Euphonium, Sousaphon & Co.: Wissenswertes über ausgefallene Blasinstrumente

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Euphonium, Susaphon & Co: Wissenswertes über ausgefallene Blasinstrumente

Blasinstrumente liegen seit einigen Jahren sowohl in der Klassik als auch in verschiedenen zeitgenössischen Musikstilen voll im Trend: Musikbegeisterte aus vielen verschiedenen Stilrichtungen beherrschen Instrumente wie Querflöte, Trompete oder Posaune perfekt, doch neben diesen bekannteren gibt es noch viele andere, deren nähere Betrachtung sich lohnt. Ob Sie ein kompletter Anfänger sind oder bereits andere Instrumente beherrschen, ein Instrument wie beispielsweise ein Sousaphon oder ein Euphonium könnte genau das Richtige für Sie sein. Durch ihr Aussehen und ihren Klang wirken sie oftmals sehr exotisch und sind auf jeden Fall ein Blickfang. Im Folgenden werden interessante Fakten über verschiedene ausgefallene und teils nur regional verbreitete Blasinstrumente angeführt und einige von ihnen miteinander verglichen. 

Ein tiefer Klang und das ausgefallene Design sind charakteristische Merkmale des Sousaphons

Das Sousaphon wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom bekannten amerikanischen Komponisten John Philip Sousa entwickelt und ist bis heute nach eben diesem benannt. In amerikanischen Militärkapellen ist es schon lange etabliert, und auch in europäischen Kapellen lässt sich das Sousaphon immer häufiger beobachten und wird aufgrund seiner Vielseitigkeit von vielen Musikern sehr geschätzt. Von der Spielweise ebenso wie vom Klang ist es der herkömmlichen Basstuba sehr ähnlich, der große Unterschied besteht lediglich im ausgefallenen Design: Das Sousaphon wird im Gegensatz zur Basstuba nicht vor dem Körper, sondern um diesen herum platziert. Das Sousaphon ist üblicherweise in F, Es, B oder C gestimmt und ist in Ausführungen mit drei, vier oder auch fünf Ventilen erhältlich, wobei letzteres für Anfänger nicht unbedingt empfehlenswert ist.

Der schöne Klang ist oft ein entscheidendes Kaufkriterium beim Euphonium

Das zweite Instrument auf der Liste der ausgefallenen Instrumente ist das Euphonium, dessen Name aus dem Griechischen herrührt und mit "wohlklingend" übersetzt werden kann. Der Name ist Programm: Sollten Sie den Entschluss fassen, sich ein Euphonium anzuschaffen, werden Sie ein Instrument mit einem warmen und lieblichen Klang erleben. Wenn auch der Klang wesentlich weicher ist als bei einer Posaune, ähnelt sich der Tonumfang der beiden Instrumente stark, wobei jedoch das Euphonium in den oberen Oktaven weit besser anspricht. Wie die meisten Instrumente aus der Familie der Bügelhörner ist das Euphonium üblicherweise in B gestimmt und verfügt je nach Ausführung über drei oder vier Ventile in Perinetbauweise, sogenannte "Pumpventile".

Das Tenorhorn - in der böhmischen Blasmusik ist es unverzichtbar

Im 19. Jahrhundert bestand in vielen Ensembles und Orchestern das Problem, dass im Bereich der Blechblasinstrumente zwischen der tiefen Tuba und der Es-Trompete klanglich eine ziemlich große Lücke herrschte. Die Entwicklung des Tenorhorns löste dies und es gilt seither aufgrund seines erhabenen Klangs als Fixpunkt in der böhmischen und alpenländischen Blasmusik, wenngleich es außerhalb dieser kaum verbreitet ist; allerdings wird es auch in einigen Skabands mit großem Erfolg eingesetzt. Das Tenorhorn in herkömmlicher Bauweise ist ebenfalls in B gestimmt und verfügt über drei oder vier Ventile. Sollten Sie noch keine Erfahrungen mit Blasinstrumenten haben, ist das Tenorhorn das ideale Einsteigerinstrument, da sich aufgrund des - im Vergleich zur Trompete und zur Tuba - mittelgroßen Mundstücks relativ schnell ohne jahrelanges Üben ein hoher Tonumfang erreichen lässt. Dem Tenorhorn sehr ähnlich ist auch das Baritonhorn, welches vom Tonumfang und der Spielweise her sehr ähnlich ist, jedoch über eine weitere Mensur verfügt, die Auskunft über die Öffnung des Blasinstrumentes und damit verbundene klangliche Eigenschaften gibt.

