Fachwerk innen: SANIEREN + reinigen + Farbfassung

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Meine Praxistipps gründen auf der Sanierung von zwei Wohnhäusern, die im süddeutschen Raum stehen und Nadelholzfachwerk besitzen. Das eine Objekt ist aus der Mitte des 16. Jh. ,  das andere aus dem frühen 18. Jh. 2009 aktuell ein drittes Projekt: ein kleines zweistöckiges Stadtmauerhäuschen in "Eiche" mit 60° Steildach und rundem Wehrturm aus dem 14./15. Jh. mit zwei Geschossen in 8m und 11m Höhe (zurzeit noch ohne Treppe).

01) Reinigung: Schützen Sie sich bei der Reinigung durch eine dichte Atemmaske vor Holzstaub und Farbresten. Schwieriger ist es, die Augen zu schützen. Wenn Sie eine gut belüftete Arbeitsbrille finden, die  nicht nach kurzer Zeit beschlägt, dann sind Sie ein Glückspilz. Es ist wichtig, das Objekt gut zu sehen und keinesfalls zuviel Material wegzunehmen. Manchmal lässt es sich dann eben nicht vermeiden, ohne Brille zu arbeiten.

01B) Ergänzung Eiche: unser Häuschen hatte für die Fachwerkteile nie Anstriche aus Lackfarben, die schwerer zu  entfernen sind, sondern nur Mineralfarben bzw. Kalk. Einhandschleifer mit Schleifscheiben sind geeignet und setzen sich auch kaum zu. Atemschutz wg. des feineren Staubs ist dringend geboten.  Heute habe ich die Deckenbalken im Wohnraum von Kalkanstrich befreit: geht sogar mit einer Metallscheibe mit Zacken, aber wirklich vorsichtig damit umgehen. Die Dinger können auch Eichenholz fräsen, wenn man nicht aufpasst. Sonst sind sie aber wirklich pflegeleicht.

Tipp: werden bei einer Sanierung Balken ausgebaut, dann heben Sie Stücke ab etwa 1m Länge auf, wenn sie in einigermaßen gutem Zustand sind. Für Erneuerung von Gefachen sind die optimal und der Zimmermann passt sie wieder ein. Unsere ausgebauten Balken sind so gut, daß man die vorhandenen Nägel nur schwer oder garnicht rauskriegt und sie dann besser im Balken versenkt. Vorsicht beim Sägen: unbedingt vermeiden, auf Metallteile zu sägen. Die Schneiden oder Sägeketten nehmen das sehr übel.

 

Bild eines Gefaches, das unbedingt saniert werden muß (oft unter Fenstern ):

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02) SANIERUNG von Balkenköpfen: ich glaube, daß es nötig ist, auf das Ausbessern von Fachwerkteilen einzugehen. Schadhafte Partien sind z. B. oft die Balkenköpfe, mit denen die Fachwerklagen auf den Aussenmauern aufliegen und die manchmal als Auflagen gar nicht mehr existieren!! Dann gibt es z. B. folgendes Rezept (hat uns ein Statiker gegeben): den Balken bis ins gesunde Holz zurückschneiden und zwar so, daß er nicht etwa abgelängt wird, sondern die obere Hälfte erhalten bleibt (s. erstes Foto). Vorsicht: Balken vor den Arbeiten in jedem Fall abstützen! Aus neuem Holz wird ein passendes "Gegenstück" zugerichtet und mit PU-Leim und entsprechend großen Spaxschrauben fest mit dem alten Teil verbunden. Der Spezialleim quillt stark auf und dringt tief in die Poren der beiden Holzteile. Damit ist die ausgebesserte Stelle wieder optimal von ihrer Festigkeit. (s. zweites Foto ) Wir liessen das von einem Zimmermann machen. Handwerklich Begabte schaffen das evtl. auch in Eigenregie. Genaues Anpassen der beiden Teile ist wichtig, weil sonst die Klebefläche zu klein ist.

Schadhafter Balkenkopf vorher:      Das schlechte Holz wurde bereits entfernt. Als nächstes wird das neue Holzteil angesetzt und mit PU-Leim (kein normaler Leim!) zusammengefügt. Große Spaxe von oben nach unten geben noch mehr Festigkeit.

 

2 sanierte Balkenköpfe:                 

Die Balkenköpfe  werden am Schluß wieder an der Wand eingemauert und damit fixiert. Eine für den Laien ganz verblüffende ( und sehr effektive ) Methode. Gewusst wie!!! Da die Balken farblich gefasst werden, erkennt  man am Ende nur noch an der Holzstruktur den neuen Bestand. Hier sieht man die Spuren des Leims: die müssen von der Oberfläche restlos entfernt werden.  Danach kann die Oberfläche farblich gefasst werden. Diese "Patienten" sind inzwischen wieder kerngesund und strahlen goldocker. 

