Einkaufsratgeber für Briefmarken aus dem Baltikum

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Einkaufsratgeber für Briefmarken aus dem Baltikum

Baltische Briefmarken – beliebte Sammlerstücke und geschichtsträchtige Zeugnisse in einem

Briefmarken aus dem Baltikum bieten Sammlern ein vielschichtiges Interessengebiet. Schon die Vorphilatelie stellt besonders durch den Schriftverkehr rund um die Zarenzeit einen ganz eigenen Reiz dar. Des Weiteren bringen die Turbulenzen des Ersten und Zeiten Weltkrieges jede Menge Besonderheiten und Raritäten hervor. Doch auch die moderneren Epochen, in denen das Baltikum seine Unabhängigkeit wiedererlangt, birgt manch einen Schatz für interessierte Philatelisten.

Lesen Sie hier, welche Besonderheiten Briefmarken aus dem Baltikum aufweisen können, wie Sie Ihre Sammlung gestalten können, und worauf Sie beim Kauf dieser Einzelstücke und Serien achten sollten.

Das Baltikum: Briefmarken-Sammelgebiet mit bewegter Geschichte

Als Baltikum werden die Gebiete der heutigen unabhängigen Länder Estland, Lettland und Litauen in Nordosteuropa bezeichnet. Der Name dieser Region stammt von der Bezeichnung 'Baltisches Meer', ein anderer Name für die Ostsee, ab. Die drei Länder an den Grenzen zu Russland und Polen blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. Einst von den Wikingern erobert und besiedelt war das Baltikum im Laufe Mittelalters den Einflüssen deutscher Ordensritter ausgesetzt. Vom 16.Jahrhundert bis zu Beginn des Nordischen Krieges im 18.Jahrhundert war das Baltikum zum Großteil als Lehensgebiet zwischen Schweden, Dänemark und Polen aufgeteilt.

Nach Ende des Nordischen Krieges fiel das Baltikum im Rahmen der Polnischen Teilung an das russische Zarenreich. Erst 1918 wurden die drei Staaten Estland, Lettland und Litauen zu drei unabhängigen Republiken erklärt. Doch schon der Beginn des Zweiten Weltkriegs macht diese Konstellation zur Nichte. Es folgte eine Epoche voller Wirrnisse, Deportationen und Besetzung durch Deutschland und die Sowjetunion. Ab 1944 wird das Baltikum endgültig der UDSSR angeschlossen und steht damit bis zu seiner erneuten Unabhängigkeit im Jahre 1990 unter der Herrschaft Sowjet-Russlands.

1989 beginnt eine friedliche Unabhängigkeitsbewegung durch die Völker der drei Staaten. Berühmt wird diese Zeit unter anderem durch eine 600 Kilometer lange Menschenkette quer durch alle drei Länder. Diese baltische Kette ist Teil der Singenden Revolution, bei der die Menschen gewaltfrei für die Unabhängigkeit ihrer Länder kämpften. 1990 erklärten sich Estland, Lettland und Litauen als unabhängige Staaten. Doch schon wenige Monate versuchte die UDSSR mit militärischen Mitteln das Freiheitsbestreben des Baltikums zu vereiteln. Es folgten die Barrikaden-Tage, während derer das Militär um Vorherrschaft kämpfte. Seine Gegner waren die  baltische Bevölkerung, die erbittert Widerstand leistete und letztlich den Sieg davon trug.

Vorphilatelie aus dem Baltikum – Schätze aus dem Gebiet der nordöstlichen Ostsee

Wie seine politische und wirtschaftliche Geschichte, so ist auch die Postgeschichte des Baltikums facettenreich und äußerst interessant. So können Sie sich aus diesem Gebiet eine hochwertige Sammlung aus dem Bereich der Vorphilatelie zusammenstellen. Durch den Beginn der zaristischen Herrschaft ab dem Jahre 1795 kommt es im Baltikum zu einer umfassenden Neuordnung des Postwesens mit neuen Stempeln und Gebühren, wie sie bis dato im übrigen Zarenreich üblich sind.

