Eine Schiffsreise oder wie man Wasser zu Geld macht !

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Ein Reisebericht von wernerweith
Auf der MSC Opera - 12.08.2007
Eine Schiffsreise oder wie man Wasser zu Geld macht
Wenn einer eine Reise tut, oder ein kleiner Erfahrungsbericht über eine Kreuzfahrt mit der MS OPERA nach Norwegen oder wie man Wasser zu Geld macht.
Mit der Anmeldung begann das, was man Kreuzfahrt nennt. Nee, buchen bei der Reederei geht zwar, aber billiger ist es bei dem Vermittler? Wieso eigentlich ? Irgendwie kommt zwangsläufig die Frage nach den Kosten. Die bunte Werbung mit Bild, Schiff und Stadt nennt immer den Einstiegspreis, aber zwischen Kohlenbunker und next der Kapitänsbehausung liegen große „ Wellenberge “. Mit Hilfe von erfahrenen Kreuzfahrern war uns bald klar, es sollte schon eine Außenkabine sein, da man sonst nur Wände sieht. Die Wahl ward schnell getroffen – die Formalitäten geklärt. Die Termine wurden fixiert und Anzahlung geleistet. Was folgt war eine ganze Menge Papier, wie es bei allen Auslandsreisen üblich ist.
In dem Schriftkram war dann wohlverpackt das Leistungspaket beschrieben.
Es beinhaltete:
1. Die Busfahrt mit Transfer zum Einschiffungsort und zurück.
2. Den Transport des Gepäcks vom Bus an Schiff
3. Die Unterbringung in der gewählten Kabine
4. Verköstigung mit Speisen d.h. Frühstück, Mittag und Abendessen
5. Bordunterhaltung
6. Benutzung der Bordeinrichtungen, soweit diese nicht kostenpflichtig
Da man im Laufe der Zeit auch negative Erfahrungen mit Anmeldungen zu Reisen gesammelt hat, versteht es sich von selbst auch die vollblumigen Werbeaussagen auf die kleinen Fallstricke zu prüfen, oder wie man es im Zeitalter der Handyverträge sagt – das Kleingedruckte aufmerksam zu lesen. Aus der Vorinformation war bekannt, dass es sowohl derartige Reisen als Komplettangebot gibt, ( auch flat genannt ) wie auch solche die nach Einzelleistung abrechen. Dieser kleine aber feine Unterschied hat seine Befürworter und auch Ablehner.
Gerade für die nördlichen Länder ist wegen der Unterschiedlichen Witterung eine Doppelpackung an Kleidung notwendig, was im Gegensatz zu Reisen in den Süden dann einiges mehr an Menge und Gewicht ausmacht. Mit dem Halbwissen aus den Vorinformationen wurde sodann bei dem Vermittler die Frage gestellt, ob den eine Preisliste für die kostenpflichtigen Nebenleistungen vorliege was verneint wurde. Auf Nachfrage wurde dann aber mitgeteilt, dass Getränke als Paket zum Essen gebucht werden könne. Was diese beinhalteten war jedoch nicht auszumachen. Einige Tage vor dem Beginn der Reise kamen dann die Details wie Abfahrzeit des Busses und der Hinweis auf mögliche Servicedienste wie Hausabholung und Gepäckdienste, was für ältere Reisende sicher eine willkommene Hilfe bedeutet. Dieses wohlverstanden als Sonderleistung was in Ordnung geht. Ob der hierfür geforderte Preis gerecht ist, sei hier nicht diskutiert.
Was aber als Novität bei Land und Seereisen in diesen Bestätigungsschreiben auftauchte, war die Limitierung auf 2 Koffer mit je 25kg für 2 Personen.
Originaltext: Achtung: Bitte achten Sie darauf, aufgrund der Stauraumbegrenzung im Bus Ihr Reisegepäck auf maximal zwei Gepäckstücke ( zusammen höchstens 25kg pro Person zu begrenzen !
Bei Flugreisen völlig normal, wird hier stillschweigend eine Gewichtsbegrenzung eingeführt, die man aber durch eine Sonderzahlung erhöhen kann. Nur von einer solchen Beschränkung war im Angebot an keiner Stelle – auch nicht versteckt – die Rede gewesen. Auch ob man für eine kurze Reise von 7 Tagen diese Gewichtsvorgabe ausnutzt, sei auch hier nicht diskutiert, beanstandet wird nur die nachträgliche Einführung.
