Die Z1 von Konica-Minolta - Gebrauchtkauf ohne Reue?

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Die Z1 ist seit einiger Zeit nicht mehr unter den als Neuware angebotenen Kameras. Wer den Gebrauchtkauf über eBay in Erwägung zieht findet es vielleicht hilfreich, einen Erfahrungsbericht lesen zu können, der auf Schönfärberei verzichtet und den Schwächen ihren Platz einräumt.

Einen solchen Bericht möchte ich schreiben - wobei mir die Aufzählung technischer Daten nicht wichtig ist. Die kriegen Sie bestimmt auch woanders her.

Zuerst möchte ich betonen, daß man mit dieser Kamera sehr, sehr gute Aufnahmen hinbekommen kann, was ja nicht selbstverständlich ist.  Die Abbildungseigenschaften der Optik sind sehr gut, mir sind keinerlei Verzeichnungen oder sonstige Unregelmässigkeiten aufgefallen. Auch die Umsetzung des optischen Bildes in elektrisch speicherbare Form gelingt gut. Weitgehende Farbtreue und ein guter Kompromiß zwischen Schärfe und Nuancierung sind im Normalmodus gegeben (über das Menue sind auch andere Voreinstellungen für Spezialaufgaben aufrufbar!). Die Auslöseverzögerung ist gering.

Was diese Kamera (bzw. diese Modellreihe von Minolta) im Besonderen kennzeichnet, ist der elektronische Sucher. Positv ist nicht nur, daß dieser sehr schnell reagiert bei Änderung der Distanz oder der Beleuchtung. Überdies zeichnet er ein überaus realistisches Bild - sowohl was den tatsächlichen Bildausschnitt anbelangt als auch die Differenziertheit und Farbtreue. Grund dafür ist das  Prinzip der Umlenkung des sonst auf dem Display angezeigten (mit dem tatsächlich aufgenommenen Bildausschnitt weitestgehend übereinstimmenden) Bildes. So hat der Hersteller die Vorteile eines Suchers mit denen eines Displays kombiniert - und der Käufer erhält quasi eine SLR-Kamera in Light-Version.

Im normalen Aufnahmebetrieb unter Nutzung der vielgestaltigen Vollautomatisierung ist die Handhabung völlig problemlos, einzig den Auslöser würde ich mir in Anbetracht seiner Bedeutung etwas anders gestaltet wünschen. Gelegentlich muss man ihn erst ertasten, denn die an sich ergonomisch nicht unüberlegt gebaute Kamera ist doch erheblich leichter und kleiner, als es dem jahrzehntelang gewachsenen Fotografierfeeling entspräche. 

Die Anmerkung über den Auslöser  kann eigentlich auf alle weiteren Taster auf dem Gehäuse ausgedehnt werden. Leider muss man die Kamera zwischendurch immer wieder vom Auge nehmen für einen Blick zur Kontrolle, ob denn der gerade ertastete Bedienknopf auch der beabsichtigten Funktion wirklich dient. Das ist schade, weil es die Illusion trübt, eine echte kleine Spiegelreflexkamera mit "blinder" Bedienbarkeit zur Verfügung zu haben.

Trotzdem: Besondere Aufnahmesituationen können mit der Z1 gut gemeistert werden! Man muss sich für die entsprechenden Voreinstellungen allerdings etwas Zeit nehmen, denn fast alle sind nur durch umständliches Blättern im Menue erreichbar. Es gibt zwar eine frei belegbare Funktionstaste auf der Oberseite - aber wer weiß schon im Voraus, welche fotografische Herausforderung sich als nächste zeigt...

Mangelhafte Funktionen sind selten bei diesem kleinen Wunderwerk, es gibt sie aber. Es sei dahingestellt, ob der Fehler nur bei meiner Kamera aufgetreten ist (auch nach Reparatureinsendung zu Minolta weiterbestehend) oder doch ein konstruktorischer Schwachpunkt: Der Autofokus funktioniert bei schwachem Licht sehr schlecht! Meiner Ansicht nach liegt das Problem darin, daß der Autofokus schneller arbeitet als der Restlichtverstärker, infolgedessen muss man entweder etliche Versuche unternehmen, einen gleichweit entfernten, kontrastreichen Punkt zu finden, um die dort gewonnenen Einstellungen bei halbgedrücktem Auslöser zu übertragen (was natürlich auch die Belichtungseinstellung betrifft - evtl. sehr unpassend...), oder man schaltet um auf die bei schlechtem Licht auch nicht einfache manuelle Fokussierung.

Auch die Belichtungssteuerung bei Blitzaufnahmen lässt etwas zu wünschen übrig. Hier empfiehlt es sich, die Messung der Lichtverhältnisse auf "Spot" umzustellen und damit der Kamera zu signalisieren, auf was im Bild man wert legt. Andernfalls erhältman mit hoher Wahrscheinlichkeit Unterbelichtungen.

