Einkaufsratgeber für Briefmarken aus Deutschland

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Einkaufsratgeber für Briefmarken aus Deutschland

Briefmarken sammeln – ein spannendes Hobby

Zahlreiche Menschen weltweit haben das Briefmarkensammeln aus verschiedensten Gründen zu ihrem Hobby gemacht. Für viele sind die Postwertzeichen eine Form der Wertanlage, obwohl diese durchaus fragil und empfindlich sind – schon kleinste Beschädigungen können zu einem empfindlichen Wertverlust führen. Robuste Briefmarken-Alben können hier den notwendigen Schutz bieten und sind zudem praktisch, um die eigene Sammlung zu sortieren. Großer Beliebtheit erfreuen sich hierbei sogenannte Vordruckalben, bei denen die einzelnen Markenmotive in der passenden Größe auf den Sammelblättern zu sehen sind.

Ob nun als Wertanlage oder aus reiner Sammelleidenschaft: Steht man Anfang einer Briefmarkensammlung, sollte man zunächst über die Kriterien nachdenken, nach denen zukünftig gesammelt werden soll. Das können zum Beispiel sein:

  • nach Ländern,
  • nach Blumenmotiven,
  • nach Schiffsmotiven,
  • nach historischen Bauwerken oder
  • nach Persönlichkeiten.

Dies sind nur einige Aspekte, nach denen man die Themenvielfalt sinnvoll einzuschränken kann, um sich als Sammler nicht allzu schnell zu verzetteln und den Überblick zu verlieren.

Der nachfolgende Einkaufsratgeber möchte Ihnen Tipps und Anregungen liefern, wie Sie Ihre Sammlung länderspezifisch aufbauen können und wie Sie das Gewünschte möglichst einfach finden. Zudem kann es ebenfalls hilfreich sein, sich vor allem als Neueinsteiger einem örtlichen Briefmarkenverein anzuschließen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen profitiert man von der Erfahrung anderer Sammler, zum anderen kann man sich in geselliger Runde über das gemeinsame Hobby austauschen und vielleicht sogar gemeinsame Aktivitäten starten wie etwa den Besuch eines Museums, das sich eben auf Briefmarken spezialisiert hat.

Die Philatelie – ein weites Feld

Philatelie steht als Oberbegriff für die systematische Herangehensweise beim Aufbau einer Briefmarken-Sammlung. Die erste Briefmarke der Welt, die One Penny Black aus England, läutete die Ära im Mai 1840 ein. Die erste Briefmarke in Deutschland folgte erst neun Jahre später: der Schwarze Einser, herausgegeben im damaligen Königreich Bayern. Ein historisches Bonmot in diesem Zusammenhang besagt, dass die Herstellung der primär schwarzen Marke schnell wieder eingestellt wurde, da diese mit ebenfalls schwarzer Farbe abgestempelt wurde und die Entwertung daher kaum sichtbar war. Um den Rahmen dieses Einkaufsratgebers nicht zu sprengen, bezieht er sich auf Briefmarken, die ab 1945 bis heute herausgegeben wurden. Für diesen Zeitraum gibt es viele verschiedene Ansätze, eine eigene Sammlung zu starten oder die bestehende zu ergänzen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Ausgaben, die während der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg erschienen. Diese hielt an bis zum Jahr 1949, dem Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland sowie der ehemaligen DDR. Entsprechend kann auch das Angebot selektiert werden.

Briefmarken zur Zeit der alliierten Besatzung in Deutschland

Wer sich in diesem Zusammenhang mit einem etwas gröberen Raster zufriedengibt, kann das umfassende Angebot für die alliierte Besatzungszone generell oder gezielt nach bestimmten Briefmarken durchstöbern. Die Beschäftigung mit dieser Zeit ist auf jeden Fall ein spannendes Thema, da es tief in der jüngeren deutschen Geschichte mit all ihren Schattenseiten verankert ist. Möglicherweise sind es auch die sogenannten Lokalausgaben aus dieser Zeit, die das Sammlerherz höher schlagen lassen, etwa weil man selbst aus einer der Regionen kommt und mit dieser verschiedenste Erinnerungen verbindet, die mit einer Briefmarke zu neuem Leben erweckt werden können.

