Eine kleine Geschichte des tragbaren Kassettenspielers

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Eine kleine Geschichte des tragbaren Kassettenspielers

Tragbare Kassettenspieler für Nostalgiker

Wenn man an „tragbare Kassettenspieler“ denkt, dann denkt man unweigerlich auch an das kleine Tonbandgerät, das Sony am 1. Juli 1979 auf den Markt brachte. Der „Walkman“ erfreute sich seitdem einer sehr großen Popularität, nicht nur allein bei Jugendlichen.

Für die Jugendlichen wurde das Gerät zu einem wichtigen Symbol einer neuen Lebensform. Und darüber hinaus entkoppelte dieser tragbare Kassettenspieler das Musikhören endgültig von der stationären Hi-Fi-Anlage oder dem Radio zuhause.

Selbstverständlich gibt es auch noch andere Formen des tragbare Kassettenspieler neben dem Walkman. So entstehen die ersten tragbaren Kassettenrekorder weit vor der Einführung des Walkman in den 1960er Jahren. Beliebt waren und sind auch nach wie vor tragbare Radios mit Kassettenaufnahmefunktion, die Radiorekorder.

Dieser Ratgeber möchte Ihnen einen kleinen Überblick zu tragbaren Kassettenspielern geben. Wenn Sie sich für einen neuen Kassettenspieler interessieren, ist dieser Ratgeber also genau das Richtige. Aber auch Nostalgiker und Enthusiasten alter Tonbandgeräte kommen hier auf ihre Kosten.

Kleine Kunde der Tonbandgeräte 

Tonbandgeräte sind eine der ältesten Formen von Musik- und Tonabspielgeräten. In den 1930er Jahren wurden die ersten Vorläufer von Tonbandgeräten entwickelt: Drahttongeräte und Spulengeräte, die mit losem Stahldraht arbeiteten. Erste Vollspurgeräte mit Acetat-Bändern erblickten gegen Mitte der 30er Jahre das Licht der Welt.

Die Entwicklung schritt schnell voran. In den 1940er Jahren gab es die ersten Halbspurgeräte, die beim ersten Durchlauf nur auf die Hälfte der Breite des Bandes aufzeichneten. Auch die Aufhahmedauer nahm mit den neuen Geräten immer mehr zu.

Waren diese Modelle zunächst noch relativ unerschwinglich für den privaten Anwender, so änderte sich dies allmählich im Zuge der 1950er Jahre. Hier kamen die ersten Tonbandgeräte für den Heimbereich auf den Markt. Zuerst waren nur Monoaufnahmen möglich, gegen Ende des Jahrzehnts folgten die ersten Stereo-Geräte.

Der Kassettenrekorder kündigt sich an

Eine besonders „kompakte“ Form der Tonbandtechnik wurde zu Beginn der 1960er Jahre eingeführt: die sogenannte „Compact Cassette“. Die niederländische Firma Philips stellte diese auf der „23. Großen Deutschen Funkausstellung“ in Berlin vor. Die Audiokassette bestand aus einem beschichteten Magnetband, das auf zwei Spulen innerhalb eines robusten und stabilen Kunststoffgehäuses untergebracht war. Die Abmessungen dieses phänomenal kleinen Tonbands: 10,16 cm Länge x 6,35 cm Höhe x 1,27 cm Tiefe.

Neben der Kassette als Medium stellte Philips auch den dazugehörigen Kassettenrekorder vor. Der noch mit Transistoren bestückte Kassettenrekorder Philips EL 3300 war nicht nur als einfacher Player verwendbar, sondern konnte ebenfalls Audiokassetten bespielen. Für den unschlagbaren Preis von 299 DM läutete dieses Gerät den Siegeszug der Audiokassette ein.

Ursprünglich als Diktiergerät gedacht – ein externes Mikrofon konnte angeschlossen werden – veränderte der Kassettenrekorder schnell die Hörgewohnheiten. Besonders trug dazu die Möglichkeit des Batteriebetriebes bei. Das Hören und Aufnehmen von Musik und Ton wurde mobil und unabhängig von den heimischen Großgeräten.

Grund für zahlreiche schlaflose Nächte: der Radiorekorder

Aus den tragbaren Kassettenrekordern und den bis dahin üblichen tragbaren Transistorradios bzw. Kofferradios entwickelte sich in den 1970er Jahren der sogenannte Radiorekorder. Gerade bei Jugendlichen war diese Hybridform aus Radio und Kassettenrekorder sehr beliebt.

