Ein Ratgeber über Lots und Briefmarken-Sammlungen der Alliierten Besetzung Deutschlands

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Ein Ratgeber über Lots und Briefmarken-Sammlungen der Alliierten Besetzung Deutschlands

Die Briefmarken aus Deutschland zur Zeit der alliierten Besetzung zwischen 1945 bis 1956

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es auf dem Gebiet Deutschlands faktisch keine staatliche Institution mehr, die noch funktionierte. Die Alliierten bemühten sich, so schnell wie möglich die Grundbedürfnisse des Lebens und der Verwaltung wiederherzustellen. Dazu gehörte auch ein funktionierendes Postsystem. Die alten Briefmarken aus dem Deutschen Reich konnten aufgrund ihrer Symbolik jedoch nicht weiter verwendet werden und deshalb entwarfen die Alliierten neue Marken. Die Briefmarken aus der Zeit der alliierten Besetzung lassen sich in mehrere Epochen unterteilen und in den verschiedenen Zonen ging die Posthoheit sehr unterschiedlich in die Verwaltung der Deutschen über. Während in der sowjetischen Besatzungszone mit der Gründung der DDR 1949 auch Briefmarken unter der Verwaltung des neuen Staates herausgegeben wurden, dauerte es im Saarland bis in das Jahr 1959, bis die Bundespost die alleinige Institution für die Herausgabe der Briefmarken wiedererlangte. Welche Marken in welchen Phasen der alliierten Besatzung herausgegeben wurden und wie Sie Ihre Sammlung mit Lots und größeren Posten Briefmarken erweitern können, soll dieser Ratgeber beschreiben.

Gemeinschaftsausgaben der Alliierten aus den Jahren 1945/1946

Die Amerikaner und Briten waren die Ersten, die sich um die Nachfolge der Post und der Briefmarken kümmerten. Bereits am 19. März 1945, also noch vor der offiziellen Kapitulation des Deutschen Reiches, wurde die erste Serie von Briefmarken gedruckt. Diese wurden noch in der Währung des Deutschen Reiches, der Reichsmark, aufgelegt und besaßen Werte von drei bis 25 Reichspfennigen. Diese erste Auflage von Briefmarken besaß eine zeitlich beschränkte Gültigkeit, die am 31. Oktober des Jahres 1946 endete. Außerdem wurden die Marken in drei verschiedenen Ländern gedruckt. So gab es Marken, die in den Vereinigten Staaten, in England und in Deutschland gedruckt wurden. Anhand der Farben, des verwendeten Papiers und der Druckqualität lassen sich die Briefmarken sehr leicht voneinander unterscheiden und eindeutig identifizieren. Die Symbole dieser Marken waren sehr simpel, es war ein einfaches „M“ in der Mitte der Marke aufgedruckt. Außer dem Wert und der Aufschrift „Am Post – Deutschland“ wurden keine weiteren Informationen auf diese erste Serie von Briefmarken aus der Zeit der Alliierten Besetzung gedruckt. Im Laufe des Septembers 1945 folgten weitere Marken der M-Serie, sodass die Serie am Ende 20 Marken mit Werten zwischen einem Reichspfennig und einer Reichsmark umfasste. Diese Briefmarken waren, im Gegensatz zu späteren Ausgaben, in allen Teilen des besetzten Deutschlands gültig. Diese wurden nun nicht mehr in den USA und England gedruckt, sondern nur noch in Deutschland. Aufgrund der vielen verschiedenen Druckvariationen werden die Marken der M-Serie in der Philatelie als jeweils eigenständige Marken geführt. Dies macht es heute nicht einfach, aus Einzelmarken eine komplette Ausgabe dieser Gemeinschaftsausgaben zusammenzutragen. Sie können einfacher an diese Serie gelangen, indem Sie bei eBay nach kompletten Sammlungen dieser Serie Ausschau halten.

