Die Top 10 der Erstausgaben von Olympia Press

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Die Top 10 der Erstausgaben von Olympia Press

Eine kurze Geschichte des Olympia Press Verlags

Der englischsprachige Verlag Olympia Press wurde 1953 in Paris (Frankreich) von Maurice Girodias, dem Sohn des Schriftstellers und Verlegers Jack Kahane, gegründet. Er sah seinen Verlag in einer langen Tradition kontinentaler Verlagshäuser, die sich als Vorreiter für zensuranfällige Literatur betrachtet haben. Dies war für ihn sowohl Pornographie beziehungsweise erotische Literatur als auch seriöse avantgardistische Dichtung. Nicht umsonst stand auf der Agenda des neu gegründeten Verlages als einziger Punkt der Vorsatz, dass alle guten und schlechten Bücher gedruckt werden würden, denen Unterdrückung durch die angloamerikanische Zensur widerfuhr. Was für seinen Vater Anais Nin oder Lawrence Durell sowie seine eigenen erotischen Werke waren, stellten für Maurice Girodias Schriftsteller wie Samuel Beckett, William S. Burroughs, Vladimir Nabokovs und andere dar. Diese und weitere Werke aus dem Olympia Press Verlag können Sie bei eBay finden.

Die „Traveller's Compagnion“-Serie

Das Publikum im europäischen Standort setzte sich zu großen Teilen aus englischen und amerikanischen Touristen sowie in Europa stationierten Infanteristen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten Amerikas zusammen. Um den Vorlieben ihrer Besucher gerecht zu werden, hielten sie ihre in den amerikanischen Künstlerkolonien von Paris lebenden Schriftsteller-Kollegen zum Schreiben besonders drastisch-erotischer Erzählungen an. So entwickelte sich die Reihe der mit dünnen, grünen Taschenbüchern bestückten „Traveller's Compagnion“-Serie, die als Reisebegleiter problemlos ins Handgepäck oder auch die Jackentasche passten. Mit der Verbesserung der Zensurbestimmungen in den USA verließ Maurice Girodias 1964 Paris, um von nun an in New York zu leben und zu arbeiten. Der deutsche Ableger der Olympia Press wurde 1968 von Jörg Schröder in Westdeutschland gegründet. Er benutzte diesen wirtschaftlich sehr erfolgreichen, rein pornografischen Verlag, um sein literarisch und politisch anspruchsvolles März-Verlagshaus zu finanzieren.

Vladimir Nabokov unter den wichtigen Erstausgaben von Olympia Press

Von dem russisch-amerikanischen Schriftsteller Vladimir Nabokov ist sein Werk „Lolita“ als bekanntestes zu werten. Schon in den 1940er-Jahren entstanden, gelangte es erst durch die Publikation im Olympia Press Verlag 1955 an die Öffentlichkeit. In den USA, in denen Nabokov seit 1941 mit seiner Frau lebte, ließ sich zuvor kein Verleger finden. Als Hauptgrund mag hierfür die besonders in den prüden 1950er Jahren heikle Thematik gelten: In dem Buch „Lolita“ geht der hebephile (Hebephilie = eine erotische und sexuelle Präferenz zu pubertierenden Jungen respektive Mädchen) Ich-Erzähler Humbert Humbert eine sexuelle Beziehung mit seiner zwölfjährigen Stieftochter Dolores ein. Diese Beziehung, die zunehmend gewaltsam wird, schließt eine von Humbert erzwungene zweijährige Odyssee der beiden als „Vater und Tochter“ durch die USA ein. Am Ende gelingt es Dolores, zu entfliehen.

Nach einer sehr positiven Besprechung durch den britischen Schriftsteller Graham Greene wurde der Roman 1958 auch in den USA veröffentlicht. Sehr bald wurde das Werk zum Bestseller und Vladimir Nabokov zu einem berühmten Schriftsteller, dessen Werke Sie – einschließlich des Titels „Lolita“ – bei eBay erwerben können. Die offizielle Erstausgabe bei Olympia Press bestand aus zwei Bänden im Taschenbuchformat.

