Einkaufsratgeber für Provinzialprägungen

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Einkaufsratgeber für Provinzialprägungen

Die Münzen und das Währungssystem im Römischen Reich

Die ersten Münzen wurden 289 vor Christus im Römischen Reich geprägt. Im Grundsatz war das Münzsystem zentralisiert, das heißt, Münzen wurden größtenteils in Rom gefertigt. Die Fertigung von Goldmünzen fand ausschließlich in Rom statt. Für andere, weniger bedeutsame Münzen wie die Kupfermünzen wurden in späteren Zeiten teilweise Genehmigungen ausgestellt, diese lokal in verschiedenen Städten zu prägen. Diese nennt man heutzutage Provinzialprägungen. Provinzialprägungen unterscheiden sich oft auch in der Qualität von den in Rom geprägten Münzen, bei denen offensichtlich mehr Wert gelegt wurde auf ein sauber geprägtes Münzbild. Besonders ab dem 3. Jahrhundert wurde das Münzwesen dezentralisiert, bedingt durch die Reichskrise und den damit erschwerten Münztransporten in die entlegenen Gebiete des Reiches. Vorher waren nur Rom und Lugdunum, das heutige Lyon in Frankreich, dauerhafte Münzprägestätten im Römischen Kaiserreich. Danach wurden auch wertvollere Münzen als die Bronzemünzen in verschiedenen Städten des Römischen Reiches gefertigt.

Münzen, die als Provinzialprägungen herausgegeben wurden

Teilweise waren in den Kolonien andere Währungen als die in Rom geläufigen verbreitet, besonders bedingt dadurch, dass die Herrschaft über viele Regionen oftmals wechselte und neben den Römern auch Griechen und andere Kulturkreise Einfluss hatten und mit den Städten und Regionen Handel trieben. Die Drachme zum Beispiel, die wichtigste Münze im griechischen Reich, war auch weit verbreitet und akzeptiert im Römischen Reich. Dies lag unter anderem daran, dass die Griechen bereits rund 200 Jahre vor den Römern die Münzprägung und ein Währungssystem auf Basis der Drachme eingeführt hatten. Über römische Eroberungen in Süditalien gelangte sowohl die Technik der Münzprägung als auch die Drachme in den Besitz der Römer. Besonders in den östlichen Provinzen des Römischen Reiches wurden lange Zeit Tetradrachmen als Provinzialprägungen gefertigt, also Münzen mit vierfachem Wert einer Drachme. Dabei handelte es sich bei den Provinzialprägungen der Drachmen um Kupfervarianten, während die griechischen Drachmen aus Silber gefertigt waren. Die Ägypter waren die Ersten, die diese neue Art der Drachmen prägten. Der Wert einer Silberdrachme betrug 120 Kupferdrachmen.

Prägeorte der Provinzialprägungen identifizieren

Unterhalb des Münzbildes befindet sich eine Abkürzung, an der man den Prägeort ablesen kann. Insgesamt war es im Verlaufe des Römischen Reiches 25 verschiedenen Städten, Rom nicht mitgezählt, erlaubt, eigene Provinzialprägungen anzufertigen. Die meisten dieser regionalen Münzstätten arbeiteten dabei nur für eine kurze Zeit, auch dadurch bedingt, dass sie nicht immer unter der Kontrolle des Römischen Reiches standen. Es sind rund 600 unterschiedliche Prägungen aus diesen Münzstätten bekannt und es ist nicht ausgeschlossen, dass noch weitere existieren. Prägeorte waren zumeist große Städte von lokaler Bedeutung in annektierten Gebieten. Besonders im östlichen Teil des Römischen Reiches entstanden viele der Provinzialprägungen auf den Gebieten Ägyptens, Mesopotamiens und auf dem Balkan. Dieses weite Feld macht die Provinzialprägungen für Numismatiker natürlich besonders interessant, da es zur Lebensaufgabe werden kann, eine komplette Sammlung mit Münzen aus allen Provinzen zusammenzutragen. Sollten Sie auf der Suche sein nach diesen Provinzialprägungen, ist eBay immer eine gute Anlaufstelle, um Ihre Sammlung zu vervollständigen und zu erweitern.

