Duell der Turntables: Vestax PDX-3000 MIX und Technics SL-1210 M5G

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Das Duell der Turntables: Vestax PDX-3000 MIX versus Technics SL-1210 M5G

Ein Duell zwischen dem Vestax PDX-3000 MIX und Technics SL-1210 M5G ist auch ein Duell unterschiedlicher Plattenspielergenerationen. Während Technics vor Jahren den Standard definiert hat und diesen beibehielt, trug Vestax stets neuen Technologien Rechnung und baute diese in seine Turntables ein.

In diesem Ratgeber erfahren Sie Wissenswertes zum DJing und den benötigten Plattenspielertechnologien. Darüber hinaus werden die Plattenspieler Vestax PDX-3000 MIX und Technics SL-1210 M5G vorgestellt und miteinander verglichen.

Eine kleine Geschichte des DJing

Die Geburtsstunde des DJs liegt mittlerweile über 100 Jahre zurück und kann noch nicht mit der Arbeit eines Club-DJs aus heutigen Tagen verglichen werden. So war der DJ damals oftmals ein Moderator, der die Oberhand über seine Musikauswahl hatte. Dies sollte sich allerdings Ende der 1960er-Jahre ändern. Denn allmählich übernahmen DJs die Arbeit von Livebands und zeichneten sich für die Musikgestaltung eines Clubs verantwortlich. Binnen kürzester Zeit waren Disco und Hip-Hop geboren. Ab diesem Zeitpunkt wurde die DJ-Kultur immer bedeutender für die Entstehung von Tanzmusikgenres unterschiedlichster Couleur. Allerdings waren die frühen DJs noch auf Plattenspieler angewiesen, die nicht in Gänze ihren Bedürfnissen Rechnung trugen. Mit der Einführung des Technics SL-1200 MK2 im Jahr 1979 sollte sich dies aber ändern, denn fortan waren die grundlegenden Funktionen eines DJ-Plattenspielers definiert.

Die grundlegenden Technologien eines DJ-Turntables

Ein DJ-Turntable besitzt einen direkt angetriebenen Motor mit einem hohen Drehmoment. Ein Riemenantrieb ist für das DJing ungenügend. Ein starker Motor geht oft mit einem großen Gewicht einher, welches ebenfalls von Bedeutung ist. Denn leichte Plattenspieler nehmen Vibrationen schneller auf, was unter anderem eine springende Nadel zur Folge haben kann. Darüber hinaus haben alle Profiturntables vibrationsdämpfende Gummifüße. Ein guter DJ-Plattenspieler sollte unbedingt geringe Gleichlaufstörungen von <0,1% WRMS aufweisen, da ansonsten die Platten leiern und sich das Mixen dadurch erschwert. Ein professioneller Turntable sollte des Weiteren über ein Pitch Adjustment von mindestens /-8% verfügen. Zu guter Letzt sind natürlich die Tonabnehmersysteme von Bedeutung. Alle modernen DJ-Plattenspieler besitzen einen Tonarm mit SME-Anschluss, sodass Systeme schnell und unkompliziert ausgetauscht werden können. In der Regel gehören Systeme nicht zum Lieferumfang eines Plattenspielers – und falls doch, dann sind sie nicht hochwertig.

Vestax PDX-3000 MIX: Mit dem Turntable musizieren

Im Bereich von DJ-Technologien hat sich Vestax besonders als Hersteller von Controllern für das digitale DJing einen hervorragenden Ruf erarbeiten können. Dabei fing Vestax zu Beginn ebenfalls weitestgehend analog mit Plattenspielern an. So startete die PDX-Serie im Jahr 1999 und hat bisher mehrere Überarbeitungen erfahren, mit dem Vestax PDX-3000 MIX und PDX-3000 MKS als bisherigen Höhepunkten. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Auflegpraxis konnte Vestax seinen Marktanteil ausbauen, dank Controllern wie dem Vestax VCI 100 oder 300 und dem Vestax Controller One.

