Druckluftgeräte zum Bohren, Nageln, Schrauben und Tackern

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Werkzeuge zum professionellen Heimwerken: Druckluftgeräte zum Bohren, Nageln, Schrauben und Tackern

Druckluftwerkzeuge kommen bei vielen Ausbauarbeiten im Innenbereich zum Einsatz und sind der günstige Gegenpart zu Elektrowerkzeugen. Auch professionelle Werkstätten greifen auf diese Werkzeuge zurück, um eine deutlich bessere Leistung zu erzielen. Sie werden ausschließlich von Druckluft angetrieben, die ein angeschlossener Kompressor erzeugt. Die Werkzeuge zeigen sich besonders kompakt, leicht und vor allem preiswert. Die einzig kostspielige Komponente in diesem Bereich ist der richtige Kompressor. Je nach angeschlossenem Werkzeug wird besonders viel Leistung erforderlich, sodass der Kompressor mehrere Hundert Euro kostet. Dabei kommt es weniger auf den Betriebsdruck des Kompressors an, sondern auf seine Ausdauer beziehungsweise Luftleistung. In diesem Ratgeber erfahren Sie mehr über die einzelnen Druckluftgeräte und den dafür benötigten Kompressor. Außerdem geben wir Ihnen hilfreiche Tipps, die Arbeit zu optimieren und die Werkzeuge auf lange Sicht zu schonen.

So funktionieren Druckluftwerkzeuge und Kompressoren

Kernstück aller Druckluftgeräte ist der Kompressor. Er kann vom Prinzip her mit einer Luftpumpe verglichen werden, in der sich ein Kolben nach vorn bewegt. Durch diese Bewegung verdichtet der Kompressor die Luft. Der Kolben selbst erhält seinen Antrieb von einem Elektromotor, der beispielsweise über einen Riemen angeschlossen ist. Je nach Leistungsfähigkeit des Elektromotors und Kraftübertragung auf den Kolben variiert die Effizienz des Kompressors. Es nützt nichts, wenn der Elektromotor allein eine hohe Leistung erzielen kann. Der Kolben muss auch in der Lage sein, diese Leistung in eine entsprechend große Menge Druckluft umwandeln zu können. Durch das Komprimieren der Luft entsteht eine enorme Wärme im Gerät selbst. Aus diesem Grund weisen alle Kompressoren Kühlrippen auf und werden mit einem Lüfter aktiv kalt gehalten. Kühlt sich die Luft im Inneren des Kessels langsam wieder ab, entsteht aus physikalischen Gründen Kondenswasser. Besonders günstige Kompressoren erbringen nur eine geringe Leistung und können von innen her durchrosten. Im Normalfall sind die Aggregate mit einer besonders dicken Wand versehen oder sogar mit einem speziellen Rostschutz innen gestrichen. Lassen Sie das kondensierte Wasser regelmäßig aus dem Kompressor ab. Dafür verwenden Sie die am Gerät vorgesehene Ablassschraube.

Manche Geräte funktionieren nur mit einem bestimmten Zusatz

Je nach angeschlossenem Werkzeug ist die Druckluft zusätzlich zu filtern, zu trocknen oder mit Öl zu versehen. Vor allem rotierende Werkzeuge benötigen eine besondere Schmierung und funktionieren nur in Verbindung mit einem Druckluftöler. Er fügt der Druckluft während des Betriebs automatisch eine geringe Menge Öl hinzu. Verzichten Sie auf diese zusätzlichen Komponenten, riskieren Sie eine enorm verkürzte Betriebsdauer der Werkzeuge. Der Öler muss bei anderen Werkzeugen wiederum entfernt werden. Bei einer Spritzpistole oder bei einer Ausblaspistole darf er nicht zwischen den Leitungen hängen. Die meisten Druckluftgeräte sind für diese Zusatzkomponenten mit einem zweiten Luftanschluss versehen. In den Druckluftgeräten selbst kommt ein Lamellen- oder ein Schiebemotor zum Einsatz. Je nach Modell benötigen diese Motoren einen Druck zwischen 6 und 12 bar, um angetrieben zu werden.

