Fahren mit Anhänger

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Mit ein paar kleinen Tricks lässt es sich meiner Meinung nach recht einfach mit einem Anhänger fahren. Wer ungeübt ist, sollte Sonntags auf einem leeren Kaufhausparkplatz erst ein mal ein paar Runden drehen. Auch wer nur ein bis zweimal im Jahr einen Caravan bewegt und sonst nur ohne Anhänger fährt, sollte ruhig mal ein paar Übungsrunden auf einem leeren Parkplatz drehen, um wieder ein Gefühl für den Anhänger zu bekommen

1. Versuchen den Anhänger so weit wie möglich gerade rückwärts zu fahren, vor allem beim rangieren so langsam wie möglich fahren.

2. Vorwärts die Lenkung des Zugwagen bis zum Anschlag drehen, danach einen Kreis fahren. Links herum, sowie rechts herum! Das Bild  im Spiegel, wie weit der Anhänger nach innen läuft, sollte man sich gut einprägen. Rangiert man Rückwärts, und der Anhänger knickt weiter ein, als bei der Kreisfahrt, kann man nicht mehr gegenlenken! Man kann dann nur noch durch vorziehen den Zug strecken.

3. Auf dem leeren Kaufhausparkplatz versuchen, den Anhänger um die Ecke in eine Parklücke zu rangieren. Zuerst eine große Lücke danach kleiner werden. Mit ein paar Einkaufswagen kann man sich bewegliche Hindernisse aufstellen. Hier kann man in Ruhe üben, denn wie bereits erwähnt, gilt bei allen Anhängerfahrten: Eile mit Weile. Mit etwas Übung, ist man durchaus in der Lage, mit einem Anhänger rückwärts einzuparken.

4. Beladung: Den Anhänger vorne schwerer beladen als hinten, damit man ihn gefahrlos abkuppeln kann, ohne sich zu verletzen. Um die Stützlast zu prüfen, reicht eine alte Personenwaage. 50 kg bis 100 kg, in diesem Bereich liegen alle PKW Stützlasten, zeigen Personenwaagen problemlos an. Den Anhänger mit dem Stützrad auf die Waage stellen,  den Anhänger von der Neigung her ungefähr in Fahrstellung bringen. Den Anhänger mal von Hand rangieren, mal voll, mal leer. Hier für ist der Anhänger Haftplichtversichert. So merkt man auch mal, was das Auto leistet, wenn man den Anhänger von Hand schiebt. Hängt er am Auto, zahlt die Versicherung vom Auto, bei einem Rangierunfall.

5. Die Ladung sichern. Abdeckplane, Spanngurte usw. Hier gelten die gleichen Vorschriften und Strafen wie für LKW Fahrer! Beim Caravan die Gasflaschen festzurren! Ein Privatmann ohne Gefahrgutschein darf maximal 33 kg Flüssiggas transportieren. Den Caravan tief beladen, schwere Sachen auf den Boden legen. Die Fliehkräfte sind im Anhänger größer als im Zugwagen! Wer einmal im hintern Teil eines Gelenkbusses gesessen hat, weiß was hier gemeint ist. Man hat das Gefühl Schumi wäre Busfahrer geworden!!

5a. Motorräder mit 4 Spanngurten so stramm befestigen, dass die Federung des Motorrades vollständig zusammengestaucht ist. Sonst kann es passieren, dass der Anhänger in ein Schlagloch rollt und das Motorrad einfedert und die Spanngurte sich lösen.

6. Die gleichen Strafen für LKW Fahrer gelten auch für das Gesamtgewicht / Anhängelast / Achslast. Nicht überladen, lieber zweimal fahren (Lastenanhänger). Caravane haben meist nicht viel Nutzlast, manche nur  um die 200 - 300 kg! Gasflaschen ,Vorzelt, Gummiboot, Surfbrett, Liegestühle, Getränke, Vorräte, etc. da sind schnell 200 - 300 kg zusammen! Wassertanks lieber erst am Urlaubsort füllen.

7. Bei den Gewichten ist auch noch etwas anderes zu Prüfen: Habe ich den richtigen Führerschein?!?!? Sie haben richtig gelesen. Manch einem wurde der Führerschein abgenommen, weil er für die Fahrt mit dem Anhänger nicht den richtigen Führerschein hatte! Interresante Vorstellung: Man befindet sich auf der Urlaubsfahrt und ist schon 350 km von zu Hause entfernt!! Und kein anderer darf das Gespann fahren, also vorher prüfen, ob man das Gespann fahren darf! Ich kenne jemanden, dem hat man wegen Alkohol den Führerschein abgenommen und dann nach 2 Jahren bei Wiedererteilung der Fahrerlaubnis die alte Klasse 3 in die neue Klasse B umgewandelt. Und schon darf man manche Zugkombinationen nicht mehr fahren.

