Erfahrungen mit paypal, leider keine positiven

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Meine persönliche Meinung: ich halte paypal für einen höchst unprofessionellen Service. Oder mal anders formuliert: solange sich Transaktionen im unteren bis mittleren Euro-Bereich abspielen, das aber auch nur innerhalb Deutschlands, ist paypal zu empfehlen.

Wer es darüber hinaus benutzt, geht eklatante Risiken ein. Wie ich darauf komme? Hier meine Erfahrungen in einigen Sätzen: Am 04.12.05 verkaufte ich eine XBox 360 nach Großbritannien, da ich einen Premiumkonto besitze, berechnete paypal satte 30,- Euro an Gebühren für die aus dem Ausland empfangene Zahlung. Nachdem ich mir die Gebührenübersicht durchgelesen von paypal durchgelesen hatte, eröffnete ich ein Basiskonto, um bei den nächsten Verkäufen diese doch sehr hohen Gebühren zu sparen (der paypal-Wechselkurs beinhaltet ja auch schon eine 2,5%ige Wechselgebühr!). Hierzu benutzte ich die Bankverbindung meiner Frau, da jede Bankverbindung nur mit einem papyal-Konto verknüpft sein darf.

Freitag den 09. Dezember startete ich weitere 5 Auktionen mit XBox 360 Konsolen für 5 Tage, diese verkaufte ich bis zum 13. Dezember. Als am Samstag die erste Zahlung eintraf war ich gezwungen, das Basiskonto in ein Premiumkonto umzuwandeln, der Grund hierfür wurde allerdings nirgends genannt, aber es konnte nur so sein, das die Käuferin per Kreditkarte bezahlt hat, da dies die einzige nicht verfügbare Zahlungsoption für das Basiskonto ist. Dies ist auch mein erster Kritikpunkt: woher weiß ich, wie jemand bezahlt hat? Ich sehe nicht, ob jemand per Guthaben, Überweisung oder Kreditkarte bezahlt hat. Ich denke das paypal diese Information bewußt nicht präsentiert.

Da es trotzdem relativ gut lief, besorgte ich weitere 5 XBoxen, die ich am Donnerstag 15. Dezember einstellte, wieder alle in Großbritannien.

Am 13. Dezember transferierte ich das Geld aus den erhaltenen Zahlungen von meinem neuen Konto auf das alte, damit ich es direkt auf mein Girokonto überweisen kann. Böser Fehler! Denn am 16. Dezember erhielt ich vormittags eine E-Mail von paypal. Der Zugriff auf beide Konten wurde beschränkt, da eine Überprüfung der Vorgänge notwendig ist. Man benötigte Vorder- und Rückseite meines Personalausweises sowie die Paketnummern der verschickten Pakete. Diese Informationen stellte ich paypal innerhalb einer Stunde nach Erhalt der E-Mail zur Verfügung. Ich sah auch ein das die Eröffnung eines neuen Kontos und das tranferieren von ca. 3000 Euro falsch verstanden werden kann, daher kooperierte ich sofort und uneingeschränkt. Was dann folgte, war der ein echter Alptraum.

Gegen 13.30 Uhr rief ich bei der Hotline von paypal an, ich erklärte dem Mitarbeiter die Umstände, das ich alle gewünschten Informationen sofort zur Verfügung gestellt hatte, das ich aber weitere Xbox-Konsolen in einer Auktion habe und wieder Zahlungen empfangen können muss. Ich sollte dann aber noch einen Kaufnachweis über die Konsolen beibringen, nebst der Anschrift des Lieferanten. Obwohl mir dies eigentlich schon zu weit ging, übermittelte ich auch diese Informationen an eBay. Ich hatte alle Konsolen selbst in Auktionen ersteigert, davon konnte sich jeder Mitarbeiter bei paypal mit wenigen Mausklicks überzeugen.

Nachmittags rief ich erneut bei paypal an. Diesmal schilderte ich die Situation erneut, die junge Frau bestätigte mir am Telefon, das ich zwar weiterhin Zahlungen empfangen kann, jedoch keine Buchungen vornehmen kann. Das beruhigte mich etwas. Als ich dann aber abends heim kam, loggte ich mich sofort bei paypal ein, und las noch mal den Umfang der Einschränkung durch. Dort stand dann, das weder das senden noch empfangen von Zahlungen möglich ist. Also rief ich erneut an, diesmal wurde mir klar gesagt, ich könne keinerlei Zahlungen empfangen. Außerdem sei das transferieren von Geld zwischen zwei eigenen Konten untersagt. Helfen konnte man mir nicht, ich sollte das Ende der Prüfung abwarten. Und ich wurde auch wieder auf die AGB verwiesen, die ich mir selbstverständlich vor Abschluss des Vertrags mit paypal durchzulesen habe. Vielen Dank, auf wiederhören.

