Die fünf wichtigsten Unterschiede zwischen Marvel- und Mangacomics

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Comichefte erfreuen sich seit Jahrzehnten ungebremster Beliebtheit bei allen Altersschichten. Egal, ob epische Superhelden-Geschichten um Batman, Spiderman und andere ikonenhafte Figuren oder düstere Graphic Novels mit realistischem Anspruch. Und nicht zu vergessen sind natürlich auch klassische Disney Comics um Mickey Maus und Co. oder die Manga-Form, welche aus Japan kommend in den letzten Jahren die ganze Welt erobert hat. Comics sind vielfältig, abwechslungsreich und erfreuen ganz unterschiedliche Zielgruppen mit vielen verschiedenen Geschichten – mögen sie fantastischer oder realistischer Natur sein.

Ein umfassender Überblick über all die unterschiedlichen Formen der Bildgeschichten ist dabei gleichermaßen schwierig, wie herausfordernd. Comic-Hefte aus dem Hause Marvel erfreuen sich dabei seit langer Zeit enormer Popularität, Gleiches gilt für die Manga-Comics aus Japan. Doch natürlich lassen sich diese nicht über einen Kamm scheren. Der folgende Ratgeber soll daher zuerst auf die Geschichte der beiden Comic-Forme eingehen und anschließend die fünf wichtigsten Unterschiede herauskristallisieren, damit Sie wissen, worauf Sie beim Kauf zu achten haben.

Marvel-Comics – eine Legende auf dem Gebiet der Superhelden-Comics

Wann immer der Name Marvel irgendwo fällt, spitzen Comic- und Superhelden-Liebhaber weltweit die Ohren. Der in New York ansässige Verlag gilt seit seiner Gründung in den 1930er Jahren als wichtiger Name. Auf sein Konto gehen so bekannte Comic-Superhelden, wie Spiderman, X-Men oder die Fantastic Four. Mit Comic-Heften, Spielzeug und Kino-Verfilmungen hat Marvel Enterprises ein umfassendes Werk geschaffen, mit welchem sie verschiedene Bevölkerungsgruppen auf unterschiedliche Art und Weise ansprechen. Unterschiedliche Helden für vielfältige Geschmäcker – das Konzept ging und geht immer noch auf, der Erfolg gibt dem Unternehmen recht.

Zur Geschichte Marvels

Wie alle Erfolgsgeschichten hat auch das Marvel-Imperium einmal recht klein begonnen. Der Ursprung liegt im kleinen Verlag „Timely Publication" welcher 1934 von Martin Goodman gegründet wurde. Goodman sah damals recht schnell das Verkaufspotenzial von Superhelden-Comics und gründete 1939 mit „Timely Comics" eine eigene Abteilung dafür. Motiviert vom Erfolg des Konkurrenten DC und ihres Vorzeigehelden „Superman" wollte Goodman eine eigene Comic-Welt erschaffen. Im Oktober 1939 erschien dann auch das erste Heft aus der Reihe „Marvel Comics." Der Name leitete sich von „Marvel Science Stories," von dem Pulp-Comic ab. Hauptinhalt waren damals kleinere Comic-Geschichten, erste Superhelden traten aber bereits auf. Dank der guten Auflage des Heftes wurden weitere in Auftrag gegeben.

Captain America erblickt das Licht der Welt

In den kommenden Jahren baute Goodman das Unternehmen immer weiter aus. Mit den „Captain America"-Comics, erstmals veröffentlicht im März 1941, kreierte Timely damals seinen ersten Superhelden mit Massenkompatibilität, besonders während des Zweiten Weltkriegs. Nach Ende des Krieges ebbte die Euphorie von Comics in den USA deutlich ab. Alle Anbieter hatten mit Absatzproblemen zu kämpfen, erst in den 60er Jahren erholte sich die Szene wieder spürbar. Unter der Leitung des legendären Chefredakteurs Stan Lee kam es zum Umdenken bei Marvel und neue Konzepte und Comic-Ideen wurden getestet.

