Feuer und Eis auf 50km - wo hat man das schon!

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ISLAND - Dieses Land einmal besuchen zu können, ist der Traum vieler Menschen; doch schrecken viele vor den hohen Kosten und auch Strapazen zurück.
Für 10 Tage nahmen wir, 4 Personen, diesen Traum in Angriff und ich muss sagen: es hat sich gelohnt!!
Im Sommer letzten Jahres (2004) traten wir unsere Reise an, mit vielen Pullis und Jacken im Koffer, glaubten wir doch, das der Name für das Wetter spräche, doch es kam ganz anders: In den 10 Urlaubstagen hatten wir tatsächlich nur einen einzigen verregneten Tag erlebt, die andern Tage waren - eigentlich nicht gerade typisch für Island - von Sonne, blauem Himmel und wohlige 20°C geprägt, einfach traumhaft.
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1. Tag:
Nachts auf dem Flughafen in Reykjavik gelandet, fuhren wir die durchwegs beleuchtete Straße (25km!!) zu unserm erstem Hotel in Reykjavik selbst, wo wir auch den Vormittag verbrachten. Nach einem kurzen Snack fuhren wir zu unsrem ersten Ausflugsziel, dem Thingvellir Nationalpark: An einem See gelegen hatten wir bei wunderschönem Wetter Gelegenheit, das große Gelände zu erkunden. Geologisch interessant ist hier sicherlich die überall deutlich sichtbare Plattentektonik, da hier die eurasische und die amerikanische Platte aufeinandertreffen, was auch die Ursache für die so abwechslungsreiche Landschaft Islands ist. Hier im Nationalpark kann man wunderschön durch die großen Spalten wandern, rechts und links ragt Gestein nach oben, man kommt an einem schönen Wasserfall vorbei und hat eine besonders schöne Aussicht auf die nächstliegende Umgebung. Dieser wunderbare Standort hat sicher auch die Ureinwohner Islands beeindruckt, so dass sie hier ihre Versammlungen abhielten, das so genannte Althing; heute zeugen davon nur noch die alte Kapelle und 3 nebeneinandergebaute Häuser von der geschichtsträchtigen Stelle.
Thingvellir verlassend kamen wir an einige Vulkankratern vorbei, die durch Grundwasser gefüllt waren, was bei Sonne ein wunderschönes Glitzern und einen unvergesslichen Ort abgab. Ausgeschildert waren diese "Sehenswürdigkeiten" immer mit einem recht ungewöhnlichen Schild, sie zu befahren war meist beschwerlich, lohnte sich aber immer. Wir übernachteten in einem kleinen Ort namens Selfoss nahe der Südküste, gespannt auf den nächsten Tag.
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2. Tag:
Die Gegend etwas näher erkundend kamen wir am Wasserfall Gulfoss vorbei, der von einigen Touristen besucht wurde und daher auch gut erschlossen und attraktiv für die Besucher gemacht worden war. Der Wasserfall liegt tief im Tal und ist von der Straße aus kaum zu sehen, jedoch schon von weitem zu hören. Und wie der Zufall es wollte schien die Sonne und wir bekamen auf unseren Bildern wie bei fast allen Wasserfällen einen tollen Regenbogen zu sehen. Dem eigentlichen Ziel uns nähernd - dem Geysirgebiet - kündigten die unzähligen Gewächshäuser, Hallenbäder und Dämpfe die geothermale Bodennutzung an. Ebenfalls touristisch gut erschlossen ist das Geysirgebiet. Neben zahlreichen kleinen, blubbernden, schwefelhaltigen (=> an den Geruch muss man sich erst gewöhnen!!) Erdlöchern befinden sich hier auch 2 große Geysire. Der bekannteste ist wohl der Geysir Strokkur, der alle 7 Minuten eine an die 20m hohe Fontäne hervorbringt. Beim Fotografieren muss man schon ein ruhiges und schnelles Händchen haben. Wir hatten auch das Glück, dass der andere Geysir ausbrach, der noch etwas größer ist. Das Gebiet ist wunderschön, durch den Schwefel bilden sich interessante Farbgebungen und auch für Wanderer ist es zu beachten. Gegen Abend kehrten wir nach Selfoss ins "Hotel" zurück.