J. P. Donleavys Werk im Olympia Press Verlag

Der irisch-amerikanische Schriftsteller James Patrick Donleavy – auch als J.P. Donleavy bekannt – schrieb überwiegend humoristische Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Sachbücher. Weitreichende Bekanntheit erlangte er aber mit seinem ersten Roman, der unter dem Titel „The Ginger Man“ 1955 als Nummer 7 der „Traveller's Companion“-Serie im Olympia Press Verlagshaus veröffentlicht wurde. In den USA und Irland wurde der Titel direkt nach seinem Erscheinen aufgrund obszöner Inhalte verboten. Dennoch gilt das Buch als einer der einhundert besten Romane des 20. Jahrhunderts und hat bis 2010 bereits rund 45 Millionen Exemplare verkauft. Inhaltlich folgt es den oftmals gewagten bis anzüglichen Missgeschicken des jungen Amerikaners Sebastian Dangerfield, der mit seiner englischstämmigen Frau sowie deren kleinen Tochter in Dublin lebt und Rechtswissenschaft am Trinity College studiert. Außerdem bietet das Buch einen Einblick in die unbeschriebenen Gebiete sexueller Erfahrungen in den späten 1940er Jahren Dublins.

Die Frau in den frühen Ausgaben von Olympia Press – Pauline Réage

Für gewöhnlich arbeitete die Lektorin und Schriftstellerin Anne Declos unter ihrem eigenen Namen – oder unter ihrem Pseudonym Dominique Aury. Bei der „Geschichte der O“ – im englischen Original unter dem Titel „Story of O“ publiziert – legte sie sich allerdings einen weiteren Namen zu: Pauline Réage. Parallel im französischen Original als „Histoire d'O“ durch den Verleger Jean-Jacques Pauvert und in unautorisierter englischer Übersetzung unter dem Titel „Story of O“ von Maurice Girodias in seinem Verlag Olympia Press herausgegeben, erzielte der Roman zunächst keine großen finanziellen Erfolge. Die rare erste Edition der Olympia Press kam mit violettem Umschlag auf 187 Seiten mit einem Vorwort von Jean Paulhan heraus. Die offizielle Ausgabe im Olympia Press Verlag folgte 1965. Durch die explizite Thematik der weiblichen Unterwerfung im sexuellen Kontext und darüber hinaus erregte das Buch allerdings schon bald ungeheures Aufsehen und wurde trotz oder gerade wegen seines Stempels als Skandalwerk ein Bestseller in Frankreich und zeitweise der meistverkaufte französische Roman außerhalb von Frankreich. Zusätzlich übte das Werk großen Einfluss auf die Entwicklung der erotischen Literatur als solche aus und gilt darüber hinaus als einer der bekanntesten sadomasochistischen Romane weltweit. Ältere und auch neuere Fassungen des Werkes finden Sie auf eBay.

William S. Burroughs im Verlagshaus Olympia Press

Der Titel „Naked Lunch“ von William S. Burroughs gilt als einer der bedeutendsten Titel der Beat Generation, eine US-amerikanische Literaturströmung der 1950er-Jahre. „Naked Lunch“ selbst – das Sie bei eBay erhalten können – erschien erstmals 1959 im Pariser Olympia Verlag und rief bald nach Erscheinen einen Skandal und zeitweilige Publikationssperren hervor. Dies resultierte aus den geschilderten Obszönitäten, womit primär Kindesmord und Pädophilie gemeint waren. Zusätzlich zu diesen Themen behandelte der Roman unkonventionell und radikal verpackt Tabuthemen der 1950er-Jahre wie Drogensucht und -verkauf sowie Homosexualität, Gewalt und Wahnsinn inklusive der Kritik an den damaligen Psychiatrien.

Terry Southern als Teil der wichtigen Erstdrucke von Olympia Press

Der US-amerikanische Schriftsteller, Essayist, Drehbuchautor und Hochschullehrer Terry Southern war sowohl Teil der literarischen Bewegung der Pariser Nachkriegszeit als auch der Beat Generation in Greenwich Village (New York, USA). Außerdem bewegte er sich im London der Swinging Sixties. Sein Roman „Candy“, der in seiner frühen Zeit auch unter dem Titel „Lollipop“ bekannt war, erschien 1958 im Olympia Verlag als Taschenbuch – zunächst unter Terry Southerns Pseudonym Maxwell Kenton zusammen mit Mason Hoffenberg. In der späteren deutschen Übersetzung trägt das Werk den Titel „Candy oder Die sexte der Welten“. Mit schwarzhumorigem und teils absurdem Stil geht der Leser – auf Vorlage von Voltaires „Candide“ - zusammen mit dem College-Mädchen Candy auf eine Reise, die sie durch ihren Wunsch, anderen zu helfen, in die absurdesten sexuellen Situationen bringt.

