Fantasy in der englischsprachigen Literatur: Was bedeutet High, Low, Dark, Urban und Science?

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Fantasy in der englischsprachigen Literatur: Was bedeutet High, Low, Dark, Urban und Science?

Seit einigen Jahren erlebt das Genre Fantasy einen neuerlichen Boom, was neben der sehr erfolgreichen Verfilmung von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“ durch Peter Jackson auch auf die großen Erfolge der Buchreihen und Verfilmungen von „Harry Potter“ von J. K. Rowling und „Twilight““ von Stephenie Meyer zurückzuführen ist. Auch „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin zählt zu einer der beliebtesten aktuellen Serien.

Während Tolkien das Subgenre High Fantasy prägte, entstanden im Laufe der Zeit weitere Subgenres wie Low Fantasy, Dark Fantasy oder auch Paranormal Fantasy. Neue Autoren prägen bestehende Genres immer wieder neu, wie es zum Beispiel George R. R. Martin mit seiner erfolgreichen Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ tut. Auch wenn die Übergänge zwischen den verschiedenen Subgenres nicht eindeutig gezogen werden können, haben sich diese etabliert und helfen dabei, einen Überblick über das schnell wachsende Feld der Fantasy Literatur zu wahren.

Ursprung des Fantasy-Genres in der englischen Literatur

Das Fantasy-Genre wurzelt in den Mythen und Legenden, die Teil jeder Kultur sind. Heldenepen wie Homers Ilias, die Sage von König Artus oder das Nibelungenlied gehören zu den bekanntesten Beispielen. Nachdem Romane im 18. Jahrhundert gesellschaftsfähig geworden waren, gehörten E. T. A. Hoffmann und Edgar Allen Poe zu den Ersten, die auch phantastische Elemente in ihre Bücher einbauten. Als Subgenre der Phantastik gewann das Fantasy-Genre durch die Werke Jules Verne, Mary Shelly, Bram Stoker und Oscar Wilde Gestalt. Die Figuren Frankenstein, Dracula, Dorian Gray und Dr. Jekyll und Mr. Hyde prägen seit damals die Vorstellung vieler Menschen und tauchen immer wieder in neuen Gewändern in Romanen, Comics und Filmen auf.

Begründer der Fantasy-Genres

Dass Fantasy heutzutage als eigenständiges Genre gilt, ist den Werken von J. R. R. Tolkien zu verdanken, der mit „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“ Werke schuf, die auch heute noch unzählige Menschen begeistern. Ihm folgten weitere Autoren, die das Fantasy-Genre weiter prägten, unter ihnen bekannte Autoren wie C. S. Lewis und Marion Zimmer Bradley. Klassiker, denen zum Beispiel Tolkiens Werke zugerechnet werden, sind nach wie vor zeitlose und beliebte Bücher bei vielen Lesern. Bei Fantasy sind Überschneidungen zu ähnlichen Genres keine Seltenheit, wie beispielsweise Star Wars von George Lucas als Mischung aus Fantasy und Science Fiction, die Geschichten um den Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft mit Horror- und Fantasyelementen oder historische Romane mit Fantasy-Anteilen wie „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon zeigen.

High Fantasy Romane: der epische Kampf zwischen Gut und Böse

Die Geschichten der High Fantasy Romane sind klassischerweise in fantastischen, vom Autor erdachten und entwickelten Welten angesiedelt, die meist an ein idealisiertes europäisches Mittelalter angelehnt sind. Ein besonderer Fokus liegt auf der Magie, der in unterschiedlichen Ausprägungen meist eine entscheidende Rolle in der jeweiligen Welt zufällt. Neben der bekannten Figur des Magiers sind auch magische Gegenstände oder magische Phänomene oft in Romanen dieses Genres zu finden. Ein weiteres klassisches Merkmal sind andere Rassen neben den Menschen wie Elfen, Zwerge, Orks und andere Kreaturen wie Drachen oder Einhörner, die sowohl als Verbündete der Menschen auftreten als auch zu ihren größten Feinden gehören können. Seit einigen Jahren gibt es zudem eine steigende Zahl von Büchern, die sich auf diese klassischen Fantasy-Rassen konzentrieren und nichtmenschliche Hauptcharaktere präsentieren. Ein bekanntes Beispiel dafür sind die zwei Trilogien des britischen Autoren Stan Nicholls, die sich ganz mit der Rasse der Orks beschäftigen und aus ihrer Sicht erzählt werden. Die Konflikte im High Fantasy drehen sich um den Kampf zwischen Gut und Böse, wobei der Fokus eher auf der Entwicklung der einzelnen Charaktere liegt.

