Einkaufsführer Turbolader – worauf beim Kauf zu achten ist

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Einkaufsführer Turbolader – worauf beim Kauf zu achten ist

Wer die letzten Pferdestärken aus seinem Benzinmotor kitzeln möchte, kommt um einen leistungsstarken Turbolader nicht herum. Als im Jahr 1974 der erste Porsche 911 turbo vorgestellt wurde, galt das Zusatzaggregat noch als exotisches Extra für sportversessene Roadster-Fahrer. Inzwischen dient der flotte Helfer zu weit mehr als einer Leistungssteigerung. Bei kompakten Motoren ersetzt der Turbolader fehlenden Hubraum und sorgt somit für kräftigen Antrieb auf kleinstem Raum.

Doch wie funktioniert ein Turbolader? Welches Modell eignet sich für welches Fahrzeug? Worauf ist beim Einbau zu achten? Mit einigen Kniffen lassen sich gängige Probleme vermeiden – und mit einem eBay-Kauf teure Werkstattkosten und lange Wartefristen ersparen.

Mit wenigen Schritten zum neuen Turbolader

Der Blick für das Wesentliche geht zwischen OE-Nummern, Motorkennbuchstaben und Hubraumangaben rasch verloren – auch dann, wenn die Entscheidung für einen bestimmten Hersteller oder Verkäufer längst gefallen ist. Bevor es an den Kauf geht, sollte man mit der Funktions- und Wirkungsweise des Turboladers im eigenen Fahrzeug vertraut sein. Genaue Kenntnisse über Einbauort und technische Voraussetzungen bewahren vor unschönen Überraschungen, die im Zweifelsfall teure Zusatzkosten verursachen.

Funktionsweise eines Turboladers

Als druckverdichtendes Aggregat besteht der Turbolader aus zwei Gehäuseteilen – die Turbine befindet sich in der Abgasabführung des Fahrzeugs, während der Verdichter mit den Brennräumen der Zylinder verbunden ist. Die abströmenden Motorabgase treiben über eine Turbine ein Verdichterrad an, mit dem wiederum angesaugte Luft komprimiert und in die Brennkammern gedrückt wird. Oft ist ein Ladeluftkühler zwischengeschaltet, um die Kompressionswärme der verdichteten Luft zu vermindern.

Turbinenwelle

Die Turbinenwelle erreicht bis zu 290.000 Umdrehungen pro Minute, was eindrucksvoll zeigt, wie effizient die sonst ungenutzte Abgasenergie in der Turboladertechnologie genutzt wird. Zeitgemäße Systeme nutzen den Energieüberschuss, um ein nahezu ideales Luft-Kraftstoffgemisch in die Zylinder zu pumpen und eine saubere Verbrennung zu gewährleisten. Schädliche CO²-Emissionen werden dadurch beträchtlich gesenkt.

Vorzeitiger Ausfall des Turbosystems

Muss der Turbolader wegen eines Defekts ausgetauscht werden, sollte zunächst die Fehlerursache ermittelt werden. Die meisten Modelle sind für einen dauerhaften Betrieb über die gesamte Lebensspanne des Motors hinweg ausgelegt. Übermäßiger Verschleiß ist deshalb nur in den seltensten Fällen der Grund für einen Systemausfall.

Zunächst muss die unmittelbare Umgebung des Turboladers untersucht werden, die häufig Aufschluss über das zugrunde liegende Problem gibt. Eine unzureichende Fettung beweglicher Teile kann ebenso zu Unregelmäßigkeiten führen wie ein mit Ölverlust verbundenes Druckungleichgewicht. Ungefilterte Luft, verschmutztes Öl oder eine unsachgemäße Fahrweise belastet das Turbosystem ebenfalls. Demgegenüber können zugesetzte Dieselpartikelfilter und Katalysatoren auf einen fehlerhaft arbeitenden Turbolader hindeuten.

Generell gilt: Turbolader sollten erst gewechselt werden, wenn geklärt ist, was zum Ausfall des alten Systems geführt hat. Bei einem Austausch ohne umfassende Fehlerdiagnose besteht die Gefahr, dass alte Schwierigkeiten erneut auftreten. Vorangegangene Beschädigungen an Rußpartikelfiltern oder Abgaskatalysatoren müssen zudem beseitigt werden, bevor ein anderer Turbolader installiert wird.

