Diese Plattenspieler sind nur etwas für Bastler

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Diese Plattenspieler sind nur etwas für Bastler

Schallplatten sind auch zu Anfang des 21. Jahrhunderts noch immer nicht ausgestorben. Totgesagt wurden sie schon häufiger, doch die Nachfrage nach den großformatigen Tonträgern aus Vinyl ist weiterhin ungebrochen. Zwar hat sich der Massenmarkt schon lange mit CDs angefreundet, aber unter Audiophilen und DJs gilt die Scheibe mit den eingepressten Tonrillen immer noch als das Maß der Dinge. Selbst heute werden noch neue Schallplatten produziert.

Dies liegt nicht zuletzt an der Klangcharakteristik des Mediums, die eher der Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs entspricht als die hohe Linearität, die einst das Hauptargument für die CD war. Die Musik vom Plattenspieler weckt mit ihren unverwechselbaren Eigenheiten viel mehr Emotionen als der fast schon sterile Klang aus dem CD-Player. Es verwundert daher kaum, dass es teilweise schon zum guten Ton gehört, künstliches Plattengeknister unter die eigene Musik zu mischen. Und auf dem HiFi-Markt werden für edle Plattenlaufwerke noch immer Preise im vierstelligen Bereich aufgerufen.

Überblick: Was können Sie heute noch mit einem Plattenspieler tun?

Zunächst stellt sich die Frage, ob Sie bereits einen Plattenspieler besitzen oder erst noch den Kauf planen. Häufig ergibt sich beispielsweise die Konstellation, dass ein Stapel mehr oder weniger gut erhaltene Schallplatten auftaucht, beispielsweise bei Wohnungsauflösungen, Umzügen oder als Geschenk.

Zum Wegwerfen sind die meist älteren Zeitzeugen eigentlich viel zu schade, auf der anderen Seite gibt es viele Stücke auf den Schallplatten gar nicht in digitaler Form. Also wäre es zumindest schön, die akustischen Schätze in das digitale Zeitalter hinüber zu retten. Die gute Nachricht: All dies lässt sich auch heute noch mit moderaten Kosten erreichen.

Wenn der Plattenspieler schon vorhanden ist: der Funktionstest

Auch ein hochwertiger Plattenspieler altert mit der Zeit. Viele Laufwerke werden beispielsweise über Gummiriemen angetrieben, die zwar haltbar sind, aber dennoch im Laufe der Jahre an Elastizität verlieren. Dann beginnt der Plattenspieler, immer deutlichere Unregelmäßigkeiten beim Abspielen zu zeigen – die Platte „leiert“. Bei den meisten Plattenlaufwerken ist der Austausch der Antriebsriemen aber mit etwas Geduld, dem passenden Werkzeug und dem richtigen Ersatzteil kein großes Problem.

Knifflig ist dabei eher, festzustellen, welchen Durchmesser der Riemen ursprünglich hatte. Hier helfen Reparaturanleitungen der Hersteller. Ersatzteilanbieter verfügen oft über Listen, welche Riemen zu welchem Plattenspieler passen.

Heikel bei Altgeräten: Anschlusskabel und gealterte elektrische Bauteile

Während die Mechanik des Plattenspielers robust ist und mit etwas Wartung auch nach Jahrzehnten in der Regel noch reibungslos funktioniert, sind die elektrischen Teile häufiger die Ursache für Probleme bei Altgeräten. Kabelisolierungen werden mit der Zeit brüchig, ein Netzkabel mit brüchiger Isolierung sollte vom Fachmann ausgetauscht werden. Ältere Netzteile sind zwar selten störanfällig, können aber im Laufe der Zeit durch austrocknende Kondensatoren zu einem lästigen Brummanteil im Audiosignal führen. Die Behebung solcher Probleme ist ein klarer Fall für den Fachmann, der Umgang mit Netzspannung ist dem Laien nicht zu empfehlen.