Briefmarken aus der ehemaligen DDR

Ein weiteres spannendes Betätigungsfeld ergibt sich für Sammler, die sich auf Briefmarken aus der ehemaligen DDR konzentrieren, die im Zeitraum von 1949 bis 1990 herausgegeben wurden. Aufgrund der hohen Auflagen gibt es zwar nur wenige wertvolle Einzelexemplare, interessanter wird es in dieser Hinsicht, wenn es sich um komplette Sammlungen über bestimmte Jahrgänge oder längere Zeiträume handelt. Für viele Sammler liegt die Motivation jedoch an ganz anderer Stelle: Es ist der Reiz, sich über diese Briefmarken der Historie anzunähern, zudem gibt es Exponate, die eine ganz eigene Geschichte erzählen. Zu diesen gehört etwa die unter Mi.Nr. 662 gelistete Briefmarke aus dem Jahr 1958. Kennern wird der Begriff Pappchinese etwas sagen: Der auf der Marke abgebildete NVA-Soldat trägt unverkennbar asiatische Gesichtszüge – aus welchen Gründen auch immer. Nur wenige Stunden nach dem Erscheinen wurde die Ausgabe wieder vom Markt genommen, aber der Volksmund hatte bis dahin längst zugeschlagen. Aufgrund der kurzen Lebensdauer hat der gestempelte Pappchinese einen recht hohen Seltenheitswert. Man könnte diese Rarität auch als klassischen Fehldruck bezeichnen, übrigens auch ein interessantes Tummelfeld für viele Sammler.

 Briefmarken aus Deutschland

Die nächste Zeitspanne umfasst die Jahre von Ende 1948 bis 1989 und berücksichtigt sämtliche Briefmarken aus der Bundesrepublik Deutschland. Wer hier einsteigt, sollte zunächst die Möglichkeit in Betracht ziehen, sich etwa einzelne Jahrgänge herauszupicken. Ein möglicher Ansatz könnten zum Beispiel die Geburtsjahre der eigenen Kinder sein oder besondere gesellschaftliche Großereignisse, die für einen selbst eine persönliche Bedeutung haben. Fehlen konkretere Vorstellungen, könnten eventuell Lots Abhilfe schaffen: Dabei handelt es sich um Sammlungen, die sich auf Jahrgänge, Themen oder Motive beziehen. Um die eigene Sammlung zu erweitern, können Sie sich von Jahrgang zu Jahrgang bis hin in die Gegenwart hangeln. Wie Sie das Thema angehen, ist eine Frage Ihrer persönlichen Vorlieben.

Ein kostbarer Fehldruck

Mit zu den teuersten Briefmarken aus Deutschland zählt ein Fehldruck der Deutschen Post aus dem Jahr 2001. Die Entstehungsgeschichte mutet ein wenig skurril an: Innerhalb einer Serie von Wohlfahrtsmarken fand sich ein Motiv mit der Abbildung der bekannten Schauspielerin Audrey Hepburn mit Zigarettenspitze im Mund, ein Bild aus dem bekannten Film Frühstück bei Tiffany. Die 14 Millionen Exemplare waren bereits gedruckt, nur verweigerten die Nachkommen und Erben der Schauspielerin die Zustimmung – vermutlich wegen der Zigarettenspitze. Die Auflage musste eingestampft werden, und nur wenige Einzelexemplare und Bögen blieben erhalten. Für die Rarität als Eckrand-Ausgabe bezahlte der Sammler Gerd Bennewirtz im Jahr 2005 einen Betrag von 135.000 Euro.

Herkömmliche Postwertzeichen und Sondermarken

Neben den konventionellen Postwertzeichen erscheinen regelmäßig Sonderzeichen zu den verschiedensten Anlässen wie etwa Sportereignisse, Jubiläen oder Todestage bekannter Persönlichkeiten. Ebenfalls zählen Sondermarken in Form von Wohlfahrtsmarken dazu, bei diesen werden durch den Käufer Aufschläge auf das eigentliche Porto entrichtet. Diese Mehrbeträge kommen verschiedenen Projekten zugute. Auch an diesem Kriterium können Sie sich als Philatelist sehr gut orientieren.

Postfrisch oder gestempelt – eine entscheidende Frage

Wie bereits am Beispiel des Pappchinesen beleuchtet, hängt die Frage nach postfrisch oder gestempelt auch immer von der Vorgeschichte ab, denn dementsprechend gestaltet sich die Wertentwicklung. Man kann seine Sammlung jedoch auch gezielt erweitern – etwa durch Exponate, die mit einem Ersttagsstempel oder einem Erstverwendungsstempel versehen sind. Allerdings darf man hier nicht mit signifikanten Wertsteigerungen rechnen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Viele Sammler schwören in diesem Zusammenhang auf normale Tagesstempel, die eine ganz eigene Geschichte erzählen können. Wichtig sind hier unter anderem die Platzierung selbst sowie die Lesbarkeit der Angaben.