Vor dem Kauf

Nach dem passenden Turbolader suchen und bestellen? Ganz so einfach wird es in der Praxis nicht. Zuerst müssen die technischen Kenngrößen des zu verwendenden Systems aufgenommen und die Verwertung des alten Aggregats geklärt werden. Auf vielen Turboladern lastet eine Pfandgebühr des Herstellers, die sicherstellen soll, dass Altgeräte zurückgegeben werden. Ohne Rücksendung des alten Turboladers sind die meisten Händler gezwungen, dieses Altteilpfand auf den Kaufpreis aufzuschlagen - was rasch einige Hundert Euro kosten kann.

OE-Nummer oder KBA?

Um den geeigneten Turbolader für ein Fahrzeug zu bestimmen, benötigen Fahrzeugteilehändler entweder die Original-Ersatzteile-Nummer (OE-Nummer) des vorhandenen Turboladers oder die KBA-Nummer des Wagens. In den meisten Angeboten findet sich eine Fahrzeugtabelle, in der sämtliche Modellreihen, in denen das Turbosystem eingesetzt werden kann, mit beiden Identifikationsmerkmalen angegeben sind.

Die OE-Nummer ist auf dem Typenschild des alten Turboladers vermerkt und besteht aus Ziffern, Buchstaben oder einer Kombination aus beidem. Mithilfe dieser eindeutigen Kennzeichnung lässt sich das entsprechende Ersatzteil stets benennen und gegebenenfalls nachbestellen. Aufgepasst: Auch baugleiche Teile eines Drittanbieters tragen eine OE-Nummer wie das Original. Sie verrichten ihren Dienst analog zum Originalteil des Herstellers und verfügen über die gleichen Anschlussmöglichkeiten. Variationen in Gewicht, Farbe und Verarbeitungsqualität sind dagegen zulässig.

Unter der KBA-Nummer ist jeder spezifische Fahrzeugtyp beim Kraftfahrt-Bundesamt registriert. Diese Schlüsselnummer ist gleichfalls eindeutig und lässt sich dem Fahrzeugschein entnehmen. Sie ermöglicht eine zweifelsfreie Identifikation des Wagentyps und verweist stets auf das gleiche Modell, unabhängig davon, wo das Auto zugelassen oder verkauft wurde.

Angebotshinweise beachten

Jeder Anbieter weist auf Besonderheiten seines Angebots hin, die Versand, Rücknahme oder Zahlungsweise betreffen. Beim Kauf eines hochwertigen Produkts wie einem Turbolader sollte der Versand in den deutschsprachigen Raum grundsätzlich kostenfrei sein. Eine gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwei Jahren steht dem Kunden ohnehin zu – wünschenswert ist zudem eine zusätzliche Herstellergarantie, die insbesondere bei baugleichen Produkten von Drittanbietern hilfreich ist. Ein Blick in die Garantiebestimmungen sollte deshalb vor dem Kauf obligatorisch sein.

Die Rücksendung des Altgeräts sollte bei einer Pfandpflicht klar geregelt und ebenfalls kostenfrei sein. Als besonders servicefreundlich erweisen sich in diesem Zusammenhang Anbieter, die einen Rücksendeschein zur Verfügung stellen, mit dem das Paket mit dem alten Turbolader bequem frankiert werden kann. Vor der Rücksendung an den Anbieter sollte das ausgebaute Ersatzteil unbedingt auf Vollständigkeit geprüft werden. Viele Händler lehnen zudem Rücksendungen ab, die ein gewaltsam oder ohne Fachkenntnis geöffnetes Altteil beinhalten.

Üblicherweise rechnen die Anbieter auf eBay das Altgerätepfand zunächst zum Kaufpreis hinzu und erstatten den Betrag, sobald die Rücksendung mit dem alten Turbolader eintrifft. Wer nicht so lange warten möchte, kann dem Anbieter das alte Turbosystem vor dem Versand des neu erworbenen Aggregats zusenden. Oft verzichten Händler in diesem Fall auf die komplizierte Verrechnung des Pfands.

Neu, gebraucht oder generalüberholt?

Obwohl es sich bei einem Turbolader um kein klassisches Verschleißteil handelt, bereitet ein Neukauf traditionsgemäß die wenigsten Probleme. Alle nötigen Ersatzteile liegen vor, meist erläutert eine Montageanleitung die wichtigsten Arbeitsschritte. Zudem greift die Herstellergarantie, falls es zu Unverträglichkeiten zwischen Motor und Turbolader kommt.

