Erleuchtete Dimensionen der Wirklichkeit

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Ich habe das Buch erst die letzten Tage gelesen.
Dringend wollte ich den Autor und Buchinhalt kennen lernen - umso mehr war ich dann von dem ganzen Werberummel enttäuscht.

Das Buch gibt es sowohl bei Amazonwiederverkäufern, als auch bei Ebay "nachgeworfen" für 1,99 Euro - es scheint so, dass es sich nicht so recht verkauft hat und man nicht auf der zu grossen Auflage "sitzen bleiben" möchte.

Das Buchformat ist vom Verlag gut gewählt: es passt von der Höhe und Tiefe her gut in Buchregale und liegt noch gut in der Hand. Die Seitenblätter entsprechen wohl keinem DIN-Format, sondern sind etwa quadratisch. Das Papier glänzt leicht und die Bilder sind wohl farblich alle optimal dargestellt - ein Lob an den Verlag.

Der Autor betätigt sich wohl als Musiker, Maler, Buchautor und nennt sich selbst ZEN-Meister. Als solcher betreibt er eine sektenartige Einrichtung in Deutschland.

Das Buch besteht aus einer ausführlichen Einleitung und danach aus Doppelseiten: rechts ist das Gemälde und links ist ein Text im Sinne von ZEN des Autors. Text und Gemälde sollen nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben.

Die Einleitung hat sich der Autor selbst von seinem Chan-Zentrum schreiben lassen (am Ende er selbst?). Darin wird er über die Massen als Maler ausgelobt und angerissen in welch aussergewöhnlichem (geistigen) Zustand und mit welch professioneller Technik er die Bilder erstellt. Das ist weitgehend Unfug: die Bilder sind auf einem "handwerklichen" Stand eines Schüler im Kunstunterricht auf der Schule. So wie hier mit zu viel Wasser aufgetragen wird, die Farben schmutzig ineinander verschwimmen und das Wasser einfach die Leinwand herunterlaufen gelassen wird - ich kann darin weder eine Kunst, noch ein Handwerk, noch Qualität erkennen.
Auch aus dem historischen Kontext der ZEN-Zeichnung, die immer für Qualität, überragende Geschicklichkeit und auch eine gegenständliche Kunst waren, hat Kopp hier wohl bewusst mit dieser Tradition gebrochen und sich an neuem versucht. Das ist sein gutes Recht - aber das Ergebnis bedarf wohl noch der langjährigen Reifung.

Die Texte neben den Bildern stehen dagegen noch in der Tradition des Chan. Die Inhalte sind nicht neu und auch in anderen Werken ähnlich nachlesbar. Leider kann in diesen Texten nicht die vorgebliche Erleuchtung von Herrn Kopp zu dem Leser transportiert werden.
Auch wagt er sich in diesen Texten fort von Koans und im ZEN typischen unlogischen Aussagen. Aber wenn dann ein Maler und Musiker versucht in (naturwissenschaftlicher) Logik seine Leser zu überzeugen - muss dies einfach schief gehen. Alleine, wenn er in seinen logischen Schlussfolgerungen ein (langes) Zeitintervall mit einem Zeitpunkt verwechselt, nur um sein Schlussargument zu rechtfertigen, dann mutet das dem schulisch oder naturwissenschaftlich gebildeten Leser, doch sehr viel Toleranz für solche Fehler ab.

Für die Bilder lohnt sich das Buch vielleicht für einen Kunststudenten - für mich waren die Bilder geradezu überflüssig.
Die Weissheitstexte hätten in ein kleines Taschenbuch gepasst - diese unterscheiden sich weder in der Weisheit noch der Qualität von anderen Spruchsammlungen aus dem fernen Osten.

Für mich ist dies heute ein überflüssiges Buch - aber jeder mag sich hier seine eigene Meinung bilden.

Auch ist nicht garantiert, wenn ein sogenannter "ZEN-Meister" einen Pinsel in die Hand nimmt oder ein Buch schreibt, dass dies weder gut noch erfolgreich sein muss.
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden