Feuerwerk - die alte edle Kunst der Verschwendung (1)

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An Silvester hat das Maiskorn seinen größten Auftritt. Da zaubert es mit einigen Millionen Kollegen bunte Blumen in den nächtlichen Himmel, schillernde Rosetten und strahlende, schweifgeschmückte Kometen. Denn in jedem der eineinhalb Millionen kleiner Feuerwerkskörper, die auch dieses Jahr wieder verkauft und verpulvert werden, stecken ein paar Dutzend Maiskörner, umhüllt von einer Mischung aus Metallverbindungen und Schwarzpulver. Kleine, schwarze Kugeln, aus denen dann für ein paar Sekunden große, bunte Sterne werden.

Matthias Lünig, 31, Juniorchef der pyrotechnischen Fabrik Lünig in Stuttgart-Möhringen erklärt das Geheimnis dieser faszinierenden Verwandlung: „Die Maiskörner schütte ich zuerst in eine große, langsam drehende Metallschüssel, so einer wie bei den gebrannten Mandeln. Dort werden sie mit einer Sprühpistole ständig naßgespritzt. Dann kommt ein feiner Staub aus Metallverbindungen dazu, den die durcheinanderpurzelnden Maiskörner rundherum aufsammeln und so zu immer größeren Kugeln werden." Der Fachmann nennt diesen Vorgang ‚Dragieren', genau wie in der Pharmazie. Man hätte natürlich auch Kunststoffkügelchen nehmen können, aber Mais hat eben gerade gut gepaßt und war auch noch umweltfreundlicher. Rund eine Tonne pro Jahr fliegt allein bei Lünig jedes Jahr in die Luft. Sobald die gewünschte Größe erreicht ist - zwischen 3 und 10 Millimetern Durchmesser - wird eine Portion Schwarzpulver dazugeschüttet. Es sorgt dafür, daß die danach schwarzen Kugeln schön schnell verbrennen. Das bunte Licht entsteht durch die brennenden Metallpartikel: Kalium leuchtet violett, Kupfer blau, Barium grün, Strontium rot und Natrium gelb.

Aus dieser Palette stellt der Pyrotechniker ‚seine' Raketen zusammen. Da wird nichts am Reißbrett entwickelt. „Wir mischen zusammen und dann gehen wir raus auf den Schießplatz und probieren's aus", sagt Matthias Lünig. Notiert werden bei Großfeuerwerk tatsächlich nur der Ablauf und die Farben der einzelnen Schüsse. Entwicklung ist Erfahrungssache. Seit ungefähr 15 Jahren besteht der sogenannte Leuchtsatz aus dragierten Kugeln, früher hat man die Chemikalien-Mischung wie einen Teig angemacht, geknetet und dann in Würfel geschnitten. Würde das Gemisch nur einfach eingefüllt und abgeschossen, wäre außer einem kurzen Blitz nichts zu sehen.

Nicht gerade im Sinne der Feuerwerker. Sie verfeinerten im Laufe einiger Jahrhunderte die Mixturen ihrer Raketen, mischten Aluminium und Eisenspäne bei, die dann als silberner oder goldener Funkenregen vom Himmel fallen. Es ist aber auch möglich, den Kugeln erst eine rote Leuchtschicht und dann eine blaue „aufzutrommeln". Oder andersrum. Oder andersfarbig. Dann wechseln die Kugeln nach der Entzündung die Farben.

Dabei gibt es tatsächlich nur wenige Unterschiede zwischen den gewaltigen Großfeuerwerksraketen und normalem Silvesterfeuerwerk: die Menge der Treib- und Leuchtladung. Der Feuerwerkskörper besteht aus diesen zwei Teilen - unten das gepreßte Schwarzpulver der Treibladung mit der Lunte oder „Stoppine", oben die mit den Kugeln und einer „Austreibladung" gefüllte Papphülse. Man kann den Leuchtsatz auch in Aluhülsen pressen, dann brennt die Hülse mit ab - das bringt etwas länger leuchtende und größere Sterne, ist aber recht teuer und raucht ziemlich stark. Und Rauch kann der Feuerwerker nicht riechen. Aus optischen Gründen.

Obwohl bei Großfeuerwerken auch Raketen zum Einsatz kommen, sieht dort der hauptsächlich verwandte Feuerwerkskörper so aus. Die ‚Bombe', eine Kugel mit zehn bis 21 Zentimetern Durchmesser, besteht meistens aus einer Innenkugel mit Loch oben (zum Einfüllen der Leuchtladungskügelchen) und einer Außenhülle, beides aus Plastik. Untendran klebt die Treibladung in einer Art Plastikbecher. Die Lunte verbindet außen entlang Treib- und Leuchtladung und besteht aus einer Papphülle mit eingepreßtem Schwarzpulver. Im Gegensatz zu den freiliegenden Lunten, wie sie jeder aus Westernfilmen kennt, brennen solche verdeckten Lunten viel schneller - das Feuer schlägt regelrecht vom einen zum anderen Ende durch. In weniger als einer halben Sekunde haben sich damit der Treibsatz und der Zeitzünder der Leuchtladung entzündet.

Weiter mit Teil 2...

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