Ein echter Zockbuster: World of Warcraft kommt ins Kino!

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Wenn Computerspiele verfilmt werden, sind die Resultate oft wenig berauschend – man erinnere sich mit Schaudern an Hitman, Doom oder Prince of Persia. Duncan Jones' Warcraft-Adaption will’s besser machen, mit viel Respekt vor der Spielserie, Liebe zum Detail  und imposanten Orcs aus der Trickwerkstatt ILM. Unser Gaming-Experte Heinrich Lenhardt verrät, ob der Film hält was er verspricht, wie nah er wirklich am Original ist und ob sich auch für Nichtzocker das Anschauen lohnt.
Die Orcs aus der Welt der Kriegskunst erobern die Kinoleinwand. (© Universal / Legendary Pictures)
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Die Orcs aus der Welt der Kriegskunst erobern die Kinoleinwand. (© Universal / Legendary Pictures)
Vielversprechend: das Filmplakat zum Action-Spektakel. (© Universal / Legendary Pictures)
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Vielversprechend: das Filmplakat zum Action-Spektakel. (© Universal / Legendary Pictures)

Vor dem Start gab es jede Menge Zoff

Millionen von Spielern kennen die Fantasy-Welt Azeroth wie ihre Westentasche, denn auf dem Weg zur Höchststufe im Gaming-Abenteuer World of Warcraft kommt man gut herum. Ende August erscheint mit Legion bereits die sechste Spiel-Erweiterung, die ganz neue Zonen, Quests und Geschichten enthält. Ähnlich komplex und langwierig gestaltete sich die Entstehung des offiziellen Warcraft-Films: Bereits 2006 hatte Spielanbieter Blizzard eine Kooperation mit Filmstudio Legendary Pictures angekündigt, am 25. Mai 2016 ist dann endlich Kinostart für Warcraft – The Beginning. Im Laufe der Jahre gab es Zoff um Story und Drehbuchversionen, bis man sich schließlich auf eine Rückkehr zur Anfangsgeschichte der Warcraft-Serie einigte – und einen ausgewiesenen Orc-Versteher auf dem Regiestuhl Platz nehmen ließ.
Der aus der TV-Serie Vikings bekannte Travis Fimmel spielt Ritter Anduin Lothar. (© Universal / Legendary Pictures)
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Der aus der TV-Serie Vikings bekannte Travis Fimmel spielt Ritter Anduin Lothar. (© Universal / Legendary Pictures)

Ein Fantasy-Spektakel, nicht nur für Spielkenner

Der Film besinnt sich auf die Anfänge der Spiele-Serie zurück. Denn obwohl World of Warcraft heute der bekannteste Teil ist, ist er beileibe nicht erste und spannendste Vertreter der Serie. Die startete schon im November 1994 mit dem Echtzeitstrategiespiel Warcraft: Orcs & Humans. Dort tauchen kriegerische Orcs aus dem Nichts auf und überfallen Siedlungen des Menschenreichs – da wird es König Llane Wrynn in der Hauptstadt Sturmwind ganz schön mulmig unter der Krone. Bemerkenswert an dem Computerspiel-Oldie ist das Erzählen der Geschichte aus beiden Perspektiven: es gibt je eine Storykampagne für Menschen und Orcs. Und das spiegelt sich auch im Film wider: Die großen Grünen sind nicht einfach nur primitive Bösewichte, so wie man es aus der Fantasywelt von Der Herr der Ringe kennt. Die Warcraft-Orcs haben ihre eigene Kultur und Motive, zu ihren Anführern gehören nicht nur Kriegstreiber, sondern auch weise Pragmatiker wie Durotan, der im Film von Toby Kebbell dargestellt wird. Schafft er es zusammen mit Anduin Lothar (Travis Fimmel), den Krieg zwischen Menschen und Orcs zu beenden? Und welche Rolle spielen dabei der mysteriöse Magier Medivh (Ben Foster), sein Lehrling Khadgar (Ben Schnetzer) und die Halb-Orcin Garona (Paula Patton)? Diese Charaktere stehen im Mittelpunkt der Filmhandlung, die keinerlei Spielkenntnisse voraussetzt – aber viele kleine Anspielungen und Wiedererkennungsmomente für World-of-Warcraft-Kenner verspricht.
Im Sturzflug fliegt Travis Fimmel alias Anduin Lothar in die Schlacht. (© Universal / Legendary Pictures)
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Im Sturzflug fliegt Travis Fimmel alias Anduin Lothar in die Schlacht. (© Universal / Legendary Pictures)
Regisseur Duncan Jones hat Gaming-Kompetenz. (© Universal / Legendary Pictures)
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Regisseur Duncan Jones hat Gaming-Kompetenz. (© Universal / Legendary Pictures)

