilter macht Pertuberanzen sichtbar. Diese Gebilde am Sonnenrand werden in Form von Fontänen durch das Hochschleudern heißer Gase auf der Oberfläche gebildet. Dabei dient ein engbandiger H-Alpha-Filter der Sonnenbeobachtung. Es gibt jedoch auch einen fotografischen H-Alpha-Filter, der dazu dient, die rote Farbe eines Emissionsnebels aufzunehmen. Das liegt daran, dass H-Alpha-Passfilter das Licht der Wasserstoff-Emissionslinie bei 656,28 Nanometer passieren lassen. Bei eben dieser Wellenlänge leuchten auch die Pertuberanzen aus Wasserstoff tiefrot.

H-Beta-Filter: für seltene Phänomene im All

Ein H-Beta-Filter gilt als ein Filter, der sich nur für die Beobachtung weniger besonderer Nebel eignet. Daher gehört er oft nicht zur Grundausstattung eines Hobby-Astronomen. Dieser Filter lässt H-Beta-Licht passieren, das jedoch selten stark auftritt. Häufig sind diese Linien schwächer als die OIII-Linien. Das Sternenlicht wird stark von H-Beta-Filtern geschluckt.

OIII-Filter: Blendet Streulicht in der Stadt aus

OIII-Filter gehören - ebenso wie H-Alpha- und H-Beta-Filter - zu den Linienfiltern. Dabei erzielt ein OIII-Filter besonders gute Ergebnisse bei der Beobachtung von planetarischen Nebeln und vielen Supernova-Überresten. Sternenlicht wird durch diesen Filter stark verschluckt, dafür nimmt der Kontrast zwischen Nebel und Himmelshintergrund stark zu. So ist ein OIII-Filter ideal bei starkem Streulicht in der Stadt. Am besten funktioniert er dabei bei schwacher oder mittlerer Vergrößerung. Für kleine Teleskope hingegen ist er ungeeignet, aufgrund des dunkleren Bildes ist die Vergrößerung hierbei meist zu gering.

Nebelfilter: für die Reduktion der Lichtverschmutzung

Nebelfilter lassen bestimmte Wellenlängen passieren, während sie Streulicht entgegenwirken und etwas eindämmen. Dabei lassen sich Nebelfilter in breitbandige und schmalbandige Filter unterteilen.

Breitbandige Nebelfilter werden unter verschiedenen Bezeichnungen angeboten. Nahezu jeder Hersteller gibt dabei seinem Produkt einen eigenen Namen. Einige darunter sind "Deepsky", "Light Pollution Blocker" (LPB) oder "Light Pollution Reducer" (LPR). Ihre Funktion liegt darin, die Farben, die besonders von Streulicht betroffen sind, auszufiltern. Diese sind Orange, Gelb, Gelbgrün, Blau sowie Violett. Da sich das Auge jedoch an Lichtverhältnisse bei Dunkelheit gewöhnt und insgesamt am empfindlichsten für grünes Licht ist, eignen sich diese besonders für den Einsatz in der Astrofotografie. In diesem Bereich ist ihre Wirkung stärker als bei der visuellen Verwendung.
Besonders gut lassen sich mit Breitbandfiltern Emissionsnebel beobachten. Einsetzen kann man diese auch bei kleinen Teleskopen oder bei höheren Vergrößerungen. Von Vorteil ist dabei ein dunklerer Standort, da diese Nebelfilter nur bedingt etwas gegen starke Lichtverschmutzung in der Stadt ausrichten können. Dafür dunkeln diese die Sterne selbst nicht sonderlich stark ab. Da Glühbirnen in allen Farben des Spektrums leuchten - ebenso wie die Sterne - können diese Filter folglich auch nichts gegen deren Licht ausrichten. Breitbandfilter blenden jedoch die "himmlische Lichtverschmutzung" aus. Diese entsteht dadurch, dass am Tag Ozon-Moleküle durch die Sonneneinstrahlung gespalten werden und sich nachts wieder kombinieren. Dieses Phänomen erzeugt Licht.

