Die historischen Hintergründe des ausgezeichneten Thrillers Argo unter der Regie von Ben Affleck

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Die historischen Hintergründe des ausgezeichneten Thrillers Argo unter der Regie von Ben Affleck

"Argo" – ein Thriller, der sich an wahren Ereignissen orientiert

"Argo", unter der Regie von Ben Affleck, ist ein amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2012. Affleck führte nicht nur Regie, sondern war zudem in der Hauptrolle des Films als Tony Mendez zu sehen.

Hauptthema des Films, der mittlerweile auch auf DVD und Blue Ray erhältlich ist, ist der Canadian Caper. Dabei handelt es sich um eine Randepisode der Geiselnahme von Teheran im Jahre 1979, bei der sechs amerikanische Botschaftsangehörige, die bei der Erstürmung der Botschaft entkommen konnten, aus dem Land geschleust wurden.

Als Basis für die Filmhandlung dient ein im amerikanischen "Wired" Magazin im Jahr 2007 erschienener Artikel mit dem Titel: "Escape vom Teheran. How the CIA used a Fake Sci-Fi Flick to Rescue Americans from Tehran", verfasst durch den Journalisten Joshuah Bearman.

Nach dem Kinostart konnte "Argo" große Erfolge verbuchen. So erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, beispielsweise drei Academy-Awards oder auch Oscars für den besten Film, das beste adaptierte Drehbuch und den besten Schnitt.

Historische Hintergründe und Geschehnisse zur filmischen Handlung von "Argo"

Bei der Geiselnahme von Teheran wurden im Jahr 1979 52 US-Diplomaten insgesamt 444 Tage lang als Geiseln gehalten. Vorangegangen war eine Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran durch eine Gruppe iranischer Studenten im Rahmen der islamischen Revolution. Anlass der Besetzung war die Ablehnung einer Auslieferung von Mohammad Reza Schah Pahlavi durch die USA an die von Khomeini etablierte Regierung. Der Schah hielt sich zu dieser Zeit zu einer Krebsbehandlung in den USA auf.

Die Handlung des Films geht aber nur am Rande auf die Revolution und ihre Wirren ein. Haupthandlung des Films ist eigentlich eine Randepisode, der sogenannte Canadian Caper. Denn unbemerkt von den anderen Botschaftsangehörigen und den Geiselnehmern konnten sechs Botschaftsmitarbeiter entkommen. Sie fanden zunächst in der Residenz des kanadischen Botschafters Unterschlupf, waren aber auch dort nicht zu 100 % sicher und lebten in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Die Befreiung dieser sechs Menschen steht im Mittelpunkt des Films.

Die Geiseln

Die sechs, unter ihnen Robert Anders, Cora Lijek, Joseph Stafford, Kathleen Stafford und Henry Schatz, befanden sich während der Erstürmung der Botschaft durch die iranischen Studenten in einem Nebengebäude der Botschaft, also nicht direkt dort, wo die Studenten eindrangen. Das gab ihnen die Möglichkeit, kurz vor der Geiselnahme in die Teheraner Innenstadt zu fliehen und somit der Geiselhaft zu entgehen. Ihr Ziel war es, in der britischen Botschaft unterzutauchen, wo sie in Sicherheit gewesen wären. Mit ihnen floh zeitgleich eine weitere Gruppe um den Konsul Richard Morefield, die aber kurze Zeit später aufgegriffen und zurück gebracht wurde.

Die Gruppe der sechs Geflüchteten schaffte es auch zur britischen Botschaft, doch stellte sich dort die Lage anders als erwartet dar, denn auch hier tobten die Proteste und ihre Sicherheit war nicht garantiert. Zunächst flüchteten sie in die Unterkunft von Robert Anders – der Beginn einer sechstägigen Odyssee mit mehreren Standortwechseln.

Schließlich schaffte es Anders, einen kanadischen Beamten zu kontaktieren, der die Flüchtlinge in sein Haus einlud, wo Sie am 10. November 1979 den kanadischen Botschafter trafen, der sich bereit erklärte, das Ehepaar Stafford in seinem Privathaus unterzubringen. Die restliche Gruppe blieb zunächst bei Sheardown. Schließlich kam die Gruppe aber doch auf dem Anwesen des kanadischen Botschafters wieder zusammen.