Ähnlich und doch nicht gleich - ein Vergleich zwischen Euphonium und Tenorhorn

Wenn Sie sich nun denken, dass zwischen dem Tenorhorn und dem Euphonium keine allzu großen Unterschiede bestehen, haben Sie nicht ganz unrecht, bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch trotzdem kleinere Differenzen, die jedes der beiden einzigartig macht.

Klanglich ähneln sich die beiden Instrumente grundsätzlich, wenngleich das Euphonium wärmer klingt, während das Tenorhorn gerade in höheren Lage einen schärferen Ton entwickelt. Viele Musiker schätzen das Euphonium aufgrund seiner Kompaktheit, da es deutlich kleiner und so auch leichter transportabel ist, obwohl dieses Argument natürlich bei der Wahl des richtigen Gigbags für Tenorhörner nur bedingt haltbar ist. Tenorhörner sind in der Regel mit Drehventilen ausgestattet, während Euphonien mit Perinetventilen gebaut werden. Beide Bauweisen haben ihre Vor- und Nachteile, jedoch hängt dies in der Regel von den subjektiven Vorlieben und Gewohnheiten des Musikers ab, da es keine objektiv "bessere" Bauweise gibt. Aufgrund der klanglichen Ähnlichkeit der beiden Instrumente wird das Euphonium gelegentlich auch als eine Unterform des Tenorhorns eingeordnet. Welches der beiden für Sie persönlich das Richtige ist, müssen Sie im Endeffekt selbst entscheiden, es gibt jedoch auf beiden Seiten überzeugte Anhänger, wodurch Sie bei keinem der beiden Instrumente wirklich falsch liegen können. Wenn Sie dann selbst ein erfahrener Tenorist oder Euphonist sind, wird es Ihnen auch sehr leicht fallen, zwischen den beiden Instrumenten hin und her zu wechseln und sich so etwas Abwechslung und neue musikalische Erfahrungen zu gönnen.

Die Bassklarinette ist ein beliebtes exotisches Instrument mit langer Tradition

Einige der bekanntesten Komponisten der Weltgeschichte, wie Richard Wagner und Maurice Ravel, schrieben schon Stücke für dieses Instrument, heute jedoch gehört sie schon zu den Exoten ihrer Gattung: die Bassklarinette. Sie ist ein Holzblasinstrument und übernimmt in der Familie der Klarinetten die Funktion des Basses, die Stimmung ist üblicherweise ebenso wie bei den meisten anderen Klarinetten in B. Die aus Holz oder aus Kunststoff gefertigte Bassklarinette ist äußerlich einem Saxophon sehr ähnlich, unterscheidet sich jedoch klanglich und in der Verwendung sehr stark. Von der Spielweise her gleicht sie mit einigen kleinen Unterschieden sehr stark der herkömmlichen Klarinette. Über viele Jahre hinweg fristete die Bassklarinette in den meisten Musikstilen ein Nischendasein, erlebte jedoch vor einiger Zeit eine Renaissance: Heutzutage spielen viele Klarinettisten in Orchestern dieses Instrument als Zweitinstrument, gerade im Jazz gibt es jedoch auch Virtuosen, deren ganze Leidenschaft diesem Instrument gilt. Neben der Bassklarinette gibt es auch noch die Kontrabassklarinette und die Subkontrabassklarinette, die aber nur selten zur Anwendung kommen. Sollten Sie ein Anfänger sein, empfiehlt sich aufgrund der Spielweise und der existierenden Literatur ganz klar die normale Bassklarinette.

