Einkaufsratgeber für historische Tabakpfeifen

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Einkaufsratgeber für historische Tabakpfeifen

Tabakpfeifen für Genießer und Sammler

Zu einem der der ältesten und entspannendsten Hobbys in unseren Breitengraden zählt das Pfeifenrauchen. In der neueren Zeit ist dieses Steckenpferd allerdings vermehrt durch das Rauchen von Zigaretten oder Zigarrentabak in Vergessenheit geraten. Zu den teuersten Sammlerstücken gehören die zerbrechlichen Meerschaumpfeifen und die Porzellanpfeifen. Damit Sie die wertvollen Stücke sicher transportieren und aufbewahren können, gibt es eigene Koffer und Taschen für Tabakpfeifen.

Die Geschichte der Tabakpfeifen

Die erste Pfeife, mit der Pfeifentabak geraucht worden ist, stammt aus dem 15. Jahrhundert vor Christus und wurde an der Amazonasmündung in Südamerika gefunden. Aber auch im Nahen Osten wurden zu dieser vorchristlichen Zeit bereits Kräuter in pfeifenähnlichen Gerätschaften konsumiert. Im nördlichen Amerika war die Tradition des Pfeifenrauchens bereits vor Christoph Columbus bekannt. Diese Pfeifen wurden aus Holz, Horn, Keramik und besonders die Friedenspfeifen der amerikanischen Ureinwohner aus Catlinitstein angefertigt. In Ritualen zur Besiegelung von Freundschaften, bei Vertragsabschlüssen und vielen anderen Gelegenheiten wurde und wird die Friedenspfeife geraucht. Die ersten weißen Siedler kamen bei diesen Ritualen mit der Friedenspfeife in Berührung und so kam die Sitte des Pfeifenrauchens über den Seeweg nach Europa. Für Europa ist belegt, dass die ersten Pfeifen, die zum Tabakrauchen verwendet wurden, erstmals im späten 16. Jahrhundert in England produziert worden sind. Die Form der Tabakpfeifen hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert und den neuesten Moden angepasst. Die Form, die heute am gebräuchlichsten ist, wurde erst im 18. Jahrhundert entwickelt. Tonpfeifen waren lange Zeit das beliebteste Instrument zum Konsumieren von Tabak. Da auf diesen Pfeifen Marken und Inschriften vorhanden sind, können sie, wenn sie bei einer Grabung gefunden werden, bei der genauen Datierung des Fundortes helfen.

Der Aufbau einer Tabakpfeife

Tabakpfeifen sind einfach aufgebaut. Sie bestehen aus einem Pfeifenkopf, in dem der Tabak verbrannt wird, einem Mundstück und einem Holm, der beides verbindet. In den Holm kann oftmals ein Filter eingesetzt werden, wobei dieser aus Aktivkohle oder anderen Materialien besteht. Auch der Saftsack ist ein Teil der Tabakpfeifen, insbesondere bei den Gesteckpfeifen. Dieser Saftsack dient dazu, das Kondensat, das beim Rauchen entsteht, aufzufangen und es vom Pfeifenkopf und dem Tabak fernzuhalten. Pfeifen haben auch unterschiedliche Formen. Je länger der Hals ist, umso kühler wird der Rauch und er lässt sich angenehmer rauchen. Heute sind die beliebtesten Pfeifenformen die Billiard und die Bent. Die Billiard hat einen geraden Hals und Mundstück, bei der Bent ist das Mundstück geschwungen und der Hals ist gebogen. Da sich die Formen im Laufe der Zeit recht häufig änderten, kann man anhand dieser und des Materials recht gut das Alter einer Pfeife einschätzen.

Tabakpfeifen aus Ton

Früher wurden Pfeifen aus Ton angefertigt, während in den späteren Jahren andere Materialien verwendet worden sind. Dabei entstanden in England die ersten Werkstätten bereits um 1600. Um 1730 sind bereits 113 belegbare Pfeifenmacher in England zugange. Die englischen Pfeifenmacher trugen ihr Wissen auch in andere europäische Länder und gründeten dort ebenfalls Werkstätten. 1660 ist in Gouda in Holland eine eigene Zunft der Pfeifenmacher begründet worden, da es zu diesem Zeitpunkt bereits bis zu 500 Pfeifenwerkstätten gab. Da sich die Bauweise und das Aussehen der Pfeifen im Laufe der Zeit änderten, kann man alte Pfeifen auf zehn Jahre genau datieren. Tonpfeifen waren in der Herstellung immer schon billig, sind aber auch leicht zerbrechlich. Deswegen wurde bereits sehr früh nach haltbareren Materialien gesucht und mit der Erfindung des Porzellans im Jahr 1708 auch gefunden. Wiener Kaffeehauspfeifen wurden in sogenannten Tabagien oder in Kaffeehäusern verliehen. Gegen eine geringe Miete konnte man dabei die Pfeife für die Dauer einer Pfeifenfüllung ausleihen und rauchen. Man bekam sie geputzt und mit einem neuen Mundstück versehen. Die Pfeifen wurden oft mit dem Logo der Pfeifenwerkstatt oder des Kaffeehauses gekennzeichnet.

