Fächer - mehr als ein reiner Gebrauchsgegenstand

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eBay-Einkaufsleitfaden: Fächer

Fächer sind mehr als ein reiner Gebrauchsgegenstand der dazu dient sich kühle Luft zuzufächeln.  Fächer waren immer auch Accessoire und Statussymbol. Kaum ein Accessoire blickt auf eine derart lange Tradition zurück. Nicht nur in Europa. Auch im Fernen Osten, wie zum Beispiel in Japan, sind Fächer, als Requisit für traditionelle Tänze oder sogar als Waffe, nicht aus der Kultur wegzudenken.

Frühe Fächerformen

Die frühesten Darstellungen von Fächern finden sich im alten Ägypten, wo sie als große Wedel auftreten, die von Bedienten bewegt werden. Diese Art des Fächers hat sich in den heißeren orientalischen Landstrichen zum Zugfächer entwickelt, der an Wand oder Decke befestigt ist und entweder mit einer Zugschnur oder elektrisch betrieben wird. Eine kleinere Abart ist der feststehende Handfächer, der bis heute in den wärmeren Gebieten der Erde benutzt wird. Manche antiken Stücke haben sich bis heute erhalten und bieten Sammlern schöne Gelegenheiten.

Erkennen Sie religiöse Bedeutungen

In der römischen Kultur war der Fächer als Flabellum bekannt, ein großer, kreisförmiger Fächer aus großen Federn, der auf einer Stange getragen wurde. Heute wird dem katholischen Papst bei festlichen Auftritten manchmal ein Flabellum als Ehrenzeichen hinterhergetragen.

Die orthodoxe Kirche benutzt noch heute eine Abart des Flabellum, bei dem auf eine lange Stange eine Metallscheibe mit Engelsbildnissen montiert ist. Diese Scheibe ist mit Glöckchen oder Metallzungen umgeben und erzeugt beim Bewegen durch den Luftstrom ein leises Klingeln oder Surren wie von Engelsflügeln.

Machen Sie sich mit der chinesischen Fächervielfalt vertraut

Auch die asiatischen Kulturen kennen den Fächer bis heute als Alltagsgegenstand. In China begann der kulturelle Aufstieg des Fächers bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus als Maluntergrund, bevor Seide oder Leinwände als Bildträger entwickelt waren. Ebenso nutzten Literaten ihre Fächer als Notizmöglichkeit für plötzliche Inspirationen. Der mit Gedichten beschriebene chinesische Fächer ist heute noch eine gesuchte Rarität auf Auktionen. Die chinesische Kultur entwickelte dann den Fächer zu einer interessanten, für Europäer geradezu bizarren Formenvielfalt. Große Fächer aus Stahl mit scharf geschliffenen Seiten oder kleinere, die als geworfene Waffen verwendet wurden, standen dem Krieger zur Verfügung. Noch heute wird im Tai-Chi der Umgang mit Fächer und Schwert unterrichtet und im Wu-Shu ist der Umgang mit dem Fächer zur Akrobatik mit kämpferischem Hintergrund geworden.

Chinesische Fächer hielten auch soziale und regionale Unterschiede fest. So unterschieden sich mandschurische Frauen von den Chinesinnen auch durch den Gebrauch elliptischer Fächer. Festgehalten ist die Symbolik des Fächer bis heute in seiner Bedeutung als Abzeichen des Beamtenrangs. Bis heute werden in chinesischen Tanzvorführungen Fächer als Requisiten eingesetzt.

Entdecken Sie die japanische Fächerkultur

Japaner übernahm den Fächer im sechsten Jahrhundert von den Chinesen über Korea. Auf japanischen Wandmalereien aus dieser Zeit ist ein großer Fächer aus Federn dargestellt.

Früher benutzte man auch Fächer, um das Herdfeuer anzufachen. Japan entwickelt dann den Fächer aus gefaltetem Papier, der dann etwa im zehnten oder elften Jahrhundert wieder nach China zurückfand. Sowohl einfache Alltagsfächer als auch Fächer für besondere Gelegenheiten werden in Japan nach wie vor von Hand hergestellt. Der einzigen Schritte in der Herstellung, die durch Maschinen ausgeführt werden können, sind die Verzierung des Blatts und die Bohrung der Tragestäbe.

