Ein paar Infos über Pager (Funkrufempfänger)...

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Hallo!

Vielen Dank für das Interesse an meinem Ratgeber.

In diesem Beitrag will ich Euch/Ihnen ein paar Tips geben, wenn hier bei ebay der Erwerb eines Funkrufempfänger (Pager) angedacht ist. Da ich mich selbst schon seit ein paar Jahren mit diesem Thema befasse (bin lizenzierter Funkamateur und sammele die kleinen Stücke), sind mir bei der ebay-Plattform schon einige recht kuriose Auktionen aufgefallen, wo Zweifel an den dort getätigten Aussagen durchaus berechtigt sind.

Im nachfolgenden greife ich exemplarisch ein paar Beispiele auf, die sich auf vermeintliche Eigenschaften von Funkrufempfängern beziehen:

1. Eurosignalempfänger als Funkmeldeempfänger für Feuerwehr/Rettungsdienst
Vereinzelt werden noch bei ebay Eurosignalempfänger angeboten.  Teilweise wird angegeben, dass diese nach Umbau auch für die Alarmierung im BOS-Bereich genutzt werden könnten, da sie ja im 4m-Band arbeiten.
Kurz ein paar Daten zum Funkrufdienst Eurosignal: Der Funkrufdienst wurde in Deutschland von 1974-1998 betrieben. Einige können sich vielleicht noch an die durchlaufenden Tonfolgen erinnern, wenn man den Empfangsregeler am Radio ganz nach links gedreht hat. Das war Eurosignal. Ein Funkrufdienst mit schlichtem Komfort, der aber eine enorme Reichweite hatte. Pro Empfänger hatte man bis zu 4 Rufnummern, die man vergeben konnte.Der Pager zeigte bei eingehendem Ruf an, wer sich gemeldet hat und man hat dann die vorher vereinbarte Rufnummer angerufen. (ähnlich Cityruf Nur-Ton). Zudem musste man wissen, wo sich ungefähr der Träger des Eurosignalempfängers aufhielt (Nord, Mitte oder Süd von (West-) Deutschland. Dementsprechend wurde eine Vorwahl der jeweiligen Funkrufzentrale und ann die Rufnummer des Empfängers gewählt.
Nur: Wie baue ich jetzt den Empfänger um, dass er im BOS-Funk arbeitet?
Das einfachste daran wäre noch, die Quarze auszutauschen, damit der Melder zumindest frequenzmäßig schon mal eingestellt ist. Jetzt kommen aber die Probleme: Eurosignal hat als Modulationsart Amplitudenmodulation verwendet, der BOS-Funk nutzt, wie die meisten Sprechfunkdienste auch, Frequenzmodulation. Die Signal, die der Pager auf der neu eingestellten Frequenz empfängt sind völlig verzerrt. Will heißen, der Modulator muss umgebaut werden. Als nächstes verfügen Eurosignalempfänger über eine permanente Feldstärkenüberwachung, d.h. sie überwachen den Kanal auf ein bestimmtes Tonmuster, was die Sender früher dauerhaft ausgestrahlt haben. Fehlt dieses, geben sie optischen und akustischen Alarm von sich. Dieses müsste also auch deaktiviert werden. Das nächste Hindernis stellt die Rufauswertung dar: Im BOS-Funk wird 5-Ton nach ZVEI 1 verwendet. Eurosignal nutze 6-Ton nach einer CCIR-Variante. Die Schleifen wurden in einem PROM abgespeichert. Das ganze Rufauswertung im Eurosignalempfänger muss umstrukturiert werden.
Das alles ist nicht mit ein paar Lötarbeiten im Empfänger realisierbar sondern ist sehr kosten- und zeitaufwendig, und ob es zum Erfolg führt, ist ebenfalls fraglich. Es kommt billiger, wenn man sich einen "richtigen" FME für das 4m-Band zulegt.
Fazit: Eurosignalempfäger gehören in die Vitrine um seinen Kindern oder Interessierten zu zeigen, wie es vor dem Handy war.