Porzellanpfeifen und deren Entwicklung

Nachdem Böttger in Dresden um 1705 die Herstellung des Hartporzellans gelungen ist, wurde dieses bald auch zur Herstellung von Pfeifen verwendet. Ab 1750 waren die Auftragsbücher der Thüringer Manufakturen gut gefüllt. Anfänglich sind die Pfeifen nur mit einer weißen Glasur überzogen worden, der bald darauf das Streublümchenmuster folgte. Danach, im 19. Jahrhundert, waren Szenen und Porträts als Motive gebräuchlich. Aber besonders beliebt waren die Porzellanpfeifen im Biedermeier. Dabei gab es zu den verschiedensten Anlässen und Berufsständen eigene Motive. Ein Nachteil dieser Pfeifen aber ist, dass das Kondensatwasser nicht aufgenommen werden kann. Deswegen werden extra lange Pfeifenrohre verwendet. Die Pfeifen, die sich komplett in das Gesteck und einen beweglichen Pfeifenschlauch zerlegen lassen, werden als Gesteckpfeife bezeichnet. Meistens handelt es sich bei einer Jägerpfeife um eine Gesteckpfeife, die auf dem Pfeifenkopf mit Jagdmotiven geschmückt ist.

Tabakpfeifen aus Meerschaum

Ein besonderes Material stellt der Meerschaum dar. Meerschaum ist ein österreichisches Wort für die levantinische Handelsbezeichnung Mertscavon und es wurde sofort im deutschsprachigen Raum angenommen. Meerschaum gehört zu den Schichtsilikaten und wird an verschiedenen Fundorten abgebaut. Dabei gibt es bei Meerschaum zwei Aggregatszustände, einmal porös, wenn er trocken ist, und seifenartig, falls er nass wird. Für Pfeifen wird vor allen Dingen Meerschaum aus der Türkei verwendet. Meerschaumpfeifen sind anfänglich schneeweiß und werden oft auch „weiße Göttin“ genannt. Eine Pfeife aus Meerschaum zeichnet sich dadurch aus, dass gegenüber einer Holzpfeife der Prozess des Eintauchens entfällt und sie ein natürliches Filtermaterial darstellt. Auch weist sie einen milden und süßen Geschmack auf. Im deutschsprachigen Raum war vor allem Ruhla für die Herstellung von Meerschaumpfeifen berühmt. Hier waren schon 1800 um die 150 Personen in 27 Fabriken damit beschäftigt, Meerschaumpfeifen herzustellen. Hier wurde auch das Verfahren entwickelt, aus den Abfällen künstlichen Meerschaum zu entwickeln, der dabei wesentlich günstiger als der echte ist. In Ruhla ist das Tabakpfeifengewerbe allerdings mit dem Tod von Franz Thiel, dem letzten Meerschaumkopfschnitzer, ausgestorben. In Europa aber war Österreich mit etwa 100.000 Meerschaumpfeifen jährlich der Hauptsitz der Pfeifenindustrie.

