Essen auf Rädern - Erfahrungen im Drive-In-Restaurant

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Vatern sitzt die Angst im Nacken. Vier Meter lang, zweiachsig und vollbepackt mit allem, was den Urlaub so richtig erholsam machen soll. Doch jeden Tag zur Essenszeit wird Vatern zentimeterklar, wieviele Gaststätten abseits der Autobahn mit Caravangespannen rechnen. Und wenn der Parkplatz dann doch mal reicht, gähnt den vielen eindrucksvollen Ziffern der Speisekarte eine ausgepumte Geldbörse entgegen. Urlaub mit Kindern ist teuer und ohnehin sieht man sie in "besseren" Lokalen nur dann gern, wenn sie ruhig und sittsam auf den sattsam bekannten Kinderteller warten. Also nie. Also hungern mit Kindern und Caravan?

Der kleine Manuel Hernandez aus Mexiko kennt die Lösung. Als er Milch nicht mehr mochte, hat ihn sein Vater, der für die amerikanischen Streitkräfte arbeitet, 'mal "beißen lassen". Seitdem führt Manuels liebster Umweg in Ludwigsburg vorbei, dem ersten "McDonalds-Restaurant" in Deutschland. So nannte der Amerikaner Ray Kroc seine Eßplätze für Sitzengebliebene und heute fragt ihn keiner mehr, wieso denn ausgerechnet der schottische Hochadel als Namensgeber für die amerikanische Erfindung des deutschen Hamburgers herhalten mußte. Denn das ist immerhin schon über 52 Milliarden Hamburger her. Als Kroc im Jahre 1954 die verzweifelten Bemühungen zweier Imbißbudenbesitzer auf einem kalifornischen Parkplatz beobachtete, die den motorisierten Massen nicht schnell genug Nahrhaftes verkaufen konnten, hatte Kroc seine milliardenschwere Idee und die Imbißbudenbesitzer ihren Meister gefunden. Das Konzept war so einfach, daß sich die Konkurrenz bis dahin dran die Zähne ausgebissen hatte: "Optimale Qualität, freundlichen Service, Sauberkeit und niedrige Preise" versprechen die Glieder der größten Restaurantkette der Welt seit über 30 Jahren, und "Frische und Qualität zu jeder Tageszeit". Dafür steht ein weltweites Organisationsnetz, in dem penibel auch die kleinste Tätigkeit erfaßt und vorgeschrieben ist. "Wir haben exakte Standards, die jeder kennen muß, der hier arbeitet", weiß Hünkar Sezer, die 20 Jahre junge Restaurant-Managerin. Sie kommt aus der Türkei, lebt seit ihrem elften Geburtstag in Deutschland und hat bei McDonalds als Kassenkraft angefangen. Zwei Jahre hat sie dann als Hostess Kindergeburtstage ausgerichtet und sich schließlich über die "Swing-Assistentin" zur "Managerin" hochgearbeitet. "Nach zehn Minuten müssen Gerichte, die heiß gemacht, aber nicht verkauft wurden, weggeworfen werden. " Also nicht ganz einfach, aus den Grundnahrungsmitteln Fleisch, Brot, Kartoffeln und Milch Gerichte zu machen, die einem hungrigen Kunden in sechzig Sekunden das Wasser in den Mund und das Geld aus der Tasche zaubern. Das hatte der geschäftstüchtige Kroc keine Sekunde vergessen. Zeit ist Geld und wer lange auf sein Essen wartet, braucht auch länger, bis er bezahlt hat. Eine einfache Rechnung, die sich bezahlt gemacht hat. Mit dem "Drive In-Restaurant" wurde sie aich in Deutschland betriebswirtschaftlich optimiert. In Würzburg, Wiesbaden, Berlin, München und Ludwigsburg, seit 1983 die erste Burger-Bastion für Bewegliche in Europa.