Schmalbandige Nebelfilter lassen nur bestimmte Wellenlängenbereiche passieren, in denen sich dezente Spektrallinien, die astronomisch wichtig sind, befinden. Dabei reduzieren sie jedoch Streulicht, das unter anderem von Städten produziert wird. Dadurch wird der Kontrast von Objekten mit ausgeprägten Emissionslinien verbessert. Im Handel werden schmalbandige Nebelfilter hauptsächlich unter der Bezeichnung UHC ("Ultra High Contrast") angeboten. Abgestimmt sind diese Filter darauf, Farben aus dem Bereich "blaugrün" passieren zu lassen. Schmalbandfilter wirken zwar gegen Streulicht, dämmen jedoch auch Sternenlicht. So kann dies dazu führen, dass weniger Sterne zu erkennen sind. Emissionsnebel jeglicher Art lassen sich hingegen deutlicher erkennen.

Welche Objekte eignen sich besonders für die Beobachtung mit Filtern?

Das All bietet von Sternen über Nebel bis hin zu Planeten und Supernova-Überresten viele interessante Phänomene, die es sich lohnt zu beobachten. Dafür gibt es unterschiedliche Filter, um jeweils den bestmöglichen Blick zu bekommen. Es gibt jedoch gewisse Phänomene, die als Paradeobjekte gelten. Hierzu gehört unter anderem der "große Orionnebel". Für diesen Emissionsnebel mit Reflexionsnebel im Zentrum eignet sich ein UHC-Filter. Interessante Einblicke erhalten Sie jedoch auch mit einem breitbandigen Nebelfilter, OIII-Filter oder einem H-Beta-Filter. Der "California Nebel" im Sternbild Perseus sowie der "Pferdekopf Nebel" gehören zu den seltenen H-Beta-Objekten. Der "Zirrus" hingegen ist ein Supernova-Überrest im Sternbild Schwan und lässt sich hervorragend mit einem OIII-Filter beobachten. Bei gutem Himmel eignet sich jedoch auch ein Breitbandfilter.

Auf diese Qualitätsmerkmale sollten Sie bei Filtern achten

Bei der Beurteilung der Qualität eines Filters sollten Sie auf einige Aspekte achten. Hierzu gehören dessen optische und mechanische Qualität ebenso wie die Filterwirkung. So ist die Filterwirkung eines Nebelfilters dann am besten, wenn genau der Farbbereich, auf den dieser ausgerichtet ist, so exakt wie möglich, passieren kann, während andere Wellenlängen blockiert werden. So sollte ein Filter über 90 % Transmission der Wellenlänge, die erwünscht ist, bieten. Für die Astrofotografie ist es besonders wichtig, dass es im UV- sowie im IR-Bereich keine Durchlässe gibt, damit Sie scharfe Bilder erhalten.
Die optische Qualität eines Filters für ein Teleskop ist abhängig vom Filterglas. Dieses erhält seine Filterwirkung entweder, indem es mit Metall-Ionen beschossen oder mit Metallschichten bedampft wird. Im indirekten Licht glänzen diese daher wie ein Spiegel. Dieses Filterglas muss glatt und gleichmäßig dick sein, damit Sie einen guten und exakten Blick ins All erhalten. Mit der mechanischen Qualität des Filters ist dessen Fassung gemeint. So muss eine Teleskopfassung den Filter gerade halten, ohne zu spannen. Kommt es doch zu Verspannungen, führt dies zu unscharfen Bildern. Zudem entstehen durch zu breite oder hohe Filterfassungen Kratzer im Teleskop, wenn diese auf Korrektorlinsen oder im Zenitspiegel aufsetzen. Filter verschiedenster Art finden Sie im Onlinehandel. Achten Sie jedoch darauf, dass Qualität ihren Preis hat. So finden Sie einen hochwertigen Filter, mit dem Sie genau das Phänomen beobachten können, das Sie interessiert, und an dem Sie lange Freude haben.

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