Provinzialprägung in der Spätantike

Der größte Teil der Provinzialprägungen entstand in der Zeit der Spätantike ab 284 nach Christus bis hinein ins 5. Jahrhundert. Als 476 mit der Absetzung des weströmischen Kaisers Romulus Augustulus der Untergang des Römischen Reiches begann, endete auch die Zeit der letzten Prägestätten außerhalb von Rom. Einige der ältesten Provinzialprägungen finden sich aus der Provinz Caria an der Westküste der Türkei. Zwischen 129 und 42 vor Christus wurde diese Region nach und nach von den Römern erobert - bis dahin war Caria Teil des griechischen Reiches gewesen. Bereits 31 vor Christus wurden hier Münzen geprägt, zumeist bronzene Kleinmünzen für den täglichen Gebrauch. Die Stadt Trapezopolis besaß das Münzprägerecht seit dem Beginn der römischen Herrschaft, da bereits unter den Griechen die Technik der Münzprägung Einzug in der Region gehalten hatte.

Münzprägung in Lydien

Weiter im Osten der Türkei befand sich das Land der Lyder, das zunächst von den Persern erobert wurde, dann 334 vor Christus durch Alexander dem Großen unter Kontrolle des makedonischen Reiches kam und schließlich 133 vor Christus eine Provinz im Römischen Reich wurde. Die Lyder sind eines der bedeutsamsten Völker in der Entwicklung der Währung und der Münzen, spricht man ihnen doch die Erfindung der Münzprägung zu. Nachweislich prägten die Lyder bereits im 7. Jahrhundert vor Christus eigene Münzen als Zahlungsmittel. Die Münzstätte zur Fertigung der Provinzialprägungen aus Lydien befand sich in Sardes, einer der Handelszentren der römischen Provinz Lydien.

Münzprägung in Ägypten

Eine der größten Münzprägestätten befand sich im ägyptischen Alexandria, das seit der Eroberung durch Octavian 30 vor Christus zum Römischen Reich gehörte. Provinzialprägungen römischer Münzen wurden hier ab 294 nach Christus gefertigt und erst Kaiser Leo I. stellte die Münzproduktion ein, dies geschah im Jahre 474 nach Christus. Aufgrund der langen Zeit, in der die Münzprägung in Alexandria betrieben wurde, finden sich viele verschiedene Prägekennungen auf den Münzen. Provinzialprägungen aus Alexandria erkennen Sie so an den Abkürzungen AL, ALE, ALEA, ALEB, ALET, SMALA und SMAL. Als Beizeichen, die sich direkt vor und hinter der Abkürzung befinden, wurden Motive wie ein Stern, ein Palmzweig, eine Mondsichel oder ein kleiner Kranz verwendet. Provinzialprägungen aus Alexandria aus den verschiedenen Epochen finden Sie bei eBay.

Münzprägung in der Türkei

Eine ebenfalls sehr große Prägestätte, die lange Zeit bestand hatte, befand sich in Antiochia, in der heutigen Türkei. 293 nach Christus begann man hier mit der Anfertigung von Provinzialprägungen. Auch diese Münzen verfügen über Merkmale, an denen Sie Prägungen aus Antiochia eindeutig erkennen können. Abkürzen unter dem Münzbild lauten auf AN, ANA, ANB, ANE, ANS, ANT, ANOB, ANOBA, ANTA, ANTB, ANTE, SMA, SMAS, SMAN, SMANA, SMANE, SMANT, KANOB oder PANOB. Als Beizeichen verwendete man auch hier verschiedene Symbole wie Sterne, Kränze, einen Punkt mit Kreuz, eine Mondsichel mit Stern oder das Christogramm. Die letzten Münzen wurden 474 nach Christus in Antiochia geprägt, dann schloss Kaiser Leo I. auch diese Prägestätte.

Weiter im Osten der heutigen Türkei befand sich die antike Stadt Samosata, die das Recht zur Münzprägung im 3. Jahrhundert erhielt. Bei eBay finden Sie Provinzialprägungen aus Samosata, bei denen es sich zumeist um Kupfer- und Bronzemünzen handelte. Samosata lag strategisch wichtig am oberen Euphrat und sicherte einen der wenigen Flussübergänge. Im Römischen Reich trafen sich hier wichtige Handelsrouten. Waren wurden nach Süden, in Richtung Ägypten und Syrien, nach Norden, bis nach Armenien, und natürlich auch nach Westen, in die Heimatgebiete des Römischen Reiches, geschickt.

