Exotische Musikinstrumente: die Djembe - ein Ratgeber

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Exotische Musikinstrumente: die Djembe - ein Ratgeber

Die Entstehung der Djembé

Bei der Djembé handelt es sich um eine kelchförmige Trommel aus Westafrika. Zu dieser Region zählen beispielsweise Guinea, Mali, die Elfenbeinküste, Ghana, Senegal und Burkina Faso.
Die Djembé stammt ursprünglich von einheimischen Schmieden - "Numuns" genannt, die den Volksgruppen der Malinke und Bambara zugehören. Um Djembés zu bauen, verwendeten sie Metallwerkzeuge wie Wechselstielhacken, Schnitzeisen sowie große Holzraspeln.
Mithilfe dieser Utensilien höhlten die "Numuns" Baumstämme aus und schnitzten daraus Trommelkörper. Als Grundmaterial für den Korpus der Djembé diente den Volksgruppen vornehmlich das in ihren Siedlungsgebieten wachsende Lenké-Hartholz; dieses eignet sich durch seine enorme Festigkeit besonders für die Trommelbespannung, welcher eine hohe Zugkraft zugrunde liegt. In der heutigen Zeit stellen Trommeln aus diesem speziellen Klangholz nach wie vor die begehrtesten Djembé-Instrumente dar.

Die Welteroberung der Djembé

Erstmals die westliche Welt erreichten Djembés zwischen den 1940er und den 1960er Jahren - inspiriert insbesondere durch Tourneen des "Les Ballets Africains" aus Guinea, geleitet von Fodéba Keïta. Die Djembé wurde immer beliebter und ist mittlerweile nicht nur bei zahlreichen Ensembles auf dem gesamten Erdball zu finden, sondern wird auch auf eBay angeboten.
Die Herstellung von Djembé-Trommeln erfolgt heutzutage in der ganzen Welt, beispielsweise auch in Indonesien. Die entsprechend dem jeweiligen Herkunftsland verwendeten Materialien geben ebenso Aufschluss über die Qualität einer Djembé-Trommel wie Details in der Verarbeitung bezogen auf das Trommelfell und die Verspannung.

Der Aufbau und die Materialien einer Djembé-Trommel

Der Korpus aus Holz

Jede Djembé-Trommel, die nach dem Vorbild des traditionellen westafrikanischen Herstellungsprozesses entsteht, stellt ein handgefertigtes Unikat dar. Der Korpus der Trommel wird aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt. Dabei beträgt die Wandstärke im unteren Bereich bei der Öffnung etwa 25 Millimeter, oberhalb - nahe dem Trommelfell - ein paar Millimeter weniger.
Je nach Land und Region verwenden die Hersteller unterschiedliche Holzarten. So arbeiten die Trommelschnitzer in Guinea und den tropischen Regionen vorrangig mit Tropenhölzern, etwa Silk-Cotton, Khari, Ngoni, Wulinyi und insbesondere Afzelia. Diese sorgen für einen relativ dickwandigen Trommelkörper, was in den meisten Fällen die Klangeigenschaften etwas verschlechtert.
Im Senegal wird hauptsächlich Duto verwendet - ein besonders hartes und schwingungsfreudiges Holz.
Djembé-Trommeln aus Indonesien sind keine handgefertigten Unikate, sondern gedrechselte Massenprodukte. Zur Materialbeschaffung werden teils illegal Regenwälder in Malaysia abgeholzt, was mit der Zerstörung wichtigen Lebensraums für zahlreiche Tiere einhergeht. Zudem ist das in den meisten Fällen verwendete Teakholz ungeeignet zur Herstellung von klanglich hochwertigen Djembé-Trommeln.
Insofern empfiehlt es sich, Produkte aus Indonesien beim Kauf einer Djembé oder anderweitiger Holzfertigungen zu vermeiden.