In meiner Not eröffnete ich ein neues Konto auf den Namen meiner Frau, zum Glück hatte sie noch ihr altes Girokonto. Hierauf empfing ich zwei weitere Zahlung bevor auch dieses dann gesperrt wurde. Am Samstag 17. Dezember ist auch ein Verkauf nachweislich aufgrund der Sperre geplatzt, der Verlust von ca. 100,- Euro blieb an mir hängen. In meiner letzten Not half mir mein Vater, indem auch er ein Konto eröffnete, auf das ich die letzten beiden Zahlungen für XBoxen nach GB erhielt, natürlich wurde auch dieses gesperrt.

Danach begann eine große Personalausweiskopie-, Fax- und Paketscheinversandaktion an paypal. Begleitend dazu habe ich auch immer wieder bei paypal angerufen, teilweise auch um meinen Frust loszuwerden, immer höflich versteht sich. Man stelle sich mal folgendes vor: man erhält einige Überweisungen von insgesamt 5000 Euro auf sein Girokonto, im Betreff steht z. B. eBay-Auktion XBox 360. Plötzlich ist das Konto gesperrt, und die Bank verlangt von mir einen Nachweis, woher die Geräte stammen. Da würde jeder wohl sofort erbost die Bank wechseln. Bei paypal muss man sich so etwas aber gefallen lassen. Nicht zu vergessen: ich habe in 14 Tagen etwa 250,- Euro an paypal bezahlt, mein Girokonto kostet exakt 30,- pro Jahr.

Womit wir beim Service sind: natürlich sind die Mitarbeiter am Telefon freundlich und geben im Rahmen ihrer Möglichkeiten Auskunft, aber: das sind Angestellte in einem Call-Center. Die notieren mein Anliegen und leiten es weiter, aber wirkliches Interesse am Kunden und seinen Problemen hat niemand. Sobald sie nicht mehr weiter wissen, berufen sie sich auf die AGB von paypal, als ich dann bespielsweise nach dem Passus fragte, der das hin- und hertransferieren von Geld zwischen eigenen Konten verbietet, wurde mir mitgeteilt: es werde nicht gerne gesehen. Aha. Das klingt aber nicht nach einem Verbot. Und die AGB von paypal sind bei den Mitarbeitern in etwas so bekannt wie bei den meisten Kunden: gar nicht.

Mein zweiter Kritikpunkt: paypal  schreibt auf der Startseite: "PayPal (Europe) Ltd. ist als E-Geld-Institut von der Financial Services Authority in Großbritannien autorisiert und wird von dieser gemäß EU-Richtlinie 2000/46/EG reguliert." Für mich als Normaluser las sich das wie: die sind eine Bank. Und so soll es vermutlich auch verstanden werden. Dem entgegen steht folgender Passus der Nutzungsbedingungen: " Bitte beachten Sie, dass Ihr Kontoguthaben ungesicherte Schulden von PayPal (Europe) Ltd. gegenüber Ihnen darstellt. Im Falle einer Insolvenz von PayPal (Europe) Ltd ist dieses Guthaben gefährdet und nicht durch das Financial Services Compensation Scheme (Britisches Entschädigungsmodell der Finanzdienstleister) oder durch ein anderes öffentliches oder privates Versicherungsmodell abgesichert." Wenn man also ein paypal-Guthaben hat, ist das im schlimmsten Fall weg. Das eine solche Firma ihren Kunden keine größtere Sicherheit bieten kann finde ich seltsam.

Mein dritter Kritikpunkt: Es soll ja Menschen geben, die plötzlich das Unternehmerische Fieber packt, und die ihren vormals privaten Account geschäftlich nutzen und wirklich international Geschäfte machen. Mir wurde mehrfach an der paypal-Hotline bestätigt, das Konten, auf denen plötzlich hohe Geldbeträge eingehen, quasi automatisch gesperrt werden. Wenn die Lösung dann, wie in meinem Fall, etwa 2 Wochen in Anspruch nimmt, kann so mancher unternehmerische Keim schon wieder erstickt sein. Es gibt aber keine Möglichkeit sich bei paypal als künftiger Emfpänger größerer Summen anzumelden, zumindest wurde mir das nicht telefonisch mitgeteilt und es ist in den AGB nicht zu finden.

Mein letzter Kritikpunkt: Wenn jemandem so etwas passiert, der erst drei Bewertungen hat, dann kann ich das verstehen. Ich bin seit fast 7 Jahren eBay-Mitglied mit über 1000 positiven Bewertungen (99,9% positiv), und ich musste jetzt lernen, welchen Stellenwert diese Bewertungen innerhalb des Unternehmens eBay haben: gar keine. Ich fühlte mich wie ein Verbrecher, wurde teilweise auch so behandelt, mir wurde Informationen abverlangt, die sonst nur die Polizei wissen will. Das war sehr erniedrigend und hat mein Verhältnis gegenüber eBay und seinen Diensten schon etwas beeinträchtigt.

Mein persönliches Fazit und Rat an andere:
Wie anfangs erwähnt: für kleine Beträge innerhalb Deutschlands ist paypal okay, große Beträge und Ausland ist nur was für Menschen mit guten Nerven. Sollte ich noch mal in Europa verkaufen, werde ich keine paypal-Zahlung mehr akezptieren. Aber ein Kunde weniger tut paypal ja nicht weh.
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