2. Quix, Telmi und Co um Personen zu erreichen
Immer wieder tauchen in Auktionen von oben genannten Empfängern die Behauptung auf, man könne damit seine Kinder etc. anpiepen. Eben als kostengünstige Alternative zum Handy.
Leider wird  folgende Tatsache übersehen oder verschwiegen: Die Funkrufdienste Telmi und Quix sind beide seit 2001, bzw. 2000 abgeschaltet worden. Die Infrastruktur der Rufdienste ist längst abgebaut worden, auch die Zugänge sind tot.
Nun könnte sich ja ein Leser  melden und sagen: "Bei mir ist auf der Telmi-Frequenz aber noch Betrieb; deine Aussage stimmt nicht." Diese Frequenz wird weiter benutzt, aber nicht für Telmi , sondern zur Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Wer nach "bos-alamierung" googelt, wird schnell den Betreiber finden, und auch eine ausführliche Erklärung, um was es geht (e*BOS).
Die Empfänger selber sind für ihren eigentlichen Zweck nicht mehr brauchbar. Einige können durch Umquarzung auf die Funkruffrequenz des Amateurfunks gebracht werden. Ansonsten eignen sie sich als Reisewecker. Auch das Umprogrammieren gerade bei Telmi-Empfängern durfte nicht ohne Aufwand zu bewerkstelligen sein. Jeder Pager hat sein eigenes Programmierpasswort., welches sich aus der RIC  (Radio Identification Code) errechnet. Entweder man hat sein Passwort oder man muss versuchen, durch einen Hardwareeingriff am Pager, das Passwort zu löschen.
Scall wurde im Prinzip auch abgeschafft. Einige Pager tun aber wohl noch ihren Dienst. Neu einbuchen geht aber nicht mehr.
Um trotzdem jemandem per öffentlichem Funkruf zu erreichen, bleiben die Funkrufdienst Skyper und Cityruf über. Beim Skyper hat man pro Tag einen Ruf frei (bei Rufaussendung via Internet), jeder weitere wird berechnet; eine Grundgebühr gibt es nicht, es sei denn, man hat ein Abo für Zusatzdienste. Cityruf kostet je nach gewünschten Leistungsmerkmalen zwischen 9-18€/Monat.
P.S. Die Frequenz von Quix steht bei der Bundesnetzagentur zum Verkauf. Wer Interesse und das nötige Kleingeld hat, kann sich gerne dort melden...

3. Nicht immer ist ein 5-Ton Pager BOS-tauglich...
Wer nach einem analogen Funkmelder im 4m-Band für den Feuerwehr/Rettungsdiensteinsatz sucht, findet manchmal vermeintliche Schnäppchen bei ebay. Da sieht man z.B. Swissphone Joker oder Memo, der augenscheinlich relativ preisgünstig ist. Hier ist es wichtig, die Auktion genau unter die Lupe zu nehmen. Zur Info: Die Alarmierung im 4m-BOS Funk findet zwischen 84-87,3MHz statt, also im Oberband. Das heißt, der Pager muss diesen Bereich empfangen können. Nun gibt es aber noch andere Bedarfsträger im 4m-Band, die ebenfalls Funkmeldeempfänger einsetzen. (Ja, richtig gelesen. Das 4m-Band gehört nicht allein den BOS, die sind nur ein kleiner Nutzer dieses Bereiches, der sich von 68-88MHz erstreckt) Dementsprechend werden auch für diese Anwender Pager angeboten. Daher gibt es z.B. den Swissphone Memo im 4m-Band für den Bereich 68-74MHz, ,74-81MHz und 81-88MHz. Auch zu beachten ist, das der "BOS-Memo" eigentlich nur ein Einkanalempfänger mit einem 5khz-Versatz in der Frequenzprogrammierung ist. Den Betriebsfunkversionen feht dieser Versatz (auch nicht nachprogrammierbar, es ist zusätzlich ein Hardwareeingriff erforderlich). Daher lassen gerade in der MK- bzw. MKA Version nicht alle gewünschten BOS-Kanäle einstellen. Das die MK und MKA-Versionen keine BOS-Zulassung haben, sollte mittweile aber rumgeschwiegen haben, also mit Vorsicht zu genießen.
 Motorola und Niros haben ebenfalls solche FME´s im Angebot. Ein Umbau eines falscherworbenen günstigen Pagers kann teurer werden, als einer der bereits im richtigen Teilbereich eingestellt war. Wenn diese Informationen in der Auktion fehlen, nachfragen. FME´s gibt es überings auch für das 2m und 70cm-Band,die sich rein äußerlich alle ähnlich sehen. Fragt also immer genau nach, wenn diese Infos fehlen. Nicht selten wurde ein 2m-Pager als 4m-Band verkauft und dann war der Ärger groß. Im Zweifelsfall lieber die nächste Auktion abwarten.
Nachtrag: Der RE429(NT) kann im Falle eines Fehlkaufes auf den gewünschten Frequenzbereich umgebaut werden. Preis: ca. 80Euro.(bei Funkwerkstatt erfragen) Dazu kommen dann noch die Kosten für Bequarzung, Abgleich und Programmierung.
Der Nostalgiepager  FME165 kann auch durch den Austausch einiger Bauteile zum FME85 umgerüstet werden.

