Diese Gourmet ist nicht wirklich was für Gourmets...

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Nachdem ich oftmals gehört und gelesen habe, das es viele Probleme mit dieser Kaffeemaschine gab und wohl auch noch gibt, möchte ich jetzt etwas zur Aufklärung der Ursache(n) beitragen...


ABER ERSTMAL EIN KÄFFCHEN... :o)

Also: Als ich 1995 flügge geworden bin und meine erste eigene Wohnung bezogen habe, stand bei mir ganz oben eine Kaffeemaschine auf der Liste (noch über Klopapier). Ich bin nach längerem Streunen durch mehrere Supermärkte auf die Philips HD 5405/6 aufmerksam geworden, vielen auch bekannt als "Gourmet". Nun ja, es kann vielleicht auch der Vorgänger gewesen sein, wenn es denn einen gab...

Am ansprechendsten für mich war zuerst das Design, denn so etwas hatte ich noch nicht vorher gesehen. Als ich dann nach einigen Prisen Riechsalz wieder zu mir gekommen bin (das gute Stück hatte damals schon 169,-DM gekostet), habe ich zu Hause natürlich gleich erstmal einen Käffi aufgesetzt. Ich musste ja wieder zu Kräften kommen. Die Überraschung war groß: Der Kaffee aus dieser Maschine übertraf bisher die ganze andere Plürre, die ich bis jetzt getrunken hatte.
Aber nach ca. 3 Monaten kam die zweite große Überraschung: Ich hatte gerade wieder mal ein Tässchen aufgesetzt und wollte nach ca. 5 Minuten den Kaffee eingießen.
Ja... PUSTEKUCHEN!!! Der Wasserbehälter war immer noch voll und das Wasser tropfte mit einer Frequenz von einem Tropfen pro 5 Sekunden in den Filter.
"Also Entkalken", dachte ich. Gesagt, getan. Maschine entkalkt, Kaffee lief wieder und Herzi war zufrieden... Dann, diesmal nach zwei Monaten dasselbe... Also wieder Entkalken...! Das ging ca. noch 3 weitere Male so, bis irgendwann mal nix mehr ging. Trotz Entkalkung kam NIX mehr raus.
Ich habe die Maschine genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass es eigentlich kein Kalk war, der das Ventil verstopft hatte, sondern sehr kleine Teflonstückchen der Heizplattenbeschichtung. Daraufhin habe ich mal etwas genauer nachgeforscht und bin zu folgendem (schockierenden) Ergebnis gekommen... Um dies näher zu Erläutern, will ich aber erst einmal grob auf die Funktionsweise derr Kaffeemaschine eingehen.

Das Kaffeewasser wird in den Glasbehälter, der über dem Schwenkfilter angebracht ist, eingefüllt und bis zum Kochen erhitzt (der Boden des Glasbehälters beinhaltet die Kochplatte). Hat das Wasser ca. 7-13 Sekunden lang gekocht, öffnet sich ein mittig in der Kochplatte eingelassenes Thermostatventil und das kochende Wasser fließt langsam in den darunter hängenden Kaffeefilter, bevor es in der Kaffeekanne landet. Und in der Kochplatte liegt die Problematik! Die Kochplatte selbst besteht aus Aluminium, welches mit einer Teflonschicht eloxiert ist. Teflon hält aber nur auf dem Träger, wenn dieser 100%ig Fett-und Staubfrei ist. Andererseits bilden sich durch das ständige Ausdehnen und Zusammenziehen des Aluminiums durch das Erhitzen und wieder Abkühlen kleinste Risse im Teflon, so dass das Kaffeewasser hier Eindringen kann und sich zwischen die Alu-Platte und dem Teflon legt. Die Folge davon ist, dass das Wasser dazwischen jedesmal mit anfängt zu kochen und der dabei entstehende Wasserdampf immer wieder kleinste Stückchen Teflon "absprengt" und mit sich reißt. Diese kleinsten Stückchen setzen sich dann im Thermostatventil fest und verhindern so das Abfließen des Wassers. Eine weitere Ursache ist, dass Aluminium IMMER eine Oxidschicht bildet, wenn es mit Wasser bzw. Feuchtigkeit in Berührung kommt. Es ist ein natürlicher Korrosionsschutz des Aluminiums. Das kochendes Wasser ja nun auch eine mechanische Bewegung ausübt, reißt es auch kleinste Teilchen dieses Oxids mit sich, was dann nachher ebenfalls im Thermostatventil landet und dieses verstopft.

Die Hauptursache hierfür ist, dass das Wasser zu heiß gekocht wird. Es erreicht wirklich annähernd 100°C, während die "normalen" Kaffeemaschinen das Wasser nur auf ca. 70°C -85°C erhitzen. Das zweite Problem ist die unsaubere Beschichtung des Aluminiums mit dem Teflon. Das Aluminium wurde vor der Beschichtung mit dem Teflon nicht ausreichend gereinigt, so dass das Teflon keine richtige Verbindung mit dem Aluminium eingehen konnte. Das Entkalken mit einer Essig-Wasser-Lösung an sich ist ja nie das Hauptproblem gewesen... Der Kalk löste sich tatsächlich immer auf, was aber bei dem Teflon gar nicht und bei dem Aluminiumoxid nur sehr langsam passierte. Hinzu kam, dass durch die Essigsäure das Aluminium noch stärker oxidierte. Da biss sich die Katze selbst in den Schwanz! Ein echter Teufelskreislauf!!! Es nützte im Endeffekt nichts... Zum Schluss landeten 169,-DM einfach so im Müll... Mittlerweile soll Philips das Problem in den Griff bekommen haben. Das Wasser wird nicht mehr ganz so stark erhitzt und auch die Vorreinigung des Aluminiums soll jetzt klappen. Außerdem hat Philips ein spezielles Reinigungsmittel für die "Gourmet" auf den Markt gebracht, was aber nur sehr schwer zu bekommen ist, da es nicht in jedem Supermarkt oder Drogeriegeschäft erhältlich ist. Der Preis für 500ml soll bei ca. 12 - 18,- Euro liegen. Das ist mir zu teuer, ebenso wie die "Gourmet", die immer noch zwischen 69,- und 89,- Euro kostet.
Ich finde es Schade, denn das Design und der Kaffee waren damals wirklich außergewöhnlich gut... Tja, und meine jetzige Kaffeemaschine läuft auch nach 8 Jahren immer noch einwandfrei (und dabei hat die damals nur 25,- DM gekostet).

In diesem Sinne: Viel Spaß bei Eurem nächsten Kaffeekränzchen - und trinkt Einen für mich mit ;o) -
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