Ersttagsbriefe – ein weiteres Sammelgebiet

Viele Philatelisten spezialisieren sich auf den Bereich der Ersttagsbriefe, obwohl sich die Geister hier zum Teil scheiden. Das liegt im Wesentlich an den hohen Produktionsauflagen, mit denen die einzelnen Produkte auf den Markt kommen – mit einer Wertsteigerung ist daher kaum zu rechnen. Was vielmehr zählt, ist der ideelle Wert, sofern vorhanden. Entscheiden kann das letztlich jeder nur für sich selbst.

Fälschungen: leidiges Thema und manchmal eine Erfolgsgeschichte

Es liegt nahe, dass Fälschungen fast genauso lange existieren wie die Briefmarken selber und dass sich jeder Philatelist maßlos darüber ärgert, wenn ihm eines dieser Falsifikate untergejubelt wurde. Im Internet finden Sie zahlreiche Quellen ebenso wie Fachliteratur, die sich diesem Thema widmen. An dieser Stelle stellvertretend zwei wichtige Tipps:

  • Werden Ihnen Sammlerbriefmarken weit unter Wert angeboten, sollte höchste Vorsicht geboten sein. Geben Sie nicht so einfach der verführerischen Versuchung nach, die angebliche Topgelegenheit ungeprüft zu ergreifen.
  • Sind Sie sich selbst als erfahrener Sammler Ihrer Sache nicht sicher, empfiehlt es sich auf jeden Fall, einen Experten hinzuzuziehen. Unter Umständen bewahrt Sie dieser vor größeren Enttäuschungen.

Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Fälschungsarten:

Eine weitverbreitete Fälschung geht zulasten der Postdienstleister. Hauptsächlich ging und geht es darum, die Portokosten zu umgehen oder zu senken. Dabei werden die Marken entweder komplett reproduziert oder in Teilen farblich verändert, und die Wertziffern werden dahin gehend frisiert, dass der Nominalwert erhöht wird. Solche Briefmarken-Fälschungen spielten auch eine nicht unerhebliche Rolle zu Kriegszeiten. Die Postwertzeichen wurden vornehmlich zu Propaganda-Zwecken hergestellt. Es gibt natürlich auch Sammler und Anbieter, die sich auf dieses durchaus geschichtsträchtige Gebiet der Philatelie spezialisiert haben, das durch den zum Teil erheblichen Sammlerwert – wie könnte es anders sein – Fälscher auf den Plan ruft.

Schwindelausgaben und Erfolgsgeschichten

Die nachfolgend aufgezählten Fälschungsarten sind im Gegensatz zu den vorher genannten unmittelbar relevant für Sammler: Dazu zählen etwa Schwindelausgaben, die aus Fantasieländern stammen. Als Pionier in dieser Richtung ist wohl der Franzose Louis de Mayrena zu nennen. Um sich selbst zu bereichern, erfand bzw. gründete er kurzerhand das Königreich Sedang im heutigen Vietnam und entwarf eine Briefmarkenserie, die im großen Stil an Händler und Sammler verkauft wurde.

Neben der bereits erwähnten kompletten Reproduktion wertvoller Briefmarken kommt noch die Teilfälschung hinzu. Betroffen sind hier zum Beispiel Perforation und Beschnitt, Stempel oder Aufdruck. Im Prinzip handelt es sich bei diesem komplexen Thema um eine eigene Wissenschaft für sich.

Wenn man bei Fälschungen tatsächlich von einer Erfolgsgeschichte reden kann, trifft dies vielleicht auf Jean de Sperati zu. Seine äußerst kunstfertig gestalteten Reproduktionen waren selbst von Spezialisten kaum identifizierbar mit der Folge, dass sie als begehrte Sammelobjekte durchaus hohe Preise erzielen können.

Mit diesem Gesichtspunkt der Philatelie soll keineswegs der Sammlerspaß beeinträchtigt werden – eher ist das Gegenteil der Fall. Verbunden mit dem notwendigen Wissen und einer gesunden Portion Misstrauen lebt es sich als echter Sammler deutlich entspannter.

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