Einkaufsratgeber für Münzen aus dem Mittelalter

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Einkaufsratgeber für Münzen aus dem Mittelalter

In der Geschichte versteht man unter dem Begriff Mittelalter den Zeitraum zwischen Altertum und Neuzeit. Der Beginn dieser europäischen Epoche wird zumeist auf das 6. Jahrhundert datiert und mit Phänomenen wie der Völkerwanderung und dem damit verbundenen Untergang der griechisch-römischen Antike verknüpft.
Im Frühmittelalter vollzog sich vor allem eine Transformation der römisch-griechischen Mittelmeerwelt hin zu einer germanisch-romanischen Welt im Westen und einer weiterhin griechisch-römischen im byzantinischen Osten. Aufgrund einer Vielzahl von Seuchen und Kriegen sowie dem Vergessen eines Großteils des antiken Wissens wird das Mittelalter oft als „finstere Epoche“ beschrieben. Im Gegensatz dazu muss jedoch auch gesagt werden, dass in dieser Zeit viele prächtige Kathedralen entstanden und die Kloster- und Ritterkultur ihren Höhepunkt erreichte.
Ab dem Hochmittelalter erlebte der Handel einen rasanten Aufschwung und durch die unzähligen Kreuzzüge entwickelte sich auch zunehmend der Fernhandel, von dem besonders italienische Stadtstaaten profitierten. Mit dem Handel wuchs auch die Bedeutung der Geldwirtschaft, welche vor allem das Spätmittelalter kennzeichnet.
Das Münzrecht stellte für Fürsten und Städte ein zentrales Kriterium ihrer Unabhängigkeit dar und führte in Deutschland ab 1356 zu einer großen Münzvielfalt. Das 15. Jahrhundert markiert zumeist das Ende des Mittelalters und ist mit wichtigen historischen Ereignissen, wie der Entdeckung Amerikas und der Erfindung des modernen Buchdrucks verbunden.

Wissenswertes über Münzen im Mittelalter

Die ersten Metallmünzen wurden vor mehr als 4000 Jahren geprägt. Bis etwa 400 v.Chr. setzte sich in Griechenland die Münze als Zahlungsmittel durch und löste den Tauschhandel ab. Nach griechischem Vorbild schlugen die Römer um 269 v.Chr. die ersten Silbermünzen (Quadrigati). Ab etwa 200 v.Chr. setzte in Rom mit dem Denar die Münzprägung im großen Stil ein und in den folgenden Jahrhunderten wurden Münzen aus Gold, Silber, Messing und Kupfer gefertigt.
Von der Spätantike bis zum Frühmittelalter ging der Gebrauch von Münzgeld jedoch stark zurück und der Tauschhandel erlebte einen neuen Aufschwung. Es gab keine einheitliche Währung und Geschäfte wurden oft mit ungemünztem Metall beglichen. Die wenigen Münzen, die zu Beginn des Mittelalters im Umlauf waren, fußten zumeist auf der römischen Währung.
Erst mit der Ausweitung des ursprünglich königlichen Münzrechtes entstanden unterschiedlichste regionale Münzen. Die zunehmend vereinfachten Herstellungstechniken hatten zur Folge, dass Münzen immer wieder eingeschmolzen oder umgeprägt wurden. Aus diesen Gründen war der Münzhandel im Spätmittelalter vor allem von einer großen Vielfalt und einer geringen Auflage geprägt.

Münzbezeichnungen im Mittelalter

Der Wert der Münzen im Mittelalter war abhängig von deren Gewicht und Material. Je größer das Gewicht und je edler das Metall, desto höher war der Münzwert. Als Gewichtsmaß war in ganz Europa das Pfund verbreitet, jedoch variierte dessen Gewicht von Stadt zu Stadt.
Da die Münzen des Mittelalters von ihren römischen Vorläufern inspiriert waren, stammten auch deren Bezeichnungen anfänglich aus dem Lateinischen. Wegen der Ausweitung des Münzprägerechts waren die Bezeichnungen und die zugeordneten Münzgewichte nicht immer eindeutig. Mit der Zeit entwickelte sich die Währungsbezeichnung jedoch zu einem Synonym für die Gewichtseinheit. Im Folgenden werden die gängigsten Mittelaltermünzen und deren Bezeichnungen näher erläutert

Heller

Der Heller war eine deutsche Münze, die nach der Stadt Hall benannt war. Der lateinische Name der Münze lautete denarius hallensis. Im heutigen Schwäbisch Hall wurden ab 1228 silberne Händelheller geprägt.
Bei den Motiven handelte es sich meist um die Darstellung einer Hand. Die Qualität des Hellers verschlechterte sich jedoch zunehmend und so wurde bald zwischen weißen, roten und schwarzen Hellern unterschieden. Der Wert eines Hellers entsprach in etwa einem halben Pfennig.
In Hessen teilte man einen Silbergroschen in 12 Heller und der Wert des späteren Reichstalers betrug geschätzte 576 Heller. In der Tschechoslowakei wurde eine Krone in 100 Heller unterteilt.