Generell lässt sich sagen, daß Digitalkameras mit starken Kontrasten schlecht umgehen können. Beim Fotografieren mit Blitz lassen sich starke Kontraste aber nur vermeiden, wenn man bei der Wahl des Bildausschnitts darauf achtet, daß sich keine hellen oder anders reflektierende Flächen darin befinden. Allein der Helligkeitsabfall zwischen dem vorderen Teil und dem hinteren Teil einer in die Tiefe gestaffelten Aufnahmesituation bei Blitznotwendigkeit überfordert diese Kamera (so wie viele andere vermutlich auch). Wirklich gelungene Blitzaufnahmen sind eher selten gewesen bei mir.

Nicht nur aus diesem Grund empfiehlt sich, immer ein kleines Stativ bei sich zu haben.  Man kann dann aus dem Feature "Blitz mit Langzeitsynchronisation" einen gewissen Nutzen ziehen (solange die Motive stillhalten!). Hierbei agiert die Kamera mit automatisch gesteuerter langer Belichtungszeit (also begrenztem Kontrast) und einem zwischenzeitlichen Blitz geringerer Intensität. Für die Bildqualität ist es dienlich, aber es müssen halt alle still halten (so wie ganz früher, als Blitze noch Feuerwerken ähnlich waren).

Ein Stativ ist auch dann sinnvoll, wenn man die Vorteile des zehnfachen!!! optischen Zooms nutzen will. Längere Zeit habe ich selbst mich der Illusion hingegeben, ich hätte eine ruhige Hand! Das mag auch sein, reicht aber bei 10-facher Vergrößerung bei weitem nicht!

Der Zoom funktioniert übrigens einwandfrei. Er ist recht schnell, einigermassen griffig zu bedienen - und hatte keinen einzigen Aussetzer in zwei Jahren.

Einen Aussetzer gab es übrigens bei meiner Kamera nach längerer Benutzung im Hallenbad. Vermutlich war die dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit dafür verantwortlich, daß das Display (und dadurch auch der Sucher) dunkel blieb.Nach ein oder zwei Tagen war das Display aber wieder hell, und eine Einsendung zur Reparatur konnte unterbleiben.

Allerdings hat ein nicht mehr aus der Arretierung lösbarer Batteriefachdeckel dann eine solche Einsendung doch nötig gemacht.

Das Gehäuse ist schon etwas wackelig in sich, das muss man leider sagen - und der Batteriefachdeckel ist bei normalem Betrieb eines der am stärksten beanspruchten Teile. Das soll nicht heißen, daß die Kamera besonders viel Energie frisst! Eher ist das Gegenteil der Fall. Wenn man weitgehend auf die Displaydarstellung verzichtet und den Sucher benutzt, wird man angesichts der "Motorisierung" (Zoom und Autofocus und Objektiv) verwundert sein, daß auch nach einigen Fotos immer noch was geht. Der Übergang vom "Gehen" zum "Nichtmehrgehen" kommt allerdings abrupt. Fast hätte man sich die Batteriestandsanzeige sparen können, die erst dann rot wird, wenn schon das von selbst einfahrende Objektiv gnadenlos den Schluß der Aufnahmesession signalisiert.

 

FAZIT:

Die Z1 ist ein kleines technisches Wunderwerk in billiger Verpackung. Bei gutem Licht und draußen macht sie wunderbare Aufnahmen, für deren Gelingen sorgt eine umfangreiche Automatik - die nicht nur den "Ab-und-zu-Knipsern" sehr willkommen ist.

Darüber hinaus bietet die Z1 umfangreichste manuelle Einstellmöglichkeiten. Diejenigen Menschen, die die Mühe der etwas umständlichen "manuellen" (menueellen) Einstellarbeit nicht scheuen, werden mit Fotos belohnt, die so aussehen, wie man es sich gewünscht hat. Aber auch schwierigen Aufnahmeverhältnisse kann man so mit Geduld noch brauchbare Fotos abtrotzden.

Wegen  ihres "billigen" Plastikgehäuse muss man sorgsam mit ihr umgehen; Feuchtigkeit verträgt sie schlecht, Kälte besser (keine Probleme bei -7 Grad), empfindlich gegen Kratzer!

Deutliche Schwachpunkte sind der Batteriefachdeckel und ein leider nicht gut durchkonstruiertes Autofokus/Restlichtverstärkungssystem.

Auch nach zwei Jahren häufiger Benutzung ist meine Kamera noch gut "im Schuß". Aufgrund Ihrer optischen Fähigkeiten, der Einstellmöglichkeiten und ihrer Verlässlichkeit ist sie auch als Gebrauchtgerät eine Empfehlung wert, besonders für diejenigen eBayer, die etwas mehr vorhaben als ausschließlich "Schnappschüsse".

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