Dunkle Geschichte eingraviert: deutsche Gedenkmünzen zwischen 1933 und 1945

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Die Geschichte der deutschen Gedenkmünzen

Die Gedenkmünzen waren seit der Einführung der Reichsmark im Jahre 1871 fester Bestandteil der Währung und wurden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Als Material wurde für diese besonderen Münzen ausschließlich Silber verwendet und als Nominale hatten sich 3- und 5-Reichsmark-Münzen durchgesetzt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 sollte alsbald ein Bruch in dieser Tradition stattfinden, denn bis zum Ende des Dritten Reiches im Jahre 1945 sollten insgesamt nur drei Gedenkmünzen in Reichsmark erscheinen. Diese wurden dazu noch in den ersten beiden Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft geprägt. In den späteren Jahren favorisierte die Regierung die Herausgabe von Medaillen anstatt von Gedenkmünzen. Welche Gedenkmünzen im Deutschen Reich erschienen sind und welche für Sammler besonders interessant sind, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Die ersten Gedenkmünzen

Am 10. November 1933 jährte sich zum 450. Mal der Geburtstag von Martin Luther, der als Theologe und Reformator in die Geschichte einging. Dies wurde im Dritten Reich zum Anlass genommen, die ersten Gedenkmünzen unter der Herrschaft der Nationalsozialisten herauszugeben. Die bis dahin übliche 3-Reichsmark-Münze wurde durch eine 2-Reichsmark-Münze ersetzt. Die zweite Schiller-Gedenkmünze besaß einen Wert von 5 Reichsmark. Auf dem Revers der Münzen, die bis auf Durchmesser und Feingehalt äußerlich keine Unterschiede aufweisen, finden Sie den Kopf Martin Luthers sowie die Aufschrift Martin Luther 1483 – 1933. Die Front der Münze zeigt den Reichsadler und die Aufschrift „Deutsches Reich – Reichsmark“. Symbole der Nationalsozialisten waren zu dieser Zeit noch nicht auf den Münzen verewigt. Die Auflage der 2-Reichsmark-Münze Martin Luther betrug eine Million Stück, von denen 541.900 Münzen in der Berliner Prägeanstalt gefertigt wurden. Von der 5-Reichsmark-Münze mit dem Abbild Luthers wurden insgesamt 200.000 Stück geprägt, auch hier stammt mit 108.380 Münzen der Großteil der Prägungen aus Berlin.

Die Gedenkmünze anlässlich der Reichstagseröffnung

Die Gedenkmünze mit dem Abbild der Potsdamer Garnisonskirche, welche 1934 erschien, nimmt eine Sonderstellung in den Gedenkmünzen ein. Die regulären Gedenkmünzen zu 2 und 5 Reichsmark erschienen im Jahr 1934. Die 2-Reichsmark-Münze erschien in einer Auflage von fünf Millionen Stück, während die 5-Reichsmark-Münze mit dem Bild der Garnisonskirche eine Auflage von insgesamt vier Millionen Exemplaren hatte. Die niedrigste Auflage stammte aus der Prägestätte in Muldenhütten. Hier wurden nur 244.000 Stück der 5-Reichsmark-Münze geprägt.

Auf den Gedenkmünzen finden Sie auf dem Revers links und rechts neben dem Bild der Kirche ein Datum eingeprägt, den 21. März 1933. Das Datum weist auf den Tag der Einweihung des neu gewählten Reichstages hin. Normalerweise hätte diese Veranstaltung, die als Tag von Potsdam bekannt wurde, im Berliner Reichstag stattfinden sollen. Dieser wurde jedoch beim Brand des Gebäudes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar schwer beschädigt, sodass diese Veranstaltung an einem anderen Ort stattfinden musste. Zum einjährigen Jubiläum gab die Reichsbank im März 1934 diese Gedenkmünzen heraus. Die Vorderseiten der beiden Gedenkmünzen tragen die Aufschrift „Deutsches Reich“ sowie die Jahreszahl 1934. In der Mitte finden Sie den Reichsadler.