Ist man im Besitz der alten Klasse 3, darf man alle Anhänger mit dem PKW ziehen, wenn dabei die Anhängelasten nicht überschritten werden. Mit dem neuen Füherschein Klasse B darf man nur Anhänger bis 750 kg ziehen. Ausnahme: Der Anhänger darf schwerer als 750 kg sein, wenn das Gesamtgewicht des Anhängers die Leermasse des PKW nicht überschreitet. Es gibt Autos, die ein Leergewicht von 1000 kg haben, 1200 kg ziehen dürfen, aber nur wenn man die alte Klasse 3 hat, oder nach den neuen Vorschriften einen Anhängerführerschein macht, Klasse BE! Bei Klasse B darf das Gesamtzuggewicht 3,5 Tonnen nicht überschreiten.

Gerade bei Paaren, wo z.B. die Frau den Führerschein später gemacht hat, kann es sein, dass der eine das Gespann fahren darf, der andere aber nicht. Die neue Klasse B gibt es seit 1999.

8. Bei gebremsten Anhängern ist die Sicherheitsleine über die Kupplung zu legen. Sie bewirkt ein Anziehen der Bremse, wenn man den Anhänger verlieren sollte.

9. Vor dem Losfahren die Beleuchtung des Anhängers prüfen. Lieber den Anhänger stehen lassen, wenn die Beleuchtung nicht einwandfrei funktioniert. Der Anhänger verdeckt meistens die Rückleuchten des Zugwagen. Hinterherfahrende können dann nur noch raten, wohin der Anhängerfahrer möchte. Auch an Ersatzglühlampen für den Anhänger denken, Anhänger können unter Umständen andere Glühlampen haben ( Zweifadenlampen 21 / 5 Watt) als das Zugfahrzeug! Am Urlaubsort angekommen, verwendete Adapter am PKW entfernen, diese werden gerne geklaut ( 13 auf 7 polig ), sonst hat man bei der Rückfahrt ein Problem!

9a. Allgemein gillt für Anhänger, bzw. Caravan, die nur hin und wieder mal bewegt werden: Nicht erst einen Tag vor der Urlaubsfahrt vom  Stellplatz holen! Ein paar Tage vorher holen und ein paar Bewegungsfahrten machen! Es kann durchaus sein, dass die Bremse festgerostet ist, oder eine Glühlampe defekt ist. Die Heizung prüfen, etc. Eigentlich den ganzen Caravan einmal ausprobieren. So kann man vielleicht in einer Werkstatt noch etwas reparieren lassen. Bei längerem Abstellen des Anhängers nicht die Handbremse anziehen, sondern den Anhänger mit Unterlegkeilen sichern, sonst rosten die Bremsbacken an der Trommel fest.

10. Prüfen, ob Stützrad und hintere Stützen hochgezogen sind und die Klemmschrauben fest angezogen sind, damit die Stützen während der Fahrt keinen Bodenkontakt bekommen. Beim Caravan die 4 Kurbelstützen.

11. Bedenken, dass das Auto deutlich mehr Kraftstoff verbraucht, vor allem auf langen Strecken, bzw. Urlaubsfahrten. Je nach dem, 2 - 4 Liter Mehrverbrauch sind durchaus möglich!

12. Geschwindigkeit: Auf Autobahnen gilt Tempo 80, wenn man keine 100er Zulassung hat. Bei langen Fahrten mehr Fahrzeit kalkulieren! Vor allem "Fit und Ausgeschlafen" in den Urlaub fahren! Die niedrige Geschwindigkeit, das monotone Brummen des Motors und das Schaukeln des Anhängers, das sich auf den PKW übertägt, hat schon so manchen während der Fahrt in den Schlaf geschaukelt!! Wie LKW Fahrer spätestens nach 4,5 Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten einlegen und sich bewegen, nicht im PKW sitzenbleiben. Nach 10-11 Stunden Fahrzeit an einem Tag sollte Schluß sein, wenn man sich nicht abwechseln kann und sonst auch sehr selten, bzw. zwar täglich, aber nur kurz am Steuer sitzt. Mit Anhängern wird die rechte Fahrspur benutzt. In allen Autobahnbaustellen gilt Überholverbot für Fahrzeuge mit Anhänger! Auf manchen Autobahnabschnitten ebenfalls, z.B. die A8 von Ulm nach München, mehr als 100 km am Stück Überholverbot für Fahrzeuge mit Anhänger!

13. Bei Fahrten ins Ausland vorher erkundigen, welche Vorschriften für Fahren mit Anhänger dort gelten. In Dänemark z.B. darf man mit einem ungebremsten Anhänger nur 60 km/h fahren!!!

14. Bei Viehtransportanhängern auch an Erfrischungen für die Tiere denken

15. Bei Urlaubsfahrten, bzw. bei langen Fahrten ein Ersatztrad für den Anhänger mitnehmen! Den Reifendruck richtig stellen. Das Ersatzrad des Anhängers und das Ersatzrad des PKW, incl. Werkzeug, so einladen, dass man bei Bedarf  auch dran kommt und nicht alles ausräumen muß!!!!!!!!! Bei mir hängen dann beide Ersatzräder, das vom Auto und das vom Anhänger, von aussen an der Bugwand des Anhängers, das Werkzeug liegt mit Wagenheber mit in den Motorradschienen im Anhänger.