Last but not least: Überprüfen sie den Tonabnehmer vor der Nutzung

Die Abtastnadel ist der empfindlichste Teil des Plattenspielers. Ein winziger, präzise geschliffener Kristall tastet die Rillen der unter dem Tonarm durchlaufenden Schallplatte ab, dabei verschleißen im Laufe der Zeit sowohl die Platte als auch die Nadel. Eine verschlissene Nadel führt dabei zu stärkerem Verschleiß der Platte und schlechter Tonqualität. Es ist also für den Erhalt der mitunter wertvollen Tonträger sehr wichtig, dass die Nadel immer in einwandfreiem Zustand ist. Tauschen Sie vor der Wiederinbetriebnahme eines alten Plattenspielers vorsichtshalber die Nadel aus, um sicherzustellen, dass Sie Ihre Platten nur mit einer einwandfreien Nadel abspielen.

Wenn der Plattenspieler erst gekauft werden soll

Der Plattenspieler-Markt stellt sich heute als recht überschaubar dar. Grundlegend gibt es vier Marktsegmente:

  • Low-Cost-Plattenspieler: Sie taugen meist nur dazu, eine Schallplatte noch ein letztes Mal abzuspielen, um sie dabei zu digitalisieren, oftmals direkt mit eingebautem Digitizer.
  • Geräte für den DJ-Einsatz: Hier handelt es sich häufig um ein nacktes Chassis zum Einbau in DJ-Pulte.
  • Hochpreisige Geräte für Audiophile und Schallplattenliebhaber: Oftmals werden exklusive Designermodelle für hohe drei- bis gar fünfstellige Preise verkauft.
  • Gebrauchtgeräte: Sie sind zwar teilweise sehr günstig, bringen aber häufig die obengenannten Nachteile alter Plattenspieler mit sich. 

Low-Cost-Plattenspieler: Wenn Sie keine hohen Ansprüche stellen

Viele der aus vergangenen Jahrzehnten bekannten Marken haben sich mittlerweile von der Produktion vollständig verabschiedet, gerade im Low-Cost-Segment herrschen Handelsmarken vor, deren Herkunft meist im Dunkeln bleibt. Einen Schallplattenspieler aus diesem Segment zu kaufen ist nur dann empfehlenswert, wenn das Budget tatsächlich keinen hochwertigen Plattenspieler erlaubt.

Für das einmalige Abspielen eines Archivs von Schallplatten zur Digitalisierung reichen diese Geräte aus, allerdings sollte man weder bei Qualität noch bei Klang oder Haltbarkeit Wunder erwarten. Gerade das Abtastsystem schwächelt bei dieser Preisklasse deutlich, das Resultat sind mittelmäßige Aufzeichnungen, die zumindest als Erinnerungsstücke aber ihre Berechtigung haben können. Für den gehobenen Anspruch sind diese Geräte nicht geeignet.

Hohe Anforderungen an DJ-Systeme: leistungsfähige Plattenspieler

Besser sieht die Lage bei den DJ-Systemen aus. Diese sind auf die harten Anforderungen im täglichen Betrieb mit häufigen Plattenwechseln, langen Betriebszeiten und Robustheit (Stichwort: Scratching) ausgelegt und zeichnen sich daher durch ihre außerordentliche Langlebigkeit aus. Mit solch einem Plattenspieler lassen sich auch dauerhaft gute Ergebnisse beim Abhören der Plattensammlung erzielen.

Mit einem Vorverstärker lassen sich auch externe Digitizer problemlos anschließen, um die eigene Plattensammlung in den PC zu überspielen. Der Nachteil: Vollautomatische Tonarmantriebe oder Tonarmlifte sucht man bei vielen dieser Systeme vergebens, hier ist der Betrieb oft Handarbeit.

