Faszination analoge Filmtechnik: alte Filmkameras und Schmalfilme

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Alte Filmkameras und Schmalfilme – die Faszination der analogen Filmtechnik

Wie lautet der schöne alte Satz - als die Bilder Laufen lernten - aber wann war das eigentlich? Recht gut dokumentiert in diesem Zusammenhang ist etwa die Geschichte der Laterna Magica, im deutschsprachigen Raum als Zauberlaterne bezeichnet. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass es sich bei der Laterna Magica um einen Vorläufer handelte, der noch keine bewegten Bilder darstellen konnte. Die Funktionsweise war genau umgekehrt wie bei der Camera Obscura, bei der Licht von außen nach innen drang, während sich bei der Zauberlaterne die Lichtquelle im Inneren befand, um ein Bild auf eine geeignete Fläche zu projizieren - ein beliebter Zeitvertreib für Besucher auf Jahrmärkten, Messen und Schulen, und zwar vom 17. bis weit in das 19. Jahrhundert hinein.

Nachfolger war das sogenannte Phenakistiskop, in hiesigen Regionen auch bekannt als Wunderrad, eine Erfindung, die auf das Jahr 1832 zurückzuführen ist und für die es gleich zwei Väter gibt: Simon Ritter von Stampfer aus Wien sowie Joseph Antoine Ferdinand Plateau aus Gent, die unabhängig voneinander forschten und arbeiteten. Zum ersten Mal in der langen Geschichte der heutigen Kinematografie gelang es, den Eindruck von bewegten Bildern zu erzeugen. Die Funktionsweise war so simpel wie genial: Auf einer Drehscheibe wurden Bilder mit unterschiedlichen Bewegungssequenzen kreisförmig angebracht und durch Linien bzw. Schlitze getrennt. Blickte man durch diese Schlitze, während die Scheibe gedreht wurde, entstand der Eindruck von Bewegung.

Von dieser Erfindung bis hin zu Schmalfilmen und entsprechendem Equipment in Form von Filmkameras und Projektoren war es noch ein langer wie gleichermaßen faszinierender Weg. Im nächsten Abschnitt erfolgt noch ein weiterer historischer Rückblick, danach dreht sich alles um die Faszination der analogen Filmtechnik, die mit Schmalfilmen bis heute verbunden wird.

Die ersten Standbilder und die Belichtungszeiten

Mit der Einführung der Fotografie (Louis Daguerre und Joseph Niepce um 1835 bis 1840) wurden erstmals Abbilder der Realität geschaffen, die nicht auf Zeichnungen jeglicher Form basierten, in diesem Zusammenhang spricht man von der Daguerreotypie. Als Trägermaterial dienten zu seiner Zeit chemisch behandelte Kupferplatten, die jedoch derart lichtunempfindlich waren, dass extrem lange Belichtungszeiten notwendig waren, die oftmals 10 Minuten und mehr überschritten. In dieser Phase war nicht an bewegte Bilder zu denken, die auf Fotografien basierten.

Die Verkürzung der Belichtungszeiten durch Daguerre beruhte auf einem historischen Zufall: Er musste die Belichtung einer Aufnahme aufgrund der Wetterlage vorzeitig abbrechen und verstaute die teilbelichtete Platte in einem Schrank mit Chemikalien. Als er die Platte später entnahm, war ein Bild darauf zu sehen; bei einer Testreihe fand er letztlich heraus, welche Chemikalie den Belichtungsvorgang verkürzte: Quecksilber.

Es gab jedoch noch eine weitere wichtige Hürde auf dem Weg zum bewegten Bild: Wie sollte man aus einzelnen Platten einen Film drehen? Dieses Platten-Problem wurde um 1890 durch Hannibal Goodwin durch die Erfindung des Rollfilms gelöst, das Filmmaterial wurde auf Spulen gewickelt, sodass Einzelbilder unmittelbar hintereinander geschossen werden konnten. Die Produktion der ersten Rollfilme - zunächst vor allem für die Fotografie - produzierten Companys, zu denen Eastman (später auch bekannt als Kodak-Eastman) zählte - ein technischer Durchbruch auf dem Weg zur eigentlichen Kinematografie.

