Diese Rollfilmkameras sind nicht nur etwas für Nostalgiker

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Diese Rollfilmkameras sind nicht nur etwas für Nostalgiker

Auf den ersten Blick scheint die Rollfilmkamera noch veralteter als die analogen Kameras für das Kleinbildformat zu sein. Das Mittelformat hat sich in seiner Nische, in die es die Kleinbildfotografie gedrängt hat, aber immer behauptet. Auch die Digitalfotografie kann das Medium Film nicht völlig ersetzen, genauso wie Buch oder Zeitung neben dem Internet weiterhin ihren Platz haben. Welche Rollfilmkameras nicht nur etwas zum Anschauen sind, sondern auch für das fotografische Arbeiten taugen, lesen Sie hier.

Warum Rollfilm statt Kleinbild?

Der Hauptunterschied zwischen einer Mittelformat- und einer Kleinbildkamera lässt sich sehr anschaulich mit den Megapixelzahlen von Digitalkameras vergleichen. Das häufigste auf Rollfilm aufgenommene Bildformat beträgt 6 x 6 Zentimeter. Ein solches quadratisches Bild mit sechs Zentimetern Kantenlänge besitzt eine gut viermal so große Fläche wie das Kleinbildformat mit 24 x 36 Millimetern. Bei gleichem Filmmaterial entspricht dieser Unterschied dem einer Kamera mit 21 Megapixeln im Vergleich zu einer 5-MP-Kamera.

Aufgrund der unterschiedlichen Seitenverhältnisse hinkt der direkte Vergleich der Auflösungen von Kleinbild- und Mittelformat zwar etwas, aber selbst bei einem Ausschnitt aus dem Mittelformatfilm, der mit sechs mal vier Zentimetern das gleiche Seitenverhältnis wie das Kleinbildformat besitzt, ist die Auflösung noch fast dreimal so groß. Bei der Anfertigung von Groß- und Ausschnittvergrößerungen bietet das Mittelformat daher erheblich mehr Reserven als der Kleinbildfilm, und auch bei kleineren Abzügen ist der Unterschied in etwa so, wie der zwischen den hochauflösenden Retina-Displays von Apple und einem normalen Bildschirm.

Ausschneiden statt zoomen bei der Rollfilmkamera

Die höhere Auflösung wirkt sich aber auch auf die Anforderungen aus, die bestimmte Aufnahmesituationen an die Kameraausrüstung stellen. So sind zwar die Wechselobjektive für Rollfilmkameras, schon wegen der notwendigen größeren Abmessungen, teurer als vergleichbare Optiken für das Kleinbildformat, aufgrund der höheren Qualität der Ausschnittvergrößerungen lässt sich aber ein Objektivwechsel oft ganz vermeiden.

Ein Ausschnitt in der Größe eines Kleinbildnegativs aus einem 6 x 6 Zentimeter großen Bild, das mit einem Normalobjektiv aufgenommen wurde, unterscheidet sich beispielsweise nicht von einer Aufnahme mit einem 100mm-Tele an der Kleinbildkamera. Durch entsprechende Ausschnittvergrößerung lässt sich also bei der Rollfilmkamera im 6 x 6-Format der Effekt eines zweifachen Zoomobjektivs erreichen, bevor die Bildqualität auf das Kleinbildniveau absinkt.

Fotografieren mit alten und neuen Rollfilmkameras

Auch wenn das Mittelformat bereits vor mehr als 50 Jahren als beliebtestes Aufnahmeformat abgelöst wurde, ist die Auswahl an Mittelformatkameras, die praktisch für die Fotografie nutzbar sind, vergleichsweise groß. Das liegt auch daran, dass diese Kameras aufgrund ihrer Baugröße mehr Raum für die Mechanik bieten und dadurch robuster sind als vergleichbare Kleinbildkameras. Eine 60 Jahre alte zweiäugige Rolleiflex kann auch heute noch voll funktionsfähig sein. Daneben werden aber auch weiterhin neue Mittelformatkameras produziert, die mit fotografischem Film bestückt werden können - wenn auch das letzte Modell der analogen 500er Reihe der berühmten Hasselblad nun nicht mehr angeboten wird. Hasselblad hatte die 503CWD im Jahr 2005 eingeführt und damit die zehn Jahre ältere 503CW abgelöst.