Besonders das Aufnehmen von Songs und Programmen aus dem Radio war weit verbreitet. Vor der Zeit des Radiorekorders musste man sich noch mit dem externen Mikrofon des Kassettenrekorders behelfen. Dies fiel nun ganz weg.

Im Verlauf der 1970er und frühen 1980er Jahre wurde der Radiorekorder immer weiter entwickelt. Ihm wurden leistungsstarke Verstärker und Boxen spendiert. Darüber hinaus wurden ihm weitere Komponenten hinzugefügt (Wecker-Funktionen, später auch CD-Player usw.)

Einen der wohl bekanntesten Typen des Radiorekorders stellt der sogenannte Ghettoblaster dar. Die Herleitung kommt aus dem Englischen: „blast“ steht für „Krach machen“. „Ghetto“ leitet sich von den Wohngebieten unterer Schichten her. Der Ghettoblaster spielt eine große Rolle in der Entwicklung der Hip-Hop-Kultur.

Der Walkman erobert die Welt

Als Sony den Kassetten-Walkman Mitte 1979 vorstellt, ist sich die Firma noch nicht bewusst darüber, welche jugendkulturelle Revolution sie mit diesem Gerät anstößt. Der Walkman war bzw. ist in den meisten Ausführungen zwar nur für die einfache Wiedergabe und nicht zur Aufnahme ausgelegt.

Dennoch wurde er in den 1980er Jahren zu einem wichtigen Statussymbol bei Jugendlichen. Das lag nicht nur daran, dass man „privat“ per Kopfhörer seine Musik hören konnte. Er war auch so klein und so kompakt, dass man ihn überall hin mitnahm. Das stellte den bisherigen Gipfel des mobilen Hörkonsums dar. Das Konzept wurde zu einem großen Erfolg.

Den Anfang machte dabei der Walkman TPS-L2, der heute als Klassiker gilt. Mit der Zeit entwickelten weitere Firmen ihre eigenen Modelle. Der kassettenbetriebene Walkman konnte übrigens auch über zwei Kopfhörerausgänge verfügen. Damit war das simultane Musikhören mit zwei Personen möglich.

Bei einigen Modellen besaß der Lautstärkeregler die Möglichkeit, den rechten und linken Audiokanal unabhängig voneinander zu regulieren. Sony stellte die Produktion des Gerätes erst im April 2010 ein. Bis dahin hatte der Konzern über 200 Millionen Exemplare seines tragbaren Kassettenspielers verkauft.

Die Audiokassette hat einige Eigenschaften, die sie über lange Jahrzehnte zum unangefochtenen Nummer-1-Medium für den Consumer-Bereich machte. Sie ist leicht zu handhaben und durch ihr Gehäuse auch relativ stabil und robust.

Das Gehäuse besteht dabei zumeist aus Kunststoff. In seltenen Fällen ist es auch aus Aluminium, Messing oder Keramik gefertigt. Das Tonband selbst gab und gibt es in verschiedenen Konfigurationen:

  1. Typ I mit Ferrit-Beschichtung
  2. Typ II mit Chromdioxid-Beschichtung
  3. Typ III mit Eisenoxid- und Chromdioxidbeschichtung
  4. Typ IV mit metallischen Partikeln

Je nach Typ kann die Beschichtung des Tonbands Einfluss auf die Wiedergabe, Aufnahme und auf den Klang der Kassette haben. So wird beispielsweise Kassetten des Typs I nachgesagt, dass sie einen „warmen“ Musikklang besäßen. Typ IV hingegen klingt etwas rauer im Gegensatz zu Kassetten des Typs II, die feiner klingen.

Neben den Unterschieden in der Bandbeschichtung haben Audiokassetten weiterhin spezielle Einkerbungen am Gehäuse. Anhand dieser Einkerbungen kann der Kassettenspieler ablesen, um welchen Typus und um welche Art des Tonbands es sich handelt.

Handelsübliche Leer-Audiokassetten sind für die Aufnahme von 60, 90 bzw. 120 Minuten ausgelegt. Bespielte Musikkassetten erfreuen sich nach wie vor noch größter Beliebtheit im Kinder-Hörspielbereich.