Diese Geräte dürfen mit Druckluft betrieben werden

Es gibt verschiedene Werkzeuge, die sich mit Druckluft bedienen lassen:

Die Vorteile druckluftbetriebener Geräte

Die mit Druckluft betriebenen Geräte besitzen ein geringes Gewicht, da die Motoren deutlich leichter sind. Überkopf-Arbeiten lassen sich problemlos, und ohne Ermüdung der Arme durchführen. Eine Ausblaspistole eignet sich für vielseitige Reinigungsarbeiten. Tragen Sie dabei grundsätzliche eine Schutzbrille, um Verletzungen an Gesicht und Augen zu vermeiden. Mit einem Bohrhammer oder einer Schlagbohrmaschine lassen sich Abbrucharbeiten deutlich einfacher durchführen. Im Vergleich zu den Elektrowerkzeugen in diesem Bereich überzeugen die Druckluftgeräte wieder mit ihrem geringen Gewicht. An Vielseitigkeit in Sachen Aufsätzen fehlt es den Werkzeugen auch nicht. Der Kompressor selbst dient nicht nur zum Betrieb der Werkzeuge, sondern auch als Luftpumpe. In wenigen Sekunden füllen Sie Schlauchboote, Gästematratzen oder Reifen problemlos mit dem Kompressor auf.

Lackieren, Scharuben und Sandstrahlen

Mit Druckluft wird das Lackieren zum Kinderspiel. Schließen Sie eine passende Pistole an den Kompressor an und Sie lackieren kleine Werkstücke mit einer komplizierten Form dennoch gleichmäßig. Ein besonderes Werkzeug sind die Druckluft-Kartuschenpressen. Sie eignen sich für Silikon, Acryl oder andere Kartuschen, die man mit hohem Kraftaufwand auspresst. Per Druckluft dosieren Sie schnell und einfach. Allerdings lohnt sich die Anschaffung eines solchen Geräts erst bei regelmäßiger Anwendung der Presse. Besitzen Sie ohnehin einen Kompressor, dürfen passende Bohrer und Schrauber nicht fehlen. Sie erleichtern sich die Arbeiten enorm und sind nicht mehr auf die Leistungsfähigkeit des Akkuschraubers angewiesen. Heimwerker-Profis greifen sogar auf Farbroller mit Druckluft zurück. Dabei wird die Farbe aus dem Behälter direkt in die Rolle gedrückt. Sie streichen Wände und Fassaden, ohne die Fellrolle ständig wieder neu in die Farbe zu tauchen.

Metallgegenstände sind oft zu entrosten oder andere Materialien vom Lack zu befreien. Per Druckluftpistole erzeugen Sie einen kleinen Sandstrahl, der selbst bei verwinkelten Werkstücken seine Wirkung zeigt. Vergessen Sie bei diesen und ähnlichen Arbeiten nicht ihre Schutzkleidung. Ein Schlagschrauber darf in Autowerkstätten und bei einem Reifenservice nicht fehlen. Doch auch der private Reifenwechsel erfolgt mit dem Druckluftwerkzeug schnell und einfach.

Wie viel Leistung benötigen die einzelnen Geräte?

Druckluftwerkzeuge unterscheiden sich grundsätzlich in zwei Bereiche. Der Schlagschrauber oder Druckluftnagler benötigt die Leistung des Kompressors nur kurzzeitig. Meißelgeräte für Abbrucharbeiten oder Spritzpistolen zum Lackieren greifen auf einen konstanten Betriebsdruck zurück. Für diesen Arbeitseinsatz muss der Kompressor die Leistung längere Zeit bringen und entsprechend gekühlt werden. Je mehr Leistung das jeweilige Werkzeug braucht, desto mehr Luft hat der Kompressor in einer bestimmten Zeit zu komprimieren. In der Betriebsanleitung der Werkzeuge finden Sie diesen Leistungsbedarf. Hier ist einmal der benötigte Druck angegeben. Außerdem lesen Sie den Luftbedarf in Litern pro Minute oder pro Schlag ab. Vergleichen Sie dann diesen Wert mit der Füllleistung des Kompressors. Wichtig: Sie darf nicht mit der Ansaugleistung verglichen werden. Stimmen die beiden Werte überein, lässt sich das Werkzeug problemlos mit dem Kompressor verwenden.