Ab und zu tauchen auch sog. Quittungsrufempfänger auf und werden als BOS tauglich angeboten (Beispiel Swissphone sherpa oder Bosch QRE83). Die Empfänger wurden entwickelt, damit man einen eingehenden Ruf auf seinem Mobilfunkgerät nicht verpasst, wenn man gerade nicht im Auto sitzt. Da diese Pager nur in einem Umkreis von 300m vom Kfz funktionieren sollen, sind die Empfänger absichtlich relativ taub. Zudem können sie nur Tonsignale von sich geben, eine Sprachdurchsage ist nicht möglich.
Fazit: Schaut genau hin, was Ihr ersteigern wollt. Bei Unklarheiten, Verkäufer befragen oder zur Not Hersteller kontaktieren. Das erspart Ärger.

4. Nicht immer ist ein Digitalpager BOS-tauglich...
Ich wundere mich immer wieder, wie oft in Auktionen Pager als BOS-tauglich angeboten werde, obwohl sie nicht das Geringste damit zu tun haben.
Ein Digitalpager, der im BOS-Band arbeiten soll, muss folgenden Bedingungen erfüllen:
Er muss im Bereich von 165-169 oder 172-174MHz empfangen können. Er muss das Funkrufprotokoll POCSAG unterstützen.
Manchmal wurden Quix, Telmi oder Cityruf als BOS-tauglich empfohlen, wenn man sie "geringfügig" umbaut. Der Umbau besteht zunächst immer darin, dass bei diesen Pagern, die Empfangsplatine ausgetauscht werden muss, da Quix und Co bei 448MHz bzw Cityruf bei 466MHz arbeitet. Ein Quarztausch reicht da nicht. Die Platinen kosten ohne Quarz zwischen 80-150Euro, der Quarz 25Euro. Dazu kommt dann noch der Abgleich in einer Fachwerkstatt, die das natürlich auch nicht umsonst machen. Danach müssen die Gerät neu programmiert werden. Dazu ist ein Programmieradapter und die jeweilige Programmiersoftware erforderlich. Wie schon erwähnt, besitzen einige Pager ein Programmierpasswort, das man natürlich kennen muss. Zu guter Letzt hatte Temi auch neben dem Protokoll POCSAG das Protokoll FLEX abgestrahlt. Diese Pager lassen sich auf POCSAG nicht umändern.
Es werden ab und zu Pager im 152MHz-Bereich angeboten, die man eben nur umquarzen müsste. Falsch! Die Empfängerboards haben meist eine Breite von 3MHz. Um den Pager im 2m-BOS zu betreiben, muss entweder die Empfangsplatine umgebaut oder gleich die richtige eingebaut werden+Quarz. Wird also auch teuer.
Wenn in dem Funkrufnetz, in dem Eurer/ihr Pager arbeiten soll, eine Verschlüsselung benutzt wird, scheiden die Bastellösungen eh aus, da hier nur sehr wenige BOS-Pager in Frage kommen (Swissphone Patron oder BOSS mit IDEA oder Motorola LX2/4 mit der Option AES Verschlüsselung)
Es gibt auch relativ preiswerte Pager, die man selbst am Gerät programmieren- und dann verwenden kann.(auch hier keine Verschlüsselungsoption verfügbar!)  Es sei nur erwähnt, das die Geräte keine BOS-Zulassung besitzen. Der Betrieb ist also mit Vorsicht zu genießen.
Vereinzelt taucht in Auktionen der Motorola Advisor in der Version "Inforuf IN1" auf. Er wurde Anfang/Mitte der 90´er als Börsenpager mit Cityruffunktion genutzt. Er besitzt eine eigene Firmware und ist mit den in Umlauf befindlichen Programmiersoftwareversionen nicht programmierbar.