Waffe der Samurai - Eisenfächer

Für die Samurai gab es den Eisenfächer, dessen Deckflächen scharf und spitz zugeschliffen waren, damit er im Notfall der persönlichen Verteidigung als Waffe dienen konnte. Zwar trugen damals beide Geschlechter in Asien Fächer, aber der Eisenfächer kam erst in der Zeit ab 1868 auf, als den Samurai das Waffentragen verboten wurde, da die japanische Regierung ihre militärische Macht brechen wollte. Daher sind auch heute noch gut erhaltene Eisenfächer zu erwerben.

Traditionelle Geisha-Fächer

Besonders Geishas haben eine ausgefeilte Kultur des Fächers entwickelt. Der Tanzfächer der Geisha ist ein besonders fein gearbeitetes Stück Kunsthandwerk. Er ist besonders groß und die Malerei auf Vorder- und Rückseite ist aufeinander abgestimmt, da beim Gebrauch auch die Rückseite zu sehen ist. Meist werden Landschaftsbilder mit jahreszeitlichem Bezug dargestellt. Zu erkennen ist ein japanischer Tanzfächer daran, dass er ein kleines Bleigewicht an der Unterseite hängen hat, um ihn bei der Handhabung zu stabilisieren. Im Monat Juli trägt eine traditionelle Geisha Fächer als Haarschmuck. Heute schenkt man sich in Japan zu Neujahr Fächer, die mit guten Wünschen verziert sind.

So kam der Fächer in die europäische Kultur

Der Fächer kam durch den portugiesischen Handel mit Asien nach Europa, wenn auch der Handel über die Seidenstraße und die Kreuzfahrer schon früher vereinzelte Stücke mitbrachten. Die früheste Benutzung des Handfächers in unserem Sinn ist in Europa von den Italienern überliefert. Diese Fächer waren Fahnenfächer, die an einer kleinen Stange ein fahnenförmiges, feststehendes Stück Stoff besaßen.

Diese Form des feststehenden Fächers wurde erst im siebzehnten Jahrhundert durch den Faltfächer ersetzt. Durch seine schnell anwachsende Beliebtheit und Formänderungen je nach Mode wurde er in Europa zum bekanntesten Fächer überhaupt.

Fächer werden im südlichen Europa bis heute benutzt

In den südlicheren Ländern Europas ist der Fächer immer noch ein Alltagsgegenstand. Heute wird er eher von Frauen benutzt, in früheren Jahrhunderten trugen aber auch Männer selbstverständlich Fächer mit sich. In Spanien gab es eine speziell verkleinerte Art, die in Männer-Hosentaschen passten. Dank einer Manufaktur mit königlichem Privileg und der Verpflichtung eines herausragenden französischen Malers war Valencia lange Zeit führend in der Herstellung von Fächern unter den südeuropäischen Ländern. Bis heute werden Jahr für Jahr spanische Fächer als modisches Accessoire hergestellt. Von jungen Designern entworfen und in Traditionsbetrieben hergestellt, passen sich die aktuellen spanischen Fächer der jeweils maßgeblichen Modeströmung an. Die bekannteste Art des spanischen Fächers ist der Flamenco-Fächer, der heute noch als Requisit für versierte Tänzerinnen dazugehört.

Die große Zeit des Fächers in Europa

Seit dem Rokoko gehörte der Fächer auch für die einfache Bevölkerung zum Alltagsleben dazu, und es entwickelte sich im Adel und im Bürgertum eine regelrechte Fächerkunst. Im Rokoko, das von mechanischen Spielereien fasziniert war, wurden in die Fächerstreben verschiedene kleine Mechanismen eingebaut, oder nützliche Dinge wie Thermometer. Fächer wurden zum Statussymbol und es kamen Handbücher zur Fächersprache auf, die sich allerdings nicht ähnelten und eher als Werbemaßnahme von Fabrikanten verständlich sind.
Im späten 18. Jahrhundert kamen mit der Asienmode auch in größeren Mengen chinesische und japanische Fächer nach Europa, die für den Export hergestellt wurden. Feine japanische Einlegearbeiten erschienen auch auf in Europa hergestellten Deckstäben. Gleichzeitig konnte die Herstellung durch den Einsatz von Maschinen günstiger gemacht werden, und durch die sinkenden Preise bekam die Fächerbenutzung noch einmal neuen Aufschwung. Federn wurden zum Ende des 18. Jahrhunderts als Fächermaterial beliebt. Die Japan-Mode am Ende des neunzehnten Jahrhunderts brachte einige Maler des Impressionismus dazu, sich auch mit Malereien auf Fächern zu beschäftigen. Mit dem Aufkommen der ersten Kunststoffe ab 1910 wurden die bisherigen Naturmaterialien verdrängt und Fächer verloren nach dem Ersten Weltkrieg ihren Status als Mode-Accessoire. Sie blieben bis nach dem Zweiten Weltkrieg Werbeträger oder Reiseandenken an südliche Länder.

