Entwickeln, wässern und fixieren – ein Ratgeber für den richtigen Umgang mit Fotochemikalien

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Entwickeln, wässern und fixieren – ein Ratgeber für den richtigen Umgang mit Fotochemikalien

Beim Umgang mit Chemikalien aller Art, also auch mit Fotochemikalien, muss man sich bewusst machen, welche Risiken damit verbunden sind. Dazu ist es unter anderem notwendig, die Inhaltsstoffe der Fotochemikalien und ihre Wirkungsweise zu kennen.

Die meisten Hersteller informieren mithilfe der Packungsbeilage darüber, welche Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit diesen Chemikalien eingehalten werden sollen. Darüber hinaus gibt es grundsätzliche Verhaltensweisen, die sowohl für professionelle Labors als auch für das private Hobbyfotolabor gelten.

Die zehn wichtigsten Sicherheitstipps für den Umgang mit Fotochemikalien

  • Die Chemikalien sollten möglichst keinen Kontakt mit der Haut oder den Augen haben und nicht eingeatmet werden.
  • Gelangen die Chemikalien auf die Haut, ist diese sofort mit Wasser und Seife zu reinigen.
  • Verschüttete Chemikalien müssen sofort aufgewischt werden.
  • Das Tragen von Schutzkleidung (Brille, Handschuhe) ist bei vielen Chemikalien vorgeschrieben. Im Grunde ist dies aber beim Umgang mit jeder Chemikalie sinnvoll.
  • In einem Labor wird weder etwas gegessen noch etwas getrunken.
  • Die Gefäße, in denen die Chemikalien aufbewahrt werden, müssen genau beschriftet werden. Außerdem sollten keine Gefäße verwendet werden, in denen normalerweise Lebensmittel aufbewahrt werden. Da auch Fotochemikalien zum Teil ätzend sind, empfiehlt es sich, zur Aufbewahrung ausschließlich Glasflaschen zu verwenden.
  • Chemikalien müssen grundsätzlich sicher aufbewahrt werden und dürfen nicht in die Reichweite von Kindern oder Haustieren gelangen.
  • In jedes Labor gehört eine Liste mit Giftnotrufnummern, falls es zu einem Unfall mit Chemikalien kommt.
  • Die Herstellerinformationen sollten nicht nur beachtet, sondern sorgfältig aufbewahrt werden und im Notfall jederzeit griffbereit sein. Dies ist insbesondere bei Unfällen mit Chemikalien wichtig.
  • Grundsätzlich ist es sicherer, Fotochemikalien fertig zu kaufen. Wer Entwickler, Fixierer und Co selbst ansetzen möchte, benötigt auf jeden Fall chemisches Hintergrundwissen.

Fotochemikalien nach dem Gebrauch richtig entsorgen

Besonders die für die Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen verwendeten Chemikalien sind nicht besonders giftig. Trotzdem sollte man sich darüber bewusst sein, welche Inhaltsstoffe darin enthalten sind. Nur so lässt sich festlegen, wie diese Chemikalien entsorgt werden müssen.

Zu den gebräuchlichen Chemikalien gehören:

  • Entwicklerflüssigkeit;
  • Stoppbad;
  • Fixierer;
  • Netzmittel.

Reste von Chemikalien sind darüber hinaus im Wässerungsbad enthalten.

Zunächst einmal ist es wichtig, gebrauchte Chemikalien getrennt voneinander zu sammeln. Im Entwickler und im Fixierbad sind Stoffe enthalten, die umweltschädlich sind. Aus diesem Grund sind diese beiden Chemikalien auf jeden Fall bei einer Schadstoffsammelstelle abzugeben. Sie sollten auch in stark verdünntem Zustand nicht in die Kanalisation gelangen. Auch im Hausmüll, der in der Regel in die Verbrennungsanlage kommt, haben diese Chemikalien nichts zu suchen.

Ganz anders sieht es mit der Entsorgung von Stoppbad oder Netzmittel aus. Beide können gefahr- und risikolos in den Abfluss geschüttet werden, auch wenn hier noch winzig kleine Reste von Entwicklerflüssigkeit oder Fixierbad enthalten sein können. Stoppbad besteht in der Regel aus harmlosen Säuren (Essigsäure oder Zitronensäure), die im Haushalt unter anderem auch zur Entkalkung verwendet werden.

Das Netzmittel enthält überwiegend Tenside (Seifen). Es ist vergleichbar mit einem Geschirrspülmittel, das keinerlei hautpflegende Substanzen enthält. Da Netzmittel sehr stark verdünnt ist, sind hier viel weniger Chemikalien enthalten als im Spülwasser. Es kann also einfach in den Ausguss geschüttet werden.