16. Bremsweg: Der Bremsweg wird bei ungebremsten Anhängern deutlich länger, aber auch gebremste Anhänger verlängern den Bremsweg, da die Anhängerbremse nur ein Teil des Anhängergewicht abbremst! Mehr Abstand zum Vordermann halten. Bei gebremsten Anhängern nicht schlagartig Bremsen, sondern weich anbremsen, dann immer fester Bremsen. Bremst man schlagartig, läuft der Anhänger so stark auf, dass die Räder des Anhängers blockieren, der Anhänger dadurch wieder nach hinten gerissen wird, um dann wieder mit voller Wucht aufzulaufen, Das Bocken geht so lange, bis das Gespann steht. Passiert das in einer Kurve, kann das durchaus bedeuten, die Kontrolle über das gesamte Gespann vollständig zu verlieren. Im Gebirge nicht dauernd auf der Bremse stehen, kleinen Gang einlegen, abremsen und wieder loslassen um die Bremse auch wieder abzukühlen.

17. In Kurven nicht so dicht an einem Hindernis vorbeifahren wie ohne Anhänger gewohnt, der Anhänger läuft noch weiter nach innen! Bei breiteren Anhängern müssen Zusatzspiegel montiert werden.

18. Rückwärts nur mit Einweiser fahren, wenn der Anhänger die Sicht im Innenspiegel verhindert. Hinter dem Anhänger können sich durchaus Personen, vor allem Kinder aufhalten!!! Viele Anhänger haben keinen Rückfahrscheinwerfer, derjenige, der dahinter steht, sieht also nicht, dass Sie rückwärts fahren möchten, die Lampen des PKW sind ja verdeckt durch den Anhänger!

19. Vor dem Abkuppeln den Anhänger gegen wegrollen sichern, vorallem an Steigungen / Gefällen!! Erst den Stecker aus der Steckdose ziehen, dann die Kupplung öffnen! Sollte der Hänger dennoch wegrollen, reisst nicht gleich der Stecker ab! Nach dem Ankuppeln kräftig an der Zugdeichsel nach oben ziehen, ob der Anhänger auch wirklich angekuppelt ist und nicht nur lose auf der Kugel liegt.

20. Fährt man mit Anhänger im Winter bei Schnee und Eis, daran denken, dass, wenn man an einer Steigung anhält, sich an einem gebremsten Anhänger die Bremse wieder löst, er ist dann wie ein ungebremster Anhänger, das Auto muß dann in der Lage sein, sich selber und den Anhänger auf der glatten Steigung zu halten!! Hier passieren viele Unfälle, man hält an und es geht rückwärts wieder den Berg runter!

20a. Die Bremse des Anhängers ist eine Auflaufbremse, an Steigungen nach dem Anhalten lößt die Bremse wieder! Anhänger mit Rückfahrautomatik bremsen rückwärts nicht. Wenn man an einer Steigung anhält, um den Zugwagen zu verlassen, den Anhänger zusätzlich mit Keilen sichern!!! Die Handbremse des Anhängers anzuziehen nützt hier nichts!! Sonst muß das Gewicht des Anhängers vom Zugwagen gehalten werden!!!

21. Ein  Anhänger ohne Zugwagen darf maximal 14 Tage geparkt werden! Danach muß er auf einen anderen Parkplatz.

22. Um  die Kupplung beim PKW zu schonen, fahre ich so, dass ich so wenig wie möglich anfahren muß. Wenn schon jemand an der Haltelinie an einer roten Ampel steht, versuche ich, mich so langsam der Ampel zu nähern, dass die Ampel wieder grün wird, bevor ich anhalten muß.

23. Von Mitte Oktober bis Mitte März fahren meine Anhänger auf Winterreifen, da nach der neuen Winterreifenverordnung Kraftfahrzeuge der Witterung angepasst bereift sein müssen. Ich darf dann zwar nicht mehr 100 km/h fahren, weil die Winterreifen älter als 6 Jahre sind. In den Monaten 11,12,1 und 2 brauche ich den Hänger selten und 100 km/h auf Schnee mit Anhänger?!?!? Aber sollte der Anhänger auf glatter Fahrbahn irgendwo reinrutschen, kann wenigstens kein "Schlauberger" falsche Reifen bemängeln!

Ich hoffe, Euch hier ein paar nützliche Tips oder Anregungen gegeben zu haben.

 

 

Bitte bewertet die Ratgeber bei Ebay, sonst wird sich bald Niemand mehr die Arbeit machen, Ratgeber zu schreiben, in denen Teilenummern, Klemmenbezeichnungen, Gesetzestexte etc. zu finden sind.

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Danke
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