Drehbuch-Veto von Blizzard

Spielentwickler Blizzard hatte bei der Verfilmung einiges zu sagen und machte von seinem Veto-Recht Gebrauch. Sehr zum Unmut von Sam Raimi: Der renommierte Regisseur (Spider-Man) hatte an einer Drehbuchversion mitgearbeitet, die Blizzard letztendlich ablehnte. Das lag vor allem an der Unterteilung der Völker in ein Hollywood-typisches Schwarz-Weiß-Schema: Hier die „guten“ Menschen, da die „bösen“ Orcs. Raimi schmiss das Projekt schließlich hin und machte so den Weg für Duncan Jones frei, der schon seit einiger Zeit bei Legendary Pictures angeklopft hatte, weil ihn das Warcraft-Thema interessiere. Kein Wunder, als Teenager hatte der Sohn von David Bowie einst seinen PC in die Wohnung von Schulfreunden geschleppt, um Warcraft im Netzwerk-Modus zu spielen. Auch bei World of Warcraft hat er viele heldenhafte Stunden verbracht, deshalb versteht er die Spielwelt und ihre Eigenheiten. Als Jones sich eine Kopie des abgelehnten Raimi-Skripts organisierte, wurde ihm schnell klar, wo das Problem liegt. Er legte eine alternative Version vor, die ganz im Sinne der Spielwelt-Story ein differenzierteres Bild von Menschen und Orcs zeichnet; Helden und Bösewichte gibt es auf beiden Seiten. „Endlich hat’s jemand kapiert“, haute Blizzard-Urgestein Chris Metzen begeistert auf die Tischkante, nachdem er das Jones-Skript gelesen hatte. 
Toby Kebbell spielt den Orc Durotan. (© Universal / Legendary Pictures)
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Toby Kebbell spielt den Orc Durotan. (© Universal / Legendary Pictures)

Mit Computergrafik auf den Orc gekommen

Nach den SF-Filmen „ Moon“ und „ Source Code“ steigt Regisseur Duncan Jones nun in die Blockbuster-Liga  auf, denn mit aufwendigen Spezialeffekten wird bei Warcraft nicht gespart. Dass der Drehstart der Azeroth-Verfilmung bis 2014 auf sich warten ließ, hatte auch gewisse Vorteile. In der Zwischenzeit gab es riesige Fortschritte bei der Darstellung glaubwürdiger Filmcharaktere, die durch eine Mischung aus schauspielerischer Leistung und Computergrafik-Berechnung entstehen. Für Orcs, Zwerge und andere nichtmenschliche Rassen wurden bei den Dreharbeiten sowohl die Mimik der Darsteller als auch ihre Bewegungen von Spezialkameras erfasst. Diese Daten dienten dann als Grundlage für die Trickspezialisten von ILM, um zum Beispiel Schauspieler Robert Kazinsky in den imposanten Orc-Krieger Orgrim Doomhammer zu verwandeln. Bereits während der Dreharbeiten konnte der Regisseur eine live berechnete Version der Körperkonturen auf der Kamera sehen, um ein besseres Gefühl für die Komposition jeder Szene zu haben. Das Resultat sollen phantastisch aussehende Kreaturen sein, die zugleich lebensecht wirken und die mimischen Nuancen der Schauspieler vermitteln. 
Hinter diesem grimmigen Blick versteckt sich Schauspieler Robert Kazinsky. (Bild: Universal / Legendary Pictures)
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Hinter diesem grimmigen Blick versteckt sich Schauspieler Robert Kazinsky. (Bild: Universal / Legendary Pictures)

Toby Kebbell verkörpert den Orc-Helden Durotan und ist mit dieser Art des Filmemachens bereits bestens vertraut: In „ Planet der Affen: Revolution“ spielte er den intelligenten Schimpansen Koba. „Toby gab den anderen Schauspielern Selbstvertrauen, die noch keine Motion-Capture-Erfahrung hatten“ lobt Regisseur Duncan Jones. Kebbell preist wiederum seinen Kollegen Rob Kazinsky als Mentor in Sachen Warcraft: „Rob ist ein begeisterter Spieler und hat alle Antworten – ich habe sehr schnell von ihm gelernt“. Kein Wunder, denn Kazinsky (Pacific Rim) hat im Laufe der Jahre tausende von Stunden in World of Warcraft versenkt und diverse Charaktere zur Höchststufe gelevelt. Er ist beileibe nicht der einzige Spielkenner im Filmteam: Der mit zwei Oscars ausgezeichnete Spezialeffekte-Experte Bill Westenhofer zockt das MMO schon seit der Alpha-Testphase und achtet sogar auf Feinheiten wie Ähnlichkeiten bei den Magieeffekten. 
Ein Setfoto des Gasthauses "Zur Höhle des Löwen". (© Universal / Legendary Pictures)
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Ein Setfoto des Gasthauses "Zur Höhle des Löwen". (© Universal / Legendary Pictures)
Auch der typische Sturmwind-Briefkasten durfte im Film nicht fehlen. (© Universal / Legendary Pictures)
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Auch der typische Sturmwind-Briefkasten durfte im Film nicht fehlen. (© Universal / Legendary Pictures)