Je nach Ausführung – ob Kassettenrekorder, Radiorekorder oder Walkman – haben tragbare Kassettenspieler eine Reihe einfacher Funktionen. Zum einen besitzen Sie die normalen Wiedergabefunktionen:

  • Wiedergabe der Aufzeichnung
  • Aufnahme (dadurch wird die vorherige Aufzeichnung gelöscht, es sei denn, die Löschschutz-Laschen der Kassette werden aufgebrochen)
  • Rücklauf (auf die Abwickelspule)
  • Vorlauf (auf die Aufwickelspule)
  • Stopp
  • Pause

Darüber hinaus verfügen Kassettenspieler über eine Reihe weiterer Funktionen:

  • Auswurftaste zum Öffnen des Kassettenfachs und zur Entnahme der Kassette
  • Verschiedene Buchsen für Ein- und Ausgänge
  • Kopfhörerausgang
  • Aussteuerungsanzeige samt Regler und Automatik
  • Ein Bandwahlschalter oder Bandsortenwahlautomatik

Dies sind nur die Grundfunktionen der meisten tragbaren Kassettenspieler. Je nach Anwendungszweck, Modell und Preisklasse können noch weitere Eigenschaften hinzutreten. So sind viele Kassettenspieler mit Radioempfängern ausgestattet, besitzen Auto-Reverse-Systeme, eine einstellbare Bandvormagnetisierung oder einen automatischen Bandsuchlauf.

Eliminiert das Grundrauschen: Rauschreduzierung

Einer der sehr verbreiteten Funktionen bei tragbaren Kassettenspielern – wenn man einmal von den ältesten Modellen absieht – ist die Rauschreduzierung. Das bekannteste Verfahren wurde von Dolby entwickelt.

Dolby-B war in vielen Kassettenspielern fester Bestandteil. Das Nachfolgerverfahren Dolby-C gelangte auch noch einmal zu weiter Verbreitung. Dessen Nachfolger dagegen wurde aufgrund des allmählichen Niedergangs der Kassette in den 1990er Jahren weniger verwendet.

Andere Verfahren zu Reduzierung des immer präsenten Bandrauschens kamen von Telefunken (High Com) oder Philips (Dbx, DN). Sie hatten allerdings nur eine geringe Bedeutung.

In den Angeboten der eBay-Anbieter finden Sie eine große Palette von unterschiedlichen Modellen tragbarer Kassettenspieler. Interessieren Sie sich für Ghettoblaster und andere Radiorekorder? Oder möchten Sie nach einem Walkman suchen?

Trotz ihres scheinbaren Untergangs sind die Audiokassette und ihre Abspielgeräte immer noch präsent. Und das besonders im Verbund mit anderen Medien. Radiorekorder mit Kassettenspieler, USB- und SD-Karten-Anschluss, MP3- und CD-Player sind beliebte Artikel.

In den Auktionen finden sich auch alle maßgeblichen Markenhersteller von tragbaren Kassettenspielern wieder. Hier ist natürlich Sony zu nennen, aber auch Aiwa und Panasonic. Von Philips werden Sie genauso Produkte vorfinden wie von JVC.

Trotz aller neuen Formate und Medien, der tragbare Kassettenspieler ist immer noch da. Freilich ist er mittlerweile kein Massenmedium mehr, wie er es in der Zeit zwischen den 1960er und 1990er Jahren war. Die Kassette hat ihre Nische gesucht und gefunden.

Dabei hat sie besonders in Form der Radiorekorder überlebt. Diese sind mittlerweile nicht mehr nur ausschließlich Kombinationen aus Radio und Kassettenrekorder. Die Geräte sind heutzutage mit einer wahren Vielzahl an zeitgemäßen Funktionen ausgestattet – von USB bis MP3.

Der wohl bekannteste tragbare Kassettenspieler – der Walkman – hat sich mittlerweile auch weiterentwickelt. Als MP3-Player ist er in die digitale Welt übersetzt worden. Sein Vorfahre, der kassettenbetriebene Walkman, löste eine große Welle von Begeisterung bei den Jugendlichen aus.

Was für uns heute ganz selbstverständlich ist, wurde durch tragbare Kassettenspieler erst möglich gemacht. Die Musik überall hin mitnehmen zu können war eine kleine Revolution. Mit Musik und Ton mobil zu sein, änderte die Hörgewohnheiten von vielen.

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