Das Trommelfell aus Tierhaut

Für das Trommelfell wurde früher vornehmlich Antilopenhaut verwendet, heute ist dünne Ziegenhaut das Material der Wahl. In einigen - vor allem europäischen - Ländern kommt zudem manchmal Hirsch- oder Kalbshaut zum Einsatz, was den klanglichen Grundeigenschaften der Djembé schadet: Die physikalische Form der Trommel ermöglicht einen sehr hohen Tonbereich; Hirsch- oder Kalbshaut ist zu dick, sodass die Vorzüge der Djembé zunichte gemacht werden. Deshalb eignet sich dünne Ziegenhaut am besten, um die klanglichen Qualitäten der Djembé-Trommel voll ausschöpfen zu können.
Mithilfe von zwei stoffumwickelten Metallringen - die für ein angenehmes und verletzungsfreies Trommeln vom Rand der Spielfläche etwa zwei Zentimeter Abstand haben sollten - wird die Haut über die obere Öffnung der entstehenden Djembé gezogen und im Anschluss mittels speziellem Schnursystem sowie eines weiteren Metallrings, der um die Taille des Holzkörpers herum befestigt wird, gespannt.
Während zu früheren Zeiten Schnüre aus Naturmaterialien Verwendung fanden, arbeiten die Trommel-Hersteller heutzutage in erster Linie mit einer vier bis sechs Millimeter dicken Polyesterschnur. Bei Djembés von höherer Qualität ist diese häufig vorgereckt - das macht die Schnur widerstandsfähiger, was wiederum die Notwendigkeit reduziert, die Trommel bei häufigem Gebrauch nachzuspannen.
In einem nächsten Schritt erfolgt das Stimmen der Djembé - dabei entstehen Knoten nach einem bestimmten Muster: Mithilfe des rundum verlaufenden Spannseils ziehen die Trommel-Hersteller jeweils zwei benachbarte Längsschnüre übereinander; sie achten darauf, dass sowohl Maschenwerk als auch Trommelfell zunehmend strammer werden. Dieser Vorgang ist von besonderer Bedeutung, denn die Spannung des Fells hat einen wesentlichen Einfluss auf den Klang der Djembé.

Die verschiedenen Größen von Djembé-Trommeln

Djembé-Trommeln werden in unterschiedlichen Größen hergestellt. Welche Höhe sich für Sie am besten eignet, hängt ab von Ihren Körpermaßen - insbesondere dem Verhältnis "Bein-Rumpf-Armlänge". Lassen Sie sich von Ihrem Anbieter oder einem Djembé-Experten beraten - verfügt dieser über ein entsprechendes Knowhow, ermittelt er für Sie die passende Trommel-Höhe. Es gibt sehr kleine Djembés mit 30 Zentimetern oder 40 Zentimetern ebenso wie mittelgroße Trommeln mit 50 Zentimetern oder 60 Zentimetern.
Für sehr große Personen sind zudem 70 Zentimeter große Djembé-Trommeln erhältlich. Viele empfinden Djembés mit einer Höhe von 60 Zentimetern als die bequemsten. Dabei sollte die Spielfläche je nach Körper- und Handgröße zwischen 27 und 33 Zentimetern betragen.

Der Klang und die Spieltechnik einer Djembé-Trommel

Jede Djembé hat ihr individuelles Klangspektrum in Abhängigkeit vom verwendeten Holz, der Korpusform, dem Material des Trommelfells sowie der Spannung desselben. Sie können die Djembé im Stehen, auf einem Stuhl oder der Trommel selbst sitzend spielen. Halten Sie Ihren Oberkörper aufrecht und entspannt, um in den Armen genügend Kraft und Geschwindigkeit für das Trommeln entwickeln zu können. Es gibt drei verschiedene Grundschläge: den "Bass", den "Open-Sound" und den "Slap".
Das Spielen des Bass-Schlags erfolgt mit der gestreckten flachen Hand. Trommeln Sie in der Mitte des Fells und lassen Sie so den tiefen Bass ertönen. Den "Open-Sound" erzeugen Sie, indem Sie am Randbereich des Trommelfells mit einem Teil Ihrer aneinander liegenden Finger darauf schlagen. Beim "Slap" handelt es sich um den schönsten, aber zugleich schwierigsten Schlag auf der Djembé. Er wird ähnlich gespielt wie der "Open-Sound", allerdings öffnen Sie für den "Slap" Ihre Finger etwas und schlagen peitschenartig ein kleines Stück mittiger an.
Darüber hinaus lässt sich die Djembé noch viel differenzierter spielen - mit feinen Nuancen wie etwa leichtem Tippen mit den Fingerspitzen, Doppelschlägen oder sogenannten "Trillern". Informieren Sie sich und üben Sie die verschiedenen Schläge; beherrschen Sie einige Techniken und Rhythmen, werden Sie große Freude beim Spielen der Djembé haben.