Das sollten Sie bei der Auswahl eines Kompressors beachten

Kompressoren müssen nicht teuer sein, sollten jedoch einige Qualitätsmerkmale befolgen. Dabei spielt es immer eine wichtige Rolle, in welchem Umfeld und mit welchen Werkzeugen Sie den Kompressor später einsetzen wollen. Manche Geräte sind bereits unter 100 Euro zu bekommen, währen hochwertige Kompressoren mehrere Hundert Euro kosten. Eine wichtige Regel: Bei einem niedrigen Preis müssen Sie grundsätzlich Abstriche machen und Kompromisse eingehen. Folgende Punkte gibt es deshalb beim Kauf zu berücksichtigen:

  • Die Motorgröße: Es kommt nicht nur auf die Größe des Motors oder auf die Motorleistung an. Viel wichtiger ist der Verdichter im Inneren. Er muss die Leistung des Motors effektiv umsetzen können und die Luft komprimieren. Schafft er das nicht, zieht der Kompressor unnötig Strom, ohne dabei die gewünschte Leistung zu erzielen.
  • Die Größe des Kessels: Mit einem kleinen Kessel speichert der Kompressor nur wenig Druck. Damit haben Sie ihre Werkzeuge nur kurz im Einsatz, bis der Kompressor nachlädt und wieder anläuft. Besonders leistungsfähige Werkzeuge bekommen von einem stetig laufenden Kompressor nicht den benötigten Druck. Daher müssen Sie immer wieder unnötige Arbeitspausen einlegen. Mit einem großen Kessel läuft der Kompressor deutlich seltener an und belastet dabei nicht Ihre Ohren. Oft ist ein kompletter Arbeitsvorgang ohne Nachpumpen möglich.
  • Die Leistung: Leistungsangaben sollten bei einem Kompressor immer eindeutig sein. Die Ansaugleistung sagt dabei nicht viel über die eigentliche Leistung des Aggregats aus. Hierbei handelt es sich um einen rein rechnerischen Wert, der aus dem Volumen des Kolbens und der Motordrehzahl entsteht. Die Füllleistung ist das eigentlich zur Verfügung stehende Volumen der Druckluft. Nach dieser Leistung wählen Sie die passenden Werkzeuge für diesen Kompressor aus.
  • Garantie: Günstige Geräte rosten durch das Kondenswasser im Kessel deutlich schneller. Mit einer möglichst langen Garantie schützen Sie sich selbst vor einem vorzeitigen Durchrosten und bekommen eine Ersatzleistung.

Was versteht man unter Kompakt-Kompressoren?

Für den Heimgebrauch sind Druckluftwerkzeuge sinnvoll, doch nicht in allen Bereichen einsetzbar. Dies hängt hauptsächlich von der Größe des Kompressors ab. Das schwere Gerät ist nicht überall verwendbar und für einen Transport nicht immer geeignet. Abhilfe schaffen kleine Kompaktkompressoren, die in einem kleinen Koffer integriert sind. Weniger als 20 Kilogramm bringen derartige Geräte auf die Waage. Dabei besitzen Sie dennoch eine sehr hohe Füllleistung, sodass Sie ohne Wartezeiten weiterarbeiten können. Die tragbaren Kompressoren sind schnell in verschiedenen Räumen aufgebaut und auch für unterwegs gedacht.

Zubehör und andere wichtige Fakten zum Druckluftsystem

Werkzeuge und Kompressoren sind nicht die einzigen Komponenten, aus denen ein hochwertiges Druckluftsystem besteht. Wie bereits erwähnt, benötigen manche Geräte einen Druckluftöler, der die Luft mit einem leichten Ölfilm versetzt. Das genaue Gegenteil bewirkt der Drucklufttrockner. Er kommt meist bei Reinigungswerkzeugen zum Einsatz, die keine feuchte Druckluft ausgeben dürfen. Sind mehrere Werkzeuge im Einsatz, zeigt sich ein Druckluftverteiler als praktisch. Damit betreiben Sie gleich zwei Werkzeuge, die Sie im Wechsel benötigen. Die Druckluft bleibt pro Gerät annähernd erhalten, wenn Sie nicht beide Geräte gleichzeitig im Einsatz haben. Ein komplizierter Wechsel zwischen den Endstücken bleibt Ihnen hiermit erspart. Außerdem dürfen Sie die Druckluftschläuche nicht vergessen. Nicht alle Kompressoren sind mit den passenden Schläuchen ausgestattet. Am besten eignen sich gedrehte oder geringelte Kabel, die schnell in der Länge variabel sind. Nach der Nutzung ziehen Sie sich wieder zusammen. Bajonettverschlüsse sorgen für mehr Sicherheit. Damit trennen Sie das jeweilige Werkzeug problemlos von der Leitung und schließen schneller das nächste Werkzeug an.

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