Die ersten Filmkameras (Kinematographen)

Mit den ersten Filmkameras gelang in Verbindung mit dem Rollfilm der Schritt von der Chronographie zur Kinematographie: Als Pionier kann in diesem Zusammenhang der französische Erfinder und Chemiker Louis Le Prince bezeichnet werden. Die erste von ihm präsentierte Kamera besaß noch 16 einzelne Linsen bzw. Objektive, mit denen unmittelbar aufeinander folgend Bewegungsbilder aufgenommen wurden - eine Aufnahmegeschwindigkeit die auch bei den Schmalfilm-Kameras mit 16 Bildern pro Sekunde zum Tragen kam, dazu später mehr.

Louis Le Prince entwickelte ebenfalls die wohl erste Filmkamera mit nur einem Objektiv, bei der die von Eastman hergestellten Rollfilme verwendet wurden. Seine ersten Filmaufnahmen, darunter Verkehrsszenen auf einer Brücke, sind bis heute erhalten, wohingegen der Erfinder selbst als vermisst gemeldet wurde - die Umstände konnten bis heute nicht aufgeklärt werden, also selbst schon fast eine filmreife Dramaturgie.

Um die Filme betrachten zu können, wurden sogenannte Kinetoskope entwickelt: Durch ein Okular konnte sich allerdings immer nur ein Zuschauer den Film wie in einem Guckkasten betrachten, aber ein Anfang war gemacht.

Der 35 mm Film als Vorläufer zum Schmalfilm

Entgegen der weitverbreiteten Überzeugung wurde der 35 mm Film zunächst als Format für bewegte Bilder entwickelt und kam erst später in der Fotografie zum Zuge - man sprach von Kleinbildkameras, Leica übernahm die Vorreiterrolle bei der Entwicklung der entsprechenden Fotoapparate. Um etwa 1900 herum kamen erste Filmkameras auf den Markt, die sich auch für die Verwendung durch Amateure eigneten. Eines der frühen Modelle verwendete zwar 35 Millimeter Film, dieser wurde jedoch nur in der Hälfte der Breite belichtet und entwickelt, danach nochmals eingelegt und die andere Hälfte belichtet. Per Definition spricht man übrigens bei allen Formaten vom Schmalfilm, die in der Breite eben diese 35 Millimeter als sogenanntes Normalformat unterschreiten. Das 35 Millimeter Format wurde letztlich vor allem für Kinoproduktionen verwendet, also im professionellen Anwendungsbereich, dabei wurde ein Teil für Bild- der andere Teil für Tonaufnahmen verwendet.

Der Schmalfilm und seine Entwicklung: 16 mm als Standard

Das erste Format in diesem Segment war der im Jahr 1923 eingeführte 16 mm Schmalfilm, der gedacht war für semiprofessionelle Anwendungen, Dokumentationen sowie für den Amateurbereich, da in der Produktion sowie der benötigten Technik deutlich günstiger bei den Produktions- und Anschaffungskosten. Unterschieden wird hierbei heute zwischen einer doppelseitigen sowie einer einseitigen Perforation: Bei der letzteren Variation können so entweder eine magnetische oder eine optische Tonspur mit implementiert werden. Ein weitverbreitetes Format bei der Realisierung von Low Budget Produktionen, die Kosteneinsparungen wogen bei Weitem die Nachteile hinsichtlich Filmauflösung und Korngröße auf, die für einen gewissen Qualitätsverlust gegenüber dem 35 mm Filmmaterial standen. Ein weiterer Vorteil: Das Equipment wie die dazu gehörenden 16 mm Filmkameras konnten deutlich einfacher transportiert werden, etwa für Arbeiten an Dokumentarfilmen. Im Prinzip war auch schon hier der Trend zu möglichst handlich kleinen Geräten erkennbar, wie er sich bis heute bei jedem modernen Camcorder zeigt.