Noch was zum Swissphone DE505/16 (Urpatron) bzw DE305/16 (Roter Hahn): Ein Umquarzung auf eine andere Frequenz ist zwar technisch möglich, jedoch ist zu beachten, das zusätzlich zum Quarz auch der passende Quarzfilter benötigt wird. Dieser ist mittlerweile schwer zu bekommen und liegt zwischen 50-60Euro.

Ein Wort noch zu Preisen von gebrauchten Funkmeldeempfängern, egal ob analog oder digital:
Die Preisvorstellung einiger Verkäufer bzg. Ihres Funkmeldeempfängers scheint von einer gehörigen Portion Phantasie getragen worden zu sein. Anders kann ich mir ein Startgebot von gut 100€ für einen FME85 nicht erklären. Fakt ist: Das Gerät wurde 1985 für 800DM verkauft.
Im Jahr 2012 soll er noch für 25% des Neuwertes MINDESTENS verkauft werden...
Nächstes Beispiel aus 2000. Neupreise für den Swissphone Joker: 850DM (Abverkauf), Swissphone Memo 1169DM. (BOS Version)
Im Jahr 2012 liegt der Preis hier bei 150-200€ wenn nicht noch mehr. Für ein Gerät, was schlimmstenfalls aus 1992 stammt...
Und warum ich für einen Quattro 96 zwischen 150-300€ bezahlen soll (Wir erinnern uns: es handelt sich um einen FME mit Quarzoszillator und nur 4 Adressen), ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Gerät ist im Schnitt 15Jahre alt. Das gleiche Modell, nur mit der Empfangsfrequenz im 164MHz Bereich hat mich im Juli 2014 nur 42€ gekostet, komplett intakt... Das ist ein reeller Wert für das Gerät dieses Alters.
Beim Swissphone BOSS DE900 das gleiche: Es ein Pager, der auf seine Frequenz bequarzt werden muss und kann max 8 RICs. Warum der über 200€ kosten soll...
Die Abkürzung "BOS" scheint ein Preisgarant zu sein, mit dem selbst für ein UrAlt Gerät utpoische Preise gerechtfertigt werden.
Würdet Ihr für ein 15 Jahre altes Auto noch 30-40% des Neuwertes zahlen? Warum dann bei diesen Produkten?


Schaut beim Kauf genau hin , was in der Auktion angeboten wird und was das Teil können soll. Ich will keinem Verkäufer vorsätzliche Täuschung unterstellen, nur manchmal klingt die Aussage "Ich habe absolut keine Ahnung was das da ist und weiß nicht , ob es noch funktioniert" sehr unglaubwürdig. Einfach vor dem Verkauf eine Batterie einlegen und schauen, was passiert.Oder: Mal aufmachen und reinschauen. Mir ist noch kein Fall bekannt, wo daraufhin ein Pager explodiert und beim Besitzer ernsthafte Verletzungen verursacht hat...

Ich hoffe, ich konnte Euch/Ihnen mit diesem Beitrag behilflich sein.
chrischan9
 
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