Achtung: Netzmittel kann nicht einfach durch stark verdünntes Spülmittel ersetzt werden. Haushaltsübliche Spülmittel enthalten Fett. Jenes würde dem Film schaden.

Mehr über die richtige Entsorgung von Fotochemikalien finden Sie übrigens in den jeweiligen Datenblättern auf der Webseite der Hersteller.

Entwickler gibt es in unterschiedlichen Variationen

Ähnlich, wie es bei Filmen Qualitätsunterschiede gibt, sind auch Entwickler durchaus verschieden aufgebaut. Es gibt sogenannte Allrounder, die man normalerweise für jeden Film verwenden kann. Aber es sind auch Spezialentwickler auf dem Markt, mit denen aus jedem Film das optimale Ergebnis herausgeholt werden kann.

Achtung: Die Verwendung von solchen Spezialentwicklern setzt Erfahrung voraus. Was auf der einen Seite zu Verbesserungen führt, kann in einem anderen Bereich schlechtere Ergebnisse produzieren. Für Hobbyfotolabors sollte man deshalb auf einen Standardentwickler zurückgreifen, der mit verschiedenen Filmarten gleichermaßen gut zurechtkommt.

Dies sind die unterschiedlichen Klassen von Entwicklern im Bereich der Schwarz-Weiß-Fotografie:

  • Standardentwickler
  • Feinstkornentwickler
  • Highdefinition-Entwickler
  • Zweibad-Entwickler

Standardentwickler haben keine besonders ausgeprägten Eigenschaften. Sie machen aus jedem belichteten Film ein Negativ, von dem sich qualitativ hochwertige Fotoabzüge anfertigen lassen.

Feinstkornentwickler sind sehr gut löslich, haben aber einen entscheidenden Nachteil. Sie können unter Umständen die Empfindlichkeit des Films nicht komplett ausnutzen. Darunter leidet später die Schärfe der Bilder. Hier muss also die Belichtungszeit entsprechend verändert werden, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Highdefinition-Entwickler konzentrieren sich vollkommen auf die Bildschärfe. Dies führt häufig zu einer etwas gröberen Körnigkeit der Bilder, die aber beim Betrachten eher nicht wahrgenommen wird. Bei starken Vergrößerungen kann sie allerdings schon störend wirken.

Zweibad-Entwickler gehören zu den Spezialentwicklern. Sie erzielen optimale Ergebnisse sowohl bei der Filmempfindlichkeit als auch bei der Feinkörnigkeit. Allerdings ist das Arbeiten mit Zweibad-Entwicklern deutlich aufwendiger, weil ein zusätzlicher Arbeitsgang beim Entwickeln des Films notwendig ist.

Einen Standardentwickler kann man auch selbst herstellen

Wer sich im Umgang mit Chemikalien auskennt, kann Standardentwickler durchaus auch selbst ansetzen. Es gibt eine ganze Reihe von Rezepten, die auch in einschlägiger Fachliteratur veröffentlicht werden. Der Standardentwickler besteht in der Regel aus folgenden Bestandteilen:

  • Calgon;
  • Metol;
  • Natriumsulfit sicc.;
  • Hydrochinon;
  • Borax (Natriumtetraborat) und
  • Wasser.

Die in einem Rezept für Standardentwickler angegebenen Mengenverhältnisse sind dabei grundsätzlich einzuhalten. Alle Chemikalien werden nacheinander in 50 Grad warmem Wasser vollständig aufgelöst.

Achtung: Jede einzelne Chemikalie muss gelöst sein, bevor die nächste hinzugefügt werden darf. Es empfiehlt sich außerdem, destilliertes oder entmineralisiertes Wasser zu verwenden, weil der Kalkgehalt des Leitungswassers die Funktionsweise des Entwicklers beeinträchtigen könnte.

Tipp: Messen Sie den pH-Wert des fertigen Entwicklers. Er sollte exakt bei 8,7 liegen.

Selbst angemischter Entwickler sollte in einer verschließbaren Glasflasche aufbewahrt werden. Die Haltbarkeit liegt zwischen sechs und zwölf Monaten.

Die Unterschiede zwischen Negativ- und Positiventwicklung

Grundsätzlich zeigen Entwickler für Negative und Positive ähnliche Eigenschaften. Während allerdings bei der Filmentwicklung zum Negativ Schärfe, Körnigkeit und Empfindlichkeitsausnutzung des Films von hoher Bedeutung sind, sind sie bei der Papierentwicklung eher nebensächlich. Das liegt daran, dass Negative vergrößert werden und so die einzelnen Bildpunkte den Eindruck des gesamten Fotos mitbestimmen werden.

Für Papierentwickler sind andere Eigenschaften ausschlaggebend. Dazu gehört unter anderem die Minimal- und Maximaldichte, die dafür sorgt, wie kräftig und kontrastreich die Darstellung ist.