So verstehen Sie die Fachausdrücke

Grundsätzlich werden Fächer nach zwei Arten unterschieden. Grundlegende Formen sind die in der Form einem Blatt angenäherten, feststehenden Blattfächer und die Faltfächer. Besonders die Faltfächer haben dabei eine reiche Formenvielfalt entwickelt.

Schirm- oder Kaminfächer

Diese Art Blattfächer hat ein meist eckiges Blatt, das von Damen benutzt wurde, um das Gesicht vor der Kaminhitze zu schützen.

Briséfächer

So heißen Faltfächer, deren Streben nicht mit anderem Material bespannt sind. Briséfächer sind aus festem, leichtem Material wie Holz, Bambus, Kunststoff und haben etwas breitere Streben, die mit Bändern untereinander verbunden sind.

Cabrioletfächer

So werden Faltfächer genannt, deren Blatt mit Zwischenräumen in zwei oder drei Längsstreifen unterteilt ist. Sie kamen um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts auf und zeigten manchmal Szenen mit offenen Pferdekutschen, von denen sich ihr Name ableitet.

Radfächer

Ein bis zum kompletten Kreis aufziehbarer Faltfächer, bei dem die Enden der beiden äußeren Streben den Griff bilden. Eine Unterart ist der Kokardenfächer, dessen äußere Streben zu einem Etui umgestaltet sind, die einen Radfächer enthalten. Um ihn aufzuklappen, musste an einer Kordel gezogen werden, die am oberen Ende wie eine Kokarde verknotet war.

Parasolfächer

Diese Fächerart kam ab etwa 1880 in Mode. Ein Radfächer an einer langen Stange, der abgeknickt werden konnte und so auch als Sonnenschirm, Parasol, diente.

Tanzfächer

Hier sind zwei Arten zu unterscheiden. Tanzfächer im engeren Sinne waren kleine Faltfächer mit unbemalten Blättern und wurden anlässlich eines Balls an die teilnehmenden Damen verteilt, damit sie ihre Tanzpartner eintragen konnten. Tanzfächer im weiteren Sinn haben keine bestimmten Merkmale. So wird jeder Fächer zum Tanzfächer, der zum Tanzen benutzt wird, gleich in welcher Kultur. Meist wird er mit größeren Ausmaßen hergestellt als der normale Kühlungsfächer. Spanische Flamenco-Tänzerinnen benutzen ihn als Ausdrucksträger ebenso wie heutige Geishas, die speziell künstlerisch gestaltete Tanzfächer einsetzen. Bis zu den Revuen der 20er Jahre wurde mit großen Federfächern reizvoll mit der Bedeckung und Enthüllung bloßer Haut gespielt.

 

Verwenden Sie die richtige Aufbewahrung

Hochwertige Fächer werden in einer Schachtel geliefert. Wenn Sie Ihre Fächer angemessen präsentieren möchten, suchen Sie nach kleinen Fächerständern. Auch Beutel für Essstäbchen können gute Fächertaschen abgeben. Es gibt auch schön geschnitzte Formen, die besonders asiatischen Fächern den richtigen Rahmen geben.

Hier finden Sie weiterführende Informationen

In Deutschland gibt es ein kleines Fächermuseum in Bielefeld, das immer wieder gut gemachte Publikationen zum Thema Fächer auflegt und seine Ausstellungen mit informativen Katalogen begleitet. Hier werden Fächer aus aller Welt ausgestellt, die durch fünf Jahrhunderte mit dem sonstigen Beiwerk der jeweiligen Mode verknüpft sind. Das Museum beherbergt außerdem eine Bibliothek für Fachliteratur und eine Restaurierungswerkstatt. In England gibt es das The Fan Museum in Greenwich. Hier werden Fächer und ihre Geschichte seit dem elften Jahrhundert anschaulich dargestellt und das Museum offeriert Führungen und bietet in der Museumsboutique hübsche Kleinigkeiten rund um Fächer an. Besonders erwähnenswert ist die Sammlung von Fächern, die durch Vermittlung des Museums für besondere Gelegenheiten angefertigt wurden. Die angebotenen Publikationen beschäftigen sich intensiv mit Einzelthemen rund um die Welt von Fächerherstellung und -benutzung. Das Museum bietet auch Vorträge und Schülerprogramme an sowie die Hilfe der Restaurationswerkstatt bei der Konservierung von Fächern.

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