Die Expertise in der Synthese von digitalen Technologien und analogem Handling zeigt sich insbesondere an dem Plattenspieler Vestax PDX-3000 MIX, welcher über eine MIDI-IN-Schnittstelle verfügt. Auf diese Weise lassen sich MIDI-Signale in den Turntable einspeisen wie etwa zusätzliche Rhythmusloops oder Melodien, eingespielt mit einem MIDI-Keyboard. Dafür benötigt der DJ allerdings noch spezielle Scratch- oder Loopplatten, auf denen ein Stück nur aus einem lang anhaltenden Ton besteht. Diese Funktion kann exemplarisch für sämtliche Produkte von Vestax gesehen werden. Denn, obwohl Vestax vergleichsweise noch nicht so lange im Geschäft ist, wie zum Beispiel Technics, überzeugen die Produkte durch einen großen Einfallsreichtum und zahlreiche zusätzliche Features.

Technische Features des Vestax PDX-3000 MIX

Neben der weltweit ersten MIDI-IN-Schnittstelle eines Turntables besitzt der Vestax PDX-3000 MIX noch diverse andere Funktionen, die ihn zu einem ausgezeichneten Arbeitsgerät machen.

Da wäre vor allem das einstellbare Drehmoment zu nennen, welches im Bereich zwischen 2,7 kg/cm und 4,5 kg/cm individuell festgelegt werden kann. Dadurch ist der PDX-3000 MIX hervorragend für DJs aus unterschiedlichen DJ-Stilen geeignet. Ein Club-DJ für Techno oder House bevorzugt in der Regel ein niedriges Drehmoment, während ein Hip-Hop-DJ ein starkes benötigt. Die Anlaufzeit liegt bei 0,5 Sekunden und sticht somit andere Geräte in puncto Schnelligkeit aus.

Darüber hinaus besitzt dieser Plattenspieler einen Rückwärtslauf. Der PDX-3000 MIX hat zwei pitchbare Bereiche: einen herkömmlichen mit einem Umfang von /- 10% sowie einen Ultra-Pitch mit /- 50%.

Das Gewicht dieses Turntables liegt bei 9,5 kg. Damit gehört der PDX-3000 MIX vergleichsweise zu den Leichtgewichten unter den professionellen DJ-Plattenspielern. Ein Grund dafür ist das vibrationsarme Kunststoffgehäuse, welches weniger auf die Waage bringt als Aluminiumchassis. Allerdings sehen sie dadurch nicht ganz so hochwertig aus.

Technics SL-1210 M5G: das letzte Modell des Klassikers

Der Technics SL-1210 M5G ist nicht einfach nur ein weiteres Modell einer Serie von Turntables, sondern das letzte Modell der Plattenspielerreihe, welche die DJ-Kulturen maßgeblich beeinflusst hat. Denn es war der Technics SL-1200 MK2, der zum ersten Mal alle Funktionen innehatte, nach denen die DJs händeringend verlangten. Im Clubbetrieb waren DJs auf leistungsstarke Turntables mit hohem Drehmoment angewiesen, um sauber die Musikstücke über einen längeren Zeitraum ineinander mixen zu können. Gleichzeitig beanspruchten DJ-Techniken wie das Cutting, Backspinning oder gar Scratching den Motor eines Plattenspielers relativ stark, sodass andere Geräte schnell versagten beziehungsweise Gleichlaufschwankungen zur Folge hatten.

Wiederum mussten Turntables über eine Pitch Adjustment zur Angleichung der Geschwindigkeit verfügen. Ohne diese Technologie ließen sich lange Mixe erst gar nicht realisieren. All jene erwähnten Punkte konnte der Technics SL-1200 MK2 in sich vereinen. So bot sich für DJs zum ersten Mal die Gelegenheit, ihr Handwerk oder ihre Kunst auszubauen und zu perfektionieren. Ein frühes Zeugnis dieser Kunst schuf der Hip-Hop-DJ Grandmaster Flash im Jahre 1981 mit der Single „The Adventures of Grandmaster Flash on the Wheels of Steel". Daher rührt auch der Spitzname „Wheels of Steel" für den Technics SL-MK2. Für die Erstellung dieses Werks griff Flash auf zehn Musikstücke zurück und verband sie auf artifizielle Art miteinander. Aber nicht nur im Hip-Hop sorgte der Technics SL-MK2 für Furore. In nahezu jeder DJ-Kultur, sei es House, sei es Reggae oder sei es Drum ‘n' Bass, wurde und wird noch immer auf ein Modell der Technics SL-Reihe zurückgegriffen. So konnte der MK2, wie dieser Plattenspieler von DJs auch genannt wird, zum Standard-Turntable in Clubs weltweit werden.