Achtung: Fotopapier muss immer bis zum Ende ausentwickelt werden. Das Foto ist erst fertig, wenn im Entwicklerbad keine Veränderungen mehr stattfinden.

Auf die Qualität der fertigen Fotos kann man Einfluss nehmen, indem man mit verschieden aufgebauten Entwicklern arbeitet. Es gibt Entwickler, die die Gradationsstufe weich oder hart verändern. Hier ist allerdings viel Fingerspitzengefühl gefragt, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Viel einfacher ist es, spezielles Fotopapier (Gradationswandelpapier) zu verwenden. Damit kann sogar die Lichtfarbe variiert werden.

Die Entwicklung muss zum richtigen Zeitpunkt gestoppt werden

Das Stoppbad dient dazu, den Entwicklungsvorgang zu unterbrechen. In der Regel wird hier eine Mischung aus Essig- oder Zitronensäure und Wasser verwendet.

Je nachdem, wie konzentriert die Säure ist, muss entsprechend viel Wasser hinzugefügt werden. Am Ende sollte eine ein- bis zweiprozentige Lösung entstehen.

Achtung: Das Stoppbad muss nach jedem Entwicklungsvorgang erneuert werden. Es lässt sich nicht wie die meisten anderen Fotochemikalien mehrfach verwenden.

Auch beim Fixierbad gibt es Unterschiede

Zunächst einmal unterscheidet man beim Fixierbad die Grundlagenchemikalie. Fixierer in der Schwarz-Weiß-Fotografie können als Basis

  • Natriumthiosulfat oder
  • Ammoniumthiosulfat

verwenden. Fixierer auf Ammoniumthiosulfat-Basis arbeiten in der Regel bis zu vier Mal schneller.

Grundsätzlich ist ein Fixierbad sehr einfach strukturiert. Es besteht zum einen aus der fixierenden Substanz, zum anderen aus diversen Chemikalien, die es ermöglichen, den pH-Wert richtig einzustellen. Fixierbäder arbeiten grundsätzlich im sogenannten sauren Bereich. Der pH-Wert liegt etwa bei 5.

Wird kein Stoppbad verwendet, ist es besonders wichtig, dass der Fixierer einen hohen Säureanteil enthält, damit die Entwicklung unterbrochen wird. Außerdem verhindert der Fixierer das Entstehen eines sogenannten dichroitischen Schleiers auf den Negativen. Ein solcher Schleier entsteht durch Ausscheidungen von Silber- oder Schwefelsilber, die dazu führen, dass die Dichte erhöht und der Kontrast reduziert wird. Man erkennt solche Schleier an Verfärbungen, die manchmal silberglänzend, manchmal aber auch grüngelb oder rotbraun erscheinen.

Neben den Standardentwicklern kann man auch sogenannte Schnellfixierer verwenden. Sie beinhalten zusätzlich Borsäure und konzentrierte Essigsäure. Während Standardfixierer eine Einwirkzeit von mehreren Minuten haben, benötigt man mit einem Schnellfixierer lediglich 30 bis 90 Sekunden, bis das Negativ fixiert ist.

Weitere spezielle Fotochemikalien und ihre Anwendungsmöglichkeiten

Neben den herkömmlichen Fotochemikalien gibt es besonders in der Schwarz-Weiß-Fotografie eine Reihe von Speziallösungen. Dazu gehören unter anderem:

  • ein Auswässerungsbeschleuniger;
  • ein Filmschnelltrockner.

Um die Wässerung nach dem Fixierbad zu beschleunigen, kann dem Wasser für den Spülvorgang etwas Soda zugesetzt werden. Diesen Auswässerungsbeschleuniger kann man sehr leicht selbst herstellen. Für einen Liter Wasser benötigt man ein Gramm Soda. In dieser Lösung werden die entwickelten Negative etwa eine halbe Minute gewässert. Danach sollte mit klarem Leitungswasser nachgespült werden.

Um das anschließende Trocknen zu beschleunigen, verwendet man 60-prozentiges Ethanol. Ethanol ist wasseranziehend (hygroskopisch). Ein Ethanolbad sollte etwa eine bis zwei Minuten dauern. Danach werden die Filme wie gewohnt zum Trocknen aufgehängt. Da sich das Ethanol in wenigen Minuten verflüchtigt, sind die Filme sehr viel schneller trocken.

Achtung: Ein Ethanolbad dürfen Sie ausschließlich bei Schwarz-Weiß-Filmen verwenden, die auf Silberbasis hergestellt sind. Bei allen anderen Filmsorten und auch bei Farbfilmen ist Ethanol nicht geeignet. Das Lösungsmittel würde die Filmoberfläche angreifen und im schlimmsten Fall die Negative zerstören.

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