Rollfilm und Digitalfotografie sind kein Gegensatz

Die Trennung zwischen analoger und digitaler Fototechnik ist im Mittelformat allerdings insgesamt weniger scharf. Sie erfolgte zunächst hauptsächlich über die Einführung digitaler Rückteile, die anstatt der Rollfilmmagazine an herkömmliche Analogkameras angeschlossen wurden. Ähnliche Ansätze gab es zwar vereinzelt auch im Bereich der Spiegelreflexkameras für das Kleinbildformat, dort konnten sie sich aber nie gegen die Konkurrenz der reinen Digitalkameras durchsetzen.

Mit der Rolleiflex Hy6 gibt es sogar ein noch immer produziertes Kamerasystem für das Mittelformat, das von vornherein für den hybriden Einsatz, sowohl mit Film als auch mit digitalen Aufnahmeeinheiten, entwickelt wurde. Bei dem insgesamt teureren Kameraequipment für das Mittelformat bietet dieser Ansatz auch eine erhöhte Investitionssicherheit, denn dieselbe Ausrüstung lässt sich uneingeschränkt sowohl digital als auch mit Film nutzen.

Klassische Rollfilmkameras neu aufgelegt

In der Geschichte der Fotografie wurden immer wieder einmal alte Klassiker neu aufgelegt. Das ist bei den Rollfilmkameras nicht anders. So wurde zum Beispiel auf der Photokina 2012 eine Neuauflage der zweiäugigen Rolleiflex als Modell FX-N vorgestellt.

Die Vielfalt der Bildformate beim Rollfilm

Anders als beim Kleinbildfilm, bei dem andere Bildformate als die ursprünglichen Abmessungen von 24 x 36 mm immer Randerscheinungen blieben, gibt es beim Mittelformat eine größere Formatvielfalt. Die gängigen Formate liegen zwischen 6 x 9 cm und den halb so großen 6 x 4,5 cm. Einige Panoramakameras machen sogar noch größere Bilder, bis zum Format 6 x 17 cm. Besonders häufig ist allerdings das quadratische Format mit 6x6 cm zu finden, das eine Unterscheidung zwischen Hoch- und Querformat bei der Aufnahme überflüssig macht. Dies erleichtert die Handhabung der Kamera, und auch das vergleichsweise große Negativ besitzt ausreichend Reserven, um den Ausschnitt erst bei der Erstellung von Abzügen endgültig festzulegen.

6 x 6 - das beliebteste Mittelformat

Bei Mittelformatkameras sind sogar variable Aufnahmeformate nicht selten anzutreffen. Die Aufnahmen der Kamera lassen sich dann beispielsweise zwischen 6 x 6 und 6 x 4,5 cm umstellen. Dies ist auch bei der erwähnten Rolleiflex Hy6 der Fall.

Das größte auf Rollfilm aufgenommene Bildformat 6 x 9 cm war das Standardformat der alten Box- und Klappkameras. Selbst bei neueren Kamerasystemen findet es sich noch - neben dem sehr exotischen Format von 6x8cm wie etwa bei einigen Messsucherkameras der Marke Fujica. Vor der Einführung von Vergrößerungsgeräten wurden die Negative zum Anfertigen von Abzügen direkt im Kontaktmittel auf das Fotopapier belichtet. Sie mussten daher die gleiche Größe haben wie das fertige Bild. Die Verbreitung der Vergrößerung bei der Fotoentwicklung machte diese Einschränkung überflüssig und in der Folge wurde die Größe von 6 x 6 cm das beliebteste Mittelformat.

Das Format 6 x 6 erlaubt zwölf statt neun Aufnahmen auf einem normalen Rollfilm und ist zum Beispiel das Standardformat der Rolleiflex, ihrer einfacheren Schwester Rolleicord sowie ihrer zahlreichen Nachbauten, aber auch der klassischen Hasselblad. Insbesondere bei den zweiäugigen Spiegelreflexkameras, deren Hauptsucher von oben zu betrachten ist, wären Aufnahmen im Hochformat nur sehr umständlich zu machen. Ein quadratisches Negativformat ist hier sehr vorteilhaft.

