Exotische Musikinstrumente: Die Maultrommel

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Exotische Musikinstrumente: Die Maultrommel

Allgemeines und Wissenswertes zur Maultrommel

Eine Maultrommel ist entgegen der weitläufigen Meinung kein Blas-, sondern ein Zupfinstrument. Diese wichtigen und so weit verbreiteten Instrumente, deren eigenartigem Wesen die einzelnen Sprachen heute mit Bezeichnungen wie "Trommel", "Trompete", "Geige" oder "Harfe" gerecht zu werden versuchen, sind ebenso Eigenklinger wie Rasseln, Glocken, Gongs und Klappern. Im Gegensatz zu diesen Instrumenten wird die Maultrommel jedoch nicht geschlagen, sondern gezupft. Eine Maultrommel findet in jeder Hosentasche Platz, ist relativ erschwinglich und der Besitzer muss auch keine Noten kennen, um dieses außergewöhnliche Instrument spielen zu können. Die richtige Atmung, Finger und Mund genügen, um der Maultrommel musikalische Klänge zu entlocken. Die Maultrommel wird eigentlich auf der ganzen Welt gespielt - und dies bereits seit etlichen Jahren. Sie gehört gar zu den ältesten Instrumenten, die die Menschheit kennt. Es gibt Modelle aus Metall, Knochen, Horn, Holz oder Bambus. Der Klang der Maultrommel ist äußerst vielseitig: Mal hört sie sich nach einem aufflatternden Vogel an, mal brummt sie wie ein Bär, dann lässt sie wieder einen tiefen, schnarrenden Ton verlauten.

Zusammensetzung von Maultrommeln

Eine Maultrommel setzt sich aus zwei Teilen zusammen - zum einen aus dem Rahmen oder Bügel, welcher mit der linken Hand gehalten und mit den Zähnen gepackt wird und zum anderen aus der Zunge. Die Zunge steht für ein stark elastisches Blättchen, welches lediglich an der Wurzel mit dem Rahmen zusammenhängt, und frei innerhalb der Rahmenöffnung schwingt, sobald es abgezogen wird. An sich wäre der kurze Schwirrton nahezu unhörbar. Weil aber das Blättchen zwischen den menschlichen Zähnen vibriert, wirkt die Mundhöhle wie ein Klangverstärker. Der musikalische Klang ist durch einen Grundton mit einer theoretisch unendlichen Reihe bestimmter Obertöne gekennzeichnet. Der Maultrommler kann während des Spielens in gewissen Grenzen den durch die Zunge gegebenen Ton verändern, also innerhalb eines beschränkten Möglichkeitsbereichs wohlklingende Melodien hervorbringen.

Arten von Maultrommeln

Unterschieden werden heute zwei Arten von Maultrommeln, welche für gewöhnlich - nicht ganz korrekt - als Eisen- und Bambusmaultrommel bezeichnet werden. Treffender bezeichnet sind diese als Bügel- und Rahmenmaultrommeln. Die Rahmenmaultrommeln bilden die ältere Stufe: aus einem schmal-länglichen Plättchen aus Metall, Palmholz oder Bambus wird durch Einschnitte eine Zunge herausgelöst. Diese Lamelle wird aus der Ruhelage gehoben, indem entweder unter Verwendung einer Zugschnur mit Knebel oder durch Einsatz der Finger das Ende des Rahmens, welcher die Zungenwurzel enthält, in rascher Folge abgehoben und losgelassen wird. Andere Kulturkreise setzten anstelle des Rahmens auf einen Bügel aus starkem Draht in Form einer am offenen Ende verengten Rundung (etwa wie bei einem Hufeisen) sowie einer Blechzunge, welche auf den Bügelscheitel gelötet ist und frei durch die verengte Öffnung hindurchschwingt. Statt beim Spielen den Bügel abzubiegen, wird hierbei die unmittelbar winklig auslaufende Zungenspitze abgebogen. Die Verbreitungsgebiete beider Maultrommeln stießen in Indien zusammen. Die Bügelmaultrommel lässt sich geographisch Europa, West-, Nord- und Zentralasien sowie Vorderindien zuordnen. Die Südsee, den Malaiischen Archipel sowie Südostasien konnte dagegen die Rahmenmaultrommel erobern. Mittlerweile ist auch die Bauweise der Bügelmaultrommeln untereinander nicht mehr einheitlich. In Vorderindien weist dieses Instrument einen vogelkopfförmigen Bügel aus Eisen sowie eine mit der Wurzel über den Scheitel des Bügels hinausgreifende Zunge auf. Bei der europäischen Maultrommel greift dagegen die Zunge nicht rückwärts über den Bügel hinaus. Teils große Unterschiede aufgrund kleinerer Formeigentümlichkeiten gibt es bei den aus Bambus geschnittenen Rahmenmaultrommeln. Dies betrifft die Zupfvorrichtung (Handgriff, Knebel, Schnur, Dorn, dornartige Verspitzung), die Zungenform (hohlspitzig, gestuft, stumpf, keilförmig) sowie die Rahmenform (Rechteck, Flasche, Keil). Je nach Herkunft können die Maultrommeln ferner auch verschiedene Längen und Breiten aufweisen. Während die übliche Rahmenbreite bei 1 cm und die gewöhnliche Zungenlänge bei 5 cm liegt, weisen Maultrommeln weit entfernter Kulturen gar Längen von über einem Meter auf.

