Einkaufsratgeber für satirische Romane

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Einkaufsratgeber für satirische Romane

Grundlegendes Wissen über satirische Romane erleichtert die Auswahl

Wer sich für das Genre der satirischen Romane interessiert, stößt erwartungsgemäß auf eine Vielzahl von Bücher und Autoren. Als rasche Kaufhilfe und -entscheidung wird dann oft die Meinung anderer Leser oder Kurz-Beschreibungen herangezogen. Doch dies erweist sich hier nur zum Teil als nützlich. Denn für die Wahl eines Buches für den Einstieg in ein neues Genre sind grundlegende Kenntnisse über den Charakter und das Ziel des satirischen Romans und seiner Entwicklung von Bedeutung. Da satirische Romane meist über Zustände oder Personen einer gewissen Epoche berichten, ist es zum besseren Verständnis der Lektüre auch von Vorteil, sich über die Zeit, in dem der Roman spielt, in kurzen Umrissen zu informieren. Das Wissen über die wichtigsten klassischen und modernen Vertreter und Werke einer Richtung verschafft außerdem den notwendigen Überblick, um eine langwierige Suche nach entsprechender Literatur auf hohem Niveau zu verkürzen. Letztendlich entscheidet auch beim Kauf von satirischen Romanen selbstverständlich immer der subjektive Geschmack.

Charakter und Ziel des satirischen Romans

Grundlegendes Ziel der Satire ist es, auf humoristische, parodistische, zynische, polemische, spöttische oder didaktische Weise Kritik an gesellschaftlichen oder politischen Zuständen, Vorkommnissen oder Personen auszudrücken und gleichzeitig Verbesserungen anzuregen. Satirische Romane zeichnen somit durch den Einsatz dieser Stil-Elemente meist ein verzerrtes oder übertriebenes Bild des jeweiligen Zeitgeschehens. Dadurch gelingt es dem Autor zu polarisieren, er regt zum Nachdenken an oder löst Diskussionen aus, um gewünschte Veränderungen zu erreichen. Die satirische Darstellungsweise ist in den verschiedensten Formen, wie in Gedichten, in Romanen, in Filmen, in Theaterstücken oder im Kabarett anzutreffen. Der satirische Roman handelt oft von einer naiven Hauptfigur, deren Erwartungen an eine fiktionale Lebenswirklichkeit unerfüllt bleiben. Dabei werden Reisebeschreibungen oder politische Essays gerne als Grundlage herangezogen.

Entwicklung des satirischen Romans im Zeitgeschehen in groben Umrissen

Zur Vorgeschichte

Der Ursprung der literarischen Satire geht auf die römische Dichtung von Lucilus im 2. Jahrhundert vor Christus zurück. In der Folge waren es Horaz und Menippos von Gadara, die die Satire vor allem in ihrer Sprachform prägten. Die Stilrichtung des modernen satirischen Romans formte sich jedoch erst allmählich und in starker Abhängigkeit vom Zeitgeschehen der jeweiligen Epochen. So wurde im 15. Jahrhundert, der Ära des Spätmittelalters, einer Moral-Satire großer Zuspruch zuteil. Das von Kriegen und Hexenverbrennungen einerseits, andererseits von einem wirtschaftlichen Aufschwung gekennzeichnete Jahrhundert war Grundlage für das Werk „Das Narrenschiff“ von Sebastian Brand, das von einer Gruppe von Narren auf einer Schiffsreise handelt und so versuchte, der Gesellschaft einen kritischen Spiegel vorzuhalten. Spott gegenüber den Herrschenden wird im 16. Jahrhundert in „Till Eulenspiegel“ laut. Im Reformationszeitalter nutzten Satiren auch als Mittel zur religiösen Konflikt-Bewältigung. Die Werke der damaligen Zeit wurden aus Angst vor Sanktionen vorwiegend anonym verfasst und waren weniger zynisch ausgelegt. Erst ab dem 17. Jahrhundert wird dann der Oberbegriff "satirischer Roman" für Werke mit entsprechender Ausrichtung vorangestellt. Dieser folgt direkt dem Ausdruck der Menippeischen Satire des 3. Jahrhunderts vor Christus. Die Figur des satirischen, volksnahen und somit aus einfachen Verhältnissen stammenden Helden wird erschaffen.