Die Besonderheiten der Umlauf-Version

Ebenfalls im Jahr 1934 gelangte eine Variante dieser Münze in den Umlauf, die auf dem Revers jedoch kein Datum besitzt. Bei diesen Versionen der Münze handelt es sich um Münzen aus der Umlaufversion. Die Auflage dieser Münze, die auch noch im Jahre 1935 geprägt wurde, war ungleich höher als die der beiden Gedenkmünzen. Insgesamt wurden von dieser Version, die nur als 5-Reichsmark-Münze geprägt wurde, über 100 Millionen Stück gefertigt. Jedoch überdauerten lange nicht alle dieser 100 Millionen Münzen das Deutsche Reich. Auf Drängen der Gestapo wurden diese Münzen von der Reichsbank eingezogen und umgetauscht. Der Grund lag darin, dass Gegner des nationalsozialistischen Regimes die großen, freien Flächen auf der Rückseite der Münze nutzen, um Parolen gegen die Regierung einzuritzen. So endeten viele dieser Münzen nach kurzer Zeit wiederum im Schmelztiegel. Wie viele Exemplare nach dem Zweiten Weltkrieg noch existierten, ist inzwischen unmöglich festzustellen.

Die Prägung der Garnisons-Gedenkmünzen fand wiederum in allen sechs Prägestätten des Deutschen Reiches statt und auch hier bildeten die Münzen aus Berlin den jeweils größten Anteil. Rund die Hälfte jeder Auflage stammte aus der Berliner Prägeanstalt und dementsprechend häufig wird diese Münze angeboten.

Friedrich Schillers 175. Geburtstag als Anlass einer Gedenkmünze

Die dritte Gedenkmünze aus dem Deutschen Reich erschien ebenfalls im Jahr 1934. Anlass war der 175. Geburtstag des deutschen Dichters und Philosophen Friedrich Schiller. Auch in diesem Fall wurden zwei Münzen zu Werten von 2 und 5 Reichsmark herausgegeben. Diese Münzen sind jedoch ungleich seltener als die vorherigen Gedenkmünzen. Die Auflage der 2-Reichsmark-Münze Friedrich Schiller betrug 300.000 Stück, während die 5-Reichsmark-Münze mit dem Abbild Schillers sogar nur 100.000 Mal geprägt wurde. Die Prägung fand ausschließlich in der Münzprägeanstalt in Stuttgart statt, also in der Stadt, in der Friedrich Schiller einen Teil seines Lebens verbrachte und sein Studium begann. Die Rückseite der Münzen wird vom Kopf Friedrich Schillers geziert und im Kreis darum angeordnet finden Sie die Aufschrift „Friedrich Schiller 1759 - 1934“. Die Vorderseite wird geziert vom Reichsadler und der Aufschrift „Deutsches Reich“ sowie der Wertangabe.

Die Münze zu Ehren Friedrich Schillers aus dem November 1934 sollte die letzte Gedenkmünze des Deutschen Reiches und zugleich die letzte Gedenkmünze der Reichsmarkwährung sein. Bis zur Abschaffung der Reichsmark im Jahre 1948 erschienen keine weiteren Gedenkmünzen mehr.

Abmessungen und Feingehalt der Gedenkmünzen aus dem Dritten Reich

Die drei Ausgaben der Gedenkmünzen erschienen als 2- und 5-Reichsmark-Münze. Es handelte sich dabei ausnahmslos um Silbermünzen, die aber Unterschiede in Durchmesser und Feingehalt aufweisen. Die silbernen 5-Reichsmark-Münzen wurden immer aus 900er-Silber gefertigt, während für die 2-Reichsmark-Münzen aus Silber ein Feingehalt von 625 benutzt wurde. Auch die Durchmesser folgten festen Regeln, die bereits vor dem Dritten Reich bei den Gedenkmünzen zur Anwendung kamen. Alle Münzen zu 5 Reichsmark besaßen einen Durchmesser von 29 Millimetern, während die 2-Reichsmark-Münzen einen Durchmesser von 25 Millimetern aufwiesen.