Die Geschichte der Maultrommel

Einige Forscher sind der Ansicht, dass die Maultrommel ihren Ursprung bereits in der Steinzeit hatte und einst aus Knochen und Holz geschnitzt wurde. Andere wiederum sehen die Wurzeln dieses Instruments in Sibirien. Viele halten jedoch Asien als Ursprungsland für wahrscheinlicher. Die ältesten Funde in Europa stammen aus Ostfrankreich. Hier wurden sie zumeist aus Messing, Bronze oder Eisen hergestellt. In Deutschland stammen erste Stücke aus dem frühen Mittelalter, wobei die Maultrommel damals als Brummeisen bezeichnet wurde. Schon die Römer und Kelten bedienten sich dieses liebenswerten Musikinstruments mit dem seltsamen schwirrenden Ton. Bei Naturvölkern wurde die Maultrommel als Kultinstrument auch zu Geisterbeschwörung genutzt. In Südafrika werden noch heute Schlaflieder damit gespielt, um so die kleinen Säuglinge zu beruhigen und während des Schlafs von Traurigkeit und Problemen zu befreien. In vergangenen Jahren übernahm die Maultrommel bei den Schamanen eine rituelle Funktion während diverser Zeremonien. Dagegen werden im russischen Yakutien noch heute Liebeserklärungen mit der Maultrommel übermittelt. Noch heute spielen Schafhirten dieses Instrument beim Hüten ihrer Herden sowie als Zeitvertreib. Auch das Schicksal einer Frau soll im 16. und 17. Jahrhundert durch eine Maultrommel bestimmt worden sein. Zu dieser Zeit wurde die Betroffene namens Barbara zum Tode am Scheiterhaufen verurteilt. Allerdings verschonte damals das Gericht all diejenigen, die etwa Neues erfanden. So bastelte die Frau aus Hölzchen und Bambus ein summendes Gebilde, dem sie schöne Töne entlocken konnte, und wurde auf diese Weise begnadigt. Sie wurde als heilige Barbara von nun an Schutzpatronin der Maultrommelmacher in der oberösterreichischen Gemeinde Molln.

Oberösterreich als wichtigster Produktionsstandort der Maultrommel

Heute ist Molln das Zentrum des österreichischen Maultrommelbaus - und dies seit mindestens 1679. Älteste Quelle hierbei ist eine Handwerksordnung aus diesem Jahr. Archäologische Ausgrabungen lassen den Schluss zu, dass bereits einige Jahrhunderte zuvor in dieser Region Maultrommeln gefertigt worden sind. Bemerkenswert ist, dass sich dieses alte Handwerk über all die Jahre erhalten hat. Allerdings ist die Zahl der Hersteller stark zurückgegangen: Während es in der Hochblüte rund um das Jahr 1800 noch etwa 30 Meisterbetriebe gab, sind es in der heutigen Zeit noch lediglich drei. Im Familienbetrieb stellen diese verbliebenen Produzenten jährlich rund 1,5 Millionen Maultrommeln her, welche in die ganze Welt exportiert und verkauft werden. Mit dem zunehmenden Interesse an traditioneller Volksmusik, an Experimentalmusik, sowie an "Ethno" und "World Music" wurde die Maultrommel gemeinsam mit dem Obertongesang, dem Alphorn und dem Didgeridoo wieder entdeckt. Immer wieder organisiert der im Jahr 1922 gegründete Österreichische Maultrommelverein regionale Konzerte. Ein Meilenstein hierbei war etwa das 1998 organisierte 3. Internationale Maultrommelfestival. Die wenigen verbliebenen Maultrommel- und Harmonikamanufakturen beheimaten heute sehenswerte Sammlungen einzigartiger Maultrommeln, welche die bemerkenswerte Entwicklung dieses Instruments aufzeigen. Eine solche Sammlung befindet sich etwa im Museum Dorf Molln. Die Maultrommel ziert seit jeher auch das Mollner Wappen. Heute werden Maultrommeln nahezu in allen europäischen Ländern und weit darüber hinaus hergestellt, unter anderem in den USA, Japan, Indien, Afghanistan, Indonesien, Vietnam, Jakutien (Russland) und auf den Philippinen.