High-End-Systeme: hervorragende Qualität, aber auch ein stolzer Preis

High-End-Systeme spielen konkurrenzlos gut, aber dies zu einem Preis, der die meisten Budgets sprengt. Für Schallplattenfans gibt es kaum eine Alternative zu den sündhaft teuren Spezialanfertigungen, wer jedoch in erster Linie das eigene Schallplattenarchiv digitalisieren will, benötigt kein solches Luxusgerät, sondern ist mit einem DJ-System oder notfalls einem Low-Cost-Plattenspieler mit eingebautem USB-Anschluss für das schmale Budget besser beraten.

Der Plattenspieler im Betrieb: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Wer den Umgang mit den relativ robusten digitalen Tonträgern gewohnt ist, muss bei der Schallplatte deutlich umdenken. Anders als die CD, die berührungslos von einem Laserstrahl abgetastet wird, gibt es hier den direkten Kontakt von Schallplatte und Tonabnehmer. Dadurch nutzen sich die Schallplatten mit der Zeit ab und die Klangwiedergabe wird immer dumpfer und undeutlicher.

Zusätzlich lädt sich das Kunststoffmaterial der Schallplatte beim Abspielen statisch auf, was dazu führt, dass Staub aus der Luft angezogen wird und sich im Laufe der Zeit auf der Schallplatte ablagert. Dies ist eine der Ursachen für das Kratzen und Rauschen im Hintergrund bei vielen Schallplatten.

Die Reinigung von Staub ist für die Schallplatte unverzichtbar

Vor dem Auflegen des Tonarms sollte die Schallplatte also von Staub befreit werden. Dazu gibt es zwei unterschiedliche Methoden, die beide ihre Vor- und Nachteile haben. Zur trockenen Reinigung gibt es spezielle Bürsten mit feinen Haaren aus Kohlefaser. Diese leitenden Borsten beseitigen die statische Aufladung der Schallplattenoberfläche und entfernen dabei auch den Staub von der Oberfläche. Staub und Haare, die sich tief in den Tonrillen befinden, werden von der Bürste allerdings nur unvollständig entfernt.

Der Vorteil der Bürste ist der schnelle Einsatz: Schallplatte auflegen, Plattenspieler starten, eine Umdrehung gegen die Drehrichtung mit der Bürste ziehen – fertig. Wichtig ist, dass Sie mit der Bürste nicht stark auf die Platte drücken, sondern eher eine leichte Wischbewegung auf der Plattenoberfläche entlang der Tonrille durchführen.

Die Nassreinigung als Ergänzung zur Trockenreinigung für langen Werterhalt

Wenn eine Schallplatte lange Zeit nicht abgespielt wurde, sollte sie vor dem Abspielen gründlich gereinigt werden. Auch wenn Fingerabdrücke oder andere Verschmutzungen sichtbar sind, ist eine solche Nassreinigung notwendig, bevor die Platte abgespielt wird. Der Schmutz wird sonst beim Abspielen in die Rillen gedrückt, was die Tonwiedergabe verschlechtert und den Verschleiß beim Abspielen erhöht.

Für die Nassreinigung gibt es komfortable Sets, die meist aus einer Wanne mit passender Plattenhalterung und Reinigungsborsten sowie einer speziellen Reinigungslösung bestehen. Die Lösung spült Staub und Verschmutzungen auch tief aus den Rillen und sorgt dafür, dass die gelösten Verunreinigungen sich nicht wieder auf der Platte absetzen. Nachteilig ist, dass die Platte nach der Reinigungsbehandlung erst vollständig wieder trocknen muss, bevor sie abgespielt werden darf. Sie sollte dabei senkrecht gelagert sein, damit sich Staub aus der Luft während der Trocknungsphase nicht auf der Platte absetzen kann.

Erneuern Sie regelmäßig den Tonabnehmer – so erzielen Sie gute Tonqualität

Ebenso wichtig wie eine saubere Plattenoberfläche ist ein guter Tonabnehmer. Die winzigen Kristallnadeln zur Abtastung der Tonrille verschleißen im Betrieb kontinuierlich, was auf Dauer zu schlechter Tonwiedergabe führt. Sie sollten die Nadel also regelmäßig erneuern, spätestens wenn Ihnen fehlende Klarheit bei Höhen auffällt. Konstruktionsbedingt zeigen sich die Effekte eines verschlissenen Tonabnehmers zuerst bei den Höhen, tiefere Frequenzen sind erst deutlich später betroffen.

