Falsche Dachluhren Laterndluhren Jahres- Monatsläufer!

Aufrufe 435 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Wenn Sie eine Dachluhr, Laterndluhr, einen Jahresläufer, einen ausgefallenen Biedermeier - Regulator oder schönen Monatsläufer hier bei ebay sehen, ist sehr große Vorsicht angebracht: nach meinen Beobachtungen sind mindestens 98% all dieser frühen Wiener Regulatoren gefälscht! Die Betrüger verkaufen meist mit nicht öffentlicher Bieterliste, damit keiner die Bieter warnen kann!

Bestenfalls ist das Uhrwerk noch ein einfaches fabrikgefertigtes Werk um 1850 oder später, jetzt mit neuem Zifferblatt, Pendel und Zeigern aufgemotzt, das Gehäuse ist in so gut wie allen Fällen komplett nagelneu, bestenfalls ist ein Gründerzeitgehäuse dazu "umgestrickt" worden.Sie finden bei wenigen Verkäufern immer wieder solche Komplettfälschungen!

Gefertigt werden diese Kästen von mehr oder weniger begabten Handwerkern vornehmlich in Ungarn und der Tschechei, manchmal sind dieses sogar unter Verwendung von altem Holz aus einem Spätbiedermeier- oder Gründerzeit-Kleiderschrank gebaut und mit Holzbeize künstlich gealtert worden. Jede künstliche Beizung hinterläßt auf dem Holz ein "negatives" Beizbild, d.h. die weichen Jahresringe werden dunkler als die harten Stellen der Holzmaserung, bei echt gealtertem Holz ist dies genau umgekehrt! Mir fällt auf den Fotos oft schon die "unechte" Farbe der Rückwand auf, 150 - 200 Jahre Licht, Schmutz, Ausbleichen, Fliegenschiß, Abnutzung und Patinabildung kann auch kein Profi imitieren. Auch wenn die Arbeit im Osten billig ist und die Handwerker sicher ganz ambitioniert: jede echte antike Uhr sieht anders aus!
Im August 2008 gibt es wieder solch eine Komplettfälschung: Artikelnummer: 160269012393 zeigt eine Ungarn-Fälschung!

Auch sind viele erbärmlich schlechte Fälschungen unterwegs, bei denen sich die Erbauer nicht mal die Mühe machen, altes Furnier oder Holz zu verwenden: da wird dann munter mit Afrika-Mahagoni Messerfurnier in 0,6 mm Dicke losgebaut, was die Uhrenbücher als Vorbilder hergeben!
Diese Furniere waren aber erst ab ca. 1930 im Handel, davor gab es noch das echte, heute nicht mehr erhältliche Kuba-Mahagoni, welches sich wesentlich vom Afrika-Mahagoni unterscheidet:  Oft wird daher dann von mehr oder weniger stark restaurierten Gehäusen gesprochen: dies ist fast immer  Verkäuferprosa für: NACHBAU, funkelnagelneu, und es wird so getan, als ob der Kasten gerade frisch restauriert wurde! FINGER WEG!

Besonders aufwendige Uhrwerke mit skelettierten Werken, langer Laufzeit (von Monatsläufern bis zu diversen Jahresläufern war so ziemlich schon alles hier zu finden) sowie mehreren Indikationen wie Kalendern etc. sind IMMER!! Komplettfälschungen, die nicht mal ein paar alte Teile in sich tragen: gerade aus Drehbank, Teilapparat, Gußtiegel und Schraubstock geplumpst, und schon sind diese Fantasieprodukte bei eBay als Original um 1820 zu verkaufen! Auch die recht schwierig zu produzierenden fein guillochierten Lünetten um die Zifferblätter wie auch die Zifferblätter selbst werden inzwischen in ordentlicher Qualität nachgefertigt! Besonders Metall-Pendelstangen weisen fast immer auf Fälschungen hin!

Lassen Sie einfach eine gesunde Portion Mißtrauen mit einer Prise gesundem Menschenverstand walten, solche Uhren erzielen seit mehr als 30 Jahren Spitzenpreise in hohen 4- und 5-stelligen €- Bereichen bei seriösen Auktionshäusern, doch wenn Sie eine solche Uhr für 2-4000 € angeboten sehen, ist höchste Vorsicht geboten! Selbst Uhrenauktionshäuser in Deutschland schrecken nicht vor mehr oder weniger plumpen Fälschungen zurück!  Allein die Seriosität eines großen Auktionshauses entscheidet über die Wahrhaftigkeit eines Angebotes, nicht die aufwendige Beschreibung oder viele aufgemotzte Hochglanzfotos!

Zu gerne möchte jeder solch ein "Schnäppchen" machen, und dabei frißt die Gier das Hirn des Käufers!

Seien Sie dagegen sicher, daß der kleine und sehr überschaubare Markt bei herkömmlichen Auktionshäusern und erst recht bei eBay von vielen engagierten Sammlern von Wiener Uhren und Regulatoren sehr genau beobachtet wird, eine tolle Laterndluhr im Mahagonigehäuse mit Ahornfadenintarsien und Monatswerk, signiertem Zifferblatt und vielleicht auch noch 4/4- Schlagwerk für nur 2000 € sollte Ihren Blindenhund sofort ganz laut knurren lassen! Oft sind sogar 1:1 Nachbauten/ Fälschungen nach Abbildungen auf Titelseiten entsprechender Fachliteratur im Umlauf:
 
Vor einem Jahr überschwemmten mehrere Modelle Laterndeluhren mit einer stilisierten Öllampe als Bekrönung auf dem Dach des Gehäuses den Markt, Vorbild war hier eine Abbildung auf der Titelseite des Kataloges der Sammlung Dr. Sobek im Wiener "Geymüller-Schlössel": das Ergebnis war ein Nachbau, der genau um den Betrag neben einem Original lag, der aus einem feinen Meisterwerk der höchst eleganten und eher zu subtiler Untertreibung neigenden Wiener Uhrmacherkunst um 1800 eine plumpe, mit allem Schnickschnack überladene schlampig und grob gemachte völlig wertlose Fälschung unserer Zeit werden läßt!

Lassen Sie auf diesem Gebiet einfach Ihr Mißtrauen wachen und Sie werden so manches tolle Angebot als frisch über die Grenzen gebrachten Import aus Fälscherhand erkennen!

Handeln Sie genauso, als ob Ihnen jemand einen gerade frisch lackierten Ferrari für 200 € anbietet, auch da kann etwas nicht stimmen: Jeder Depp weiß, daß solch ein Auto viel mehr wert ist, warum sollte der Verkäufer so dumm sein, gerade Ihnen dieses Auto so weit unter dem üblichen Marktpreis anzubieten? Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind: nur weil Sie dumm genug sind, an die Echtheit des angebotenen Artikels zu glauben!

Eine gutgemachte und sehr informative Seite eines langjährigen Sammlers echter Wiener Regulatoren finden Sie unter. http://members.aon.at/alteuhren , dort können Sie sich auf vielen Fotos eine Sammlung solcher Uhren ansehen!
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden