Diese Federung & Dämpfung bringt Ihren AWO auf Touren

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Diese Federung & Dämpfung bringt Ihren AWO auf Touren

Älteren Generationen wird dieses Motorrad noch ein Begriff sein: Die „AWO“, deren offizielle Bezeichnung „AWO 425 T“ oder „S“ lautet. In der DDR zwischen 1950 und 1961 gebaut, gab es zu dieser Zeit keine Alternativmotorräder mit einem Viertakt-Motor. Üblich waren die Zweitaktermopeds und- motorräder. Dieses Gefährt war früher bereits Kult, in der Biker-Szene ist die Euphorie für diesen Oldtimer bis heute ungebrochen. Wer seine „AWO“ aufrüsten möchte, kann nicht immer auf Originalersatzteile hoffen. Passende Federungen und Dämpfungen sind im Handel aber auch nachgeahmt erhältlich. Im folgenden Ratgebertext wird darauf eingegangen.

Die „AWO 425“: ein kurzer Überblick über die Geschichte der Entstehung

  • 1948 bekam das Unternehmen „Simson“ in Suhl den Auftrag einer sowjetischen Aktiengesellschaft, ein Motorrad zu bauen. Dies sollte eines der Generation 250ccm-Viertakter sein, was eine Herausforderung darstellte.
  • „Simson“ hatte sich, neben dem Herstellen von Fahrzeugen, auch auf die Produktion von Waffen spezialisiert. So traten Konstrukteure beider Lager zusammen. Anhand von Zeichnungen, die die Vorkriegsmaschine „BMW R 35“ zeigten, wollte man die „AWO“ bauen. Die „BMW“ hatte exakt die Daten, die gefordert wurden.
  • Diese waren: 250 cc, 12 PS bei 5600 U/min, Viergang, Wellenantrieb, 100km/h und 3 Liter Kraftstoff pro 100 km.
  • Es wurden zunächst drei Funktionsmuster des neuen Motorrades der Generaldirektion des Aktienunternehmens vorgestellt. Diese entschieden, dass man die Maschine um 10 kg erleichtern müsse. Auch sollten einige Bauteile und der Fußschaltmechanismus überarbeitet werden. Für diese Ausbesserungen wurden dem Betrieb die besten Werkstoffe zur Verfügung gestellt. So kamen aus Solingen (in der DDR selbst konnte das gesamte Material nicht beschafft werden) teuere Chrom-Molybdänstahlrohre.  Diese hatten optimale Eigenschaften für ein Motorrad dieser Art. Sie waren sehr leicht und auch lange haltbar.
  • Im März 1950 konnte die „AWO 425“ offiziell vorgestellt werden. Bis Ende des Jahres 1950 liefen täglich bis zu 60 Motorräder vom Band.
  • Bis 1955 gab es immer wieder Detailerneuerungen und Abänderungen.
  • Von der „AWO“ wurden ein T-Modell (Tourenmodell) und ein S-Modell (Sportmodell) hergestellt.

Einige weitere, wissenswerte Eckdaten zum Motorrad AWO 425 aus Suhl

Die „AWO 425 T“ wird heute auch „Simson 425“ genannt, die beide sehr geläufig sind. Die Sportversion trägt den Zweitnamen  „Simson Sport“ Damals wurde der Name geändert, da der Betrieb in den Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) der DDR eingegliedert wurde. Auch der Spitzname „Dampfhammer“ kursiert. Diesen hat die „AWO“ wegen ihres Motorklangs.

Der Name „AWO“ selbst ist die Kurzform von „Awtowelo“. So hieß die Aktiengesellschaft, die zum Bau des Motorrades gedrängt hatte. „Awtowelo“ wiederum ist die Kurzform des russischen Begriffes „Awto-Weloziped“, was Motorrad bedeutet.