Ebenso wurde der MK2 zu dem Maßstab, an dem sich andere Hersteller beweisen mussten. So verwundert es nicht, dass beispielsweise unter anderem die Reloop RP-Serie das Design des MK2s kopiert. Im Laufe der Jahre kamen diverse Nachfolgermodelle auf den Markt wie der Technics SL-1210 MK2, SL-1210 M3D, SL-1210 MK5 und SL-1210 M5G. Die Unterschiede zu den Vorgängermodellen hielten sich dabei allerdings im Rahmen. So wich der Technics SL-1210 MK2 nur hinsichtlich seiner schwarzen Farbe von dem 1200er ab, welcher silbergrau lackiert war. Auch die anderen Generationen von Technics-Plattenspieler basierten auf der inneren Konstruktion des MK2, erweiterten diese allerdings im kleinen Rahmen.

Trotz seiner Erfolgsgeschichte und der Tatsache, dass der MK2 und seine Nachfolger Clubstandard sind, wurde die Produktion dieser Turntables im Jahr 2010 durch die Betreiberfirma Panasonic eingestellt. Folglich werden die Technics-Plattenspieler immer rarer und dementsprechend teurer in der Anschaffung.

Technische Features des Technics SL-1210 M5G

Wie alle SL-Plattenspieler von Technics basiert der M5G auf dem patentierten Quarz-Direkt-Antrieb, welcher ein Teil des Erfolgs dieser Plattenspieler ist. Das Anlaufdrehmoment liegt bei 1,5 kg/cm und die Startzeit bei 0,7 Sekunden. Dies ist zwar Standard, allerdings mag dieses Drehmoment für einige DJs zu gering sein, vor allem wenn sie häufig die Platten manipulieren, wie es beim Scratching der Fall ist.

Das Gewicht des M5G beträgt stattliche 11,5 kg und ist somit vor Vibrationen im Club gut geschützt. Dabei trägt das edle Alu-Druckguss-Gehäuse mit seiner Schwarz-Metallic-Lackierung seinen Teil zur Optik und zum Gewicht dieses Turntables bei.

Wie die anderen Plattenspieler der SL-Reihe besitzt der M5G einen S-Tonarm mit SME-Bajonettbefestigung, an welche zum Beispiel die Concorde-Systeme von Ortofon angeschlossen werden können.

Neben kleineren Neuerungen an der Optik unterscheidet sich der Technics SL-1210 M5G vor allem hinsichtlich seines Pitch Adjustments. Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen kann zwischen einem Pitchbereich von /-8% und /-16% gewechselt werden. Auf diese Weise lassen sich mehr Musikstücke in Bezug auf ihr Tempo angleichen.

And the winner is?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da sowohl der Vestax PDX-3000 MIX als auch der Technics SL-1210 M5G ihre jeweiligen Vorzüge haben. Da Technics keine Plattenspieler mehr herstellt, sind diese in der Anschaffung recht teuer und liegen bei einem neuen M5G zwischen 1.400 € und 2.000 €. An dem Preis zeigt sich auch, dass Technics eine Art Kult und eben mehr als "nur" Plattenspieler sind. Technikafficionados haben weitestgehend das Nachsehen, den Technics-Plattenspieler bestechen nicht durch zahlreiche Features. Dafür erhalten Sie aber einen Turntable mit seit Jahrzehnten perfektionierter Technik, an dem sich viele Hersteller orientieren.

Für den Preis noch nicht mal eines Technics SL-1210 M5G erhalten Sie wiederum bereits zwei Vestax PDX-3000 MIX-Turntables. Und dieser starke preisliche Unterschied darf auf gar keinen Fall als ein Anzeichen minderer Qualität gedeutet werden. Die Differenz rührt vielmehr daher, dass Technics-Plattenspieler mittlerweile begehrte Sammlerstücke geworden. Hinsichtlich seiner zahlreichen Funktionen und MIDI-Fähigkeit schlägt der Vestax PDX-3000 MIX den M5G und zahlreiche andere Geräte von DJ-Plattenspielerherstellern allerdings deutlich.

Welcher der optimale Plattenspieler für Ihre Zwecke ist, hängt auch von der Musik ab, die Sie auflegen. Wenn Sie robust auflegen, eignet sich der PDX-3000 MIX mehr. Wenn Sie jedoch an Technics gewöhnt sind, könnte der PDX-3000 MIX für Sie eventuell zu stark sein. Dann ist natürlich Technics das Gerät der Wahl.

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