Die Fantastischen Vier, X-Men und Spiderman

Lee selbst war unzufrieden mit den standardisierten Comics, die er damals zeichnen musste, und wollte wieder spektakuläre neue Superhelden schaffen. Einmal mehr vom Konkurrenten DC und deren Justice League angestachelt entwickelte Lee das Superhelden-Quartett „Fantastic Four." Dies wurde ein ehrbarer Verkaufserfolg und Lee konzipierte zusammen mit anderen Autoren weitere Helden. Dazu zählte die Mutanten-Serie um die X-Men und vor allem Spider-Man, welcher erstmals im Jahr 1962 auftrat. Die Kombination von Helden mit Superkräften, die gleichzeitig aber auch mit Alltagsproblemen zu kämpfen haben, besaß erhöhtes Identifikationspotenzial und half auch, sich von der Konkurrenz abzugrenzen.

Tiefe Verankerung in der japanischen Geschichte – die Manga-Comics

Da die japanischen Manga-Comics erst seit kurzer Zeit auch außerhalb ihres Heimatlandes populär sind, denken viele Menschen, Sie seien eine noch recht junge Erfindung. Dieser Gedanke ist allerdings falsch, denn die speziellen Bildgeschichten sind bereits seit Jahrzehnten ein integraler Bestandteil der japanischen Kultur. Die allerersten karikaturistischen Zeichnungen von Tieren und Menschen finden sich in Japan schon im 8. Jahrhundert nach Christus wieder. Der Begriff als solcher kann auch mit  „spontanes Bild" übersetzt werden, abgeleitet von „man" (spontan) und „ga" (Bild). Bereits seit dem 18. Jahrhundert wird dieser Begriff benutzt, wenngleich ursprünglich noch nicht in Form einer zusammenhängenden Bildgeschichte, sondern vielmehr in Form einzelner Bilder mit teils lustigen, teils wissenswerten Darstellungen.

Die Vorläufer der Mangas

Die ersten weitverbreiteten und überaus beliebten Mangas stammen vom Zeichner Katsuhika Hokusai. Er veröffentlichte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert Mangabände mit Darstellungen des japanischen Lebens aus der Edo-Periode. Holzschnitte mit fortlaufenden Bildgeschichten, sogenannte Toba-e, erfreuten sich im 19. Jahrhundert bereits großer Beliebtheit bei den Japanern. In gezeichneter Form kamen die Bildgeschichten erst nach der Öffnung Japans im frühen 20. Jahrhundert auf. Als eine Art Blaupause dieser Zeit kann die die Erzählung „Tagosakus und Mokubes Besichtigung von Tokio" von Zeichner Rakuten Kitazawa aus dem Jahr 1902 bezeichnet werden. Diese Geschichte gilt als eigentliche Geburtsstunde des japanische Manga-Comics, zumindest im Verständnis heutiger Comic-Formen.

Mangas erobern den Markt

In den darauffolgenden Jahrzehnten setzen sich Mangas, trotz Protesten seitens der Regierung, immer mehr durch und wurden dabei auch von äußeren Einflüssen entscheidend mitgeprägt. So lieferten auch das amerikanische Comicgenre um Walt Disney und der europäische Film des Expressionismus Inspiration für die Geschichten. Im Jahr 1947 erschien das erste japanische Comicheft „Manga Shonen". Der Siegeszug in der Heimat war danach nicht mehr aufzuhalten. Im Rest der Welt dauerte es etwas länger. Nach Europa kamen die Comics zunächst über Frankreich, wo bereits 1969 erstmals ein Manga käuflich war. Lange mangelte es an guten Übersetzungen der Hefte, in Deutschland dauerte es bis zum Jahr 1982, bevor mit „Barfuß durch Hiroshima" hierzulande das erste Manga veröffentlicht wurde. Ursprünglich noch spiegelverkehrt gedruckt, setzte sich die klassische Leserichtung – von rechts nach links – in den 90er auch international durch. Beliebte Reihen wurden „Akira", „Dragonball" oder „Sailor Moon."

Unterschied Nummer 1: Die Leserichtung

Ein grundsätzlicher Unterschied besteht in der Art und Weise, wie die Comics gelesen werden. In unserer westlichen Welt werden Bildgeschichten bekanntermaßen von links nach rechts gelesen, von vorn nach hinten. Bei Mangas ist dies genau anders herum. Man arbeitet sich von hinten nach vorne, liest von rechts nach links. Von oben nach unten wird dennoch ganz normal gelesen. Diese sehr gewöhnungsbedürftige Variante konnte sich erst nach einigen Startschwierigkeiten in der westlichen Welt durchsetzen. Während es für den Laien immer noch etwas seltsam anmuten mag, haben richtige Manga-Fans diese Eigenart längst in ihr Herz geschlossen.