Der Plan

Dieser hatte in der Zwischenzeit den kanadischen Premierminister kontaktiert, der auch zusicherte, die Gruppe zu unterstützen. Per Diplomatenpost erhielten die sechs Entkommenen kanadische Reisepässe. Durch die CIA wurden sie zudem mit gefälschten iranischen Visa ausgestattet. Als Organisator der Flucht wählte der amerikanische Geheimdienst Tony Mendez aus, einen Experten für verdeckte Missionen und Rettungsoperationen. Dieser hatte die Idee, die auch in "Argo" aufgegriffen wird: Die Gruppe sollte als Filmteam auf der Suche nach Drehorten für einen Science-Fiction-Film auftreten – den Film "Argo". Das Skript zum fiktiven Film basierte angeblich auf dem Buch "Lord of Light" des Autors Roger Zelazny. Um die Glaubwürdigkeit der Unternehmung zu erhöhen, wurden sogar Werbeanzeigen geschaltet und ein Büro der Produktionsfirma in Los Angeles eingerichtet.

Am 27. Januar 1980 begann die eigentliche Rettung. Die US-Bürger machten sich verkleidet auf den Weg zum Mehrabad International Airport und bestiegen dort mit den kanadischen Pässen ein Flugzeug nach Zürich, wo sie auch sicher ankamen und von der CIA in Empfang genommen wurden. Die kanadische Botschaft wurde noch am selben Tag geschlossen und das gesamte Personal verließ den Iran.

Filmische Adaption der wahren Begebenheiten

Im Wesentlichen ist der Film in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil spielt hauptsächlich in den USA und schildert die Planung der Rettung und die Hoffnung auf das Gelingen der Aktion. Der zweite Teil spielt hauptsächlich in Teheran. Hier stehen das Befinden und die Situation der Flüchtigen im Mittelpunkt. Auf der Flucht als Filmteam wird die Gruppe fast entdeckt und von einer aufgebrachten Menschenmenge attackiert. Doch wie in der Realität endet auch der Film glücklich mit der Rettung der Gruppe.

Kritiken an der filmischen Umsetzung der wahren Handlung

Der Film an sich erhielt in den USA und auch in Deutschland durchaus viele positive Kritiken, da er einen hohen Unterhaltungswert hat. Doch kritisierten einige Medien den Umgang mit den historischen Fakten, der sich zu stark an die offizielle US-amerikanische Regierungssichtweise halten würde. In die Kritik fiel auch der Umgang mit den Rahmenereignissen. Die Süddeutsche Zeitung warf dem Film einen sehr selektiven Umgang mit den Fakten vor. Denn ein weiterer geplanter Befreiungsversuch, wie er wohl geplant war, wird in "Argo" nur ein einziges Mal erwähnt.

Film und Realität

Zu erwähnen ist hier auch, dass die Gruppe, anders als vielfach im Film dargestellt, wohl nie wirklich in unmittelbarer Gefahr war. So waren sie nicht gezwungen, sich immer gemeinsam im Haus aufzuhalten, sondern konnten sich auf dem Gelände frei bewegen und waren eine längere Zeit auch an unterschiedlichen Orten untergebracht. Auch mangelte es ihnen an nichts. Jeden Tag warteten sie auf ihre Gastgeber, aßen zusammen und beendeten den Tag bei einem Drink und dem neuesten Büro-Klatsch. Von Verstecken, mangelnder Hygiene, Hunger oder täglichem Verzicht kann also überhaupt nicht die Rede gewesen sein. Einzig das Ehepaar Stafford musste sich ein wenig im Geheimen halten, denn der Botschafter musste weiterhin seinen normalen Geschäften nachgehen.

Auch der Zeitdruck, der im Film einen wesentlichen dramatischen Aspekt darstellt, war nicht gegeben. Die kanadische Botschaft stand nicht kurz vor der Schließung, sondern wurde erst nach der Aktion geschlossen.