Typologie des satirischen Romans im Zeitverlauf ab dem 17. Jahrhundert

Schelmen-Romane

In den sogenannten Schelmen-Romanen des 17. Jahrhunderts wurde das noch hoch idealisierte Rittertum kritisch verarbeitet. Die Gesellschaft kämpfte nun mehr mit staatlichen, sozialen und religiösen Problemen. Die Schelmen-Romane wurden außerdem stark von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges geprägt. Das bekannteste Werk dieser Epoche ist Miguel de Cervantes „Don Quichote“. Dieser spanische Roman diente unter anderem als Vorlage für den bekannten deutschen Schelmen-Roman "Simplicissimus Teutsch" von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Schelmen-Romane verdeutlichen den Konflikt zwischen Wunsch oder Ideal und Realität des damaligen Weltbilds.

Aufklärer-Satiren

Noch immer in abgeschwächter Form wurden satirische Romane im 18. Jahrhundert als sogenannte "Aufklärer-Satiren" jedoch bereits zu didaktischen Zwecken genutzt. Das Bürgertum gewann zunehmend politische Macht, diese Entwicklung gipfelte schließlich in der Französischen Revolution. In dieser Zeit befassten sich berühmte Autoren europäischer Literaturgeschichte, wie Daniel Defoe, Voltaire oder Jonathan Swift mit dem Wesen der Roman-Satire. Zu den bekanntesten deutschen Werken dieser Epoche sind "Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker" von Christoph Friedrich Nicolais und "Frau Jenny Treibel" von Theodor Fontane zu zählen. Christoph Martin Wieland gilt ebenfalls als einer der wichtigsten Vertreter des satirischen Romans gegen Ende des 18. Jahrhunderts. In seinem Buch "Geschichte der Abderiten" scheitert der Versuch, die im Denken und Handeln beschränkten Abderiten zu toleranten, humanen Menschen zu erziehen, ihr Staat versinkt und auf der Flucht lassen sich die Abderiten in allen Teilen der Welt nieder. Ein weiteres bedeutendes Werk des Autors nennt sich "Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva". Adolph Freiherr Knigge, Radikalaufklärer zur Zeit der Französischen Revolution, beschreibt in "Benjamin Noldmanns Geschichte der Aufklärung in Abyssinien" die Geschichte einer gut gemeinten, jedoch in diesem Sinn zum Scheitern verurteilten Entwicklungshilfe.

Politische Satiren

Im 19. Jahrhundert waren die Satiren politisch durch Vormärz und Märzrevolution geprägt. Die vermehrte Veröffentlichung politischer Satiren wird somit als Reaktion auf das Vorantreiben von Parlamentarismus und Demokratie verstanden. Auch der soziale Wandel, ausgelöst durch Industrialisierung und Kapitalismus, wurde Gegenstand der Kritik an Politik und Gesellschaft, die an Schärfe gewann. Zu erwähnen sind die Werke „Memoiren des Satans“ von Wilhelm Hauff oder „Die Epigonen“ von Karl Leberecht Immermann, der in diesem Zeit-Roman die grundsätzlichen Widersprüche und Doppeldeutigkeiten in Religion, Politik und Privatleben thematisiert. Mit Atta Troll, den gefangenen Tanzbären, der nach Freiheit, Gleichheit und Einigkeit strebt und als Bettvorleger endet, schafft Heinrich Heine in "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" ein Synonym für die deutsche Opposition in der Ära des Vormärz.

Gesellschaftskritische Satiren vor dem 2. Weltkrieg

In den bis zur nationalsozialistischen Diktatur entstandenen satirischen Romanen wurde erstmalig zügellose Gesellschaftskritik geübt. Danach mussten viele satirische Werke verbrannt werden oder wurden der Zensur unterworfen. Die ersten 30 Jahre des 20. Jahrhunderts waren gekennzeichnet durch technischen Fortschritt, Imperialismus und Sozialismus, den Ersten Weltkrieg und die sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre. Viele Autoren, wie Erich Kästner "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten", Kurt Tucholsky "Ein Pyrenäenbuch", Bert Brecht "Deutsche Satiren" oder Thomas Mann "Königliche Hoheit" bedienten sich damals an den Werkzeugen des satirischen Romans. Heinrich Mann beschreibt zum Beispiel in seinem "Professor Unrat" die Verwandlung eines Lehrer-Tyrannen zum Anarchisten, der dadurch zum Sündenbock der gutbügerlichen, von Verlogenheit und Spießigkeit geprägten Kleinstadt wird. Der Roman "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" von Jaroslav Hasek handelt vom Leben eines Soldaten aus Prag, der sich vom Kriegseinsatz scheut und in "Der ewige Spießer" von Ödon von Horvath wird die nach dem 1. Weltkrieg entstandene Mittelschicht und ihr Spießertum Zielscheibe der Kritik.