Zu diesem Zeitpunkt kann die Nadel jedoch schon soweit abgenutzt sein, dass beim Abspielen dauerhafter Schaden an der Tonrille entsteht, der sich mit jedem Durchlauf noch verschlimmert. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, ersetzen Sie die Nadel turnusmäßig nach einer Anzahl abgespielter Platten, ohne erst auf hörbare Anzeichen für Verschleiß zu warten.

Bei guter Pflege steht einer Nutzung der lieb gewonnenen Platten auf weitere Jahrzehnte hinaus nichts im Wege. Trotzdem empfiehlt es sich, das akustische Gold rechtzeitig digital zu konservieren. Mit einer behutsamen Nachbearbeitung kann dabei der Charakter der Schallplatte trotz digitaler Speicherung weitgehend erhalten bleiben.

Digitalisierung: von der Schallplatte ins digitale Zeitalter ohne Mühen

So manche Schallplatte enthält Kostbarkeiten, die nie auf einer CD veröffentlicht wurden und daher kaum noch zu finden sind. Häufig entsteht daraus der Wunsch, die lieb gewonnenen Tonkonserven zu sichern, um sie auch in einigen Jahren noch abhören zu können. Der einfachste Weg hierzu ist die Digitalisierung der Schallplatten. Es gibt dazu mehrere Wege, die Sie einschlagen können:

  • Besitzen Sie ein DAT-Laufwerk, so können Sie dessen hochwertige Wandler nutzen, um aus dem analogen Signal des Schallplattenspielers ein digitales Signal für die Weiterverarbeitung zu erzeugen. Die damit erreichte Qualität ist sehr gut, der Weg in den PC ist aber mitunter steinig und daher vorwiegend erfahrenen Anwendern zu empfehlen.
  • Für erschwingliches Geld sind fertige Digitizer erhältlich, die einfach per Cinch-Stecker an den Plattenspieler und per USB an den Computer angeschlossen werden. Per Software wird die Schallplatte dabei einfach am Stück aufgezeichnet, danach auf Wunsch in einzelne Stücke unterteilt und gegebenenfalls nachbearbeitet, um grobe Störgeräusche zu entfernen. Die Kunst liegt dabei in der Abwägung zwischen Nachbearbeitung und der Bewahrung des akustischen Charakters der Schallplatte.
  • Einige Low-Cost-Plattenspieler werden gleich mit eingebautem Digitizer angeboten. Diese Plattenspieler lassen sich direkt per USB an den PC anschließen, der Rest funktioniert wie bei den separaten Digitizern. Bedingt durch die eher schlechte Qualität des Plattenspielers, insbesondere der Nadel und der Tonarmtechnik, sind die hiermit erzielten Resultate eher mäßig. Vor allem die regelmäßig fehlende Regelung des Auflagegewichtes reduziert die erzielbare Qualität deutlich. Diese Variante ist nur zu empfehlen, wenn bislang kein Plattenspieler vorhanden ist und das Budget sehr knapp ausfällt.

Welchen dieser Wege Sie auch wählen, erwarten Sie von der Software keine Wunder. Versuchen Sie auch nicht, ein besonders rauscharmes Resultat zu erzielen, sondern konzentrieren Sie sich auf ein authentisches Klangbild, das seine Herkunft nicht verschleiert, sondern stolz darauf ist und dies auch zeigt. Bearbeiten Sie die aufgezeichneten Audiodateien nur behutsam und beschränken Sie sich auf die Restaurierung starker Störgeräusche, statt alles auf Hochglanz polieren zu wollen. Damit erhalten Sie ein Ergebnis, dass Sie sich auch in vielen Jahren noch gerne anhören werden.

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