Die wichtigsten Hilfsmittel für die Geflügelhaltung

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Ratgeber: die wichtigsten Hilfsmittel für die Geflügelhaltung

Eier und Geflügelfleisch sind beliebte Lebensmittel, die in unzähligen Gerichten auf der ganzen Welt Verwendung finden. Leider gehen mit den eiweißreichen Lebensmitteln auch Massentierhaltungen in viel zu kleinen und völlig überfüllten Legebatterien und ein unwürdiges Leben der Tiere in unhygienischen Verhältnissen einher. Doch der konsequente Weg zum Vegetarier ist nicht unbedingt notwendig, um ein ruhigeres Gewissen zu erlangen. Biofleisch aus artgerechter Zucht wird immer beliebter. Auch Sie können mit dem Erwerb des notwendigen Zubehörs eine eigene Geflügelzucht aufbauen und somit Ihr eigener Lieferant von Eiern und Geflügelfleisch werden. Lesen Sie in diesem Ratgeber, was Sie dafür benötigen und worauf Sie achten müssen.

Geflügelarten und deren Bedeutung als Nutztiere

Der Begriff Geflügel bezeichnet unterschiedliche Arten von Vögeln, die vom Menschen als Nutztiere gehalten und zum Verzehr verwendet werden. Auch die Federn bestimmter Geflügelarten werden in verschiedenen Bereichen genutzt. Das Fleisch gilt allgemein als besonders fettarm und eiweißreich, sollte jedoch nie roh verspeist werden. Die wohl mit Abstand am häufigsten gehaltene Geflügelart ist das Huhn. Die Bezeichnungen Broiler, Poularde oder Legehenne stehen für spezielle Züchtungen dieser Geflügelart. Weiterhin gibt es die auch als Puten bekannten Truthühner sowie Gänse, Enten und Wildgeflügel wie Wachteln oder Fasane. Die einzelnen Geflügelarten unterscheiden sich in Aussehen und auch Geschmack und Beschaffenheit des Fleisches oder der Eier, doch vom Sozialverhalten und damit auch von der Haltung her ähneln sie sich sehr.

Rahmenbedingungen für die Geflügelhaltung

Bevor wichtige Hilfsmittel für die Geflügelhaltung vorgestellt werden, sollten Sie sich der Verpflichtungen bewusst sein, die dieses Hobby mit sich bringt. In Deutschland müssen bestimmte Auflagen erfüllt und Gesetze eingehalten werden. Es besteht zum Beispiel auch für Kleinsthaltungen von wenigen Hühnern eine Meldepflicht beim Veterinäramt. Diese dient dem Seuchenschutz. Außerdem müssen ein Bestands- und ein Arzneimittelbuch gepflegt sowie nachweisbare Impfungen und Tierarztchecks durchgeführt werden. Die Futtermittel, wie zum Beispiel spezielles Futter für Legehennen, sind auch gesetzlich vorgeschrieben. Es ist übrigens gesetzlich verboten, Speisereste an Geflügel zu verfüttern. Bestimmte Tierschutzgesetze sichern zudem eine artgerechte Haltung in Bezug auf Temperatur, Käfiggröße und -einrichtung sowie Auslaufmöglichkeiten. Sachkundenachweise sind für das Schlachten und auch für den Transport von Geflügel notwendig. Generell sind die einzelnen Bestimmungen von der Gemeinde abhängig, in der Sie leben. Das Aufsuchen der Stadt- oder Gemeindeverwaltung sowie des zuständigen Veterinäramtes ist somit zwingend notwendig.

Was für eine artgerechte Geflügelhaltung wichtig ist

Die zum Geflügel zählenden Vögel sind Gruppentiere. Sie leben in klar strukturierten Gemeinschaften, meist angeführt von einem männlichen Alphatier. Daraus ergibt sich auch ein auf die Rangordnung gestütztes Schlaf- sowie Fressverhalten, das bei der Einrichtung des Stalls Beachtung finden muss. So haben ranghöhere Tiere ein Anrecht auf ungestörtes Fressen, das sie aggressiv verteidigen, wenn rangniedere Tiere nicht die Möglichkeit haben, ihnen aus dem Weg zu gehen. Es ist also sinnvoll, den Futterbereich von den Ruhezonen zu trennen und auch verschiedene dieser Ruhezonen einzurichten, zum Beispiel für schwächere oder kranke Tiere, sodass die Rangfolge eingehalten werden kann.