Das Flügelhorn und das Kornett - eine reizvolle Abwechslung zur Trompete

Auch wenn sich die B-Trompete nach wie vor auf der Liste der beliebtesten Musikinstrumente sehr weit oben befindet, machen ihr gleich mehrere verwandte Instrumente Konkurrenz. So zum Beispiel das im alpenländischen Raum weit verbreitete klassisch mit Drehventilen ausgestattete Flügelhorn. Während es in der böhmischen und alpenländischen Volksmusik oftmals als Melodieinstrument eine tragende Rolle innehat, ist es in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums und Europas kaum verbreitet. Kenner schätzen das Flügelhorn vor allem durch seinen im Vergleich zur Trompete weicheren und dunkleren Klang, durch diese Eigenschaften wird es mittlerweile auch in zeitgenössischen Filmmusiken gerade bei getragenen und melancholischen Melodien sehr gerne und mit großem Erfolg eingesetzt. Das Flügelhorn ist ebenso wie die Trompete in B gestimmt und verfügt über drei Ventile. "Klassisch" wird das Flügelhorn mit Drehventilen gebaut, mittlerweile wird jedoch auch immer häufiger dem "Jazzflügelhorn" in Perinetbauweise der Vorzug gegeben, da dieses über einen noch weicheren Klang verfügt. Von der Spielweise her entspricht es sehr stark der Trompete, wenngleich Ihnen - sollten Sie eine Trompete gewöhnt sein - der sanftere Klang anfangs etwas ungewohnt erscheinen könnte.

Das seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der heutigen Form existierende Kornett stellt ebenfalls eine interessante Alternative zur Trompete dar. Während es heute fast ausschließlich in Blaskapellen und Brass Bands vorkommt, war es im 19. Jahrhundert - unter anderem bei Operetten von Jacques Offenbach - auch in Orchestern weit verbreitet, wodurch auch klassische Literatur für das Kornett existiert. Ähnlich dem Flügelhorn verfügt es über einen weicheren Klang als die Trompete, durch seine kompakte Form ist es auch für Kinder gut geeignet, da diese es leichter halten können als eine Trompete. Die weitere Mensur geht auf Kosten des Tonumfangs: Während der weiche Klang in den unteren Lagen voll zur Geltung kommt, ist das Spielen in den höheren Oktaven im Vergleich zur Trompete wesentlich schwieriger. Fortgeschrittene Musiker beider Instrumente können aufgrund der nahezu identischen Spielweise praktisch beliebig zwischen der Trompete und dem Kornett wechseln. Das Kornett ist in B - gelegentlich auch in Es - gestimmt, verfügt über drei Ventile und wird fast ausschließlich in Perinetbauweise gebaut. Sowohl für das Flügelhorn als auch das Kornett gibt es viel eigene Literatur und einige sehr bekannte Solostücke, oftmals lohnt es sich jedoch auch, auf ursprünglich für die Trompete geschriebene Werke zurückzugreifen und die klangliche Abwechslung zu genießen.

Die Auswahl ist groß - Ihre persönlichen Vorlieben entscheiden

Bevor Sie sich für eines dieser exotischen Instrumente entscheiden, ist es natürlich empfehlenswert, sich vorher Stücke des jeweiligen Instruments anzuhören, um sich selbst ein umfassendes und vor allem eigenes Bild von den Klangeigenschaften des Instruments zu machen. Bezüglich des Einsatzgebiets Ihrer neuen musikalischen Errungenschaft brauchen Sie sich keine Sorgen machen: Für die meisten Instrumente gibt es sowohl im Anfänger- als auch im Fortgeschrittenenbereich genügend Literatur, wahlweise kann auch problemlos auf Noten für "benachbarte" Instrumente zurückgegriffen werden. So können beispielsweise Noten für Tubas jederzeit auch von einem Sousaphon gespielt werden. Auch in verschiedenen Formationen wie Ensembles oder Orchestern kann ein besonderes Instrument mit etwas Kreativität den Klangkörper sehr positiv bereichern und in vielen Musikstilen für Individualität und das "gewisse Etwas" sorgen.

Ob als Anfänger im Bereich der Blasmusik oder als virtuoser Könner Ihres "Stamminstruments": das Ausprobieren und Entdecken ausgefallener Blasinstrumente ist in jedem Fall ein Gewinn für Sie, es wird Ihren musikalischen Horizont erweitern, sorgt für interessante und abwechslungsreiche Klangfarben und macht so jedes Ensemble punktuell oder auf Dauer bunter und einzigartig.

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