Europäische Mittelaltermünzen - Sammler auf der Jagd nach den schönsten Exemplaren

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Europäische Mittelaltermünzen - Sammler auf der Jagd nach den schönsten Exemplaren

Die traditionelle Definition des Begriffs Mittelalter umfasst einen Zeitraum der europäischen Geschichte, der sich etwa zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert bewegt. Die wesentlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern Europas sowie die politische Geschichte, die Geistes-, Kultur-, Wirtschafts-, Sozial- und Verfassungsgeschichte verliefen im europäischen Mittelalter nicht immer synchron. Europa war zu diesem Zeitpunkt gezeichnet durch die verschiedenen Kulturen, zu denen beispielsweise Römer, Slawen, Kelten und Germanen zählten. Fast überall in Europa gehörten die Menschen dem christlichen Glauben an. Die einflussreichen Vertreter dieser Epoche versuchten, dem tief in der Bevölkerung verwurzelten Aberglauben mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Beweisen entgegenzuhalten.

Die Römer und die Griechen waren Vorreiter des späteren Währungssystems des europäischen Mittelalters

Bevor die ersten Münzen in Teilen Europas eingeführt wurden, war im frühen Mittelalter der Tauschhandel die einzige Möglichkeit, Waren zu erhalten. Die Römer und die Griechen waren die Ersten, die in ihren Ländern Münzen als Zahlungsmittel einsetzten. Zu Beginn tauschten sie mit den anderen Ländern noch Ware gegen Ware, später bezahlten sie ihre Waren mit ihren Münzen, um ein Währungssystem voranzutreiben. Bei dieser Art des mittelalterlichen Währungssystems ging es nicht darum, mit welchem Wert die Handelsmünzen geprägt wurden, sondern hier zählten ausschließlich das Material und das Gewicht. Somit musste jede Goldmünze oder Silbermünze genau gleich viel wiegen und ein gleiches Feingewicht besitzen, damit sie am Markt den gleichen Wert hatte. Dadurch war es möglich, Münzen aus verschiedenen Ländern, die das gleiche Gewicht hatten und aus demselben Material stammten, miteinander zu nutzen, um Ware zu erwerben. Das Gewichtsmaß wurde im gesamten Europa in Pfund gerechnet. Mit den Jahren wurde dieses Währungssystem immer schwieriger für den Handel, da viele Herrscher in ihren Ländern das Gewicht der Münzen und auch den Feingehalt veränderten. Die Vielfalt der europäischen Mittelaltermünzen ist noch heute sehr umfangreich und für viele Sammler von großem Interesse.

Die Prägung von Silbermünzen war an die Einhaltung von strengen Prägevorschriften gebunden

Das stabilste für Münzen im Mittelalter verwendete Material war Silber, weshalb im Römischen Reich nur ausgewählte Städte die hochwertigen Silbermünzen fertigen durften. Sogenannte Kleinmünzen, die für den täglichen Handel bestimmt waren, wurden aus den Materialien Kupfer und Bronze geprägt. Hierfür waren die Prägevorschriften nicht so streng und solche Münzen wurden in verschiedenen Städten gefertigt. Durch Ausweitung der Prägerechte für Münzen wurden mit den Jahren die Münzgewichte nicht immer exakt eingehalten und die Währungsbezeichnungen auf den Mittelaltermünzen gewannen immer mehr an Bedeutung, sodass immer mehr neue Münzwährungen im Mittelalter entstanden.

Zahlungsmittel mit Unterbrechung: der Dinar

Der Denar wurde im Römischen Reich im Jahr 211 vor Christus als Silbermünze eingeführt und blieb bis ins 3. Jahrhundert das Hauptzahlungsmittel. Dann verschwand er als Zahlungsmittel und wurde erst zur Zeit des Karolingerreiches von Karl dem Großen als Hauptmünze wieder eingeführt. Im Mittelalter war der Wert des Denars gleichbedeutend mit dem Pfennig. Im Jahr 1705 wurden in der Münzstätte Kremnitz in Ungarn die letzten Münzen des Denars geprägt.