Gesellschaftskritische Satiren nach dem 2. Weltkrieg

Nachdem satirische Romane während des 2. Weltkrieges verpönt waren, machte in der Nachkriegszeit vor allem die Frankfurter Schule die Satire wieder salonfähig. Die satirischen Werke dieser Zeit bearbeiteten die gesellschaftlichen Entwicklungen während und nach der Zeit des Wiederaufbaus. Nach 1945 entstandene Werke sind von, unter anderem, Günter Grass "Die Blechtrommel", der das Leben und die Sicht eines sogenannten Außenseiters im Schein der Nachkriegszeit beschreibt, Wolfgang Koeppen "Das Treibhaus" oder Martin Walser "Ehen in Philipsburg", die sich mit der schwindenden Moral in Gesellschaft und Politik der Nachkriegsjahre um 1950 befassen. Mit Erfolg widmeten sich auch Ephraim Kishon und Loriot zeit ihres Lebens der Roman-Satire. So beschreibt der Roman "Der Glückspilz", eines der letzten Werke Kishons, den Aufstieg und Verfall eines Mannes, dem mehr durch Zufall als durch Können die Rolle des Gesellschaftshelden zu Teil wurde. Mit "Wahre Geschichten erlogen von Loriot" und vielen anderen satirischen Werken erreichte auch Loriot hohe schriftstellerische Anerkennung.

Aktuelle Satiren

In der heutigen Zeit können die Werke von Autoren, wie unter anderem Michael Moore wie "Stupid White Men" oder "Volle Deckung, Mr. Bush" oder Gerhard Polt "Da fahren wir nimmer hin" und "Drecksbagage: Anwürfe, Unterstellungen aber auch Ehrabschneidungen", Eckhard Henscheid "Wie man eine Dame versäumt" und Dietrich Kittner "Vorsicht bissiger Mund" dem satirischen Roman zugeordnet werden. Während Moore in "Stupid White Men" die Regierung des George W. Bush und die allgemeine gesellschaftliche Lage der USA vor dem 11. September einer kritischen Betrachtung unterzieht, erzählt Polt in dem sarkastischen Roman "Da fahren wir nimmer hin" von Urlaubsimpressionen, die jeder lieber gleich wieder vergisst. Auch wenn sich satirische Romane bis heute großer Beliebtheit erfreuen, konnte sich dieses Genre als eigene literarische Gattung, wie zum Beispiel die Komödie, nicht behaupten.

Persönliche Vorlieben entscheiden

Die Wahl und die Beurteilung eines satirischen Romans, ob in Hardcover-, Paperback- oder budgetfreundlichem Taschenbuch-Format, bleibt in letzter Instanz eine persönliche Angelegenheit. Satirische Romane beziehen sich meist auf Spannungsfelder des realen Zeitgeschehens im Laufe des Lebens des Autors. Die vielfältigen Themenbereiche, in den unterschiedlichen Schreibweisen aufbereitet, sorgen meist für einen informativ-geschichtlichen Mehrwert und für Abwechslung beim Leser. Zur vollständigen Aufarbeitung dieser Gattung sind die historischen satirischen Romane zwar unabdingbar, zum Einlesen in das Genre eignet sich jedoch eine Lektüre, deren Inhalt sich mit den Interessen des Lesers deckt. Vor allem bei älteren Werken empfiehlt sich schließlich noch eine Überprüfung des verwendeten Sprachausdrucks. Bei subjektiv schwer lesbaren Werken können Leselust und Konzentration leicht schwinden. Für die sorgfältige Auswahl eines satirischen Romans ist daher ein gewisser Zeitaufwand sowie Fingerspitzen-Gefühl erforderlich.

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