Das Spezialformat: der 9,5 mm Film

Zu verdanken ist dieses Format dem Film- und Musikpionier Charles Pathé aus Frankreich: In Verbindung mit einem Heimprojektor war das zunächst primäre Ziel, schon zu dieser frühen Zeit um 1921 einen Filmverleih für die Eigenproduktionen auf dem Markt zu etablieren. Die Idee lag jedoch nahe, eine zum Format passende Filmkamera zu entwickeln, was auch geschah: die Pathé Baby, wie sie genannt wurde und noch mit einer Kurbel versehen war, um Filmaufnahmen zu tätigen. Aufgrund des für die damalige Zeit niedrigen Erwerbspreises wurde das Produkt zu einem echten Erfolg in vielen Ländern.

8 mm Filme - klein, fein und beliebt

Der Schmalfilm als Medium erlebte seine Blütezeit vor allem in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts, denn gerade in dieser Zeit stellten die 8 mm Schmalfilme samt dazugehörigem Equipment eine kostengünstige Alternative für den Heimgebrauch dar.

Blickt man in der Historie ein wenig weiter zurück, wird der Normal 8 mm Film bereits 1932 – erneut in Verbindung mit Kodak Eastman – erwähnt, im Original handelte es sich jedoch um 16 mm Material, dass in der Breite jeweils bis zur Hälfte separat belichtet und im Anschluss mittig durchschnitten wurde. Der wichtigste Grund: Materialkosten sparen, um das Segment für den Amateurbereich interessanter zu machen.

Super 8 als legitimer Nachfolger wurde im Jahr 1965 der Öffentlichkeit präsentiert und zugänglich gemacht. Die wesentlichen Unterschiede zu Normal 8 Format: Die typische Perforation war deutlich kleiner, im Gegenzug wurde die Einzelbildfläche um weit über 30 Prozent vergrößert, was die Darstellungsqualität bei Vorführungen sichtbar verbesserte. Für Anwender besonders praktisch war, dass das Filmmaterial in Kassetten ausgeliefert wurde, die man entsprechen nur noch in eine Super 8 Filmkamera einsetzen musste. Mit dem passenden Super 8 Projektor stand einer Privatvorführung von selbst gedrehten Urlaubs- oder Familienfilmen sowie sonstigen Filmsequenzen nichts mehr im Wege. Einige werden sich sicherlich noch an solche Ereignisse erinnern, wenn das Licht ausgeschaltet wurde und der Projektor mit einem unüberhörbar tickenden Geräusch die Bilder an die Wand warf.

Faszinierende Möglichkeiten: die Künstlerischen und experimentellen Aspekte

Engagierte Hobby-Filmer wissen nach wie vor das kreative Potenzial der Schmalfilme aufgrund der Beschaffenheit zu schätzen - auch wenn der Kreis der Enthusiasten recht klein ist. Im Profilager dagegen wird etwa das Super 8 Format wieder verstärkt eingesetzt, da sich die analogen Möglichkeiten des Zelluloidfilms sehr schön mit digitalen Arbeitsabläufen kombinieren lassen, um völlig neue Effekte zu erzeugen.

Nicht zu unterschätzen ist übrigens auch die Kraft der Nostalgie, die durch Schmalfilm-Sequenzen zu neuem Leben erwacht. Dieser Effekt lässt sich durchaus bewusst herbeiführen, wenn man die notwendige Geduld aufbringt und sich mit Filmkameras, Projektoren sowie dem analogen Filmmaterial selbst auseinandersetzt. Selbst der kreative Prozess im Vorfeld kann beschwingend gegenüber "digitalen Schnellaufnahmen" sein, die man mit einem Camcorder heute sozusagen aus dem Handgelenk schießen kann, ohne sich vorab Gedanken machen zu müssen. Vorteilhaft ist die Digitaltechnik natürlich, wenn man spontan Situationen festhalten möchte, die sich in dieser Form mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wiederholen werden - man denke nur an die eigenen Kinder.

Vergleicht man übrigens die modernen Camcorder mit den älteren Filmkameras aus dem Schmalfilmbereich, wird man schnell feststellen, dass diese älteren Modelle einen ganz eigenen ästhetischen Reiz mit sich bringen - kein Wunder, dass sich viele Sammler für diese Produkte interessieren.

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