Easter Eggs und WoW-Anspielungen

Wer World of Warcraft gespielt hat, dürfte im Film viele Details wiedererkennen. „Wir sind Fans des Spiels und wollten einen Film machen, bei dem Warcraft-Liebhaber das Gefühl haben können, dass sie heimgekehrt sind“, betont Duncan Jones. Das Gespür für die Feinheiten von Blizzards Fantasywelt wurde schon in den Trailern und Setfotos deutlich. Und das obwohl die knuffige Spielgrafik im Comicstil auf den ersten Blick nicht viel mit den realistisch wirkenden Filmszenen gemeinsam hat. Doch von den Rüstungen der Soldaten bis zur Architektur von Schauplätzen wie dem Thronsaal in Sturmwind oder dem Gasthaus Zur Höhle des Löwen gibt es viele Situationen, die an World of Warcraft erinnern. Manchmal muss man schon genau hinsehen, um alle Anspielungen zu erkennen. Die Briefkästen im typischen Sturmwind-Design oder ein vor Kobolden warnendes Plakat sind solche Details, bei denen Spielfans warm ums Herz wird. Beim Entwurf von Sets, Kostümen und Waffen orientierte sich die Filmcrew nicht nur an Vorlagen von Blizzard, sondern arbeitete direkt mit Künstlern des Spielestudios zusammen. Bei WoW-Fan und Orgrim-Darsteller Rob Kazinsky haben die unter Leitung von Gavin Bocquet entstandenen Sets ihre Wirkung nicht verfehlt: „Als ich zum ersten Mal den Thronsaal betreten habe, bekam ich feuchte Augen“.
So fing in Azeroth alles an: Das erste Warcraft-Strategiespiel in der US-Originalverpackung von 1994. (© Blizzard)
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So fing in Azeroth alles an: Das erste Warcraft-Strategiespiel in der US-Originalverpackung von 1994. (© Blizzard)

Warcraft-Schätze für Sammler

Warcraft-Sammler werden zum Filmstart mit einer ganzen Lawine an neuen Merchandise-Produkten in Versuchung geführt. Es gibt nicht nur hochwertige Figuren von Charakteren aus der Verfilmung und Schmuckstücke wie das Schicksalshammer-Kettchen. Wer tief in die Tasche greift, kann sich auch eine Replika von König Llanes Schwert gönnen.  Spielesammler schwören dagegen auf die Collector’s Editions von World of Warcraft. Jede der bisher fünf Erweiterungen wurde in einer limitierten Sonderausgabe mit zahlreichen Packungsbeigaben veröffentlicht. Der mit Abstand seltenste und teuerste Schatz ist die rare Collector’s Edition des original World of Warcraft, für die bei eBay-Auktionen hunderte von Euro bezahlt werden. Scheinbar günstig ist das allererste Spiel der Serie zu haben, Warcraft: Orcs & Humans von 1994. Aber achtet bei vermeintlichen Schnäppchen darauf, ob auch wirklich Packung und Handbuch zum Lieferumfang gehören oder nur der Datenträger angeboten wird. 
Die Collector’s Edition von 2004 ist die Zierde jeder WoW-Sammlung. (© Blizzard)
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Die Collector’s Edition von 2004 ist die Zierde jeder WoW-Sammlung. (© Blizzard)
Heinrich Lenhardt weiß, wovon er redet.
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Über den Autor

Heinrich Lenhardt ist einer der erfahrensten deutschen Computerspiele-Fachjournalisten und Autor der eBook-Reihe Lenhardts Spielejahre. 1984 begann er seine Laufbahn in der Redaktion Happy-Computer beim Markt&Technik-Verlag. Er konzipierte und leitete eine Reihe von Spiele-Zeitschriften, darunter Power Play (1987), Video Games (1991), PC Player (1992), buffed-Magazin (2007) und CHIP Power Play (2012). Heute arbeitet er von Vancouver aus als freier Journalist und Korrespondent für diverse Print- und Online-Medien wie GameStar und GamersGlobal. Twitter: @hlenhardt, Webseite: lenhardt.net.
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