Wissenswertes über den Pfennig

Beim Pfennig handelte es sich um eine deutsche Währungseinheit, die Karl der Große im Jahr 792 n. Chr. einführte. Der Pfennig war eine reine Silbermünze und hatte ein Gewicht zwischen 1,1 und 1,6 Gramm. Aus einem Pfund Silber mussten 240 Silberpfennigmünzen geprägt werden, so wurde es festgeschrieben. Der Pfennig war in der Zeit vom 8. Jahrhundert bis 13. Jahrhundert einer der wichtigsten Währungen geworden, da er aus reinem Silber bestand und somit eine starke Kaufkraft entwickelte. Für einen Pfennig bekam der Käufer beispielsweise bis zu 20 Hühner oder ein Drittel Kilo Getreide. Der Pfennig wird heute als Kurantmünze bezeichnet, da die Prägung der Münze beidseitig erfolgte und deren Wert aufgrund des Materials Bestand hatte. Die wertvollsten Münzen erhalten Sie mit Prägungen, die bis ins Jahr 1200 gehen, denn danach wurde der Silbergehalt der Pfennigmünzen reduziert. Da auch zu Zeiten des mittelalterlichen Pfennigs in Gewicht bezahlt wurde, ist es durchaus möglich, dass Sie nicht nur vollständige Pfennigstücke erwerben können, sondern auch halbe oder geviertelte Pfennige, da die Münzen bis zur Erreichung des benötigten Gewichtes zur Bezahlung entsprechend geteilt wurden.

Wieviel war der Heller wert? 

Der Heller wurde ab dem Jahr 1200 in Deutschland eingeführt und sein Wert entsprach der Hälfte eines Pfennigs. In der Tschechoslowakei hatte eine Krone einen Wert von 100 Hellern, 12 Heller hatten später den Wert eines Silbergroschen. Ab dem Jahr 1228 wurde der Heller aus Silber in dem heutigen Schwäbisch Hall gefertigt und als Motiv war die Darstellung einer Hand aufgeprägt. Auch beim Heller wurde in den Jahren der Silbergehalt verändert und es entstanden weiße, rote und schwarze Heller, was aus der Zusammensetzung des verwendeten Materials resultierte.

Der Groschen in Deutschland, Polen und Österreich

Beim Groschen handelt es sich um eine weitere Münze des Mittelalters, der ab dem Jahr 1271 in Meran gefertigt wurde. Zu Beginn betrug sein Gewicht drei Gramm, womit er schwerer als der Pfennig war. Da mit der Zeit das Gewicht des Groschens auf 1,8 Gramm gesenkt wurde, können Sie als Sammler selber feststellen aus welcher Epoche die Münze ungefähr stammt. Der Groschen erhielt ab dem Jahr 1328 durch den Grafen Adolf VI. von Berg eine Prägung und war nicht nur in Deutschland beliebt, sondern wurde 1815 auch in Polen sowie 1924 in Österreich eingeführt.

72 Kreuzer waren 1 Gulden

Der Kreuzer wurde ebenfalls ab dem Jahr 1271 in Meran geprägt und war zunächst nur in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz verbreitet. Ein Kreuzer hatte den Wert von vier Pfennig oder acht Heller und bestand zu Beginn aus einer Silber-Kupfer-Legierung. Er wurde beispielsweise in den Nennwerten 5/10 Kreuzer, 1 Kreuzer, 3 Kreuzer, 5 Kreuzer, 10 Kreuzer, 20 Kreuzer aufgelegt und der Wert von 72 Kreuzern entsprach einem Goldgulden.

In Afrika können Sie mit dem Schilling noch zahlen 

Der Schilling war in Österreich, Polen, Großbritannien und Deutschland weit verbreitet und wurde innerhalb Deutschlands im Norden als Zahlungsmittel verwendet. Der Schilling wurde in Silber gefertigt und hatte beispielsweise einen Wert von zwölf Pfennig. Für Sie als Sammler sind bei der Währung die Teilstücke interessant, wozu unter anderem der halbe und der viertel Schilling zählen. In afrikanischen Staaten wie zum Beispiel Kenia, Somalia, Tansania und Uganda gilt der Schilling im Jahr 2013 noch als aktuelle Währung.