Pfennig

Der Pfennig war eine deutsche Währungseinheit, die von Karl dem Großen eingeführt wurde und bis zur Einführung des Euros bestand hatte. Weil Gold im Mittelalter fast ausschließlich durch Fernhandel bezogen werden konnte, es in Europa jedoch mehr als genügend Silbervorkommen gab, initiierte er 792n. Chr. eine bedeutende Münzreform. Er führte eine reine Silberwährung ein, die mit dem Wort Denarius nach dem römischen Vorläufer benannt werden sollte. Aus dieser Bezeichnung entwickelte sich der italienische Denaro, der französische Denier, der arabische Dinar, der deutsche Pfennig und der britische Penny.
Es wurde festgelegt, dass aus einem karolingischem Pfund Silber 240 Pfennigmünzen geprägt werden sollten. Das genaue Maß dieses sogenannten Karlspfundes ist heute nicht mehr bekannt. Der Pfennig wurde jedoch die wichtigste Münze des Mittelalters. Vom 8. Jahrhundert bis zum 13. Jahrhundert besaß der Pfennig eine hohe Kaufkraft, da er aus hochwertigem Silber bestand. In der Münzkunde bezeichnet man deshalb diese Periode oft als die Pfennigzeit.
Die für diese Zeit typischen Münzen, bezeichnet man heute als Kurantmünzen. Dabei handelt es sich um vollwertige, beidseitig geprägte, umlaufende Münzen, deren Wert durch das Metall aus dem sie bestanden, gedeckt war. Durch die verschiedenen Münzherren traten jedoch große Unterschiede im regionalen Silbergehalt der Münzen auf.

Schilling

Der Schilling war ursprünglich eine römische Goldmünze der Spätantike. Mit der Einführung der Silberwährung unter Karl dem Großen wurde die Goldmünze jedoch zu einer reinen Rechnungsmünze degradiert. Aus einem Karlspfund Silber wurden jeweils 240 Pfennige geprägt, die jeweils dem rechnerischen Gegenwert von 20 Schilling entsprachen. Erst um 1150 begann in Oberitalien eine neue Prägung von Schillingen. Diese neuen Schillinge bestanden allerdings nicht mehr aus Gold sondern aus Silber. Sie besaßen jedoch einen weitaus höheren Silbergehalt als gewöhnliche Silberpfennige oder Dinari.
Die Silberschillinge und auch Silbergroschen aus dieser Zeit hatten zumeist einen Gegenwert von 4 bis 12 Pfennigen. Im byzantinischen Osten hingegen stellte der goldene Solidus eine stabile Leitwährung dar. In der Neuzeit wurde der Schilling in einer Vielzahl von Ländern wie Deutschland, Österreich, Großbritannien und Polen als Währung eingeführt.

Kreuzer

Der Kreuzer geht auf den Silbergroschen zurück und wurde im Spätmittelalter eingeführt. Seinen Namen verdankt er der Abbildung auf seiner Vorderseite. Der Kreuzer breitete sich gegen Ende des Mittelalters als kleine Silberwährung im gesamten Süddeutschen Raum, in Österreich und in der Schweiz aus. 72 Kreuzer entsprachen einem Goldgulden.

Gulden

Durch die Kreuzzüge und die Wiederaufnahme des Orienthandels im 13. Jahrhundert gelangte wieder Gold nach Europa. Der Pfennig genügte nicht mehr als Zahlungsmittel, da aufgrund des Fernhandels ein höherer Nennwert der Währung benötigt wurde.
Ausgehend von den Handelsmetropolen Florenz, Venedig und Genua begann man deshalb die Prägung von neuen Goldmünzen. Die erste dieser Goldmünzen war der Florentiner Gulden oder der Fiorino d’oro, der 1252 in Florenz geprägt wurde. Die erste deutsche Goldmünze wurde 100 Jahre später in Lübeck gefertigt.
Zwar breitete sich der Gulden oder Floren in den folgenden Jahrhunderten erfolgreich in Europa aus, doch wegen der fehlenden eigenen Goldvorkommen ging man bald dazu über, dem Gold Legierungsmetalle wie Silber und Kupfer beizumischen. Im deutschen Sprachraum war der Gulden bis zur Einführung der Goldmark 1873 in Gebrauch.