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3. Tag:
An diesem Tag namen wir die Südküste etwas näher unter die Lupe. Auf der Fahrt kamen wir wieder an unzähligen Wasserfällen vorüber, darunter auch Seljalandsfoss; dieser Fall ist so angelegt, dass man um ihn rumgehen kann, wasserabweisende Kleidung ist zu empfehlen! Wenig später erreichten wir unser eigentliches Ziel: das an der Südküste gelegene Fischerstädtchen Vik mit seinem Strand und den Felsen von Dyrholaey. Dank unseres Allrad-Jeeps konnten wir den Felsen erklimmen und hatten eine wünderschöne Aussicht auf die Gegend, sogar die Gletscher waren zu sehen. Der Strand zählt zu den schönsten der Welt, da er aus Vulkanasche besteht, also durchwegs schwarz ist, was den Reiz hervorruft. Bizarre schwarze Felsformationen erhoben sich am und ins Meer, so dass man wirklich von einem gelungenen Ausflug reden kann. Später kehrten wir ins Hotel "Efri-Vik" ein.
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4. Tag:
Die heutige Route führte uns zum ersten Mal ins Bergland, eine im wahrsten Sinne des Wortes aufreibende Fahrt. Unsere Ziele waren die Laki-Krater, die romantische Hochlandoase Landmannalaugar und die Feuerspalte Eldgja (größte Eruptionsspalte der Erde), wobei wir nur letztere zu Gesicht bekamen. Wir verbrachten den größten Teil des Tages im Auto, denn vorwärts kam man kaum: einige Flüsseüberquerungen, die mit tiefen Löchern gespickte Sand/Schotter/Steinstraße und die engen und Steilen Wege ließen uns im Schneckentempo vorankommen, jedoch bekam man einen einmaligen Eindruck von der Natur. Um rechtzeitig im Hotel zu sein, beschlossen wir, die weiteren Ziele sausen zu lassen und kämften uns wieder zurück nach Vik.
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5. Tag:
Diesen Tag wollten wir im ewigen Eis verbringen, was in Island auch wirklich einfach ist. Der Südküste weiter folgend erreichten wir bald den Skaftafell-Nationalpark, einen gut für Wanderer angelegtes Gebiet, das rund um den Gletscher Vatnajöküll führt. Wegen unserer geringen Zeit wanderten wir zu einer Gletscherzunge (ca. 1. Stunde), wo uns die Klimaveränderung deutlich sichtbar wurde. Dennoch bekamen wir Gletschertore, die Gletschermilch und natürlich den Gletscher selbst gut in Sicht; auch das Wetter half uns dabei, da die Sonne bei klirrender Kälte (ca. 2-3°C) auf uns niederstach. Den Park verlassend machten wir uns auf zur berühmten Eislagune Jökulsarlon, wo einige berühmte Filme gedreht wurden (James Bond, Tomb Raider). Auf dem Weg bekamen wir durch mehrere kleinere Buchten einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartete. Für die Touristen aufbereitet nahmen wir an einer teuren Bootsfahrt durch die Eislagune teil, was wohl eines der schönsten Erlebnisse war. Die bizarren Eisformationen, schwimmend auf kristallblauen Wasser, brachten jeden der Fahrgäste zum Staunen. Da der Abend hereinbrach, fuhren wir in das an der Ostküste gelegene Fischerdorf Djupavogur, wo wir in dem wohl schönsten Hotel übernachteten, dem "Framtid Hotel".
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6. Tag:
Dieser Tag brachte uns in ein ganz anderes Naturgebiet. Wir hatten an die 200km zurückzulegen, was uns aber auf Grund der Ostfjorde Islands recht kurzweilig dargelegt wurde. Es war recht windig, überall sah man das Meer sich an der Küste brechen und die Straßen waren recht abenteurlich angelegt. Im Norden der Insel angekommen stach uns als erstes Kennzeichen der Schwefelduft in die Nase und bald darauf sah man überall Dämpfe und Rauch in den Himmel emporsteigen. Wir besuchten ein eigens für Besucher angelegtes Areal mit Schlammtöpfen, Gaskesseln und sprudelnden Quellen (Namaskard). Auch machten wir sofort Bekanndschaft mit der wohl heftigsten Plage in dieser Gegend, den Mücken. Gleich in der Nähe befand sich der noch aktive Vulkan Krafla mit den berühmte Grotte Grjotagja. Den Vulkan konnte man mit etwas Mühe bewandern, was besonders wegen den noch warmen Lavamassen ein Erlebnis war; ebenfalls war die Quelle sehenswert, die wieder mit allen möglichen Farbgebungen glänzte. Etwas höher gelegen befand sich noch ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater, den man umwandern konnte. Abends fuhren wir zum Hotel beim Myvatnsee (Mückensee) und konnten den Jeep vor Mücken kaum mehr erkennen.