Aufgrund der hohen Materialkosten wurden Goldmünzen im europäischen Mittelalter seltener

Die Goldmünzen waren im europäischen Mittelalter selten geworden und fast nur noch im Außenhandel mit dem Orient im Mittelmeerraum eingesetzt. Da der Materialwert extrem angestiegen war, konnte sich das normale Volk die Münzen nicht leisten, denn ein normaler kleiner Händler musste für eine Goldmünze mehr als eine Woche arbeiten.

Durch den Außenhandel mit dem Orient und die Kriege im Mittelalter gelangte mit der Zeit wieder mehr Gold nach Europa. Der Ausbau des Außenhandels hatte zur Folge, dass die Länder mit dem Pfennig als Währung nicht mehr zurechtkamen. Daher begannen die starken italienischen Handelsstädte Florenz, Venedig und Genua mit dem Prägen von eigenen Goldmünzen. Die erste Goldmünze war der in Florenz im Jahr 1252 geprägte Florentiner Gulden, der trotz erfolgreicher Einführung in Europa bald mit den Metallen Silber und Kupfer vermischt wurde. 

Der erste goldene Venezianische Dukat wurde in Venedig im Jahr 1284 nach der Einführung des Florentinischen Guldens geprägt und wurde auch als Zechine bezeichnet. Während des 14. und 15. Jahrhunderts wurde der Dukat zur Weltwährung, da er, anders als der Gulden, einen stabilen Goldfeingehalt aufwies. 1559 wurde er in Deutschland zur Reichsmünze ernannt und blieb bis zum Jahr 1858 das gesetzliche Zahlungsmittel. Bis 1797 wurden Dukaten in Venedig geprägt und in Österreich gelten nachgeprägte Golddukaten als Sammlerstücke.

Entscheidend für die Wertigkeit einer Münze sind der Prägezeitpunkt und ihr Erhaltungszustand

Außer bei Münzen, die aus Edelmetallen bestehen, spielt das Metall, aus dem eine Münze hergestellt wurde, nicht so eine große Rolle, da hier der Nennwert meist über dem Materialwert liegt. Wichtiger für die Bestimmung des Wertes sind die Auflage, die Nachfrage, der Prägezeitpunkt sowie der Erhaltungszustand und die Historie der Münze. Der Wert einer Münze kann sich unter Umständen auch aufgrund vorhandener Gebrauchsspuren erhöhen.

Als Münzsammler sollten Sie sich vor dem Kauf von Münzen das notwendige Know-how aneignen

Da der Kauf von Münzen Vertrauenssache ist, ist es unerlässlich, dass Sie sich durch vorherige Fachkunde vor dem Erwerb von Fälschungen schützen. Als informative Ratgeber können Ihnen Münzkataloge, die von verschiedenen Verlagen erhältlich sind, dienen. Diese bieten Ihnen ausführliche Beschreibungen der Münzen aus dem europäischen Mittelalter sowie Informationen zur Auflagenhöhe und Details jeder einzelnen Münze. Die Nachschlagewerke sind qualitativ sehr gut aufgebaut und mit vielen Abbildungen der Münzen versehen. Als Sammler erhalten Sie in diesen Fachjournalen natürlich auch Hinweise zu den aktuellen Sammlerwerten der jeweiligen Münze, da die Kataloge jedes Jahr überarbeitet und neu aufgelegt werden.

So bewahren Sie Ihre wertvolle Münzsammlung professionell und gut geschützt auf

Sie erhalten ein breit gefächertes Sortiment an Sammelalben, in denen Sie Ihre wertvollen Münzen aus dem europäischen Mittelalter zur Aufbewahrung unterbringen können. In diesen Alben sortieren Sie Ihre Sammlung nach Serien, denn dadurch haben Sie schnell einen genauen Überblick über die vorhandenen, eventuell fehlenden oder doppelten Exemplare. Zu Ihrer Ausstattung als Münzsammler sollten des Weiteren eine Lupe, Handschuhe aus Baumwolle, eine Münzpinzette mit beschichteten Spitzen sowie eine starke Lichtquelle gehören. Eine sorgfältige Behandlung sowie professionelle Aufbewahrung schützt Ihre Münzen vor Beschädigungen, Kratzern, Fingerabdrücken und Staub, denn lediglich gut erhaltene und in kompletten Serien vorhandene Münzen haben einen Sammlerwert.

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