Ebenso hat es den Abbruch der Mission durch Präsident Carter noch am Vorabend der Abreise so nie gegeben. Tatsächlich wurde die Operation nur um ca. 30 Minuten verzögert, allerdings bevor Mendez das Land verlassen hatte und nicht danach. Eine Opferung der Flüchtigen stand offiziell nie zur Debatte.

So gab es auch keine Probleme beim Einchecken durch deaktivierte Flugreservierungen. Im Gegenteil, zur Zeit des Abflugs um 5.30 Uhr morgens war fast niemand am Flughafen und die Gruppe konnte problemlos einchecken. So musste auch nie ein CIA-Mitarbeiter eine Telefonistin im Weißen Haus mit einer Lüge dazu bringen, ihn mit dem Stabschef zu verbinden, um die Flüge zu reaktivieren.

Auch die Kontrolle am Flughafen war kaum vorhanden, keiner der Gruppe musste gefälschtes Material wie das Storyboard des Films oder das Drehbuch vorzeigen. In Wirklichkeit gab es keinerlei Konfrontation des Sicherheitspersonals mit der Gruppe. Auch den Anruf in Hollywood, der die Existenz der Produktionsfirma sicherstellen sollte, hat es somit nie gegeben, er sollte wie vieles andere nur die Spannung im Film aufrechterhalten.

Im Film werden die Amerikaner fast enttarnt, weil die Diplomaten anhand von Fotos aus der US-Botschaft und heimlich aufgenommenen Fotos bei einer Basar-Besichtigung identifiziert werden können. Die Information erreicht sogar schon die Revolutionäre am Flughafen, die noch versuchen, den startenden Jet anzugreifen. Dies ist allerdings nie geschehen.

Den Angriff der Gruppe durch eine Menschenmenge auf dem Basar, einer der wohl dramatischsten Momente des Films, hat es nie gegeben. Auch eine Verfolgung des Flugzeugs durch Bewaffnete in Jeeps gab es nicht.

Besonders Anstoß bei der Filmpremiere war aber der Fakt, dass in dem Film die Rolle der Kanadier sehr heruntergespielt wurde. Ihnen kommt in der Verfilmung eine sehr geringe Rolle zu, die Führung der Operation und die Rettung übernimmt die CIA. Doch in Wirklichkeit spielte Kanada die größte Rolle bei der Operation.

Einige dieser Fakten wurden im Nachgang zu "Argo" in einer Dokumentation aufgeklärt und richtiggestellt. Die CIA wurde hierbei nicht mehr glorifiziert und die Rolle Kanadas in den Vordergrund gestellt.

Alles über "Argo" – Filme, Bücher sowie Fanartikel zum Thriller

Trotz der Kritik ist "Argo" ein erfolgreicher Film, nicht zuletzt, weil er sehr unterhaltsam und spannend ist und somit keine Langeweile aufkommen lässt. Die meisten historischen Ungenauigkeiten sind genau dort zu finden, wo dramatische Szenen, ob Handgemenge oder Verfolgung, eingebaut wurden, um die Spannung des Films aufrecht zu erhalten.

Wer die genauen Hintergründe nicht kennt, wird den kurzweiligen und zeitweise sogar witzigen Film vielleicht sogar noch ein zweites Mal sehen wollen. DVDs/Blue-Rays von "Argo" finden Sie hierzu bei eBay. Hier gibt es auch Fanartikel zum Film, beispielsweise Filmposter oder auch Kinoreklame.

Wenn Sie mehr über die geschichtlichen Hintergründe rund um die Rettung der sechs Flüchtlinge erfahren möchten, können Sie auf eine der zahlreichen Dokumentationen oder auch auf fundierte Berichte in Geschichtsbüchern und Zeitschriften zurückgreifen.

Der Regisseur wie auch der Produzent haben übrigens selber nie behauptet, einen 100%ig authentischen und in keiner Weise von den realen Fakten abweichenden Film schaffen zu wollen oder geschaffen zu haben. Sie produzierten lediglich einen unterhaltsamen Thriller, der für seine Umsetzung und die schauspielerischen Leistungen mit Auszeichnungen bedacht wurde.

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