Kennzeichen einer qualitativ hochwertigen Djembé

Bei der Fülle unterschiedlicher Djembé-Trommeln ist es schwierig, die für den eigenen Bedarf passende zu finden. Grundsätzlich wesentliche Merkmale, die Auskunft über die Qualität einer Djembé geben, sind die verwendeten Materialien - die sich Ihnen in den meisten Fällen schon durch das Herkunftsland erschließbar machen.
Achten Sie darauf, dass die Trommel nicht aus Indonesien, sondern möglichst aus einem afrikanischen Land stammt - dies gewährleistet zum einen, dass Sie es mit einem handgefertigten Unikat zu tun haben und zum Anderen das Vorhandensein von Materialien, welche die Klangvielfalt der Djembé durch hochwertiges Holz für den Korpus sowie dünne Ziegenhaut für das Trommelfell unterstützen.
Zögern Sie nicht, bei Ihrem Händler genau nachzufragen, wo die Djembé hergestellt wurde und verlangen Sie gegebenenfalls Zertifikate. In vielen Shops wird Trommeln häufig eine afrikanische Herkunft unterstellt, obwohl sie eigentlich aus Indonesien oder anderen nicht-afrikanischen Ländern stammen. Seien Sie darüber hinaus auch bei Zertifikaten vorsichtig - diese können ebenfalls gefälscht sein, sodass ein direktes Nachfragen bei der ausstellenden Behörde sinnvoll ist.
Weitere Qualitätsmerkmale sind eine saubere Trennung der drei Grundklänge "Bass", "Open-Sound" und "Slap" beim Anschlag sowie die Verwendung eines vorgereckten Seils. Leichte Makel im Halsbereich der Trommel - beispielsweise durch astwuchsbedingte Unebenheiten, die beim händischen Schnitzvorgang auftraten - mindern die Qualität nicht; offene Risse im Holz allerdings schon.
Wenn Sie unsicher sind, verlangen Sie vor dem Kauf einer Djembé im Internet mehrere Bilder, die sämtliche Details der Trommel sichtbar machen. Hinsichtlich der Größe und des Designs der Djembé gibt es keine Vorgaben. Wählen Sie eine Trommel, die Ihren Bedürfnissen, Körpermaßen und natürlich Ihrem persönlichen Geschmack entspricht.
Möchten Sie das Spielen der Djembé lediglich als Hobby praktizieren, empfiehlt sich eine qualitativ gute Trommel im mittleren Preissegment; streben Sie hingegen an, das afrikanische Instrument tief und umfassend bis hin zur Aneignung einer professionellen Technik zu erlernen, sollten Sie mehr Geld investieren und von Anfang an auf eine entsprechend hochwertige Djembé setzen.
Um vor dem Kauf herauszufinden, ob das Trommeln mit einer Djembé wirklich das Richtige für Sie ist, haben Sie die Möglichkeit, einen Kurs zu besuchen - mittlerweile wird ein solcher vielerorts angeboten. Ein Trommel-Kurs kann Ihnen auch helfen, wenn Sie Ihre Djembé-Spielkunst verbessern oder sogar professionalisieren wollen. Doch seien Sie sich bewusst, dass dies intensives Üben über einen sehr langen Zeitraum bedeuten kann - spätere afrikanische Berufsmusiker durchlaufen eine jahrelange Schulung, bis sie ihr großes Repertoire an Rhythmen und Tänzen einwandfrei beherrschen.

Sinnvolle Ergänzungen und Pflegehinweise für die Djembé-Trommel

Setzen Sie die Djembé-Trommel keinen extremen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen aus. Beachten Sie zudem, dass die gespannte Spielfläche der Trommel äußerst empfindlich ist - decken Sie das Fell nach dem Spielen entweder mit einem strammen Tuch ab oder verpacken Sie das Instrument in einer entsprechenden Tasche. Auch weiterer Zubehör wie beispielsweise ein Djembé-Stativ oder ein Djembé-Tragegurt, der das Spielen im Stehen erleichtert, dient als sinnvoller Zusatz zur Trommel.
Wollen Sie zusammen mit Ihren Freunden afrikanische Musikkunst betreiben, bieten sich darüber hinaus andere - die Djembé klanglich ergänzende - exotische Instrumente an: Dazu zählen etwa Regenmacher, Maultrommeln oder Klangschalen. Weiterführende Informationen über Djembés und die Kunst, sie zu spielen, finden Sie in entsprechenden Büchern.

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