Epic Fantasy

Oft synonym zum Begriff High Fantasy verwendet wird die Genrebeschreibung Epic Fantasy. Zwar gibt es hier große Überschneidungen, jedoch wird das Hauptaugenmerk in den Epen des Epic Fantasy Genre auf einen epischen Kampf zwischen Gut und Böse und weniger auf die persönlichen Kämpfe und Konflikte einzelner Charaktere gelegt. Meist ist der Einsatz in diesem Konflikt das Schicksal von Kontinenten oder der ganzen Welt. Epic Fantasy zeichnet sich durch eine Vielzahl von Charakteren aus, deren Rolle in der Geschichte fest als Held oder Antagonist definiert ist. Während die Helden positive Eigenschaften besitzen, zeichnen sich die Antagonisten deutlich durch negative Eigenschaften aus. Zu den bekanntesten Büchern des Epic Fantasy Genres gehören „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien und „Das Rad der Zeit“ von R. Jordan. Oft bilden die Bücher in diesem Genre mehrbändige Reihen, die von zwei oder drei Büchern bis hin zu zwanzig oder mehr reichen können.

Von der Artus-Sage inspiriert: Low Fantasy und pseudohistorische Romane

Romane des Subgenres Low Fantasy zeichnen sich dadurch aus, dass die klassischen fantastischen Elemente der High Fantasy kaum oder gar nicht vorhanden sind. Die Schauplätze sind historisch oder fiktiv historisch gehalten und nichtmenschliche Rassen und Magie sind selten oder nicht vorhanden. Auf epische Strukturen und den Kampf zwischen Gut und Böse wird weitgehend verzichtet und mehr Wert auf die Charaktere und ihre Entwicklung gelegt. Die Figuren sind nicht mehr klar als Held oder Antagonist auszumachen, sondern vereinen gute und schlechte Eigenschaften in sich, wodurch komplexe Charaktere mit großem internem Konfliktpotenzial entstehen. Viele Bücher dieses Subgenres wurden von der Artus-Sage inspiriert. Zu den bekanntesten Werken dieser Gattung zählen „Die Nebel von Avalon“ und weitere Werke von Marion Zimmer Bradley.

Sehr eng verwandt mit Low Fantasy ist das Subgenre der pseudohistorischen Fantasy, die eine Kreuzung aus historischen Romanen und Fantasyromanen darstellen. Angesiedelt sind diese Romane meist im Mittelalter oder in anderen Epochen der Historie. In diesem Bereich bekannt wurde Diana Gabaldon mit ihrer Highlandsaga „Feuer und Stein“.

Eine andere Definition des Low Fantasy bezieht sich weniger auf die Magiemenge, sondern den Erzählstil. In diesem auch als „Sword and Sorcery Fantasy“ bezeichneten Stil wird action- und temporeich das Abenteuer eines Helden erzählt, der sich meist allein großen Gefahren stellt. Magie taucht beinahe ausschließlich auf Seiten des Antagonisten auf und bekommt dadurch einen bedrohlichen Anstrich. Diesem Subgenre wird öfter vorgeworfen, Klischees zu bedienen, da positive Eigenschaften wie Tapferkeit und Mut den Männern zugeschrieben werden, während Frauen eher hilflos erscheinen. Das wohl bekannteste Beispiel für diese Art Fantasy ist „Conan der Barbar“ von Robert Howard.