Briefmarken in den Besatzungszonen der Amerikaner und Briten

Die Amerikaner und Briten begannen schnell, die Verwaltungen in ihren Besatzungszonen zu koordinieren. Zu den Gebieten, die von diesen beiden Alliierten verwaltet wurden, zählen die heutigen Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Teile von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie Bremen und Hamburg. Am 1. Januar 1947 wurden diese beiden Gebiete schließlich zusammengefasst und fortan als Bizone betitelt. Im September 1946 hatten die Regierungen beider Länder vereinbart, dass eine zentrale Post- und Fernmeldeverwaltung für die Bizone in Frankfurt am Main eingerichtet werden soll. Ab 1948 sollten die Briefmarken der Engländer und Amerikaner als Gemeinschaftsausgaben einen Großteil der Briefmarken im Westen Deutschlands ausmachen.

Die Briefmarken in der sowjetischen Besatzungszone

In der sowjetischen Besatzungszone wurden zwischen 1945 und 1949 mehrere Serien von Briefmarken veröffentlicht. Zunächst produzierte man Regionalausgaben, die als Kennzeichnung den Namen des jeweiligen Abschnittes trugen, in denen sie veröffentlicht wurden. Gültigkeit besaßen diese Marken aber im gesamten Gebiet des besetzten Deutschlands. Ab 1948 folgten die allgemeinen Ausgaben, welche für die gesamte sowjetische Besatzungszone herausgegeben wurden. Bis zum Frühjahr 1949 hatten diese auch Gültigkeit in den westlichen Zonen der Alliierten, dann wurden diese für ungültig erklärt. In den verschiedenen Regionen der sowjetischen Besatzungszone wurden ab August 1945 unterschiedliche Briefmarken veröffentlicht. Diese trugen zum Großteil als Aufschrift den Namenszug einer der sechs Regionen, in welche die sowjetische Besatzungszone aufgeteilt war. Diese Regionen waren Berlin und Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Provinz Sachsen, Ost-Sachsen, West-Sachsen sowie Thüringen. Einige der provisorischen Marken waren jedoch auch mit kyrillischen Aufschriften bedruckt. Im Juni 1948 wurden diese lokalen Briefmarken durch allgemeine Ausgaben ersetzt, welche dann ab Frühjahr 1949 nur noch in der sowjetischen Besatzungszone verwendet werden konnten. Die Ära der Briefmarken der sowjetischen Besetzung ging im Oktober 1949 zu Ende, als die Gründung der DDR stattfand und die ersten Briefmarken der DDR die Besatzungsmarken ersetzten. Gerade die vielen regionalen Marken, die teilweise in sehr geringen Auflagen erschienen sind, macht das Sammeln der Marken aus der sowjetischen Zone zu einer schwierigen Aufgabe. Sollten Sie noch keine oder nur eine kleine Anzahl dieser Marken haben, können Sie mit Briefmarken-Lots aus der sowjetischen Zone schnell eine Sammlung beginnen.

Weitere Gemeinschaftsausgaben aus dem Jahr 1948

Als es im Sommer des Jahres 1948 aufgrund der Währungsreform und dem Streit um Berlin zum Bruch zwischen den Alliierten kam, legten die Westalliierten neue Gemeinschaftsausgaben von Briefmarken auf. Diese wurden im Osten von Berlin sowie in der sowjetischen Besatzungszone für ungültig erklärt und dort nicht verwendet. In allen anderen Zonen der Alliierten waren diese Marken ab dem 21. Juni 1948 gültig. Die Marken besitzen Band- beziehungsweise Netzaufdrucke, die als Symbol ein Posthorn zeigen. Die Motive der Marken selber sind Abbildungen von Arbeitern in verschiedenen Positionen. Im September des gleichen Jahres folgte mit der Dauerserie der deutschen Bauten eine weitere Gemeinschaftsausgabe des alliierten Kontrollrates für die westlichen Besatzungszonen. Diese besaßen nun keine improvisierten Aufdrucke mehr und waren deshalb längerfristig gültig. Sie wurden erst mit Ablauf des März 1953 aus dem postalischen Verkehr entfernt. Die 28 Marken umfassende Serie können Sie auch in kompletten Sets bei eBay erwerben, oder Sie halten Ausschau nach Einzelmarken, um Ihre Sammlung zu komplettieren.

Berlin – im Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Westalliierten und der Sowjetunion

Während Berlin in den Anfangsjahren der Alliierten Besetzung die gleichen Marken verwendete wie die anderen Zonen, wurde es im Zuge der Währungsreformen und der Belagerung von Berlin im Jahre 1948 notwendig, eigene Briefmarken für die Stadt herauszugeben. Als erste eigenständige Länderpost unter deutscher Verwaltung nahm somit die Deutsche Post Berlin im September 1948 ihren Betrieb auf. Bis dahin galten in Berlin Ost und West die Briefmarken aller Besatzungszonen.

