Die ganze Welt auf Zelluloid – die bekanntesten analogen Filmkameras

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Die ganze Welt auf Zelluloid gebannt – die bekanntesten Filmkameras für analoge Aufnahmen

Den Begriff "analoge Filmkamera" gibt es erst seit Anfang des 21. Jahrhunderts, als das Verfahren der digitalen Aufnahmen entwickelt wurde. Davor war es selbstverständlich, dass Filmaufnahmen analog stattfanden. Für das klassische analoge Aufnehmen von bewegten Bildern wird als Speichermedium ein fotografischer Film, ein Zelluloid-Film beispielsweise, benötigt. Das ist auch bis heute das gängigste Kriterium, analoge von digitaler Aufnahmetechnik zu unterscheiden.

Im engeren Sinn basierten auch die ersten sogenannten digitalen Filmkameras der siebziger und achtziger Jahre immer noch auf dem analogen Prinzip und dürften eigentlich gar nicht Digitalkamera genannt werden. Die Filme wurden weiterhin analog erstellt und verarbeitet, es war lediglich möglich, das Ergebnis auf einem digitalen Bildschirm, etwa einem Fernseher, zu betrachten. Erst 1990 brachte die Firma Kodak die erste richtige Digitalkamera auf den Markt, die eine digitale Bildverarbeitung der im digitalen Aufnahmeverfahren entstandenen Bilder erlaubte.

Heute hat die digitale Technik die analoge Fotografie und Filmerei zum großen Teil abgelöst. Dennoch schwören einige Individualisten und Retro-Anhänger, aber auch Profis aus Film und Fernsehen, bis heute auf das analoge Aufnahmeverfahren, das mittlerweile in gewissen Kreisen Kultstatus erreicht hat.

Die ersten Filmkameras – bewegte Bilder wurden auf Film gebannt

Das Prinzip des Filmens beruht auf der Trägheit unseres Auges. Die einfachste Möglichkeit, dies zu demonstrieren, ist ein Daumenkino. Da das Auge die schnelle Aufeinanderfolge der Bilder nicht scharf voneinander unterscheiden kann, erscheint es für uns, als würden sich die Bilder fließend bewegen.

Wegbereiter der heutigen Filmkameras waren die Laterna Magica, die Zauberlaterne und das Wunderrad. Diese ersten Projektionsgeräte vermochten es bereits im 17. und 18 Jahrhundert, bewegte Bilder wiederzugeben. Durch Schlitze wurde Licht geworfen, die Wunderscheibe drehte sich, und so erschien es, als würden sich die auf der Innenseite befindlichen gemalten Bilder bei der Projektion bewegen. 1872 gelang es Edward Muybridge erstmals, die Projektion eines echten galoppierenden Pferdes wiederzugeben. Die Mutter aller weiteren Filme war geboren.

1888 wurde die erste eigentliche Filmkamera von Louis Le Prince entwickelt. Fast synchron erfanden aber auch weitere Pioniere der Filmtechnik, wie Green, Dickson und Acres, Kinegeräte, die auf einem ähnlichen Prinzip beruhen. Bewegte Bilder wurden in sehr kurzer Folge, mindestens fünfzehn pro Sekunde, aufgenommen und anschließend wiedergegeben. 1895 konnte schließlich der erste Stummfilm der Welt präsentiert werden. Etwa zur gleichen Zeit startete die Produktion der ersten Zelluloid-Filme, und ein eigener Wirtschaftsbereich entstand.

Den allerersten Tonfilm konnten Cineasten dann 1928 bewundern. Die Zuschauer waren begeistert, und eine neue Epoche, das Goldene Zeitalter Hollywoods, hatte begonnen. In Deutschland startete 1935 das erste Fernsehprogramm, welches umständehalber allerdings sehr zu Propagandazwecken des NS-Regimes missbraucht wurde. Amateurkameras wurden bereits seit 1900 entwickelt, war jedoch technisch nicht ausgereift und eine sehr kostspielige Anschaffung.

Bewährte Technik – das Aufbauprinzip einer analogen Filmkamera

Die Hochzeit der analogen Amateurfilmkamera war zwischen 1936 und 1976 anzusiedeln. In dieser Zeit kam es zu zahlreichen Weiterentwicklungen und technischer Neuerungen. Dennoch bestehen alle analogen Filmkameras grundsätzlich aus dem gleichen Aufbau und verwenden ein und dasselbe Prinzip.