Münzprägung in Judaea

In der römischen Provinz Judaea, die das Gebiet zwischen Syrien und Ägypten bedeckte, wurden ebenfalls Provinzialprägungen angefertigt. Im Jahre 63 vor Christus wurde Judaea Teil des Römischen Reiches und blieb dies bis ins 7. Jahrhundert hinein. Münzen aus der Provinz Judaea besitzen als Kennung die Abkürzungen KAI und/oder CAP, was Hinweis ist auf die wichtigsten beiden Städte in der Region zu dieser Zeit. Zum einen war dies die direkt am Mittelmeer gelegene Hafenstadt Caesarea Maritima und dann Caesarea Philippi, das an der Quelle des Flusses Jordans lag.

Provinzialprägungen auf dem Gebiet des Balkans

Im heutigen Serbien befand sich die antike Stadt Viminacium, die wichtigste Stadt der Region Moesia. Die Stadt wurde 411 nach Christus durch Attila zerstört und erreichte nie mehr die Bedeutung, die sie zu ihrer Glanzzeit zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert nach Christus hatte, als bis zu 40.000 Einwohner die Stadt bevölkerten. 239 nach Christus wurde die Stadt Teil des Römischen Reiches und erhielt bereits damals die Genehmigung zur Prägung von Kupfermünzen. Die Münzprägestätte zur Produktion von römischen Münzen produzierte bis in das Jahr 255 Provinzialprägungen. In Viminacium wurden Sesterzen, Dupondien und Asse geprägt, die Abbildungen der römischen Kaiser dieser Zeit zeigen. Unter dem Münzbild findet sich die Kennung PMS COL VIM, was die Abkürzung für Provincia Moesia Superior, Colonia Viminacium ist.

Weitere Münzprägestätten auf dem Balkan befanden sich in Sirmium, Siskia sowie Serdia, dem heutigen Sofia in Bulgarien. Makedonien war lange Zeit ein großes Königreich, konnte aber gegen die Römer nicht bestehen und wurde 168 vor Christus im Zuge der Makedonisch-Römischen Kriege zur Provinz Roms. Das Münzprägerecht erhielt die Stadt Thessaloniki, die Hauptstadt der römischen Provinz Macedonia wurde. Einer der Hauptverkehrswege, die Via Egnatia, lief über Thessaloniki, und verband Rom mit Byzanz. Viele der Provinzialprägungen aus Makedonien finden Sie heutzutage bei eBay. Münzbild der Prägungen aus Makedonien ist oftmals Alexander der Große, der das Königreich Makedonien von 336 bis 323 vor Christus beherrschte und macht aus dem ehemaligen Kleinstaat ein Weltreich, das sich bis auf den indischen Subkontinent erstreckte. An diesem Münzbild, was sonst weder zeitlich noch von der Person eine Verbindung zum Römischen Reich hat, erkennen Sie ohne Zweifel die Provinzialprägungen aus Makedonien.

Den Prägezeitraum einer Provinzialmünze bestimmen

Zur Zeit der römischen Kaiser, ab 27 vor Christus, begann man, das Konterfei des aktuellen Kaisers als Münzbild zu verwenden. So können Sie anhand der Darstellung auf den Münzen die Epoche eingrenzen, in der die Münze entstanden ist. Münzen, die zum Beispiel Kaiser Philippus II. zeigen, müssen somit zur Zeit seiner Regentschaft entstanden sein, die nur von 247 bis 249 nach Christus dauerte. Auch wenn seine Zeit als Kaiser sehr kurz war, finden Sie noch zahlreiche Münzen mit dem Abbild des Kaisers Philippus II., denn er ließ im großen Umfang Geldmünzen prägen und diese unter Volk und Armee verteilen.

Zur Zeit der Kaiserherrschaft Gordians III., die von 238 bis 244 nach Christus dauerte, wurde das römische Finanzsystem durch Inflation und Kriege negativ beeinflusst. In den Römisch-Persischen Kriegen kämpfte Gordian um die Kontrolle über Mesopotamien und Syrien im östlichen Mittelmeerraum. Dies führte zu einer ausgeweiteten Prägung von Münzen, wovon Sie als Sammler heutzutage profitieren, denn somit entstanden die bekannten Provinzprägungen aus der Zeit Gordians III..

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