Die Unterschiede der AWO 425 zur „BMW R 35“ sind in folgenden Feinheiten auszumachen: 

  • Die halbhohlen Nockenwellen werden durch ein Stirnrad und nicht per Kette gesteuert.
  • Selbst wenn die Batterie der „AWO“ entladen war, konnte man sie durch den Magnetanzünder leicht starten.
  • Zur Verbesserung der Kühlung des Zylinderkopfes wurde ein zusätzlicher Luftschaft oberhalb des Brennraumes eingebaut.
  • Äußerlich wurde der ohv-Kopf sportlicher gemacht. Dies geschah durch Haarnadelventilfedern.
  • Die „AWO“ war für fast 30 Jahre der letzte Viertakter, der im Ostteil Deutschlands erworben werden konnte.

Die heutige „AWO“-Gemeinschaft wird durch auf sie professionalisierte Oldtimer-Werkstätten bestens versorgt

Oldtimer-Fans, die eine Original- „AWO“ ihr Eigen nennen können, sind zurecht stolz auf diese Maschine. Für sie gibt es spezielle Hersteller, die sich nur auf den Nachbau von Einzelteilen beschränkt haben. Der Markt dafür ist groß. Zeitgemäße Fahrzeugabstimmung der Komponenten ist die Voraussetzung für einen guten Absatz. Auch gibt es Experten, die beispielsweise Stoßdämpfer bis auf wenige Ausnahmen mit Originalteilen fertigen. Viele Fabrikanten haben ein großzügiges Standardprogramm. Ist Ihr gewünschtes Teil nicht vorrätig, muss mit einiger Wartezeit gerechnet werden.

Die Federungen und Dämpfungen in einem Fahrzeug vereinen Komfort und Sicherheit

Das leistet die Federung

Die Federung in einem Fahrzeug bewirkt, dass der Untergrund weder Fahrer noch Maschine unnötig malträtiert. Dies bedeutet, dass man keine oftmals gefährlichen Ausweichmanöver fahren muss, um einem Schlagloch oder Ähnlichem auszuweichen. Durch solche Unebenheiten kann das Gefährt zeitweise die Bodenhaftung verlieren, was zu Unfällen führen könnte. Der Rest des Fahrzeuges soll sich gleichzeitig jedoch nicht bewegen, ebenso wenig sollen die Insassen etwas davon bemerken.

Das leistet die Dämpfung

Die Dämpfung in einem Fahrzeug erfolgt über die sogenannten Stoßdämpfer. Sie bewirken, dass das Auto oder Motorrad nach einer Unebenheit in der Fahrbahn nicht lange schaukelt. Ohne diese Teile würde das Fahrzeug speziell in Kurven so instabil sein, dass es nicht mehr kontrollierbar wäre und sich überschlagen könnte.

Federung und Dämpfung in der AWO

In einer „AWO 425“ befinden sich eine hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel vorne und eine Geradwegfederung bei der „Touren-AWO“ oder eine Schwingenfederung hinten am Fahrzeug bei der Sportversion des Motorrades. Die letztere Ausgabe hatte bereits durch die Federung eine verbesserte und sicherere Technik aufzuweisen. Die Teleskopgabel begeistert Freunde von Oldtimern und insbesondere der „AWOs“ dadurch, dass sie sehr formschön gearbeitet ist und sich perfekt in die Optik einpasst. Die Hinterradfederung ist aus festem Stahlblech gearbeitet. Beide Komponenten zusammen gewährleisten eine sichere Fahrt.

Die Teleskopvordergabel der „S-Version“, die 1956 zum ersten Mal verbaut wurde, ist nunmehr eher für den sportlichen Einsatz konzipiert worden.

Die Geradewegfederung hat einen Federweg von 70mm. Durch zwei Schraubenfedern erfolgt die Abschwächung. Sie befinden sich oben auf den entsprechenden Gewindestücken. In die Rahmenenden eingepresst, sind sie zusätzlich mit ihnen verschweißt. Was die unteren Federwindungen betrifft, so sind sie auf die entsprechenden Gewindegänge der Führungskörper aufgeschraubt.