Ein Gebrauchtkauf kann sich dennoch lohnen, wenn die technischen Rahmenbedingungen stimmen und ein niedriger Preis im Vordergrund steht. Bei Kauf- oder Auktionsangeboten aus privater Hand erhält man den gewünschten Turbolader meist zu einem Bruchteil des Preises, muss aber damit rechnen, dass das System bereits einige Jahre auf dem Buckel hat. Wie bei neuwertigen Turboladern ist es auch bei Gebrauchtangeboten wichtig, die OE-Nummer gewissenhaft zu vergleichen.

Als Kompromisslösung bieten sich generalüberholte Turbolader an, die meist von gewerblichen und autorisierten Händlern bei eBay angeboten werden. Diese Geräte sind von Grund auf erneuert oder instand gesetzt worden und können nicht selten mit neuwertigen Systemen konkurrieren. Defekte Elemente werden ausgetauscht, abgenutzte Bestandteile aufgearbeitet oder ersetzt. Zu achten ist lediglich darauf, dass ein kompletter Dichtungssatz in der Lieferung zu erhalten ist, damit kein rissiger Gummi den Spaß am generalüberholten Neuerwerb verdirbt.

Am leichtesten filtert man die gewünschte Angebotskategorie heraus, indem man sich in der Angebotsliste bei der Option "Artikelzustand" für "Neu" oder "Gebraucht" entscheidet. Die Liste erscheint anschließend mit den gewünschten Auktions- und Sofort-Kauf-Angeboten.

Original oder Drittanbieter?

Liefern Drittanbieter die notwendige Qualität? Bekommt ein Originalersatzteil meinem betagten Boliden am besten? Was passiert, wenn der Fernost-Import nach zwei Tagen defekt ist? Die Unsicherheit bei der Frage, ob ein Ersatzteil aus dem Zubehörhandel des Herstellers oder ein baugleicher Nachbau aus dem Sortiment eines Drittanbieters erworben werden sollte, ist naturgemäß äußerst groß. Viele Spezialisten schwören auf Originalteile, während andere argumentieren, dass die Produkte der Drittanbieter konstruktionsbedingte Schwächen der Originale ausgleichen.

Nichts falsch machen kann der Autobesitzer unbestritten mit den originalen Ersatzteilen seines Herstellers. Sie sind ideal an die übrige Ausstattung des Wagens angepasst und funktionieren gewöhnlich reibungslos. Diese verlässliche Qualität hat ihren Preis – im Schnitt kosten Ersatzteile aus dem Originalsortiment das Vielfache der Konkurrenzprodukte. Den Griff in die eigene Geldbörse entschädigen sie mit tadellos vermerkten KBA- oder OE-Nummern auf dem Typenschild.

Einen Zwischenweg beschreitet man, sobald man sich für sogenannte Identteile entscheidet. Sie sind baugleich mit den Originalstücken, können jedoch in der Fertigungsqualität und im Material abweichen. Der ADAC warnt vor einem Begriffswirrwarr bei der Bezeichnung von Identteilen, nachdem sie gemäß gesetzlicher Bestimmungen ebenfalls als "Originalteil" verkauft werden dürfen, obwohl sie nicht vom Originalhersteller stammen.

Gesunde Vorsicht sollte dagegen bei einem Nachbau gelten, der in unterschiedlichster Qualität angeboten werden kann. Zwar müssen auch Nachbauteile bestimmte gesetzliche Mindestnormen erfüllen, besitzen jedoch einen deutlich größeren Spielraum bei der Material- und Verarbeitungsqualität. Im Zweifel kann man sich auf Bewertungen bei eBay stützen oder Anbietertests in fachkundigen Zeitschriften zurate ziehen.

Hinweise zum Einbau

Paket eingetroffen, Wagen auf der Rampe – und nun soll es losgehen? Für Motor und Fahrzeugtechnik kann ein überstürzter Start beim Turbolader-Einbau fatale Folgen haben. Mit den folgenden Expertentipps räumt man die größten Hürden aus dem Weg.

Motorentlüftung prüfen

Die Motorentlüftung sorgt für den Abtransport von überschüssigem Öl im Motorraum und sollte vor dem Einbau des Turboladers auf einwandfreie Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Schon eine geringfügige Druckschwankung in den Brennkammern kann einen Ölverlust am Turbolader hervorrufen und das Aggregat auf lange Sicht außer Gefecht setzen.

Ölwanne kontrollieren

Die Ölwanne des Fahrzeugs sollte frei von Verschmutzungen und Schlammrückständen sein. Falls ein Ersatz benötigt wird, gibt es auf eBay für jeden Fahrzeugtyp passende Angebote.