Wenn Sie sich auf die Vorphilatelie des Baltikums spezialisieren möchten, können Sie zahlreiche Ganzsachen wie Briefe und Postkarten aus damaliger Zeit zurückgreifen. Die Briefumschläge besitzen interessante postgeschichtliche Stempelungen und Aufschriften. Auch die Siegel und Anmerkungen darauf sind zum Teil lohnenswerte Sammlerstücke. Für Liebhaber dieses frühgeschichtlichen Teilbereichs der Philatelie sind auch die Briefe selbst unbezahlbare Zeitzeugen. Dadurch können Sie wertvolle Details und Hintergründe über das Leben im russischen Zarenreich erfahren. Auch Alltagsdinge und zu dieser Zeit aktuelle Begebenheiten können in den Schriftstücken verborgen sein. Damit ist das Sammeln von Ganzsachen aus dem Baltikum ein äußerst anspruchsvolles, aber dafür auch äußerst vielseitiges Hobby. Umfangreiche Fachliteratur zu diesem Thema sowie den historischen Hintergründen erleichtern Ihnen dabei den Einstieg in die Geschichte.

Briefmarken aus dem Baltikum – attraktive Stücke vom russischen Kaiserreich bis in die Moderne

Aber auch die Sammler von Briefmarken und anderer Frankaturware finden im Baltikum viele lohnenswerte Teilgebiete. Egal, ob Sie Motive über Brauchtum & Trachten, die Geschichte des Landes oder Arbeit, Familie sowie die landeseigene Philatelie sammeln möchten oder ob Sie sich für klassische Marken eines bestimmten Zeitalters interessieren, ein Abstecher in die nordöstlichsten europäischen Länder lohnt sich in Sachen Briefmarken auf jeden Fall.

Die Einführung der ersten Briefmarken

Am 10. Dezember 1857 erscheint die erste russische Briefmarke. Sie gilt von nun ab im gesamten Zarenreich und schließt auch die baltischen Länder Estland, Lettland und den Größten Teil Litauens mit ein. Eine wichtige Besonderheit gilt zu dieser Zeit für Bereiche des südlichen Litauens, das sich damals noch unter polnischer Herrschaft befindet. Hier können Sie mit etwas Glück die ersten Briefmarken des Königreichs Polen erwerben, die auch in diesem Landesteil Litauens von 1860 – 1865 Gültigkeit besaßen.

Das Baltikum im Ersten Weltkrieg – Briefmarken aus dem Postgebiet Ob.Ost

Während des Ersten Weltkrieges gerieten weite Teile des Baltikums unter deutsche Herrschaft. Für das Postwesen ist Oberbefehlshaber Ost zuständig. Er kümmert sich um den Druck und die Ausgabe neuer Briefmarken und regelt die Zensur der Postsendungen nach Deutschland und Polen. Viele Sendungen aus dieser Zeit tragen einzigartige Stempelungen und Vermerke. Auch zensierte Inhalte in den Briefbögen zeugen von dieser ersten deutschen Besetzung des Baltikums.

Die baltischen Staaten als Republiken

Nach dem Untergang des russischen Kaiserreichs und der Unabhängigkeitserklärung der Länder des Baltikums kommen 1918 die Erstausgaben der estländischen, lettländischen und litauischen Republiken an den Postschaltern zum Verkauf. Hier haben Sie heute die Möglichkeit, postfrische Einzelstücke und Ersttagsbriefe dieser denkwürdigen Zeit zu erwerben.

Das Baltikum im Zweiten Weltkrieg – philatelistische Spuren der Besetzung des Ostlandes

Die relativ freie und entspannte Zeit als unabhängige Staaten endet abrupt, als die Deutsche Wehrmacht 1941 in Russland einmarschiert. Das Baltikum wird zusammen mit einem Teil von Weißrussland annektiert und ist von nun an dem Reichskomissariat Ostland unterstellt. Die baltischen Postwertzeichen werden als ungültig erklärt. Als Übergangslösung dienen nun Brief- und Paketmarken des Deutschen Reichs. Doch bereits im November 1941 gibt die deutsche Postverwaltung des Ostlandes erste eigene Briefmarken heraus.

Die Posthoheit des Deutschen Reiches endet jedoch schon kurze Zeit später, als sich die Rote Armee in den Kriegsjahren 1943 und 44 Stück für Stück des Baltikums und Weißrussland zurückerobert. Von nun an befinden sich die baltischen Staaten im Hoheitsgebiet der UDSSR. Bis zur Unabhängigkeitserklärung und dem Ende der Übergangszeit 1990 – 1991, nach der die baltischen Länder wieder eigenständige Staaten werden, gelten im Baltikum sowjetrussische Postwertzeichen.