Prägestätten der Gedenkmünzen aus dem Deutschen Reich identifizieren

Die Gedenkmünzen aus dem Dritten Reich wurden in unterschiedlichen Prägestätten geprägt, die über das ganze Land verteilt waren. Auf der Rückseite jeder Münze finden Sie unterhalb des Motives einen kleinen Buchstaben, der Aufschluss darüber gibt, aus welcher Münzanstalt die betreffende Münze stammt. Die Gedenkmünzen, die zwischen 1933 und 1935 geprägt wurden, stammen dabei aus sechs unterschiedlichen Münzstätten. Für Numismatiker, die eine komplette Sammlung von Gedenkmünzen aus dem Deutschen Reich besitzen möchten, gehören nicht nur die unterschiedlichen Nominale und Motive in die Sammlung. Zu einer wirklich vollständigen Sammlung gehört je ein Exemplar einer jeden Münze aus jeder Münzprägeanstalt.

Die größte und gleichzeitig älteste Prägestätte für Reichsmarkmünzen befand sich in Berlin und wurde bereits 1871 eröffnet. Gedenkmünzen aus Berlin zählen zu den häufigsten. Sie erkennen die Münzen aus Berlin an dem Buchstaben A. Einige der Gedenkmünzen wurden auch nur in einer der Prägestätten gefertigt, wie etwa die Gedenkmünzen zum 175. Geburtstag von Friedrich Schiller. Auf diesen Münzen finden Sie ausschließlich den Buchstaben F, was als Herkunftsort auf die Prägestätte in Stuttgart hinweist. Zu den kleineren Münzprägestätten gehörten Karlsruhe und Muldenhütten bei Freiberg. Gedenkmünzen aus diesen Prägeanstalten zählen somit zu den selteneren und wertvolleren. Münzen aus Karlsruhe erkennen Sie am Buchstaben G, die Münzen aus Muldenhütten wurden mit einem E gekennzeichnet. Die beiden verbliebenen Münzprägestätten befinden sich in Hamburg und München. Hamburger Münzen werden mit dem Buchstaben J versehen und Münzen aus München erkennen Sie am aufgeprägten D auf dem Revers der Münze.

Gedenkmünzen aus dem Deutschen Reich

Auch wenn es auf den ersten Blick nur wenige Gedenkmünzen zu geben scheint, offenbaren sich bei genauerem Hinsehen doch viele Variationen. Dies macht das Sammelgebiet der Gedenkmünzen aus dem Deutschen Reich zu einem interessanten Bereich in der Numismatik, auch weil es das Bindeglied ist zwischen den Gedenkmünzen der Weimarer Republik und den ab 1953 herausgegebenen Gedenkmünzen aus der Bundesrepublik Deutschland. Dazu sind die 2-Reichsmark-Münzen aus dem Deutschen Reich die einzigen Gedenkmünzen, die jemals in diesem Nominal erschienen sind. Vor der Zeit der Nationalsozialisten hatten die kleinsten Gedenkmünzen einen Wert von 2 Mark, in der Bundesrepublik Deutschland wurden dann in der Regel 5-Mark-Münzen herausgegeben.

Oftmals werden auch die 5-Reichsmark-Münzen mit dem Bild von Hindenburg zu den Gedenkmünzen gezählt. Da diese aber in großer Anzahl und über mehrere Jahre geprägt wurden, werden sie zu den normalen Münzen gezählt. Auch als 2-Reichsmark-Münze erschien dieses Motiv zu Ehren des 1934 verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zwischen den Jahren 1936 und 1939 in großer Stückzahl.

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