Einäugige Spiegelreflexkameras in 6 x 7

Zu Beginn der 1970er Jahre brachte Pentax, gefolgt von Mamiya, einäugige Spiegelreflexkameras für Rollfilm auf den Markt, die das Format 6 x 7 cm für die Aufnahme nutzten. Hierdurch wird bei Abzügen, deren Seitenverhältnis üblicherweise nicht quadratisch ist, das Bildformat besser ausgenutzt. Auf der anderen Seite reduziert sich die maximale Anzahl der Bilder beim 120er-Rollfilm gegenüber dem 6 x 6-Format auf zehn. Um den Vorteil des quadratischen Formats nicht aufzugeben, ermöglichte es die Mamiya RB67, das Rückteil für Aufnahmen ins Hochformat zu drehen.

Kleinstes Format, größte Anzahl von Fotos

Das kleinste von Rollfilmkameras verwendete Format 6 x 4,5 cm belichtet 18 Bilder auf eine 120er-Rollfilmspule. Es ist zwar ein Viertel kleiner als das Format 6 x 6, die Fläche wird aber bei den üblichen Abzügen, mit Seitenverhältnissen um 2:3, besser ausgenutzt. Bei entsprechend kleineren Kameras mit horizontalem Suchereinblick sind auch Aufnahmen im Hochformat weniger problematisch. Auf dem längeren 220er Rollfilm erlaubt das Format 6 x 4,5 sogar 36 Aufnahmen. Das sind ebenso viele, wie ein normaler Kleinbildfilm aufnimmt.

Rollfilm 120 und 220

Der klassische Rollfilm besteht aus einem lichtdichten Schutzpapier und einem Filmstreifen, der etwas kürzer und an einem Ende mit einem Klebestreifen auf dem Papier befestigt ist. Beides zusammen wird auf eine Spule aufgewickelt geliefert und beim Fotografieren in der Kamera Bild für Bild auf eine zweite Spule transportiert. Ein Rückspulen, wie es bei den Filmpatronen für das Kleinbildformat nötig ist, erübrigt sich also beim Rollfilm. Das seitlich sowie am Anfang und Ende des Films überstehende Schutzpapier erlaubt die Handhabung der Rollfilmpatrone selbst bei Tageslicht. Auf der Rückseite des Papiers sind Bildnummern für die gängigsten Formate, 6 x 6 cm, 6 x 4,5 cm und 6 x 9 cm aufgedruckt. Bei sehr alten Rollfilmkameras, insbesondere verschiedenen Box-Modellen, ist auf der Rückwand ein kleines Fenster aus rotem Glas angebracht, durch das diese Nummern sichtbar sind. Beim Filmtransport muss bei diesen Kameras das Fenster beobachtet und der Film so lange weitergedreht werden, bis die nächste Zahl sichtbar wird. Neuere Kameras besitzen dagegen ein mechanisches Bildzählwerk und einen automatischen Stopp des Filmtransports bei jedem Bild.

Das Besondere am 220er Film

Durch den Einbau des mechanischen Zählers und den Verzicht auf das rote Guckfenster konnte beim Rollfilm auf den größten Teil des Schutzpapiers zugunsten eines längeren Filmstreifens verzichtet werden. Derartige Rollfilme, die nur am Anfang und am Ende mit einem Papierstreifen versehen sind und 24 Fotos im Format 6 x 6 aufnehmen können, werden unter der Bezeichnung 220 verkauft. Der klassische Film mit durchgängigem Schutzpapier trägt dagegen die Bezeichnung 120. Der 220er Film darf nur in Kameras mit mechanischem Bildzählwerk verwendet werden, bei älteren Kameras würde er durch das Licht belichtet werden, das durch das rote Fenster auf die ungeschützte Filmrückseite fällt.

Fazit

Auch wenn das Mittelformat bereits vor der Digitalisierung durch den Siegeszug der analogen Kleinbildfotografie selten geworden ist, eignen sich gerade Rollfilmkameras für das Fotografieren auf Film im Zeitalter der Digitalfotografie. Für die ersten Schritte in die Fotografie mit Rollfilm ist nicht nur die Kamera, sondern auch der passende Film notwendig. Beides wird auch zusammen angeboten. Hier gibt es zum Beispiel für die Amateurfotografie taugliche Mittelformatkameras im Format 6 x 6 oder 6 x 7 als Produktbündel mit dem zugehörigen Rollfilm.

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