Das Saarprotektoriat – unabhängiges Postsystem bis 1956

Das Saarland nahm eine Sonderstellung in der postalischen Verwaltung ein. Dieses Gebiet wurde von den Franzosen verwaltet, die lange Zeit den Anschluss des Saarlandes an Frankreich anstrebten. Aufgrund dessen kam es zu verzögerten Veröffentlichungen von Briefmarken der Deutschen Bundespost, die in den restlichen Gebieten Deutschlands ab 1949 schrittweise die Briefmarken des Alliierten Kontrollrates ersetzten. Briefmarken aus der französischen Zone werden in zwei Abschnitte unterteilt. Zwischen Dezember 1945 und dem Frühjahr 1947 wurden allgemeine Marken veröffentlicht, die in allen Gebieten der französischen Zone gleich aussahen und Gültigkeit in allen Besatzungszonen des ehemaligen Deutschen Reiches hatten. Ab 1947 gab die französische Verwaltung lokale Marken in den vier Zonen heraus. Diese Briefmarken erschienen in Baden, Württemberg-Hohenzollern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die allgemeinen Marken, welche ab Dezember 1945 in der französischen Zone herausgegeben wurden, sind gering in der Anzahl und Sie können diese auch gut als Einzelmarken bei eBay für Ihre Sammlung finden. Insgesamt wurden bis zum April 1946 nur 13 verschiedene Briefmarken veröffentlicht, die alle die Aufschrift „Zone Française“ tragen. In Württemberg-Hohenzollern begannen die Franzosen im Juni 1947 mit der Herausgabe der ersten lokalen Briefmarken. Diese tragen als Aufschrift die Bezeichnung der Region, Württemberg, und wurden bis zur Währungsreform im Juni 1948 in Reichsmark gedruckt, danach in der neu eingeführten D-Mark. Insgesamt finden sich 52 Briefmarken und ein Block aus der württembergischen Zone, die letzte Marke wurde im Oktober 1949 gedruckt und zum Ende des März 1950 verloren alle diese Marken ihre Gültigkeit.
Die Briefmarken im Saarland hatten dabei am längsten Bestand und wurden ab dem 27. November 1947 nicht mehr in Pfennig und Mark herausgegeben, sondern in der französischen Währung, also in Centimes und Francs. Dies hing damit zusammen, dass ab dem 20. November der Franc als offizielle Währung im Saarland eingeführt wurde. Bis zum Jahr 1956 sollte dies bei allen neuen Briefmarken für das Saarland so bleiben, danach folgte mit der Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik eine Übergangsphase, die bis 1959 dauerte. In diesen Jahren wurden die Briefmarken zwar von der Bundespost herausgegeben, aber weiterhin in der Währung Franc gekennzeichnet, da die Währung noch bis zum Ende des Jahres 1959 gültig war. In der Philatelie zählt man deshalb auch diese Marken bis 1959 noch zum Themengebiet der Saarmarken. Somit zählt eine komplette Sammlung von Briefmarken aus der französischen Besatzungszone des Saarlandes nach dem Michel-Katalog 448 Marken und bildet damit das umfangreichste Gebiet in der Gruppe der Briefmarken aus der Besetzungszeit Deutschlands.

Sammlungen von Briefmarken aus der Zeit der Alliierten Besetzung Deutschlands

Da in der Philatelie die Sammelgebiete der Besatzungszeit in sich geschlossene Abschnitte bilden, haben Sie oftmals gute Chancen, komplette Sammlungen dieser Marken zu erwerben. Viele Sammler haben sich auch auf bestimmte Besatzungszonen konzentriert und bieten komplette Serien aus einer Zone bei eBay zum Kauf an. So können Sie zum Beispiel an eine Sammlung von Briefmarken aus der sowjetischen Besatzungszone gelangen. Auch unvollständige oder gemischte Lots von Briefmarken auf der Zeit zwischen 1945 und 1949 finden sich oftmals im Angebot bei eBay.

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