Bestandteile einer Filmkamera sind das lichtdichte Gehäuse, die Optik – bestehend aus Objektiv und Sucher –, ein Filmantrieb mit integriertem Umlaufverschluss und schließlich eine Vorrichtung, um den Film abzuspulen beziehungsweise aufzuwickeln. Erste Kameras waren große Kästen aus Holz, die später von Metallgehäusen abgelöst wurden. Der Film befand sich in einem wechselbaren Magazin, die Filmkassette oder Tageslichtspulen genannt wurden. Erste Filmkameras mussten noch per Hand, durch das Drehen einer Kurbel, bedient werden. Später übernahm dies ein Elektromotor. Begriffe wie "einen Film drehen" oder "Dreharbeiten" sind Relikte aus der Zeit der Handkurbel.

Mit Weiterentwicklungen wollte man vor allen die Größe der Kameras verringern und die Technik verbessern. Das Bild sollte möglichst ruhig laufen, ferner flimmerfrei und scharf abgebildet werden. Das Geräusch, das die ersten Kameras bei Aufnahmen machten, sollte möglichst reduziert werden. Dies gelang ab 1960 mit dem geräuschlosen Lauf. Weiter sollten insbesondere Amateurkameras leichter, kleiner und angenehmer in ihrer Bedienung werden. Die 1937 entwickelte Spiegelreflextechnik ermöglichte es erstmals, während der Bedienung der Filmkamera eine seitenrichtige Abbildung der momentanen Aufnahme durch den Sucher zu betrachten.

Die große Zeit der Schmalfilmkameras – heute begehrte Sammlerobjekte

Die erste Schmalfilmkamera, genannt Pathé-Baby, kam Weihnachten 1921 auf den Markt. Sie wurde mit einem 9,5-Millimeter-Sicherheitsfilm verwendet. Kurz darauf, im Jahre 1923, erschien die Victor Cine für Filme mit einer Breite von sechzehn Millimetern. Fast zeitgleich kam die Bell & Howell Filmo und ein Jahr später, 1924, die Ciné-Kodak heraus. Die Schmalfilm-Kamera Ciné-Nizo erschien 1925 und war die erste eines europäischen Herstellers. Bis dahin dominierten Amerikaner den Schmalfilm-Markt.

Bis heute sind Kameras der Schweizer Firma Bolex International im Angebot. Das Traditionsunternehmen brachte ab den dreißiger Jahren die Bolex-H-Modelle auf den Markt, welche über einen Federwerk-Motor, ein mechanisches Antriebssystem, verfügten. Sie waren aufgrund ihrer Handlichkeit und einfachen Bedienung beliebte Apparate auf dem Amateursektor.

Doch obwohl Sechzehn-Millimeter-Filme ursprünglich für den privaten Gebrauch konzipiert wurden, erfreute sich dieses Format auch im professionellen Bereich großer Beliebtheit. Besonders Dokumentarfilmer schätzten die unkomplizierte Handhabe der Schmalfilme und setzten diese für ihre Berichterstattungen bis in die achtziger Jahre ein. Es ist nur all zu nachvollziehbar, dass sich immer mehr Hersteller auf dieses Format spezialisierten. Einige bekannte Hersteller waren Zeiss (D), Siemens & Halske (D), Agfa (D), Arco (J), Mitchell (USA) und Bell (USA). Zur Wiedergabe der 16-Millimeter-Filme sind kompatible Projektoren nötig.

Kameras mit Kultstatus – Arriflex-Modelle von Arnold & Richter

Marktführer waren lange Zeit die Kameras des Münchner Unternehmens Arnold & Richter. Mit der Arriflex-Reihe brachte der Hersteller die ersten Spiegelreflex-Filmkameras auf den Markt. Der erste Einsatz einer Arriflex war 1936 in Berlin. Leni Riefenstahl benutzte diese Kamera, um die olympischen Spiele effektiv für Propaganda-Zwecke in Szene zu setzten. Auch während des Krieges war sie die Kamera schlechthin zur Berichterstattung von der Front und für die Wochenschau. 1937 kam die Normalfilmkamera dann auch für den Privatgebrauch in den Verkauf. Bis heute ist sie auf ihrem Gebiet in Sachen Handlichkeit und Kompaktheit unübertroffen. Sie verfügt über einen seitlich angebrachten Stab-Elektromotor, Handgriffe und einen Revolverkopf für bis zu drei Objektive.