Pünktlich begann die Reise in der Frühe um 4:30 Uhr in Essen. Der Zubringerbus sammelte längs durch Deutschland seine Gäste ein. Aber was macht man mit dem Satz:
Aufgrund verkehrsbedingter Verzögerungen gilt der Ankunftszeit im Hafen respektiv die Ankunft am Zielort auf der Rückreise als Richtwert. Bitte denken Sie daran, dass der Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel dadurch nicht garantiert werden kann.
Nach Zwischenstopp auf einer Raststelle ging es dann pünktlich zum Terminal der Einschiffung. Das Gepäck ward inzwischen von guten Geistern verladen. Langsam füllte sich die Wartehalle und es begann an zwei Ständen der Verkauf von Getränkebons und Ausflugpaketen. Der Aufruf dann endlich an Bord zu gehen, folgt dem Ritual der Luftfahrt. Das Mensch und der Handgepäck werden durchleuchtet. Hier wird bereits höllisch darauf geachtet, dass keine Getränke an Bord gelangen, was sich bei späteren Landausflügen als Ritual immer wiederholte, aber erst bei der Gesamtbetrachtung als Prinzip zu erkennen war.
Da bei Menschen ohne Vorkenntnis von Kreuzfahrten sicher einiges neu und unbekannt bei Betreten des Schiffes ist, wurde jedem Neuankömmling ein Fährtenführer beigestellt, der mit Ortskenntnis den Gast in die richtige Kabine geleitet. Dieses, als ein Erstkontakt mit einer riesigen Schar von Servicepersonal die zu 90% aus den Ländern Asiens bestehen. Die Leitungsfunktionen sind italienisch besetzt, der Servicebereich ist vorwiegend indonesisch geprägt. Die Sprache an Bord ist eine Mischung von Pidgin English + Universal – English mit deutschen Minimaleinlagen. Hinzu kommt noch die Deutungssprache, was aber für den Alltag an Bord durchaus reicht. Die Kabinen, stets sofern man eine Außenkabine gebucht hat, stellt positiv eine kleine aber funktionale Welt dar. Man nimmt teil an dem Geschehen der Startvorbereitung. Es mag total anders sein, wenn man lediglich eine so genante Innenkabine gebucht hat. Hier besteht die Aussicht vorwiegend in Form von Wänden.
Es folgt der Besuch des Speisesaals, in Form eines Buffets, das sich farbenfroh und kalorienreich dem Neuankömmling anbietet. Hier entsteht der direkte Kontakt zum Servicebereich. Mit den Fanfaren der Schiffssirenen geht es dann endlich los. Ein Sturm auf das Buffet beginnt. Alle rennen und fressen um Ihr Leben. Es bilden sich lange Schlangen von ausgehungerten gut genährten Reisenden. Wir beschließen, uns in den Speiseräumen zu stärken, wo es bedeutend ruhiger zugeht. Mit dem Besuch der Verpflegungsstätte tritt der Kreuzfahrtreisende dann in das Labyrinth der Getränkekarten ein. Es fällt auf, dass auf den Gebrauch von Wasser auf den Tischen gänzlich verzichtet wird. Jedes Getränk ist zu bestellen. Außer Kaffee / Tee per Beutel während des Frühstücks im Selbstservicebereich besteht keine Chance an Flüssigkeit zu kommen. Über den Sinn wird noch zu berichten sein. Ob das Wasser des Wasch und Toilettenbereichs trinkbar ist, wurde nicht untersucht. Auf jeden Fall wird hier mit dem Studium der Getränkekarten deutlich, dass es als ein Hauptanliegen der Reise ist, dem Gast viel Wasser zu verkaufen. Die Preise für Wasser oder anderen wasserhaltigen Getränken sind mit den teueren Autobahngast oder Pinkelstätten durchaus vergleichbar. Wasser in jeder Form, wird nur über ein feudales System der Bestellung bei einem der vielen Servicemitarbeiter, in die Mägen der Gäste gelassen. Was den Bereich der alkoholhaltigen Getränke anbelangt, so schlägt hier die Enklave Schiff alle Rekorde. Hier werden vorwiegend mittelprächtige italienische Weine gewinnbringend an Mann oder die Frau verhökert. Alles, aber auch alles was den Getränkebereich anbelangt unterliegt dem Gesetz der Gewinnmaximierung. Hier wird auch deutlich, warum eine Menge Aufwand getrieben wird, den Gästen bei Landgang einen Kauf von durstlöschenden Getränken zu verwehren. Als Beweis für die Planung dieses Systems mag ein Muster für die Durchleuchtungsanlage im Eingangsbereich gelten, wo Flaschen in verschiedenen Formen dargestellt sind, damit auch der ungeübte Bordprüfer diese aus dem Mitbringseln aufspüren kann. Man kann es kurz auf die Formel bringen:
Wasser, Wasser über alles, Wasser in der ganzen Welt !! Wasser trinken – Wasser kaufen bringt dem Schiff das meiste Geld!!