Baltische Briefmarken von 1990 bis heute

Die Unabhängigkeit der baltischen Länder hat auch postgeschichtliche Auswirkungen. Das Ziel der Regierungen ist eine rasche Umstellung von dem zentralisierten russischen Postwesen hin zu einer eigenständigen Postverwaltung. Zu diesem Zweck werden zuerst Stempel ohne sowjetische Herrschaftssymbole wie Hammer und Sichel genutzt. Auch Zusatzstempelungen mit dem Aufdruck „Post der Republik Litauen, Estland oder Lettland' kommen zum Einsatz. Zugleich werden eigene Brief-, Paket- und Päckchenmarken in Auftrag gegeben. Allerdings herrscht zu dieser Zeit ein großer Papiermangel im Baltikum. Daher werden parallel zu den eigenständigen Postsachen auch weiterhin sowjetische Ganzsachen verwendet. Die Aufdrucke der UDSSR werden dabei allerdings überstempelt oder mit Zusatzstempelungen versehen. Für Sammler sind diese Ganzsachen heute sehr begehrte Raritäten.

Marken aus dem Baltikum – Tipps für die Organisation Ihrer Sammlung

Um eine Briefmarkensammlung über die baltischen Staaten zu beginnen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Sehr populär sind systematische Sammlungen mithilfe von Vordrucken und Vordruckalben. Hierbei erhalten Sie einen guten Überblick über die zu sammelnden Einzelstücke und Serien. Außerdem liefern diese Vordrucke bereits erste Einblicke in die Hintergrund- und Entstehungsgeschichte der Postwertzeichen. Durch Blanko-Vordrucke haben Sie zudem die Möglichkeit, Ihre Sammlung durch außergewöhnliche Fundstücke oder sehenswerte Abarten zu ergänzen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine Serie von Propaganda-Ausgaben der Baltischen-Gesellschaft. Diese Schein-Marken, die keine Postwertzeichen im eigentlichen Sinne sind, werden auch als Cinderellas bezeichnet. Der Name ist der britisch-amerikanischen Fassung des Märchens Aschenputtel nachempfunden, bei dem sich ein armes Stiefkind als glanzvolle Prinzessin ausgibt, um das Herz eines Prinzen zu erobern.

Baltische Marken im Blanko-Album sammeln

Die Philatelie ist ein breit gefächertes Feld. Daher können Sie Ihre Sammlung so gestalten, wie es gerne möchten. Wem die Vordrucke zu den baltischen Staaten zu eng bemessen erscheinen, der kann auch eine individuelle Sammlung beginnen. Von der Vorphilatelie über die einzelnen geschichtlichen Höhepunkte bis hin zu ganz aktuellen Ländermarken und Produkten der Privatpost bietet das Baltikum eine reiche Auswahl an Schwerpunkten. Bei eBay finden Sie passende Einsteckalben zum Vorsortieren sowie zahlreiche Alben und Sammelmappen für die fertige Kollektion. Auch geeignete Schutzhüllen sowie Lupen, Leuchten und andere Hilfsmittel sind dort erhältlich. Und wenn es Ihnen zu mühsam ist, die einzelnen Marken Stück für Stück zusammenzutragen, können Sie zum Beispiel auch auf schon begonnene Sammlungen, Sammlungsauflösungen sowie Kiloware aus Hinterlassenschaften zurückgreifen. In diesen Konvoluten findet sich oftmals so manch ein philatelistischer Schatz. Außerdem macht es viel Spaß, diese Restsammlungen und Dachbodenfunde zu sichten und zu ordnen.

Fazit

Briefmarken aus dem Baltikum begeistern durch ihre wechselhafte, lebendige Geschichte. Mit diesem Sammelthema nehmen Sie Teil an kriegerischen Umbrüchen, Niederlagen und Eroberungen. Das Ganze gipfelt am Ende in einem mutigen Volksaufstand mit unbewaffnetem Widerstand und der erfolgreichen Unabhängigkeitserklärung eines lange politisch gebeutelten Landstriches am äußersten, nordöstlichen Ende Europas. Baltische Briefmarken sind Zeugen eines Stückes sehr lebendiger Geschichte und begeistern Einsteiger wie Profis gleichermaßen mit ihrer großen Vielfalt und ihrem ausgeprägten postgeschichtlichen Hintergrund.

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