Wichtige Erstveröffentlichungen des Autors Samuel Beckett bei Olympia Press

Aus dem Schriftwerk des irischen Schriftstellers Samuel Barclay Beckett, der 1969 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, sind gleich mehrere Werke in ihrer Erstausgabe beim Olympia Verlag erschienen. Die Rede ist von den Titeln „Molloy“ (1951), „Malone Dies“ (1951), „The Unnamable“ (1953) und „Watt“ (1954), die Sie auch bei eBay entdecken können. In der Trilogie, die aus den Romanen „Molloy“, „Malone Dies“ (deutsch: „Malone stirbt“) und „The Unnamable“ (deutsch: „Der Namenlose“) besteht, verwendet Beckett zum ersten Mal in seiner Schriftsteller-Karriere die Ich-Perspektive mit dem Hauptcharakter Molloy, von dessen geistigem und körperlichem Verfall der Leser Zeuge wird. Diese Thematik wird auch in den folgenden Bänden – allerdings durch den Charakter des Agenten Jacques Moran – fortgeführt. Im Gegensatz zum Hauptteil des Katalogs von Olympia Press zählen diese Werke nicht zur erotischen Literatur.

Titel von Henry Miller unter den Erstausgaben des Olympia Press Verlages

Die von dem US-amerikanischen Maler und Schriftsteller Henry Valentine Miller im Olympia Press Verlagshaus erschienenen Werke „Sexus“ (1949), „Plexus“ (1953) und „Nexus“ (1960) stellen sein dreibändiges Werk „The Rosy Crucifixon“ dar. Dieses enthält seine früheren Erlebnisse und Abenteuer und lässt sich als Autobiographie, Tagebuch intimsten Erlebens sowie leidenschaftlicher Selbsterkenntnis beschreiben. Die sprachliche Offenheit seiner erotischen Beschreibungen führte in den USA und Großbritannien zu einem Verbot seiner Bücher bis in die 1960er-Jahre. In anderen Ländern, wie beispielsweise Frankreich, war sein Werk „Sexus“ 18 Jahre nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Raymond Queneaus Erstlingswerk bei den Erstpublikationen von Olympia Press

Hinter dem Titel „Zazie in der Metro“, im französischen Original „Zazie dans Le Métro“, versteckt sich ein vom französischen Dichter und Schriftsteller Raymond Queneau verfasster Roman. Dieser ist 1959 in der Serie „Traveller's Compagnion“ bei Olympia Press erschienen und stellt den Durchbruch für Queneaus Schaffen dar – zudem gehört er zu den auflagenstärksten Werken der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Hier stehen die Abenteuer eines Landmädchens in Paris im Mittelpunkt, deren Hauptthemen sich zwischen der Frage nach Schein und Sein und Sexualität bewegen. Die Hauptfigur Zazie erlangte mit ihren Zügen der heutigen französischen Folklore als nationale Institution auch über den Roman hinaus Popularität.

Werke des Schriftstellers Jean Genet im Verlagshaus Olympia Press

Zu den ersten Werken des französischen Romanautors, Dramatikers und Dichters Jean Genet gehört das Werk „Notre-Dame-des-Fleurs“, das dieser damals im Gefängnis schrieb. Veröffentlicht wurde der Roman unter dem Titel „Our Lady of the Flowers“ 1944 als Teil des „Traveller's Compagnion“ bei Olympia Press, obwohl ihm zuvor aufgrund der freizügig homosexuellen Darstellungen von einer Veröffentlichung abgeraten wurde. Das 1949 erschienene Werk „The Thief's Journal“ – im französischen Original „Journal du voleur“ – beleuchtet in einer fiktionalen Umgebung Genets Erlebnisse in Frankreich, Tschechien und Deutschland in den 1930er und 1940er Jahren – unter anderem seinen Gefängnisaufenthalt sowie seine Beziehungen zu verschiedenen Männern.

George Bataille unter den Autoren des frühen Olympia Press Verlags

Zuerst 1929 anonym unter dem Titel „Story of the Eye“ veröffentlicht, wurde das Werk des französischen Schriftstellers Georges Bataille als „A Tale of Satisfied Desire“ 1953 vom Olympia Press Verlag in den Katalog aufgenommen und erneut herausgegeben. Das Buch schildert mit Einblicken in Exzesse und Extreme sowie verbotenen Leidenschaften die dunkleren Seiten der Erotik. Auch in seinem weiteren literarischen Werk lässt sich dekadente und erotische Prosa finden – neben theoretischen Schriften über Politik, Ökonomie, Soziologie, Anthropologie, Kunstgeschichte und Philosophie sowie Atheologie.

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