Die ganze Welt ist Erzgebirge

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Eingedenk der nahenden Weihnachtszeit war ich mal wieder in der Kategorie erzgebirgsche Volkskunst unterwegs.
Ich bin kein Sammler, aber Pyramiden, Rauchermanneln und Kerzenhalter gehören für mich zwingend zum Fest.
Was ich allerdings dort so sah, hat mich eher zum Lachen als in beschauliche Stimmung gebracht. Nun, ich stamme aus dem Erzgebirge, habe lange in der Ecke um Schwarzenberg gewohnt und das Seiffener Spielzeugmuseum war uns jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit wieder einen Ausflug wert.
Jetzt schau ich so die Angebote durch und bekomme den Schluckauf. Da steht eine "echte" alte erzgebirgsche Pyramide ohne Gebote, weil sie halt klein und eher unscheinbar wirkt und auf Billigimporte werden exorbitante Summen geboten. Als ob das Wort "Erzgebirge" im Titel einer Beschreibung für Echtheit garantiere.
Ein Blick in die Testberichte, brachte Tips zu Tage "echte Figuren haben einen Aufkleber auf dem Fuß" ... aha. Meine Großmutter hat solche "Zettelchen" immer mit viel Liebe und heißem Wasserdamf entfernt.
Es gibt natürlich Manufakturen, deren kleine Kunstwerke schon per Augenschein nicht zu verwechseln sind. Doch ab und an werden auch ältere Produkte eingestellt, welche noch von einzelnen Familien in echter Handarbeit hergestellt wurden. Natürlich sehen diese nicht so "perfekt" aus, wie die Manufakturware oder gar industriell gefertigte Teile. Aber vielleicht denkt man auch mal dran, dass die Hersteller oftmals Menschen waren, die ganz anderen Berufen nachgingen, nicht selten bemalten Kinder die kleinen Figürchen.
Das Spielzeugmuseum Seiffen brachte in den 80-ger Jahren drei Diaserien auf den Markt. Ich glaube, viele Kunden der betreffenden Kategorie wären einerseits erstaunt, was so alles wirklich "Erzgebirge" ist und andererseits, bei wievielen Angeboten auf den Seiten, sie nach betrachten der Bilder selbst drauf kommen, dass das keinesfalls etwas mit den liebevoll hergestellten alten Figuren des Erzgebirges zu tun haben.
Jedenfalls machen die Verkäufer der 3 und 5- stöckigen Billigpyramiden satte Geschäfte. Diese Teile wurden nach der Wende in Massen, teilweise sogar wirklich im Erzgebirge, hergestellt (hingeschludert wäre das bessere Wort) und für 21-35 Mark in den Discountern (von Lidl weiß ich es) angeboten. Heute dafür 50 Euro zu kassieren ist schon ein satter Gewinn. 
Sammler sind natürlich meist auf die gedrechselten Figürchen berühmter Manufakturen scharf. Dort bei Ebay mal einen Hit zu landen, ist schon mehr Glück, als man verdient (ab und an klappts aber schon).
Aber das ist nicht alles, was die Weihnachtsregion zu bieten hat (und nebenbei kommen z.B. auch aus Bayern allerliebste Arbeiten).
Also, wenn ihr wirklich Weihnachtsstimmung zaubern wollt, dann schaut einfach über reißerische Ortsangaben hinweg und gebt euer Geld für Dinge aus, die euch ansprechen, berühren. Ihr werdet vielleicht erstaunt sein, wie oft ihr dann später feststellt, mit dem kleinen Nonamekunstwerk doch ein echtes Schnäppchen gemacht zu haben.

Xelanja
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