Futtertrog und Wassertränke

Der Futterbereich besteht aus einem Futtertrog, der entsprechend der Anzahl der gehaltenen Tiere dimensioniert sein sollte, und verschiedenen Tränken, die so platziert werden, dass mehrere Tiere gleichzeitig daran Platz finden. Die Wasseraufnahme, die mit ca. 200-300 ml pro Tier und pro Tag kalkuliert werden sollte, hat direkten Einfluss auf das Futterverhalten und die Produktion der Eier. Sie sollte daher stets kontrolliert werden. Die meisten Futtertröge sind so konzipiert, dass sie als Vorratsbehälter funktionieren und lediglich regelmäßig wieder aufgefüllt werden müssen. Hühner und ihre Artgenossen fressen drei Hauptmahlzeiten – morgens, am Mittag und gegen Abend -, sind aber auch dazwischen oft auf Nahrungssuche. Deshalb kann das Futtergut auch zusätzlich großzügig im Gehege verstreut werden. Je mehr Platz am Futtertrog ist, desto weniger Rivalitäten werden dort ausgetragen. Ähnlich wie bei den Wassertränken ist somit auch hier auf ein ausreichendes Platzangebot zu achten, da ranggleiche Tiere bevorzugt in Gesellschaft fressen. Durch die Form der Schnäbel kann das Geflügel nur von Wasseroberflächen trinken, eine entsprechende Bauform bei den Tränken ist somit selbsterklärend. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Verschmutzungsgefahr bei den sogenannten Rinnentränken sehr hoch ist. Eine regelmäßige Säuberung ist Pflicht.

Artgerechte Schlafplätze

Ähnliches muss auch bei den Schlafgelegenheiten bedacht werden. Durch das stark ausgeprägte soziale Verhalten ruhen viele Tiere zur gleichen Zeit. Dabei werden erhöhte Positionen bevorzugt, die Überblick und Schutz gewähren. Gebräuchlich sind Sitzstangen in den Ställen, auf denen die Tiere stehend oder sitzend schlafen können. Die Stangen sollten dabei in unterschiedlichen Höhen mit genügend Abstand angebracht werden und eine ausreichende Länge besitzen. Da sich die Vögel beim Ruhen an den Stangen festkrallen, sind - gerade bei Holzstangen - abgerundete Kanten zu verwenden. Unter den Stangen sollten Sie eine hängende Kotpfanne einplanen, die durch ein Gitterrost verdeckt ist und leicht entfernt sowie gereinigt werden kann. Auch die Sitzstangen selber sollten so angebracht werden, dass sie einfach herausgenommen und gesäubert werden können, sodass für Hygiene im Stall gesorgt ist. Eine sinnvolle Verbindung aller Sitzstangen gewährleistet, dass die ranghöchsten Tiere auch die obersten Schlafplätze gefahrlos erreichen. Hierfür können die einzelnen Stangen mit Querstreben verbunden oder eine Art Treppe in den Stall eingebaut werden.

Für die Eierproduktion wird zusätzlich zu den Schlaf- und Futtergelegenheiten ein separater Bereich benötigt, in dem die Legenester platziert werden können. Diese sind meist schalenförmige Behälter oder ganze Kabinen, die mit Kornstreu von Hafer, Dinkel oder Buchweizen gefüllt werden und so den Hennen die Möglichkeit bieten, ungestört und etwas fernab der Gruppe zu brüten. Die Nester müssen regelmäßig nach Eiern abgesucht werden. Daneben ist es sehr wichtig, auch die Streu oft zu wechseln und die Nester zu reinigen, da viele Hennen auch bei den Eiern übernachten und nicht zu den Sitzstangen zurückkehren.

Welche Aspekte für das Geflügelgehege wichtig sind

Der Auslauf für Geflügel ist sehr wichtig. Der Auslaufbereich, also der abgetrennte und zum Schutz vor Raubtieren oft geschlossene Freilaufbereich mit angrenzendem Stall als Rückzugsmöglichkeit, dient verschiedenen Funktionen bei der Haltung und sollte dementsprechend geplant werden. Die zum Geflügel zählenden Tiere sind sehr lauffreudig und legen täglich Wegstrecken von etwa anderthalb Kilometern zurück. Dies dient dem angeborenen Instinkt der Nahrungssuche, die trotz des Futterangebotes im Stall stattfindet und meist zwei Drittel des Tages in Anspruch nimmt. Somit sollte Futter auch im Außenbereich ausgestreut werden.

