Ein Chevy-Blues mit Liebesgrüßen von 1937

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Bei dem Begriff Oldtimer schlägt das Herz jedes Autofans sofort höher und das letzte Jahrhundert hat einige Traumautos hervorgebracht. Heute möchten wir euch wieder einen Klassiker vorstellen, der bald vielleicht euch gehören könnte: ein 1937er Chevrolet. 
Der Chevrolet Master spielt mit Chrom und dem Feuer aus einem Reihensechszylindermotor (Copyright: Wolfgang Weiss)
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Der Chevrolet Master spielt mit Chrom und dem Feuer aus einem Reihensechszylindermotor (Copyright: Wolfgang Weiss)

Als im Jahr 1937 Präsident Franklin D. Roosevelt die Zügel der Macht in der Hand hält, erblickte ein Chevrolet die Welt, in den sich 52 Jahre später ein Mechaniker und ein Karosseriebauer aus dem hessischen Rödermark verlieben sollten. 20 Jahre Zeit, Mühe und ja, vor allem auch Geld liegen hinter den beiden leidenschaftlichen Chevrolet-Liebhabern.  "Der schönste Moment war dann unser erster Ausflug durch den Odenwald. Die Fahrt ging von Otzberg nach Heidelberg. Die Leute haben sich umgedreht nach unserem tollen Auto und das hat uns stolz gemacht. Da war die ganze Arbeit vergessen, " erinnern sie sich heute zurück.
Bonnie und Clyde lassen grüßen: Weißwandreifen unter ausladenden Kotflügeln (Copyright: Wolfgang Weiss)
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Bonnie und Clyde lassen grüßen: Weißwandreifen unter ausladenden Kotflügeln (Copyright: Wolfgang Weiss)

Ein Kontrast-Gedicht aus Chrom und tief strahlendem Blau

Wenn Autohersteller Talente für etwas hatten und besonders stolz auf ein Modell waren, verpassten sie ihm einen unnachahmlichen Namen. Und 1937 war man bei Chevrolet mit der Namensgebung schon besonders kreativ: Das blaurote Schmuckstück hört auf „ Chevrolet Master Deluxe 4-Door Touring Sedan“ . Eine ausgewachsene viertürige („4-Door“) Limousine mit ausgeprägten räumlichen Ambitionen („Sedan Touring“) und Luxus-Ausstattung muss genau so aussehen.

Und so sah auch der 1937er Chevrolet aus, als er am Bremerhaven von den beiden Restaurateuren im Jahr 1989 abgeholt wurde. Dennoch: Er musste komplett zerlegt werden. Der Rahmen wurde sandgestrahlt, die Blechteile wurden gerichtet und alle Teile grundiert. Die fehlenden Teile waren schwer zu bekommen und mussten nach und nach in Amerika gekauft werden. Besonders der Motor hatte es in sich: "Bei der Überholung des Motors stellten wir fest, dass er einen Frostschaden hatte. Daraufhin ging die Suche nach einem anderen Motor wieder los. Wir hatten schon die Hoffnung aufgegeben, das Auto jemals fertig zu bekommen. Aber zum Glück fanden wir nach langer Suche den richtigen Motor. "
Innen rot, außen blau: Die Gegensätzlichkeit der Farben passt überraschend gut zusammen (Copyright: Wolfgang Weiss)
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Innen rot, außen blau: Die Gegensätzlichkeit der Farben passt überraschend gut zusammen (Copyright: Wolfgang Weiss)

Warum innen rot und außen blau?

Mit einem leichten Ruck öffnen sich die schweren Türen der Limousine. Sie sind gegenläufig angeschlagen, die Türgriffe laufen wie bei Rolls-Royce in der Mitte der Karosserie zusammen. Beim Einsteigen fassen die Hände über Bezüge aus purpurrotem Samt. Die Hände müssen sich erst einmal an die ungewohnte Haptik gewöhnen. Nicht viele Autos umgarnen die Passagiere mit dem Flair eines Lichtspieltheaters. Beim Versinken in die Polster spürt man sie: die Lebendigkeit der 1930er Jahre. Das feurige Rot des Innenraums ist verrucht und lustvoll. So wärmend und prickelnd wie Champagner und die Stimme von Marylin Monroe. Um nicht überzukochen, braucht so viel Intimität einen Gegenpol als Ausgleich – ein Überlaufventil für die Augen und einen Ruhepunkt für die Gemüter.
Einladend wie eine Lounge: Gegenläufige Portaltüren öffnen eine rote Samtwelt (Copyright: Wolfgang Weiss)
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Einladend wie eine Lounge: Gegenläufige Portaltüren öffnen eine rote Samtwelt (Copyright: Wolfgang Weiss)

Adeliges Blau spielt mit rotem Feuer

Deshalb musste bei der Restauration eine Farbe her, die dem mächtigen Rot mindestens ebenbürtig ist. Ein Grau oder Schwarz hätte dem Innenraum zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der '37er Chevrolet wäre nur auf sein barockes Samt reduziert worden. So entschied sich der Karosseriebauer aus Rödermark für ein Blau. Keine andere Farbe repräsentiert Geradlinigkeit, Stärke und Adel so wie dieser noble Blauton. Für das Beziehen der Sitze wurde sogleich seine Frau mit eingebunden: "Das war eine große Herausforderung für sie, die sie aber, meiner Meinung nach, sehr gut gemeistert hat."
Der Reihensechszylindermotor im Chevy Master leistet rund 65 PS (Copyright: Wolfgang Weiss)
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Der Reihensechszylindermotor im Chevy Master leistet rund 65 PS (Copyright: Wolfgang Weiss)

Ein Reihensechszylindermotor unter den Hauben als Dauerläufer

Mehr als 20 Jahre hat die Restauration des Detroiter Urgesteins gedauert. Mühevolle Kleinarbeit, endlose Stunden schwerer Arbeit und intensive Suche nach Ersatzteilen lohnen dann, wenn das Herzstück des Masters zum Leben erweckt wird. Ein großvolumiger Reihensechszylindermotor mit ungefähr 65 PS stimmt ein Loblied auf eine Zeit an, in der Benzin noch verbleit wurde und Flugzeuge mit Propeller flogen. Der Motor in diesem Chevrolet Master hatte einen Frostschaden und musste aufwendig getauscht werden. Dafür begeistert er jetzt mit tadellosem Lauf und fasziniert mit seinem charakteristischen Klangbild genauso wie das spektakuläre Äußere.

Bilder: Wolfgang Weiss
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