Ab 1952 wurde die Arriflex 16 verkauft – ein wahrer Tausendsassa, was die Verwendbarkeit anbelangt. Dokumentarfilme, der einfache private Gebrauch, aber auch künstlerische Trick- und Zeitlupenaufnahmen sind mit ihr zu realisieren. Nicht verwunderlich, dass sie die meist genutzte Schmalfilmkamera der fünfziger und sechziger Jahre war. Später wurde die Arriflex 16 mit dem Kürzel ST versehen, welches für "Standard" steht. Liebevoll wird sie von Sammlern auch gerne "die Stumme" genannt, da ihr Antriebsmotor ziemlich laut ist. Nachfolgemodelle, wie die 16 BL – ideal für den Stativbetrieb – und die 16 SR, behoben das Geräuschproblem. Die SR gilt als Nonplusultra unter Schmalfilm-Freunden. SR steht hier für Silent Reflex, und in der Tat ist sie extrem leise im Betrieb.

Legendär sind auch die französischen 16-Millimeter-Kameras Eclair NPR und später die ACL. Letztere hatte zusätzlich einen Pendelspiegel für den Reflexsucher verbaut, war aber sündhaft teuer. Mit ihr waren auch zum Film synchrone Tonaufnahmen möglich.

8-Millimeter-Kameras – ein Format tritt seinen Siegeszug an

Das in den dreißiger Jahren entwickelte Normal-8-Format der Firma Kodak wurde bald vom bekannten Super-8-Film abgelöst. Um Kosten zu sparen, wurde damals ein 16-Millimeter-Film nur jeweils zur Hälfte belichtet, sodass man doppelt so lange drehen konnte. Dieses Kriterium sorgte dafür, dass 8mm-Filme rasch die Beliebtheit des 16mm-Formats überstiegen und doppelt so häufig verkauft wurden. Die Kameras wurden noch handlicher und kleiner, und die Kosten für Filme und Apparate verringerten sich radikal. Erst mit der Normal-8-Filmerei wurde das Hobby für jedermann erschwinglich. Eventuell erinnern Sie sich noch an die Bauer 88B, Pentaflex 8 oder Elmo 8, mit der Ihr Vater einmalige Familienerinnerungen festhielt?

In den Sechzigern trat der Super-8-Film seinen Siegeszug im privaten Bereich an. Zwanzig Jahre lang war es das gängigste Medium, Familienfeste und private Erinnerungen auf Film zu bannen. Die Kassetten der Super-8-Filme ließen sich leicht wechseln, auch absolut Nicht-Kundige konnten von nun an eine Kamera bedienen.

Hersteller wie AGFA, Bauer, Canon und Leitz boten günstige Modelle an, die auch in den damals sehr beliebten Versandkatalogen für rund 100 DM zu bestellen waren. Zur Wiedergabe benötigt man spezielle Super-8-Projektoren, die noch heute zusammen mit alten Filmkameras als Sammlerobjekte gehandelt werden. Nicht selten können Sie sogar original verpackte Super-8-Filme erwerben. Bekannte Produktbezeichnungen für Filme sind der klassische Kodachrome 40, Agfachrome 40 oder sein Pendant Revue Superchrome 40.

Videokameras lösten das Super-8-System ab – das digitale Zeitalter

Als in den achtziger Jahren die ersten Videokameras auf den Markt kamen, war das Ende des Super-8-Films eingeläutet. Dennoch kann man, wie bereits zu Beginn beschrieben, bei den ersten Geräten nicht von digitaler Technik sprechen. Erste Videokameras ließen nämlich noch keine digitale Bildbearbeitung zu, der aufgenommen Film konnte auch nicht direkt auf dem Gerät abgespielt werden. Lediglich das Medium, das eingelegte Videoband, konnte digital über ein TV-Gerät abgespielt werden. Die zusätzliche Anschaffung von Projektoren war seitdem nicht mehr vonnöten.

Videokameras der ersten Stunde sind die BMC-100 von Sony, das Nachfolgemodell Sony BMC-200 mit Autofokus, die handliche Siemens CVC-500 oder die JVC GR-C1. Jede der Kameras basiert auf dem VHS-System und sind gefragte Objekte bei Sammlern von Retro-Technik auf der ganzen Welt. Sind auch Sie dem Charme alter Filmkameras verfallen, lohnt es sich, Angebote und Schnäppchen bei eBay im Auge zu behalten. Der ein oder andere Dachbodenfund wird Sammlerherzen höher schlagen lassen.

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