Um ihre Krallen zu kürzen, scharren Hühner, weshalb der Boden hart genug sein muss. Oft kommt dafür eine Betonfläche zum Einsatz, die mit einer lockeren, trockenen Aufschüttung aus Stroh und Sand bedeckt wird. Sinnvoll ist es, diesen Bereich zwischen dem Stall und dem restlichen Außenbereich anzulegen. So dient er als Übergang, wie eine große Fußmatte vor der Haustür, wo zusätzliche Wasser- und Futterangebote platziert werden können.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Außenbereiches ist ein Sandbecken. Viele Geflügelarten, vor allem Hühner, lieben Sandbäder. Das heißt, sie setzen sich in den Sand und verteilen diesen mit Fuß- und Flügelbewegungen im ganzen Gefieder. Danach wird der Sand wieder ausgeschüttelt und reinigt dabei das Tier - eine Art Ganzkörperpeeling, das jeden zweiten Tag durchgeführt wird. Eine einfache Sandgrube kann bequem mit Holzbrettern selber gebaut oder, falls vorhanden, mit einem ausreichend großen, mit Sand gefüllten Reifen realisiert werden. Auch Sonnenbaden, Flügelstrecken und -schlagen sind weitere Anzeichen für das Wohlbefinden der Tiere. Die Voraussetzungen dafür werden mit ausreichend Platzangebot und direktem Sonnenlicht im Außenbereich geschaffen.

Wie Sie ein Geflügelgehege selber bauen

Mit wenigen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel mit einfachem Werkzeug, Holzbalken und Drahtgitter, können Hobbyhandwerker ein Gehege für die private Geflügelhaltung mit den beschriebenen Aspekten einer artgerechten Haltung selbst gestalten. Dazu muss eine ausreichend große Fläche Rasen, Acker oder anderer Naturboden abgesteckt und mit Drahtgitter oder vergleichbarem Material umzäunt werden. Achten Sie auf die richtige Höhe des Zaunes - abhängig von der Geflügelart bis zu zwei Metern -, damit einerseits natürliche Feinde wie zum Beispiel Füchse nicht einfach darüberspringen und andererseits auch das Geflügel selbst nicht halb fliegend und halb springend über den Zaun gelangen kann. Die benötigte umzäunte Fläche ist natürlich abhängig von der Anzahl der zu haltenden Tiere. Grob geschätzt sollten Sie pro Tier 10 m² einplanen, sodass zehn Tiere schon 100 m² Auslauf benötigen. Wichtig ist, den Zaun auch etwas unterirdisch zu platzieren, damit sich die Tiere nicht darunter hindurchgraben können. Zur Stabilisierung kommen ganz normale Holzpfosten zum Einsatz.

Bei einem kleinen Auslauf bieten sich Bäume und Sträucher am Rand und vereinzelt auch im Auslauf selbst an. Sie sind natürliche Schattenspender, bieten Schutz vor starkem Wind und an ihnen kann einfach ein Schutznetz befestigt werden, das die Nutztiere vor Greifvögeln wie Habichten schützt. Im Zaun muss ein entsprechend großer Eingang eingeplant werden, der auch Platz für eine Schubkarre oder ähnliches bietet. Ist der Auslauf groß dimensioniert und bietet wenig Bepflanzung, muss zusätzlich mit kleinen halboffenen und überdachten Holzunterständen gearbeitet werden, da Geflügel im Allgemeinen große, offene Flächen meidet und somit dort Unterschlupfmöglichkeiten benötigt.

Was beim Stallbau für die Geflügelhaltung zu beachten ist

Am Auslauf angrenzend ist der Stall zu platzieren. Dieser sollte entweder fertig gekauft oder selber gebaut werden. Wichtig sind bei der Konstruktion die bereits erwähnten erhöhten Ruhegelegenheiten in Form von Sitzstangen, abgetrennte Nester, ausreichend Platz an Futteranlagen und genügend Wassertränken. Der Stall sollte abnehmbare Wände oder Dächer besitzen, um seine Reinigung und die Entnahme der Eier bequem von außen durchführen zu können. Für die Größe gilt die Faustregel, die Anzahl der Tiere durch drei zu teilen. So benötigen zehn Tiere einen Stall mit einem Platzangebot von ca. 3 m². Viele Fenster sorgen für ausreichende Belüftung und Helligkeit, Durchzug sollte jedoch vermieden werden. Durch entsprechend isolierte Wände wird verhindert, dass es im Stall zu kalt wird. In sehr kalten Gegenden muss noch eine Heizung mit eingeplant werden. Ganz wichtig ist ein wetterbeständiges und vor allem regendichtes Dach. Als Einstreu für den Boden können Sie Stroh, Heu, Erde oder Sand verwenden. Für den Winter sollten Sie Lampen vorsehen, um auf die kürzeren Tage mit geringerem Lichtangebot reagieren zu können.

Wenn Sie all diese Punkte beachten und sich mit entsprechender Fachliteratur weiter mit der Haltung von Geflügel vertraut machen, werden Sie sich bald über Eier und Fleisch aus ökologisch vertretbarer und vor allem eigener Zucht freuen.

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