Als mit der Produktion der Gespanne begonnen wurde, haben sich auch die Federungen verändert. So wurde 1961 das „Simson-Sport-Gespann“ mit einer verbesserten Struktur auf den Markt gebracht.

So können Sie Ihre „AWO“ in Sachen Federung und Dämpfung fit machen

  • Pflege ist das Hauptmerkmal für gute Federungen und Dämpfungen. So sollten Sie hierbei auf spezielle Reinigungsmittel zurückgreifen.
  • Neue Buchsen: Die Pertinaxbuchsen an der Vordergabel sind stark vom Verschleiß betroffen. Man kann dem vorbeugen, indem man diese abschmiert oder nicht so weit aufreibt. Ein Wechsel des Materials kann eine Lösung sein. So ist Teflon, belastbarer Kunststoff oder Messing weitaus widerstandsfähiger und beugt einem ständigen Tausch vor. Buchsen aus Aluminium werden auch häufig angeboten.
  • Nicht nur die Buchsen, sondern auch die inneren Hülsen des unteren Tragrohres sollten auf ein einheitliches Maß geschliffen werden. Hierzu müssen Sie die äußeren Hülsen des Tragrohres entfernen. Dies benötigt schweres Gerät, da hier die Schweißnaht getrennt werden muss. Ein Winkelschleifer tut hier gute Dienste. Es treten jetzt die Innenhülsen zum Vorschein. Diese sollten gerade sein. Wenn sie verbogen sind, wurde dies wahrscheinlich durch einen Unfall verursacht. Jetzt können die Hülsen auf ein Maß geschnitten werden. Zum Abschluss werden die äußeren Hülsen zentrisch zu den inneren wieder angeschweißt. Ein CO2- Schweißgerät verrichtet hier ganze Arbeit. Die Schweißnaht wird verspachtelt. Wenn diese getrocknet ist, kann man mit einem Lack die Stelle verstecken.
  • Die Abdeckkappen für die Hinterradfederung muss routinemäßig öfter gewechselt werden. Zusätzliche Pflege schützt vor zunehmendem Verschleiß im Laufe der Zeit.
  • Regelmäßige, fachgerechte Wartung ist ein Muss. Vor allem bei älteren Motorrädern wie diesem ist das unerlässlich. Geben Sie nur ausgezeichneten Fachwerkstätten den Zuschlag. Nicht jedes geschulte Personal kennt sich mit allen Arten von Oldtimern aus.
  • haben Sie immer genügend gute Pflegeprodukte zur Hand. Bedenken Sie dabei, was Sie bezahlen müssten, wäre die unsachgemäße Pflege Schuld an einem Defekt der Federung oder der Dämpfung. 
  • Wenn Sie selbst Hand anlegen, achten Sie darauf, dass Stücke, tatsächlich auf Ihr Modell passen. Dies sollte vor einem Ausbau passieren, damit Sie diesen nicht unnötig vornehmen. 

Oldtimer sind Liebhaberstücke

Es ist nicht damit zu rechnen, dass eine Erneuerung der Feder oder des Dämpfers besonders preisgünstig ist. So sind Maßanfertigungen für unterschiedliche Modelle zuweilen kostspielig. Nach oben hin sind wie so oft keine Grenzen gesetzt. Wer hierbei Geld sparen möchte, kann sich beispielsweise MZ- Telegabelfedern besorgen und diese auf die gewünschte Länge kürzen.

Wer das Glück hat, eine originale „AWO 425“ zu besitzen, sollte dennoch keine Kosten und Mühen scheuen. Zumal wird ihr Wert als Oldtimer mit der Zeit steigen steigen. Auch deshalb ist es ratsam, die Maschine regelmäßig zu pflegen und nicht an den Ersatzteilen zu sparen. 

Doch man sollte dieses Stück Geschichte auch um seiner selbst Willen lange in gutem Zustand bewahren. Die verbauten, hochwertigen Materialien sind so teilweise heute nicht mehr zu finden.

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