Die Gäste, Familien, Fernfahrer - kurzum - Autofahrer werden am "McDrive-Schalter" von zwanzig Quadratzentimetern Lautsprecher im mülleimergroßen Kasten an der Einfädelspur mit einem freundlichen "Sie wünschen bitte?" begrüßt. Wobei den Fahrern von Caravan-Gespannen und Wohnmobilen vorsorglich empfohlen wird, auf dem Parkplatz abzustellen. Die Einfahrt der "McDrives" ist meist recht eng. Sodann harrt ein Mikrofon auf die Bestellungen, wenn schon nicht auswendig gelernt, so doch wenigstens von großen Tafeln in Sichthöhe abgelesen. Auch wenn das Mikrofon stumm und geduldig bis zum letzten Dessert wartet - die nachfolgende Meute kennt die Durchschnittszeit der gewöhnlichen Vierkopf-Familienbestellung auf die Minute und hat schließlich auch Hunger und viele Hupen. Ein paar Meter geht`s dann meistens weiter, genug Zeit für die unsichtbaren Geister, das komplette Menü fix und fertig, mikrogewellt, polystrol- und papierverpackt aus dem Fensterchen des Ausgabeschalters zu reichen. Wobei man gerne auf Papier verzichten möchte - aus Umweltschutzgründen. Denn "eine Studie in den USA ergab, daß Polystrol umweltfreundlicher als Papier ist. Das Gewicht des Materials beträgt weniger als ein Drittel des Gewichts üblicher Papierverpackungen, die Produktion führt zu weniger Materialverlust und viel geringerer Wasser- und Luftverschmutzung als die Herstellung von Papierprodukten." Ein McDonald`s Originalton, dem man sicherlich Glauben schenken darf - allein schon aus finanztechnischen Gründen. Nur in Deutschland gibt's wieder Papier und Pappe.

So haben sich die Manager auch mit dem Energiesparen beschäftigt und herausgefunden, daß McDonald`s etwa 30 Prozent weniger Energie für eine warme Mahlzeit benötigt, als bei einem zuhause zubereiteten Essen, wobei die Energiefaktoren von Herstellung, Verpackung und Service in der Rechnung berücksichtigt wurden. Was sich natürlich auch wieder in den Rechnungsbüchern der Muttergesellschaft und der Lizenznehmer positiv niederschlägt. Die derzeit 8304 Restaurants in 35 Ländern der Welt werden von Privatunternehmern geführt - allerdings unter den gestrengen Fittichen des Mutterkonzerns. "Franchise" nennt sich diese Wirtschafts-Mutter-Tochterbesziehung und funktioniert en detail so: der Franchisenehmer entrichtet einen gepflegten Betrag und erhält dafür Konzept, Unterstützung, Werbematerial, Ausstattungsvorschläge, Organisationsformen... das Komplettpaket "Wie gründe ich ein McDonald`s-Restaurant?" Inklusive Rezepte, Spezialküchengeräte und dem hoch-und-heiligen Schwur, das Original, und nichts als das Original in Umlauf zu bringen. Denn wer Big Mäcs, Cheeseburger oder Mc Ribs nachmacht oder verfälscht, verliert nicht nur die Lizenz, sondern kann unter Umständen auch noch mit einer saftigen Vertragsstrafe rechnen. Was aber relativ schwierig sein dürfte: die Grundstoffe für die meisten Mc-Menüs werden in den einzelnen Ländern zentral hergestellt und dann an die Restaurants verteilt.

So stammt das Fleisch für sämtliche deutschen Filialen aus einer Fleischwarenfabrik in Günzburg. Dort wird der fertig geformte Hamburger "in nur zwei Minuten schockgefroren, damit die Vitamine, Mineralstoffe und der Charakter des Frischfleisches erhalten bleiben". Was dann an Ketchup, Käse und Zutaten noch drüber und drunter kommt, ist exakt normiert. Auch im "McDrive" In Deutschland in Würzburg, Wiesbaden, Berlin, München und Ludwigsburg, seit 1983 Burger-Bastion für Bewegliche in Europa. 50 Drive-In`s in der Bundesrepublik sind geplant. Genug zu tun. Auch für René Arend, ehemals Chefkoch des "White Hall Clubs" in Chicago, einem der feinsten Restaurants in Nordamerika. Er ist für die Entwicklung und Erprobung neuer Speisen und der dafür erforderlichen Kücheneinrichtungen zuständig. Bisher hat der Mann auf alle Fälle erfolgreich gearbeitet. Und wenn die McDonalds-Erzeugnisse allen so gut bekommen wie ihrem Erfinder - Ray Kroc starb im Alter von 81 Jahren - wird dem "Fleischküchlesmulti" noch lange nicht der Appetit vergehen.

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