Lieferung begutachten

Beim Entpacken des neuen Turboladers müssen Verdichterkammer und Turbinenrad auf mögliche Verunreinigungen und lose Teile überprüft werden. Durch die hohe Geschwindigkeit, mit der die Turbine rotiert, würden herumwirbelnde Gegenstände oder Fabrikationsrückstände zu irreparablen Schäden am System führen. Die Kammern sollten mit einer Seifenlauge oder einem speziellen Motorreiniger von Fremdkörpern befreit werden.

Filter wechseln

Luft- und Ölfilter sollten vor Inbetriebnahme eines neuen Turboladersystems ausgetauscht und mit neuwertigem Filtermaterial versehen werden. Die Montage eines frischen Aggregats setzt den gesamten Motor einer erheblichen Belastung aus. Unnötige Stressfaktoren sollten aus diesem Grund minimiert werden.

Typenschilder vergleichen

Falls das Altgerät noch nicht zum Händler zurückgeschickt wurde, sollten die Typenschilder des bisherigen und des künftigen Aggregats sorgfältig miteinander verglichen werden. Oft ergeben sich beim Kauf in letzter Sekunde Flüchtigkeitsfehler, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Trotz des Nervenkitzels, den eine Auktion bei eBay mit sich bringt, sollte man sich nie zum Kauf eines Turboladers entschließen, der nicht zweifelsfrei für das eigene Fahrzeug geeignet und zugelassen ist. Bei voneinander abweichenden OE- oder KBA-Nummern auf den Typenschildern sind Betriebsstörungen des Turboladers vorhersehbar.

Darauf immer achten: Selbst bei identischen OE-Nummern können materialbedingte Ermüdungserscheinungen oder schwankende Verarbeitungsqualität den Verdichtungs- und Verbrennungsprozess des Luft-Kraftstoffgemischs stören. Bei Zweifeln den Anbieter informieren und um detaillierte Aufklärung bitten – ein defekter Motor verursacht weitaus höhere Kosten als ein anderes Turboladersystem.

Abgasrohre und Luftkühlung des Fahrzeugs prüfen

Bei Rostschäden oder Rissen an Krümmer und Kompensatoren müssen die entsprechenden Komponenten ersetzt werden, ehe der neue Turbolader in Betrieb genommen wird. Ansaugleitung und Abgassammelrohr des Fahrzeugs sollten einer gründlichen Reinigung unterzogen werden, um Schäden durch umherfliegende Verbrennungsrückstände im Turbinengehäuse des Aggregats auszuschließen.

Die Luftzuführung zwischen Motor und Turbolader muss sich in tadellosem Zustand befinden. Bei Ölrückständen oder einem beschädigten Ladeluftkühler sollte vor Einbau des neuen Aggregats ein Austausch vorgenommen werden. Bei eBay gibt es Ladeluftkühler als günstige Gebrauchtware, generalüberholtes Ersatzteil oder in neuwertiger Ausführung.

Ölzuführung erneuern und Turbolader anschließen

Die Zulaufleitung für das Motorenöl sollte vor der Montage des neuen Turbosystems gänzlich erneuert werden. Zum zu prüfenden Material zählen daneben auch Hohlschrauben und Ölsiebe, die potenzielle Schwachstellen im Ölkreislauf darstellen. Der Turbolader muss vor dem ersten Start über die Öleinlassbohrung und unter Drehen der Turbinenwelle mit frischem Motorenöl aufgefüllt werden, um eine ausreichende Schmierung beim Erstbetrieb zu gewährleisten.

Bei der Montage des Turboladers empfiehlt es sich, ausschließlich neue Flanschdichtungen zu verwenden. Die Montageschrauben für die Gehäusebefestigung sollten hitzebeständig sein, weil das Turbosystem im Betrieb hohen Temperaturen ausgesetzt ist.

Motor starten und Leitungssystem prüfen

Nach der Montage des Turboladers den Motor zunächst für dreißig Sekunden im Leerlauf halten, damit genügend Öldruck entstehen kann. Dem ersten Belastungstest sollte eine Prüfung des Luft-, Abgas- und Ölsystems folgen, um undichte Verbindungselemente aufzuspüren.

Fazit

Natürlich bietet eBay sowohl Original- wie auch Identteile von Drittanbietern in allen Preislagen, sicherlich werden Sie auch für Ihren Wagen fündig. Durch die Auswahlmöglichkeiten können Sie die Suche perfekt auf Ihre Bedürfnisse anpassen und finden so schnell zu dem ideal für Ihren Wagen geeigneten Turbolader.

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