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7. Tag:
Für diesen Tag erkundigten wir die Umgebung des Myvatnsees, jedoch schon in aller Frühe um der Mückenplage zu entgehen. Zunächst betrachteten wir vom Auto aus die zahlreichen Pseudokrater, die die Natur rund um den großen, aber sehr flachen See hervorgebracht hat. Desweiteren wanderten wir durch einen sehr schön angelegten Park, der uns einen großartigen Eindruck über den See und seine Größe, aber auch die Pflanzen und Tiere (Entenarten!) vermittelte. Langsam kamen die ersten Mücken und wir beeilten uns die bizarren Lavaformationen Dimmuborgir zu betrachten. Auch hier waren zahlreiche Wanderwege errichtet und bestaunten das Labyrinth von Fels, Lava und Gestein. Auf dem Rückweg kamen uns schon die ersten Wanderer mit Mückenschutz entgegen. Wir entflohen diesen Getier, indem wir einen Ausflug zum mächtigsten Wasserfall Islands machten, dem Dettifoss. Auch hier führte der Weg über Stock und Gestein, doch die gewaltigen Wassermassen, die hier sich ihren Weg bahnten, machten diese Beschwerlichkeit mühelos weg. Dieser Wasserfall ist nichts für ängstliche Gemüter, da man sehr nahe an ihn heran kann und die atemberaubende Naturgewalt und v.a. das Geräusch so uneingeschränkt genießen kann. Abends kehrten wir wieder ins Hotel bei Myvatn zurück.
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8. Tag:
Heute hatten wir einen weiteren Höhepunkt geplant: wir fuhren nach Husavik, um einer Walbeobachtungsfahrt beizuwohnen. Die Fahrt bis in diese Fischerstadt gestaltete sich wiederum abwechslungsreich. Dort angekommen besuchten wir erstmal das Walmuseum, das einige Skelette von Walen und sonstigen Meerestieren bereit hält. Nachmittags bei sonnigem Wetter fing dann das Abenteuer an. Mit 3 Schiffen fuhren wir ins offene Meer hinaus, bekamen derweil eine Einführung und beobachteten gespannt das Meer. Leider war der Zeitpunkt unserer Fahrt ungünstig, da die meisten Wale schon das Weite suchen. Dennoch bekamen wir einen Zwergwal, eine Delfingruppe und massenweise Möwen vor das Fernglas. Alles in allem waren wir zwar enttäuscht, aber auch ziemlich froh über unser Erlebnis, so dass wir abends müde im Hotel ankamen.
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9. Tag:
Heute war der Norden Islands an der Reihe. Zunächst kamen wir am sagenumwobenen Wasserfall der Götter vorbei, dem Goddafoss, der natürlich durch einen Regenbogen umsäumt wurde. Darauf fuhren wir in Akureyri, der Hauptstadt des Nordens ein. Hier besichtigten wir eine moderne Kirche, den botanischen Garten der Stadt und den Marktplatz. Auch lagen zwei riesige Kreuzfahrtschiffe im Hafen Akureyris, so dass man die Bedeutung der Stadt schon erahnen konnte. Gestärkt brachen wir auf, um unser Ziel Varmahlid zu erreichen. Dort kamen wir auf die Idee, den Tag auf einer der zahlreichen Pferderanchen mit einer Reittour zu beenden. Wir hatten Glück und bald trabten wir zu 7. durch die Gegend, freundlich geleitet vom Hund der Besitzer. Todmüde kehrten wir in das diesmal etwas schlechtere Hotel zurück und schliefen sofort ein.
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10. Tag:
Der vorletzte Tag führte uns zurück nach Reykjavik, der Hauptstadt Islands. Wir kamen wieder an einigen Kratern vorbei, die wir auch bewanderten und besuchten eine für Besucher geöffnete Fabrik, wo die Eigenart Islands, die heißen Quellen, genutzt wurde. Endlich wieder in der Zivilisation - sprich Reykjavik - angekommen, lockte uns der mitten im Zentrum gelegene See zu einer erneuten Stadtbesichtigung (Kirche, Zoologischer Garten).
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11. Tag:
Heute wollten wir noch einmal bummeln gehen und kämpften uns durch die dicht bevölkerten Straßen Islands bis wir mit Mitbringsel und sonstigen Erinnerungsstücken ausgerüstet waren. Da der Flug erst abends ging, wollten wir uns die berühmte "Blaue Lagune", die wenige Kilometer vom Flughafen entfernt liegt, nicht entgehen lassen. Diese von Menschenhand geschaffene Lagune wird von der Erdwärme gespeist, das Wasser hat so um die 35°C. Man traf dort einige Leute, die man irgendwo auf der Insel schon einmal gesehen hatte und die sich hier erholten. Zwar etwas schlapp aber dennoch in freudiger Erwartung auf die Heimat, stiegen wir abends in unseren Flieger nach München und sagten einem wunderschönen Ausflug auf Island wehmütig auf Wiedersehen.


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