03) REINIGEN

03A) Entfernen Sie zuerst alle Nägel und Metallgegenstände, die in dem Balken stecken. Eine sehr große Kneifzange hilft meist auch bei hartnäckigen handgeschmiedeten Exemplaren. Geht aber gar nichts, dann versenken Sie den Nagel einfach tief genug, damit er beim Schleifen nicht  mehr stört. Bei einer Balkendecke kommt oft eine ganze Menge von Nägeln zum Vorschein. Einzelne ganz große Zimmermannsnägel heben Sie auf als Andenken, wenn handgeschmiedet. Wir haben Exemplare bis etwa 12 cm Länge

03B) Ist der Balken gesund, dann nimmt er nach unseren Erfahrungen fast nichts übel und verträgt auch Bandschleifer, Schwingschleifer etc. Nur Vorsicht mit einer Flex, weil die bei allzu  unbekümmertem Gebrauch blitzschnell Spuren hinterlässt, die man vermeiden sollte. Prüfen Sie die Oberfläche: ist es alter Kalkanstrich, dann haben Sie meist keine schwere Arbeit vor sich.  Da sind "fette" Ölfarben schon schwieriger zu entfernen. Schleifpapier kann hier sehr schnell verkleben. Es gibt allerdings für die Flex auch relativ grobe Metallscheiben, die sehr effektiv sind, wenn man sie vorsichtig einsetzt. Bitte passen Sie auf, daß Sie damit keine Ornamente oder Schiffskehlen beschädigen. Diese Metallscheiben sind aber in jedem Fall bei umfangreicheren Arbeiten den mit Schleifpapier bestückten Scheiben vorzuziehen, weil praktisch ohne Verschleiss. Ist die Oberfläche vom Holzwurm stärker befallen, muss der Einsatz grober Mittel unterbleiben, sonst verliert der Balken seine bebeilte Forn. Holzwurmbefall behandelt man mit Borax. In jedem Fall sollten Sie vermeiden, Rillen oder die typischen Spuren für Maschinenbearbeitung zu erzeugen. Wenn es doch passiert, dann lässt sich oft mit der Nachbearbeitung von Hand der Schaden optisch retuschieren. Auch die Messingbürste kann am Schluss das Ergebnis verbessern. Im Anschluss an die Reinigung und vor dem Farbauftrag sollte man die Grenzflächen des Holzes abkleben, um zu vermeiden, daß Balkenteile erneut gesäubert werden müssen.

04) Die Farbgestaltung geschieht auf der Basis von Naturfarben mit matter Struktur. Glänzende Anstriche wirken wie Plastik - also nicht verwenden. Es geht mit Kalkkaseinfarben (im Handel). Auch matte Acrylfarben sind durchaus geeignet. Meine  preisgünstige weisse Spezialmischung (der Ratschlag eines Restaurators) besteht aus Plakafarbe (=Plakatkasein !), die entsprechend mit Wasser verdünnt, einen transparenten weissen Anstrich ergibt, bei dem die Holzstruktur noch sichtbar bleibt. Bestellen Sie die entsprechende Menge von Plakafarbe bevor Sie winzige Mengen von Kindermalkästen zusammenkratzen! Wenn der Balken zu stark saugt, kann in jedem Fall ein zweiter oder sogar dritter Auftrag (Vorsicht: probieren) abhelfen. Wg. der Farben fragen Sie das zuständige Denkmalamt, ob es bestimmte Töne für Ihr Objekt befürwortet. Gut ist ein (heller) Grauton, weil sehr neutral. Auch  dezente Grün-, -brauntöne oder das berühmte Goldocker machen die Stube lebendig. Betrachten Sie in einem Freilichtmuseum die Technik, die Balkenfarbe in den Putz hineinzuziehen. Der Balken wirkt allein dadurch massiger und beeindruckender. Die sogenannten Begleitstriche in Grau, Schwarz, Rot werden mit einer angelegten Holzlatte grob markiert und dann von Hand gepinselt. Nicht zu breite Striche (max. 1cm). Schmaler ist sicher oft besser. Unregelmäßigkeiten des Holzwuchses kann man so wunderbar ausgleichen oder "ausmitteln".  Pinselansätze soll man ruhig sehen. Dadurch wird auch der Wert des Manuellen betont. Machen Sie im kleinen Maßstab eine Skizze der gesamten Fachwerkwand und prüfen Sie damit vorher schon die Optik, wenn Sie der Wirkung nicht sicher sind. Wir haben immer wieder Freilandmuseen besucht und uns dort Anregungen geholt. Scheuen Sie diesen Aufwand nicht, aber kopieren Sie nicht stur, sondern modifizieren Sie nach den Gegebenheiten Ihres Hauses. und nach dem Alter/Typ des Fachwerks.

Ich hänge einige unserer Doku-Bilder aus dem erstgenannten Objekt an:

1) das Gästezimmer: Goldocker mit schwarzem Begleitstrich. Aus diesem Zimmer sind auch die Schadensbilder an den Balkenköpfen.

 

2) die originale Stickholzdecke des Arbeitszimmers in Grau 

3) Fachwerk natur und Begleitstrich graugrün im Flur des 1. Obergeschoss

4) der weiß lasierte Balken im Badezimmer (Plakamischung ein- bis zweimal auftragen)

      

hier der erste Auftrag - ein zweiter war nötig              

5) im 2. OG. "junges" Fachwerk ca. 100 Jahre alt

a) zuerst im Urzustand als Schwarzweißbild: fachwerkbraun 

b) im freundlicheren und neutralen Hellgrau: 

Sind meine Informationen für Sie nützlich? Drücken Sie BITTE gleich den JA-KNOPF!

Dankeschön!!  über 6500 eBayer waren da. 

 

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