Dukaten

Kurz nach der Einführung des Florentinischen Guldens wurde in Venedig 1284 der erste goldene Dukat geprägt. Dieser Venezianische Dukat wurde auch als Zechine bezeichnet. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts breitete sich der Dukat als Weltwährung aus, da er im Gegensatz zum Gulden einen stabilen Feingehalt an Gold besaß.
In Deutschland wurde er 1559 zur Reichsmünze erklärt und galt bis 1858 als gesetzliches Zahlungsmittel. In Venedig wurden Dukaten bis 1797 geprägt und in Österreich werden bis heute Golddukaten als Sammlerstücke nachgeprägt.

Batzen

Der Batzen war eine Münze die erstmals 1492 in Bern geprägt wurde. Sie entsprach dem Wert von 60 Kreuzern und war in der Schweiz und in einigen süddeutschen Staaten verbreitet.

Taler

Der Taler war eine Münze, die vor allem nach dem Mittelalter verwendet wurde. Er ging aus dem Tiroler Guldiner hervor, der bereits 1486 geprägt wurde.

Brakteaten

Bei Brakteaten oder Strubben handelt es sich um einseitig geprägte Münzen oder Medaillen aus dünnem Metallblech. Brakteaten des Frühmittelalters waren vor allem Schmuckscheiben, die römische Kaisermedaillons imitierten. Sie wurden zu dieser Zeit vor allem im deutschsprachigen Raum, aber auch in Dänemark, Schweden, Norwegen und Großbritannien angefertigt.
Ab dem 13. Jahrhundert waren Silberbrakteaten im deutschen Raum das vorherrschende regionale Zahlungsmittel. In vielen Regionen wurde deren Gültigkeit jedoch in regelmäßigen Abständen widerrufen, und die alten Brakteaten mussten gegen eine geringere Anzahl neuere eingetauscht werden.
Die vom Münzherren einbehaltene Differenz kann als damalige Form der Steuerabgabe angesehen werden. Dieser Prozess hatte zur Folge, dass vor allem in Sachwerte investiert wurde, da Münzgeld fortan kein attraktives Anlagegut mehr war. 1413 wurde durch die Einführung des „Ewigen Pfennigs“ die Zeit der Brakteaten beendet. Eine über das gesamte Mittelalter gebräuchliche Form der Brakteaten war der Hohlpfennig oder Dünnpfennig.

Das Sammeln von Mittelaltermünzen

Die wissenschaftliche Münzkunde oder Numismatik beschäftigt sich sowohl mit einzelnen Münzen, als auch mit Münzgruppen. Das Wissen um die Bedeutung von Münzen ist auch in der Archäologie von großem Nutzen, da durch gefundene Münzen Ausgrabungsschichten genau datiert werden können.
In jüngerer Zeit hat das Sammeln von Münzen jedoch auch als Freizeitaktivität an Bedeutung gewonnen. Vor allem durch die Einführung einer europäischen Einheitswährung wurden Münzen zu einem beliebten Sammlerobjekt und können auch bei eBay gekauft werden.

Spezialisierung

Üblicherweise spezialisieren sich Münzsammler auf ein bestimmtes Themengebiet wie etwa Staat, Region oder Epoche. Ein Beispiel hierfür wären Mittelaltermünzen. Innerhalb dieses Themas wird die Sammlung zumeist in Unterkategorien unterteilt.
Eine Unterteilung in Mittelaltermünzen aus Deutschland, Mittelaltermünzen aus Österreich, Mittelaltermünzen aus Europa und Mittelaltermünzen aus dem Orient wäre denkbar. Auch eine Kategorisierung nach Motiv oder Material (Goldmünzen, Silbermünzen, Messingmünzen, Kupfermünzen) ist üblich.
Das Sammelgebiet kann sich jedoch ebenfalls auf eine bestimmte Abart von Münzen, wie beispielsweise Fehlprägungen beschränken. Beim Sammeln von Kursmünzen wird darüber hinaus zwischen Typensammlungen und Jahrgangssammlungen unterschieden.

Wertigkeit

Das eigentliche Metall spielt bei der Wertigkeit von Münzen meist nur noch eine untergeordnete Rolle, da bei unedlen Münzen der Nennwert der Münze meist weit über dem Preis des Metalls liegt. Hiervon ausgenommen sind Münzen aus Edelmetallen.
Eine entscheidende Rolle bei der Wertbestimmung spielen oftmals die Auflage und die Nachfrage. Auch die historischen Umstände und das Alter der Münze sind überaus relevant. Der letzte beurteilende Faktor bei der Wertbestimmung ist zumeist der Erhaltungsgrad der Münze. Hierbei muss jedoch gesagt werden, dass auch Gebrauchsspuren durchaus den Wert von einer Münze erhöhen können.
Abschließend bleibt zu sagen, dass vor allem bei aktuellen Münzsammlungen auch die Vollständigkeit eines Münzsatzes den Wert erhöhen kann.

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