Die Maultrommel: Stellenwert in der Musik

Noch um 1800 erklang die europäische Maultrommel noch in den Konzertsälen, bis sie schließlich im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts von der Mundharmonika als Volksinstrument abgelöst wurde. Schließlich erzeugt die Mundharmonika ihre Töne nach einem ganz ähnlichen Prinzip. Unter den Maultrommlern befanden sich auch große Künstler, die ihre Konzertmannschaft mit bis zu 16 Maultrommeln bestückten. Zu diesen gehörte etwa der Benediktinermönch Bruno Glatzel. Gelegentlich spielte dieser auf der Durchreise sogar für Kaiser Joseph. In der Hochkulturmusik fand die Maultrommel ebenfalls Eingang. Hierfür sorgte etwa der einstige Lehrer Beethovens, Johann Georg Albrechtsberger, welcher um 1765 sieben Konzerte für Streicher, Mandora und Maultrommel schrieb. Daneben haben auch die großen Komponisten auf die Maultrommel gesetzt: So kommt sie etwa auch in Mozarts Oper "Die Zauberflöte" vor. Heute ist die Maultrommel in der modernen österreichischen Musikszene, in der klassischen Musik sowie in der Volksmusik zu finden.

Wie man die Maultrommel spielt

Zunächst muss der Stahlrahmen, der ein wenig an einen Pilz erinnert, an die vordere Zahnreihe gelehnt werden. Allerdings darf mit den Zähnen nicht auf die Maultrommel gebissen werden. Schließlich muss die Metallfeder, welche sich in der Mitte des Instruments befindet, jederzeit frei schwingen können. Anschließend ist die Zunge nach hinten zu klemmen, die Lippen sind zusammenzuziehen und die Mundhöhle ist groß zu machen. Auf dieser Weise entsteht ein richtig großer Resonanzraum für einen kraftvollen Ton. Für die Verstärkung des Tons ist ein solcher Resonanzraum immer wichtig. Nicht umsonst findet sich dieser auch im Bauch einer Gitarre. Von der Feder der Maultrommel steht der sogenannte Stachel, ein längeres Metallstück, nach oben weg. Dieser Metallstachel muss aus dem Mund herausstehen. Jetzt können Sie damit beginnen, Ihre Wangen aufzublasen und an dem Stachel zu zupfen. Sie bemerken, wie die Feder anfängt zu schwingen und dabei einen Ton erzeugt. Jetzt sollten Sie ausgiebig ausprobieren und üben. Schließlich entscheidet in nicht unerheblichem Maße auch die Atmung darüber, wie sich die Klänge der Maultrommel anhören. Sie können beispielsweise durch leichtes Aus- und Einschwingen die Schwingungszeit der Metallfeder verlängern und hierdurch den Ton verstärken.

Die Mundharmonika als Nachfolger der Maultrommel

Die Mundharmonika wird nicht selten mit der Maultrommel verglichen. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein Zupf-, sondern um ein Blasinstrument. Die Mundharmonika besteht aus 4 Teilen, den Stimmzungen, den Stimmplatten, dem Kanzellenkörper sowie dem Deckel. Eine Mundharmonika besitzt dabei mehrere Stimmzungenschlitze. Musik wird mit der Mundharmonika folgendermaßen erzeugt: Nach dem Hineinblasen gelangt der Luftstrom durch den Kanzellenkörper, in denen die Stimmzungen schwingen und einen Klang erzeugen. Mit dem Luftstrom sollten Sie sanft umgehen, da der Ton der Mundharmonika andernfalls sehr rau klingen kann. Klänge erzeugt die Mundharmonika im Übrigen nicht nur durch das Blasen, sondern auch durch Ziehen. Die kürzesten Zungen ergeben die höchsten, die längsten Zungen dagegen die tiefsten Töne. In aller Regel sind die Töne sortiert, so dass die Frequenzen von links nach rechts aufsteigen.

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