Was ebenfalls in die Rubrik „ Geld machen „ gehört ist die professionelle Vermarktung von Bordfotos. Es ist fast unerträglich, dass bei allen Gelegenheiten ein Schwarm von Fotografen herumgeistert, um Fotos zu machen und diese an den Mann oder Frau zu bringen. Und dieses, wie es das Geschäftsziel fordert, zu überzogenen Preisen.
Was wäre eine Kreuzfahrt, wenn nicht auch das Thema mit den Trinkgeldern auf den Tisch kommen würde. In einer Vorabrechnung erscheint eine moralische Belehrung über die freiwillige zwangsläufige Abgabe von Trinkgeldern. Nach intensiver Befragung von einzelnen Mitarbeitern des Servicebereichs kam heraus, dass Trinkgelder bereits in der Entlohnung enthalten sind. Aus diesen Gründen stellen diese Zahlungen nach den Ergebnissen der kleinen Umfrage keine leistungsbezogene Zusatzeinkommen des Personals dar, sondern einen Zusatzgewinn des Unternehmens. Trinkgeld sollte aber nach unserem Verständnis nur für einen über dem Durchschnitt liegenden persönlichen Einsatz gezahlt werden, aber keinesfalls für einen Dienst der mit dem Reisepreis bereits abgegolten ist.
Nach alle dem folgte dann am Sonntag den 19.8.2007 die Ausschiffung in Kiel. Ob nun das Schiff zu früh oder der Bus zu späht – man stand einfach ohne weitere Information auf der Straße. Erst auf massive Frage nach dem Weitertransport kam dann nach einer Stunde die Botschaft – der Bus ist unterwegs. Irgendwie ging es dann weiter. Ein Lob der Busfahrermannschaft – man hatte etwas zu trinken an Bord. Und als Novum der ganzen Fahrt – gab sogar Würstchen. Und das Ganze nicht zu Schiffspreisen ( Freudenhauspreisen ) So hat dann doch die Fahrt einen guten Abschluss gefunden.
Wenn man die positiven und die negativen Eindrücke als Bewertung zusammenfasst, so sollten auch die recht guten Leistungen der Künstler / Artisten / Sänger des Bord - Theaters nicht unerwähnt bleiben. Besonders hervorzuheben sind: Das Gesangsduo mit Jazz und die Gruppe mit südamerikanischen Rhythmen. Hier wird mit großem Engagement gearbeitet. Was die so genannte „Animationstruppe“ anbelangt, so sind eine Reihe von „ gang pattern „ einfach peinlich. Aber wenn das Volk es so will; dann ok !!
Fazit: Eine Kreuzfahrt ja, aber mit dem Basiswissen nach dem Versuch „ OPERA „ ein besser passendes Schiff mit einem leichten Hang zur Perfektion - ohne die störenden Begleitumstände - sollte es schon sein. Das bedeutet für die „OPERA“ bitte nicht noch einmal.
Mit freundlichen Grüßen

P.S.:
Bei der Ausschiffung in Kiel wurde ein Koffer aufgerissen. Man verschloss den offenen Koffer mit Klebeband. Man verweigerte die Angabe einer postalischen Anschrift zur Ersatzbeschaffung. Erst durch Einschaltung des Reisebüros wo die Reise gebucht worden war, gelang es die postalische Anschrift in München zu erhalten. Wie nicht anders zu erwarten, stellt man sich bockig was das Thema Ersatz anbelangt. Man verlangt neben dem Nachweis eines schuldhaften Verhaltens und ein Gutachten über den Zustand des Koffers vor Reiseantritt. Dieses obwohl von der Besatzung der MSC OPERA der Schaden dokumentiert und bestätigt wurde. Der Schriftverkehr läuft jetzt seit 3 Monaten ohne Einigung. Also Vorsicht - wenn ein Schaden eintritt - man vermeidet alles was den Ertrag reduziert

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