Unterschied Nummer 2: Der Zeichenstil

Der Hauptunterschied bei der Betrachtung der einzelnen Figuren ist sicher der Look der Comics. Marvel-Helden verfolgen eine klare Linie. Trotz ihrer comichaften Superkräfte werden die Menschen in den Marvel-Comics stets als recht realistisch gezeichnet. Prinzipiell ist der Zeichenstil auch offengehalten. Unterschiedliche Illustratoren bringen verschiedene Einflüsse ein. Manga-Comics halten sich hingegen recht streng an den traditionellen Zeichenformen des Genres. Das manifestiert sich vor allem im Look der einzelnen Figuren. Während Mund und Nase außergewöhnlich klein sind, haben die Charaktere besonders große und ausdrucksstarke Augen, was ihnen auch stets einen gewissen kindlichen Look beschert.

Liebevolle Details wie die Pupillen helfen zusätzlich bei der emotionalen Charakterzeichnung der Figuren. Auch das breite Spektrum von Haar- und Augenfarben ist charakteristisch für die Manga-Welt. Von realistischen Looks bis hin zu grell bunten Farben ist eigentlich alles möglich. Mangas lieben das Surreale und sehen diese Präsentationsform auch nicht als Aussage über Rasse und Herkunft.

Unterschied Nummer 3: das expressionistische Auftreten

Wenngleich es natürlich in Comic-Heften selten hundertprozentig realistisch zugeht, gibt es auch beim Verhalten der Figuren von Marvel- und Manga-Heften unterschiedliche Grundkonzepte. Besonders dem Darstellen von Gefühlen kommt bei den japanischen Heften eine intensivere Rolle zu, während sich die US-amerikanischen Kollegen etwas distanzierter geben. Spezielle Symbole und abstrahierte Körperformen helfen bei der Darstellung von Gefühlen im japanischen Comic. Regt sich eine Figur beispielsweise auf, werden aus den Pupillen gern einmal Kreuze. Auch vergrößern sich bestimmte Körperteile und werden als „super deformed" dargestellt.

In diesem Moment lösen sich Mangas bewusst vom korrekten und anatomisch einwandfreien auftreten und werden surreal und überzeichnet. Das kommt bei den Comic-Helden von Marvel nur recht selten vor, in den klassischen Heften sowieso nicht. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das System ein wenig gelöst und auch Mangas scheinen dabei einen Einfluss auf die westliche Comic-Welt zu haben. Dennoch hält sich der grad der expressionistischen Emotionen primär in Grenzen und es wird wesentlich mehr Wert auf lebensnahe Genauigkeit gelegt.

Unterschied Nummer 4: Vielfältige Zielgruppen

Mangas und Marvel-Comics bedienen ganz unterschiedliche Zielgruppen. Das sind natürlich in erster Linie jüngere Generationen, welche von Natur aus offener sind für die Geschichten. Dennoch bedienen gerade Mangas nicht nur die Kleinsten der Kleinen. Besonders im Anime-Segment, der Trickfilm-Variante des Comics, haben sich Unterschiede breit gemacht. So gibt es Trickfilme und Comics mit ernsten Themen, die sich beispielsweise mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs und dem japanischen Trauma auseinandersetzen. Hier wird ein großer Wert auf Realismus gelegt. Auf der anderen Seite gibt es mit der Sonderform Hentai auch einen Bereich, welcher die Mangas aus einer erotischen und teilweise auch pornografischen Sicht betrachten. Bei den Marvel-Comics gibt es so etwas nicht. Hier bedienen vor allem aufwendige Graphic Novels die gestiegenen Ansprüche älterer Leser.

Unterschied Nummer 5: Kontinuität und Übersichtlichkeit

Von vielen Manga-Fans wird zusätzlich die Kontinuität und Langlebigkeit von Serien und Stilen geschätzt. Zeichner und Figuren bleiben einer Serie dauerhaft treu, Handlungen bleiben klar und strukturiert. Bei den langlebigen Comic-Serien um Marvel wechseln Autoren und Illustratoren recht häufig und bedingen damit meist auch einen Stilwechsel. Außerdem tendieren die unzählige Cross-Over-Hefte und Parallelgeschichten dazu, dass einem dabei schon einmal die Übersicht verloren gehen kann. Die Manga-Comics geben sich hier besonnener und übersichtlicher.

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