Dark Fantasy und Paranormal Fantasy Romane: Vampire und Werwölfe in der Literatur

Das Subgenre des Dark Fantasy zeichnet sich durch eine Vermischung von Fantasy mit Horror aus, sodass dunkle und unheimliche Bücher entstehen. Die fantastischen Elemente dieser Bücher sind Figuren, monströse Kreaturen und Phänomene verschiedener Legenden und Mythen. Die bekanntesten sind Vampire, Werwölfe und Geister, aber auch Dämonen, eher unbekannte Kreaturen wie Wendigos oder vom Autor erfundene Wesen können auftreten. In der Dark Fantasy nehmen diese Figuren die Rolle der Antagonisten ein, wie es zum Beispiel in Bram Stokers „Dracula“ und den Werken von H.P. Lovecraft der Fall ist. Auch Stephen Kings „Der Turm“ gehört diesem Subgenre an.

Auch im Subgenre des Paranormal Fantasy erscheinen diese Figuren, nehmen hier aber die Rolle der Protagonisten oder dem Protagonisten freundlich gesonnenen Nebenfiguren ein. Oft wird mit der anziehenden und durchaus erotischen Komponente des Verbotenen gespielt, die diese düsteren Figuren wie Vampire auszeichnet. Die bekanntesten neueren Bücher dieses Subgenres sind neben den Werken von Anne Rice auch Stephenie Meyers Bücher der „Twilight“-Reihe oder J. R. Wards Bücher der Reihe „Black Dagger“. Aber auch zahlreiche andere Bücher, die sich mit Vampiren, Gestaltwandlern sowie Engeln und Dämonen beschäftigen, gehören zu diesem Genre. Oft werden diese Bücher als zeitgenössische Fantasy bezeichnet.

Urban Fantasy Romane: Fantastische Welten mitten im Alltag

Urban Fantasy bezeichnet Romane, in denen Magie in unsere reale städtische Welt eindringt. Schauplätze können dabei heutige und auch realhistorische Orte sein, solange der Fokus auf einem städtischen Umfeld liegt. Auch futuristische oder vollkommen fiktive Settings sind möglich. Oft ist die Realität eine Fassade, hinter der sich die Magie und nichtmenschliche Wesen verbergen. Zu den bekanntesten Büchern dieses Subgenres gehören die Bücher der „Harry Potter“-Reihe von J. K. Rowling oder „American Gods“ von Neil Gaiman. Oft gibt es Überschneidungen zwischen Urban und Paranormal Fantasy, wie es beispielsweise bei „Twilight“ von Stephenie Meyer oder der Sookie-Stackhouse-Buchreihe von Charlaine Harris der Fall ist.

Science Fantasy Romane vermischen Fantasy und futuristische Technik

Science Fantasy zeichnet sich durch eine Vermischung von Elementen aus dem Fantasy- und dem Science-Fiction-Genre aus. Zumeist sind die Romane in einer futuristischen Zukunft angesiedelt, was oft mit fließenden Übergängen zwischen fortschrittlichen Technologien und Magie einhergeht. Bekannte Bücher dieses Subgenres sind „Star Wars“ von George Lucas, „Der Wüstenplant“ von Frank Herbert oder „Otherland““ von Tad Williams. Steampunk wird als eine Variante von Science Fantasy betrachtet. Steampunk zeichnet sich durch futuristische Technik auf der einen und Mittel und Materialien des viktorianischen Zeitalters auf der anderen Seite aus.

Rollenspielromane: eine breite Palette von klassischer Fantasy bis Science Fantasy

Rollenspielromane können keinem eigenen Subgenre zugeordnet werden, da sie abhängig vom jeweiligen Rollenspiel Elemente verschiedener Subgenres beinhalten. Dennoch kann es sich lohnen, dieser Gruppe von Romanen Aufmerksamkeit zu schenken, da sie von sorgfältig aufgebauten Welten und vielseitigen Hintergründen profitieren, die die Rollenspiele auszeichnen. Da eine Vielzahl verschiedener Rollenspiele als Vorlage für Romane dient, können auch Leser ganz unterschiedlicher Geschmäcker in dieser Gruppe fündig werden. So spielen die Romane des Rollenspiels „Das schwarze Auge“, kurz DSA, in einer High Fantasy Welt.

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