So erkennen Sie hochwertige Meerschaumpfeifen

Damit Meerschaumpfeifen einen selbstreinigenden Effekt bekommen, werden sie speziell behandelt. Dazu werden die feuchten Köpfe in geschmolzenen Talg oder in Walrat gelegt. Walrat erwärmt sich mit dem Meerschaum und transportiert die Teerstoffe nach außen. Die Wachsschicht hält diese Teerstoffe beim Abkühlen zurück und der Walrat zieht sich wieder zusammen. Da die Teerstoffe an der Außenseite bleiben, ergibt sich die braune Färbung. Falls Sie überprüfen wollen, ob es sich tatsächlich um Walrat handelt, können Sie von der Außenseite des Kopfes die Oberfläche anschaben. Die weiße Farbe des Meerschaumes sollte nach wenigen zehntel Millimetern zum Vorschein kommen. Die Pfeifen werden nach dem Schleifen, Polieren und Trocknen in geschmolzenes Wachs eingelegt. Bei den Pfeifen aus türkischen Betrieben wird oft Stearin verwendet, da man die Fehler bei der Bearbeitung damit leichter kaschieren kann. Da unter Atatürk die Ausfuhr von hochwertigen Rohmaterialien aus der Türkei verboten wurde, sind die Meerschaumpfeifen in der Türkei statt von den erfahrenen Pfeifenmachermeistern aus Deutschland und Österreich hergestellt worden. Weil in der Türkei aber nicht Pfeife geraucht wird, mangelt es mitunter an der Qualität der türkischen Meerschaumpfeifen und deswegen müssen Fehler kaschiert werden. Bei hochwertigen Pfeifen wird im letzten Bearbeitungsschritt Bienenwachs aufgetragen. Der Meerschaum wird durch diese aufwendige Behandlung fester und lässt sich leichter anrauchen. Auch kann man ihn besser polieren und er wird dauerhafter. Ruhlaer Köpfe, auch Ölköpfe genannt, nehmen beim Rauchen eine bunte, marmorierte Farbe an. Sie sind aus unreinem Meerschaum und werden mit einer Leinölfirnis behandelt.

Holzpfeifen und Pfeifen aus Bruyèreholz

Des Weiteren können Pfeifen aus Holz gefertigt sein. Das Holz, das dabei am häufigsten verwendet wird, ist das Bruyèreholz. Erstmals wurden Bruyèrepfeifen um 1800 angefertigt. Das Holz stammt aus den Wurzelknollen der Baumheide und kann durch seine spezielle Struktur besonders viel Kondensat aufnehmen. Eine besonders schöne Maserung hat dabei das sogenannte Plateau-Holz, das aus dem Rand der Wurzel stammt.

Tabakpfeifen aus Bakelit und Maiskolben

Eher preiswert sind Tabakpfeifen aus Kunststoff. Diese sind meist aus Bakelit oder haben einen Metalleinsatz, sind leichter zu reinigen, aber eher dürftig vom Geschmack her. Dabei ist im Kopf meist ein Filter aus Ton. Maiskolbenpfeifen sind in Missouri seit den 1860er Jahren in Gebrauch. Da man zu diesem Zweck eine spezielle Maissorte benötigt, wird diese extra nur für den Pfeifenbau angebaut. Diese Pfeife findet sich oft unter dem Namen Missouri-Meerschaum. Natürlich ist diese Pfeife nur begrenzt haltbar. Auch aus Pappmaschee kann man Pfeifen herstellen. So wurde im 18. Jahrhundert vom Luxuswarenhersteller der Meerschaum durch Pappmaschee ersetzt.

Pfeifen aus Glas, Kürbissen und anderen Materialien

Besonders beliebt bei Studentenverbindungen waren und sind Porzellanpfeifen. Diese können mit persönlichen Botschaften und Widmungen versehen sein. Calabashpfeifen werden aus Kürbissen hergestellt. Im Handel findet man sie nur selten, und wenn, dann zu eher hohen Preisen. Damit der Kopf nicht verbrennt, wird ein Einsatz aus Meerschaum verwendet. Glaspfeifen haben den Vorteil, dass der Rauch in Geschmack und Geruch nicht beeinträchtigt wird. Aber da das Glas das entstehende Kondenswasser nicht aufnehmen kann, gelangt dieses unter Umständen in den Tabak und in den Mund. Auch verschiedene Metalle sind zur Pfeifenherstellung verwendet worden. Dabei sind die Pfeifen aus Silber, Messing, Bronze oder Eisenblech oft aufwendig gestaltet.

Mit Bast oder Leder überzogene Pfeifenköpfe

Zu den Besonderheiten bei den Meerschaumpfeifen aus Ruhla zählen die Bastpfeifen, die es noch bei eBay zu erwerben gibt. Dabei wurden Meerschaumköpfe von Korbmachern mit Bast umflochten. Diese Art der Tabakpfeifen wurde nur zwischen 1910 und den Anfangsjahren des Zweiten Weltkrieges hergestellt. Des Weiteren wurden Bruyèrepfeifen oft mit Leder überzogen, wobei oft Köpfe mit fehlerhaften Maserungen dazu verwendet worden sind. Bei den Tabakpfeifen aus Ruhla sind auch Bernsteinmundstücke verwendet worden. Diese wurden in Kleinserien bis in die 1950er Jahre geliefert und auch aus Horn wurden die Mundstücke der Pfeifen angefertigt.

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