Elberfelder- und Luther-Bibel: das sind die Unterschiede

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 Elberfelder- und Luther-Bibel: das sind die Unterschiede

Wer die Heilige Schrift selbst lesen möchte, hat heutzutage die Wahl zwischen einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Übersetzungen. Luther-Bibel, Gute Nachricht, Schlachter Bibel, Einheitsübersetzung, Bibel in gerechter Sprache, Elberfelder Bibel... Die Liste der im Buchhandel erhältlichen Bibeln ließe sich noch fortsetzen, und die Entscheidung für eine bestimmte Übersetzung hängt nicht zuletzt vom Anliegen des Lesers ab. Wir stellen Ihnen hier zwei sehr populäre Ausgaben vor: die Luther- und die Elberfelder Bibel.

  

Grundlegende Überlegungen zur Erstellung einer Bibelübersetzung

Wie bei jeder Übersetzung gibt es auch bei der Erstellung einer Bibelübersetzung zwei grundsätzliche, eher konträre Herangehensweisen: Der Übersetzer versucht, den Originaltext so genau wie möglich zu übertragen. Oder er ist darum bemüht, den Leser im Hier und Jetzt zu erreichen und gibt dabei den Inhalt eher sinngemäß wieder. Sowohl die Elberfelder als auch die Luther-Bibel gehören in die erste Kategorie und zeichnen sich demzufolge durch eine große Nähe zu den Originaltexten aus.

 

Die Lutherbibel ist drei Jahrhunderte älter

Die Luther-Bibel, damals „Biblia Deudsch“ genannt, entstand im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts und war eine der treibenden Kräfte der Reformation. Die Elberfelder Bibel wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erstellt. Ihre Verfasser gehörten der Brüderbewegung an, einer freikirchlichen Strömung, die in dieser Zeit ihre Ursprünge hatte.

 

Luther prägte die Sprache und Religion entscheidend mit

Sowohl Luther als auch die Übersetzer aus Elberfeld hatten die Absicht, näher als alle bislang dagewesenen Übersetzungen am Urtext zu sein. Der Reformator ging dabei radikal neue Wege, indem er sich von der lateinischen Vorlage ab- und den originaltextlichen Quellen (Hebräisch, Aramäisch und Altgriechisch) zuwandte. Die Elberfelder wiederum brachen mit den seit der Reformation verwendeten griechischen Vorlagen für das Neue Testament und zogen andere, wenngleich ebenfalls griechischsprachige Quellen heran. Luthers Eindeutschungen und kraftvolle Bilder sind beispiellos und haben die Entwicklung der modernen Sprache entscheidend mitgeprägt. Sein philologischer Einfluss war daher, ebenso wie seine Neuerungen für die Religion, entscheidend größer.

 

Die Elberfelder Bibel ist näher am Urtext: unterschiedliche sprachliche Intentionen

Martin Luther kam es sehr darauf an, dass die Menschen seine Übersetzung verstanden. Deswegen wich er zugunsten der Lesbarkeit bei den grammatischen Strukturen immer wieder von denen des Originals ab – auch wenn uns das heute angesichts der leicht archaisch wirkenden Sprache nicht so erscheinen mag. Die Verfasser der Elberfelder Bibel hingegen sahen ihre Aufgabe in einer Rückkehr ganz nahe zum Original und behielten daher nicht nur die Lexik, sondern auch die Satzstrukturen so weit wie möglich bei. Die sprachliche Eleganz war diesem Ziel eindeutig untergeordnet. Dank mehrerer Revisionen ist es jedoch gelungen, einen Kompromiss zu finden und die Elberfelder Bibel lesbarer zu gestalten.

 

Luther bleibt die Nummer eins

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist der Wirkungskreis der beiden Bibeln. Bis heute ist die Luther-Bibel die mit Abstand am häufigsten verwendete Bibel in den evangelischen Kirchen Deutschlands. Dennoch hat sich die Elberfelder Bibel aufgrund ihrer großen Texttreue einen festen Platz unter den Studienbibeln gesichert.

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